Ostseebestände 2026 aktualisiert

Die Bestandsberechnung für Dorsch der östlichen Ostsee wurde aufgrund der unsicheren und fehlenden Eingangsdaten nochmals herabgestuft. Sie basiert nun auf einem Biomasse-Index aus zwei Forschungsreisen (Surveys). Die Situation des Bestandes hat sich 2026 nicht verbessert. Der ICES ist weiter nicht in der Lage, eine Fangmenge zu identifizieren, die eine Erholung des Bestands ermöglichen würde. Die gerichtete Fischerei wird daher auch für die kommenden Jahre geschlossen bleiben. Die ohnehin geringen Beifangmengen in EU-Fischereien haben sich weiter reduziert. Die nächste Begutachtung ist für 2028 vorgesehen.

Die Bestandsberechnung von Hering der westlichen Ostsee wurde Ende 2025 einer eingehenden Prüfung unterzogen („Benchmark“). Dabei wurden u.a. Indices aus Forschungsreisen, Fangmengen und die natürliche Sterblichkeit neu berechnet. Dies führte zu einer geänderten Wahrnehmung der Laicherbiomasse und der Nachwuchsproduktion. Der Bestand wird nun fast doppelt so groß wie in der alten Berechnung eingeschätzt. Da gleichzeitig die Referenzpunkte für die Biomasse in ähnlicher Größenordnung angepasst wurden, ist die relative Situation jedoch unverändert. Der Bestand liegt weiterhin weit unter dem Limit-Referenzwert für die Laicherbiomasse (Blim), also tief im roten Bereich (jetzt bei 56 % von Blim, im Vorjahr bei 52 %). Die Referenzwerte für die fischereiliche Sterblichkeit wurden im Rahmen des Benchmarks drastisch reduziert, die Sterblichkeit liegt aber weiterhin unter den Referenzwerten. Die Bestandsberechnung wird nur noch alle zwei Jahre durchgeführt, die Fangempfehlung ist daher auch für zwei Jahre gültig. Da keines der möglichen Fang-Szenarien bis Anfang 2029 zu einem Anwachsen des Bestandes über Blim führt, empfiehlt der ICES auf Basis des MSY-Konzeptes im neunten Jahr in Folge die Schließung der Fischerei (diesmal für 2027 und 2028).

Der Hering der zentralen Ostsee entwickelt sich im dritten Jahr in Folge positiv. Die Laicherbiomasse ist weiter gestiegen, bleibt aber noch unter dem Referenzwert zur Erlangung des höchstmöglichen nachhaltigen Dauerertrages (MSY Btrigger). Der Fischereidruck liegt weit unter Fmsy und somit im grünen Bereich.

Die Ostsee-Sprotte liegt seit diesem Jahr erstmals seit 2017 wieder vollständig im grünen Bereich. Die Stärke des weit überdurchschnittlichen Jahrgangs 2024 wurde in dieser Bestandsberechnung bestätigt, und auch der folgende Jahrgang 2025 erscheint stark. Die Laicherbiomasse wird sich in der Vorhersage daher bis April 2027 verdoppeln. Die fischereiliche Sterblichkeit liegt erstmals seit Jahren wieder unter dem Referenzwert zur Erlangung des höchstmöglichen nachhaltigen Dauerertrages (Fmsy). Damit werden nun alle Ostseebestände angemessen bewirtschaftet (die Sterblichkeit liegt unter Fmsy).

Die Laicherbiomasse der Ostsee-Scholle erreicht einen erneuten Höchstwert, der Fischereidruck bleibt gering. Der Bestand liegt weiterhin weit im grünen Bereich. Scholle könnte vom schlechten Zustand des Dorsches profitieren. Inzwischen werden so viele Schollen erwachsen, dass eine erhebliche Nahrungskonkurrenz besteht und die Tiere immer dünner werden. Außerdem werden, wie für den Dorsch, die Umweltbedingungen in der Ostsee auch für Plattfische schwieriger.

Sowohl Forschungs- als auch kommerzielle Fangdaten von Ostsee-Steinbutt zeigen eine stärkere Nachwuchsproduktion, die auf die westliche Ostsee beschränkt ist, sowie einen abnehmenden Biomasse-Trend in der östlichen Ostsee. Der Biomasse-Indikator zeigt in den letzten Jahren eine Abnahme. Bezogen auf einen möglichen Kandidaten (Proxy) für den Referenzwert des maximalen nachhaltigen Dauerertrages (MSY) ist die fischereiliche Sterblichkeit zu hoch (über Fmsy).

Der Bestands-Indikator für Flunder in der südlichen Ostsee (verbreitet in den Gebieten 24 und 25) schwankt und ist zuletzt gestiegen. Bezogen auf einen möglichen Kandidaten (Proxy) für den Referenzwert des maximalen nachhaltigen Dauerertrages (MSY) liegt die fischereiliche Sterblichkeit im grünen Bereich (unter Fmsy). Wie für den Dorsch, werden die Umweltbedingungen in der Ostsee auch für Plattfische schwieriger.

2026 wurde die Begutachtungsmethode für Flunder in Kattegat, Belten und Sund überarbeitet („Benchmark“). Dabei wurden die Bestandsgrenze verändert, der Bestand ist nun auch im Kattegat verbreitet (ICES-Gebiete 21-23). Dieser Flunderbestand liegt weit im grünen Bereich, mit niedrigem Fischereidruck und hoher Biomasse. Wie für den Dorsch, werden die Umweltbedingungen in der Ostsee aber auch für Plattfische schwieriger. Die Tiere zeigen eine anhaltende Verschlechterung des individuellen Körperzustands, sind tendenziell kleiner und werden mit geringerer Größe geschlechtsreif. Dadurch ist ein geringerer Anteil der nutzbaren Biomasse kommerziell verwertbar. Die Begutachtung dieses neu definierten Bestandes erfolgt weiterhin alle zwei Jahre, es wird eine Fangempfehlung abgegeben.

Für Dorsch der westlichen Ostsee und Ostsee-Kliesche liegen keine neue Begutachtungen vor, die nächsten Bestandsberechnungen finden 2027 statt.