Bestandsdatenblatt

Dornhai auf dem Neuseelandschelf

Gültig 05/2018 - 05/2019

Allgemeine Informationen


Ökoregion:Neuseeland-Schelf
Fanggebiet:Neuseeland FAO 81
Art:Squalus acanthias

Wissenschaftliche Begutachtung

Arbeitsgruppen im Auftrag des Fischereiministerium Neuseelands, fs.fish.govt.nz

Methode, Frequenz

Das Fischereiministerium Neuseelands veröffentlicht jährlich einen Report mit den Ergebnissen der Bestandsberechnungen. Es werden regelmäßig Forschungsreisen durchgeführt, bei denen auch die Häufigkeit von Dornhai erfasst wird. Einige Gebiete werden aber nur sporadisch bzw. gar nicht mehr abgedeckt. Daher gibt es zurzeit nur für wenige Gebiete Biomassewerte, welche die relative Entwicklung der Biomasse wiedergeben. Eine analytische Bestandsberechnung ist nicht möglich. Es sind keine Referenzwerte festgelegt. [137] [persönliche Mitteilung, NZ Ministerium für Fischerei, März. 2011] [1097]

Wesentliche Punkte

2018/2019: Die Bestandsabschätzungen auf Basis der Forschungsreisen zeigen Werte im Rahmen des Langzeitmittels für Chatham Rise (SPD4) und eine Abnahme in 2017 für die Westküste der Südinsel (SPD7). An der Ostküste der Südinsel (SPD3) schwankt die Biomasse während der letzten sechs Forschungsreisen, mit Hinweisen auf einen abnehmenden Trend. Für andere Gebiete liegen keine aktuellen Informationen vor. [137] [1097]

Bestands­zustand

Laicherbiomasse (Reproduktionskapazität)

  Referenzwerte nicht definiert (nach Vorsorgeansatz)

  Referenzwerte nicht definiert (nach Managementplan)

  Referenzwerte nicht definiert (nach höchstem Dauerertrag)

 

Fischereiliche Sterblichkeit

  unbekannt (nach Vorsorgeansatz)

  unbekannt (nach Managementplan)

  unbekannt (nach höchstem Dauerertrag)

 

Die Laicherbiomasse ist nicht bekannt, für einige Gebiete werden relative Biomasse-Werte ermittelt.

Bestands­entwicklung

Die Anlandungen von Dornhai schwankten in den 1980er bis Mitte der 1990er Jahre zwischen etwa 3.000 und 6.000 t. Von da an stiegen sie und erreichten die höchsten Werte in den Fischereijahren 1997/98 und 2001/02 (10.400 bzw. 11.500 t). Seit dem letzten Höchstwert schwanken die Anlandungen nun zwischen 4.500 und 8.000 t. Neuseeland verzeichnete steigende Fangzahlen, nachdem die Bestände im Nordost- und später im Nordwestatlantik zusammenbrachen. Um die steigende Entnahme zu kontrollieren, wurde Dornhai im Oktober 2004 komplett in das Quotenmanagementsystem (QMS) aufgenommen. Zuvor war die Fischerei nur in einigen Managementgebieten über Höchstfangmengen (TACs) reguliert (seit 1992/93). Forschungsfahrten werden nur in wenigen Gebieten regelmäßig durchgeführt: Die Biomasse in SPD4 (Chatham Rise) stieg 1991-95 an und schwankt seitdem um den Mittelwert der Zeitreihe. In SPD7 (Westküste der Südinsel) war die Biomasse relativ stabil. 2013 wurde der höchste Wert der Zeitreihe erreicht, 2017 jedoch der niedrigste. In SPD3 (Ostküste der Südinsel) schwankt die Biomasse währende der letzten sechs Forschungsreisen, mit Hinweisen auf einen abnehmenden Trend. [137] [1097]

Ausblick

Ein Ausblick ist derzeit wegen des Fehlens vollständiger Informationen zu Biomasse und Bestandszustand nicht möglich. [1097]

Umwelt­einflüsse auf den Bestand

Es sind keine spezifischen Umwelteinflüsse auf den Bestand bekannt.

Wer und Wie

Das Management erfolgt durch das Fischereiministerium Neuseelands und in bestimmten Teilgebieten in Kooperation mit der Urbevölkerung. Deren Recht, eine nicht-kommerzielle Fischerei zur Versorgung von Familie und Gästen selbst zu managen, wird in verschiedenen Regularien festgelegt. Die neuseeländische AWZ (ausschließliche Wirtschaftszone) ist in 10 Fischereimanagementgebiete (FMAs) unterteilt. Diese dienen der Verwaltung und sind Grundlage für die Quotenmanagementgebiete (QMAs), welche in der Regel bestandsspezifisch sind. Bei Dornhai handelt es sich jedoch eher um Verbreitungsgebiete und nicht zwingend um einzelne Bestände. Das Fischereijahr umfasst den Zeitraum 1. Oktober bis 30. September. Die Regulierung der gesamten Dornhaifischerei erfolgt seit 2004 über das Quotenmanagementsystem (QMS). Es gibt einen TAC (erlaubte Höchstfangemenge), welcher die Gesamtentnahme aus einem Bestand durch kommerzielle Fischerei, traditionelle Fischerei (Maori Customary Fisheries), Freizeitfischerei und weitere Quellen fischereilicher Sterblichkeit beinhaltet. Der TACC ist die erlaubte kommerzielle Höchstfangmenge nach Abzug aller anderen Entnahmen. TACC bzw. TAC basieren auf Fang- und Surveydaten sowie auf allgemeinen biologischen Kenntnissen und nicht auf aktuellen Bestandsdaten. Es wird aber jährlich überprüft, ob diese Höchstfangmengen noch adäquat sind. Für Dornhai sind sieben QMAs festgelegt (SPD1, 3, 4, 5, 7, 8, 10). Die Regulierung der Fischerei erfolgt außerdem durch Gebietsschließungen, u.a. um empfindliche Lebensräume und Tiefseekorallen zu schützen. [137] [persönliche Mitteilung, NZ Ministerium für Fischerei, Dez. 2010 und März 2011] [1097]

Differenz zwischen Wissen­schaft und Management

Es gibt keine wissenschaftlichen Fangempfehlungen. Die gesetzlichen kommerziellen Höchstfangmengen (TACC) sind seit Aufnahme in das Quotenmanagementsystem unverändert, werden aber nicht ausgefischt. Es ist nicht bekannt, ob die TACCs nachhaltig sind, sie werden aber jährlich auf Übereinstimmung mit den aktuellen Kenntnissen über die Bestandssituation hin überprüft. [persönliche Mitteilung, NZ Ministerium für Fischerei, März. 2011] [1097]

Karten

Verbreitungsgebiet

Managementgebiet

Dornhai kommt um die gesamte Südinsel vor. Vor der Nordinsel erstreckt sich seine Verbreitung an der Westküste bis Manakau Harbour und im Osten bis zum East Cape. SPD1 und 8 weisen nur geringe Anlandungen auf, SPD10 ist überwiegend Schutzgebiet ohne kommerzielle Fänge. Die Struktur und Anzahl der Bestände in diesem Gebiet ist unklar. Bis mehr Daten vorhanden sind, sollten SPD1, SPD3, SPD4, SPD5 und SPD7 als einzelne Bestände bewirtschaftet werden. Die Bewirtschaftung erfolgt über kommerzielle Höchstfangmengen für die einzelnen Quotenmanagementgebiete (SPD1, 3, 4, 5, 7, 8, 10). [persönliche Mitteilung, NZ Ministerium für Fischerei, Dez. 2010] [1097]

Anlandungen und TACs (in 1.000 t)

Gesamtfang2016/2017: 5,11 (SPD1: 0,23 kt, SPD3: 1,73 kt, SPD4: 1,38 kt, SPD5: 1,60 kt, SPD7: k.A., SPD8: 0,18 kt)
TACs und TACCs TAC (seit Fischereijahr 2004/2005): 13,28, davon: Traditionelle Fischerei: 0,245 Freizeitfischerei: 0,245 Andere Sterblichkeiten: 0,130 TACC (seit Fischereijahr 2004/2005): 12,66 (SPD1: 0,33 kt, SPD3: 4,79 kt, SPD4: 1,63 kt, SPD5: 3,70 kt, SPD7: 1,90 kt, SPD8: 0,31 kt) [137] [1097]

IUU-Fischerei

Es gibt keine Hinweise auf illegale oder unberichtete Fänge von Dornhai auf dem Neuseelandschelf. Die Höchstfangmengen für diesen Bestand werden nicht ausgefischt und der kommerzielle Wert ist gering. [177] [1097]

Struktur und Fangmethode

Dornhai wird überwiegend als Beifang in verschiedenen Fischereien mit unterschiedlichen Zielarten gefangen: In der Tiefseefischerei auf z.B. Makrelenartige, Hoki und Tintenfische, in der küstennahen Fischerei auf Plattfische, Knurrhähne und Snapper mit Schleppnetzen, Stellnetzen und Langleinen. Neben der kommerziellen Fischerei wird Dornhai als Beifang in der Freizeitfischerei gefangen. In der Maori-Fischerei wurde traditionell viel Hai gefangen, aktuelle Zahlen über Dornhaifänge sind aus dieser Fischerei aber nicht verfügbar. [140] [1097]

Beifänge und Rückwürfe

Die meisten küstennahen Fischereien sind aufgrund von Verarbeitungsproblemen (Dornen, raue Haut) und geringem ökonomischem Wert nicht besonders an der Anlandung von Dornhai interessiert. Eine große Menge Dornhai wird daher wahrscheinlich auf See zurückgeworfen und nicht als Beifang gemeldet. Steigende Rückwurfzahlen, vor allem in den 1990ern, sind aber wahrscheinlich auf Änderungen im Meldesystem zurückzuführen und reflektieren nicht wirklich steigende Mengen. In der Freizeitfischerei wird Dornhai im gesamten Verbreitungsgebiet überwiegend als Beifang gefangen. Zielarten sind andere Fischarten. [137] [1097]

Einflüsse der Fischerei auf die Umwelt

Durch den Einsatz von Grundschleppnetzen können Bodenlebensgemeinschaften geschädigt werden. Artenzusammensetzung, Biomasse und Nahrungsgefüge können sich erheblich verändern. In Stellnetzen können sich Vögel und Meeressäuger, wie z.B. Delfine und Pelzrobben verfangen und ertrinken. Die Gefahren von Stellnetzen für die Gesamtpopulationen sind nicht bekannt. Verlorengegangene Geräte wie Kiemennetze können für eine gewisse Zeit weiterfischen (ghost fishing). Der Einfluss des „ghost fishing“ ist jedoch noch nicht quantifiziert worden. [30] [137] [178]

Biologische Besonder­heiten

Bei Fängen aus den nördlichen Gebieten handelt es sich wahrscheinlich um den nördlichen Dornhai (S. mitsukurii), zumindest um eine unbekannte Menge dieser anderen Art. [1097]

Zusätzliche Informationen

Der Dornhai um Neuseeland gehört zur austral-asiatischen Teilpopulation die von der IUCN als ungefährdet (LC) (Zugriff 10. September 2018) eingestuft ist. Dornhai wird nach Asien und Europa exportiert. Aufgrund ihres teilweise massenhaften Auftretens betrachten die neuseeländischen Fischer Dornhaie oft als erhebliche Beeinträchtigung für ihre Tätigkeit. Die Fische gehen an Köder, fressen Fänge an und verwickeln oder verstopfen Netze. [137] [384] [1097]

Zertifizierte Fischereien

Es ist keine Dornhaifischerei um Neuseeland nach einem der gängigen Nachhaltigkeitsstandards zertifiziert.

Soziale Aspekte

Die Fischerei ist in Neuseeland traditionell die Quelle für Lebensunterhalt sowie ökonomischen und kulturellen Wohlstand der verschiedenen Stämme. Familie und Gäste mit Fisch und Meeresfrüchten versorgen zu können, ist Teil des kulturellen Erbes der Urbevölkerung. Das Recht auf Ausübung der dafür notwendigen Fischerei und ein teilweise eigenständiges Management wird daher in verschiedenen Regularien festgehalten. [137] [1097]

Marktdaten: Alle Dornhaiarten auf dem deutschen Markt zusammengefasst.

2018 (vorl.): Verbrauch in Deutschland: 283 t (2017: 131 t), Marktanteil (Fische, Krebse, Weichtiere): 0,02% (2017: 0,01%) [13] [14]

Anlandungen (in 1.000 t)Fänge (in 1.000 t)Laicherbiomasse (in 1.000 t)Laicherbiomasse ZustandFischereiliche SterblichkeitAnmerkungen (insbesondere Managementplan)Gültigkeit
Golf von Alaska (NOP: Kanada, NOP: Alaska) 2,0 - - nach Vorsorgeansatz 05/2012 -
12/2012
Kalifornienstrom (NOP: USA) - 1,2 - nach Vorsorgeansatz 05/2012 -
12/2012
Neufundland-Labrador (NWA: Kanada) 0,1 - - - 04/2016 -
04/2017
Neuseeland 5,1 - - - 05/2018 -
05/2019
Nordostatlantik 0,3 - - keine gezielte Fischerei, keine Laicherbiomasse, nur totale Biomasse 10/2018 -
10/2020
Strait of Georgia (NOP: Kanada) 0,3 - - nach Vorsorgeansatz 05/2012 -
12/2012
US-Schelf (NWA: USA) 10,7 16,5 139,0 Mgmt.plan seit 2000/2003 10/2015 -
12/2018

Klassifizierung nach dem Ansatz des höchstmöglichen nachhaltigen Dauerertrages (MSY), durch den ICES oder analog zu dessen Einteilung:

SymbolBiomasseBewirtschaftung (fischereiliche Sterblichkeit)
innerhalb der Schwankungsbreite um den Zielwertangemessen oder unternutzt
außerhalb der Schwankungsbreite um den Zielwertübernutzt
Zustand unklar, Referenzpunkte nicht definiert und/oder unzureichende DatenZustand unklar, Referenzpunkte nicht definiert und/oder unzureichende Daten
AutorJahrTitelQuelle
[13]Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE)Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) Homepageble.de
[14]Fisch-Informationszentrum e.V. (FIZ)Fisch-Informationszentrum e.V. Homepagefischinfo.de
[30]Food and Agriculture Organization (FAO)FAO. © 2003-2010. Fisheries Topics: Technology. Fish capture technology. In: FAO Fisheries and Aquaculture Department [online]. Rome. Updated 2006 15 09.[Cited 10 June 2010]fao.org
[137]Fischereiministerium NeuseelandHomepage: Fischereiministerium Neuseeland (Ministry of Primary Industries, New Zealand) http://fs.fish.govt.nz/
[140]Manning MJ, Hanchet SM, Stevenson ML2004A description and analysis of New Zealand\'s spiny dogfish (Squalus acanthias) fisheries and recommendations on appropriate methods to monitor the status of the stocks. New Zealand Fisheries Assessment Report 2004/61fish.govt.nz
[177]Lack M, Sant G2008Illegal, unreported and unregulated shark catch: A review of current knowledge and action Department of the Environment, Water, Heritage and the Arts and TRAFFIC, Canberra
[178]FAO Food and Agriculture Organization2005FAO. © 2005-2011. World inventory of fisheries. Ghost fishing. Issues Fact Sheets. Text by Andrew Smith. In: FAO Fisheries and Aquaculture Department [online]. Rome. Updated 27 May 2005. [Cited 10 March 2011].fao.org
[384]IUCNIUCN Red List of Threatened Species. Version 2011.2. Downloaded on 09 February 2012iucnredlist.org
[1097]Fisheries New Zealand2018Fisheries Assessment Plenary, May 2018: stock assessments and stock status. Compiled by the Fisheries Science and Information Group, Fisheries New Zealand, Wellington, New Zealand. 1674p, Volume 3: Pipi to Yellow-eyed Mulletgovt.nz