Bestandsdatenblatt

Gelbflossenthun im Indischen Ozean

Gültig 11/2015 - 11/2016

Gelbflossenthun im Indischen Ozean

gültig 11/2015 - 11/2016

Zugehörige Fischart

Gelbflossenthun

Allgemeine Informationen


Ökoregion:Golf von Bengalen, Indonesisches Meer, Arabisches Meer, Somalischer Küstenstrom, Agulhasstrom
Fanggebiet:Westlicher Indischer Ozean FAO 51; Östlicher Indischer Ozean FAO 57
Art:Thunnus albacares

 

Wissenschaftliche Begutachtung

Indian Ocean Tuna Commission (IOTC), www.iotc.org/English/index.php

Methode, Frequenz

Die vollständige Begutachtung von Gelflossenthun im Indischen Ozean erfolgt derzeit alle drei Jahre, dazwischen wird der Bestandszustand über verschiedene Indikatoren ermittelt. In die Begutachtung fließen vor allem Daten aus den verschiedenen Fischereien (Anlandemengen, Längen- und Geschlechterverteilung, Aufwand, Einheitsfänge (CPUEs)). Die Bestandsberechnungen sind unsicher, vor allem wegen unzureichender Eingangsdaten aus den kleinen handwerklichen und halb-industriellen Fischereien, die diesen Bestand nutzen.
Es sind vorläufige Ziel-Referenzwerte nach dem Konzept zur Erlangung des höchstmöglichen nachhaltigen Dauerertrages für die Laicherbiomasse (Bmsy) und die fischereiliche Sterblichkeit (Fmsy) definiert. Außerdem sind für beide Parameter Limit-Referenzwerte festgelegt (0,4 Bmsy, 1,4 Fmsy). Auf ihrer Basis wird die Begutachtung des Bestandes vorgenommen und die maximale nachhaltige Fangmenge (MSY) empfohlen. [651] [876] [878]

Wesentliche Punkte

2015: Die vollständige Begutachtung von Gelbflossenthun im Indischen Ozean ergab einen deutlich veränderten Zustand des Bestandes: Laicherbiomasse und fischereiliche Sterblichkeit liegen nun nach dem Konzept zur Erlangung des höchstmöglichen nachhaltigen Dauerertrages (MSY) im roten Bereich (B/Bmsy kleiner 1, F/Fmsy größer 1). Dies ist wahrscheinlich auf gestiegene, nun nicht mehr nachhaltige Fänge in den letzten drei Jahren, sowie eine relativ niedrige Nachwuchsproduktion in den letzten Jahren zurückzuführen. Die Wissenschaft empfiehlt eine Reduzierung der Fänge um 20%, die Fischerei wird aber nicht über Höchstfangmengen (TACs) reguliert. Die nächste vollständige Begutachtung ist für 2018 vorgesehen. [876] [878]

Bestands­zustand

Laicherbiomasse (Reproduktionskapazität)

 Referenzwerte nicht definiert (nach Vorsorgeansatz)

  Referenzwerte nicht definiert (nach Managementplan)

  außerhalb der Schwankungsbreite um den Zielwert (nach höchstem Dauerertrag)

 

Fischereiliche Sterblichkeit

  Referenzwerte nicht definiert (nach Vorsorgeansatz)

  Referenzwerte nicht definiert (nach Managementplan)

  übernutzt (nach höchstem Dauerertrag)

 

Bestands­entwicklung

Die Fänge von Gelbflossenthun im Indischen Ozean waren von Mitte der 1950er Jahre bis in die 1980er weitestgehend stabil und schwankten zwischen 30.000 und 70.000 t (Langleinen und Kiemennetze). Die Laicherbiomasse war daher in den 1950er bis in die frühen 1970er Jahre relativ hoch. Mit Beginn der Ringwadenfischerei durch europäische Schiffe stiegen die Fänge in den frühen 1980ern schnell an, 1993 wurden 400.000 t angelandet. Zeitgleich stieg auch die fischereiliche Sterblichkeit, und die Laicherbiomasse nahm bis Mitte der 1990er rapide ab. Nach einigen Jahren mit stabilen Fangmengen (330.000-350.000 t) wurden 2003-2006 sehr viel höhere Fänge getätigt (maximal 520.000 t 2004). Die Laicherbiomasse sank 2008-09 auf ein sehr niedriges Niveau, 2009-11 wurde erneut eine leichte Erholung beobachtet, seitdem nimmt sie aber wieder stetig ab und erreicht 2014 das historische Tief. Laicherbiomasse und Fischereiliche Sterblichkeit liegen derzeit außerhalb der Referenzwerte nach dem Konzept zur Erlangung des höchstmöglichen nachhaltigen Dauerertrages (B/Bmsy kleiner 1, F/Fmsy größer 1). [876] [878]

Ausblick

Wie vorhergesagt haben die zu hohen, über MSY-Niveau liegenden Fänge die Laicherbiomasse stark abnehmen lassen. Selbst bei gleichbleibenden Fängen wird die Biomasse weiter sinken. Die Wissenschaft empfiehlt daher eine Reduzierung der Fänge um 20%, die Entnahme von Gelbflossenthun im Indischen Ozean ist jedoch nicht über Höchstfangmengen (TACs) reguliert. [876] [878]

Umwelt­einflüsse auf den Bestand

Gelbflossenthun ist empfindlich gegenüber niedrigen Sauerstoffkonzentrationen und in tropischen Gewässern daher meist nicht tiefer als 250 m zu finden. Die Temperaturgrenzen für das Vorkommen liegen zwischen 18 und 31°C. [100] [229]

Wer und Wie

Die Bewirtschaftung von Gelbflossenthun im Indischen Ozean erfolgt durch die Indian Ocean Tuna Commission (IOTC). Mitglieder sind Küstenstaaten und nicht-Küstenstaaten, die im Indischen Ozean Thunfisch fischen (z.B. die Europäische Gemeinschaft). Die Bewirtschaftung erfolgt nicht durch die Festsetzung von Höchstfangmengen (TACs), aber durch andere Regelungen (z.B. zur Regulierung des Fischereiaufwandes). Außerdem gibt es nicht-bindende Empfehlungen der IOTC und nationale Gesetze und Regularien der Anrainerstaaten. Die Fangmöglichkeiten für tropischen Thunfisch im IOTC-Übereinkommensbereich für EU-Schiffe (Spanien, Frankreich, Portugal, Vereinigtes Königreich) werden in Unionsrecht umgesetzt (Höchstzahl Schiffe bzw. Kapazität). [651] [798] [876] [878]

Differenz zwischen Wissen­schaft und Management

Die wissenschaftliche Begutachtung errechnet und empfiehlt die maximale Entnahme im Rahmen des Konzeptes zur Erlangung des höchstmöglichen nachhaltigen Dauerertrages (MSY). Höchstfangmengen (TACs) werden aber nicht festgelegt. Die Fänge der letzten 3 Jahre lagen über den maximal empfohlenen Mengen. Die Wissenschaft warnt, dass sich bei Beibehaltung der aktuellen Fangmengen der Zustand des Bestandes in kurzer Zeit weiter verschlechtern wird. Empfohlen wird eine Reduzierung der Fänge um 20%. Es wird außerdem darauf hingewiesen, dass die Fangdaten aus einigen Flotten unsicher sind bzw. gänzlich fehlen. [876] [878]

Karten

Verbreitungsgebiet

Managementgebiet

Gelbflossenthun ist im gesamten Indischen Ozean verbreitet und unternimmt hier weite Wanderungen. Er wird für die Begutachtung als ein Bestand betrachtet. Die Bewirtschaftung erfolgt durch die Indian Ocean Tuna Commission (IOTC) als ein Bestand im gesamten Verbreitungsgebiet. [876] [878]

Anlandungen und TACs (in 1.000 t)

GesamtfangAnlandungen 2014: 430,3; davon 23% Handleinen und Angelleinen, 22% Ringwaden mit FADs, 19% Langleinen, 15% Kiemennetze, 13% Ringwaden ohne FADs, 6% Schleppangeln, 2% andere Fanggeräte
TACs nicht festgelegt [876] [878]

IUU-Fischerei

Die Indian Ocean Tuna Commission führt eine Liste mit Schiffen, die Illegale, nicht gemeldete oder unregulierte Fischerei betreiben (IUU-Liste). Maßnahmen zur Unterbindung von IUU-Fischereien durch die Hafenstaaten sind seit 2011 in Kraft. IUU-Fischerei ist aber noch immer ein Problem im Indischen Ozean. [651] [652] [876]

Struktur und Fangmethode

Gelbflossenthun im Indischen Ozean wird mit Kiemennetzen, Ringwaden, Langleinen, Handleinen und Angelleinen, Schleppangeln und anderen Fanggeräten gefischt. Ein Teil kommt aus einer kleinen handwerklichen oder halb-industriellen Fischerei. 2014 stammten 64% (2012 51%, 2013 75%) der Ringwaden-Fänge aus Fischereien mit Fischkonzentrationseinrichtungen (FADs). Der größere Teil der Fänge von Gelbflossenthun kommt aus dem westlichen Indischen Ozean. 2011-2014 verteilten sich die Fänge im Schnitt wie folgt: EU 26% (Spanien 15%, Frankreich 11%), Malediven 11%, Indonesien 10%, Iran 9%, Sri Lanka 9%, Jemen 8% und Indien 8%. [876] [878]

Beifänge und Rückwürfe

Die Menge an Beifängen und Rückwürfen ist trotz einer Meldepflicht größtenteils unbekannt. Es wird aber angenommen, dass die Rückwürfe gering sind. Mit Hilfe von Daten aus spanischen und französischen Beobachter-Programmen (2003-2007) wurden Beifänge der Hauptarten bzw. Artengruppen in der gesamten Ringwadenfischerei auf Thunfisch (verschiedene Arten) geschätzt. Insgesamt fielen etwa 35,5 t Beifang pro 1.000 t angelandetem Thunfisch an (3,6%). Davon entfielen auf Thunfisch-Rückwurf 54%, Haie 10%, Schwertfisch etc. 1,5%, Rochen 0,7%, andere Fische 34%. Für die Fischerei mit Ringwaden ist inzwischen aber ein Rückwurfverbot für Echten Bonito, Gelbflossenthun und Großaugenthun in Kraft. Ausgenommen sind nur Fische, die aufgrund von Beschädigung für den menschlichen Konsum nicht geeignet sind. [610] [651] [876] [878]

Einflüsse der Fischerei auf die Umwelt

Die verschiedenen in dieser Fischerei verwendeten Fanggeräte haben unterschiedlichen Einfluss auf andere Arten, Bodenlebensgemeinschaften werden aber nicht geschädigt, da sie den Meeresboden kaum berühren.
Im Indischen Ozean wird Gelbflossenthun u.a. mit Kiemennetzen gefangen, die zum Teil nicht-selektiv sind (Monofilament-Netze). Beifang-Raten sind nicht bekannt, neben den Zielarten können sich aber andere Fischarten, Meeressäuger, Vögel, Schildkröten und Haie verfangen.
Bei der Fischerei mit Ringwaden kann es zu Beifang von Delfinen kommen, der aber durch verschiedene Techniken reduziert werden kann. 2014 stammten 64% der Ringwaden-Fänge (22% des Gesamtfangs) aus Fischereien mit
Fischkonzentrationseinrichtungen (FADs). FADs erhöhen die Effizienz, aber auch den Beifang an Jungtieren und Nichtzielarten wie Schildkröten, Haien und anderen Meeresbewohnern, die zum Teil (z.B. Schildkröten) aber lebend zurückgesetzt werden können. Maßnahmen zur Reduzierung des FAD-Einsatzes sind in Kraft, müssen aber noch evaluiert werden. Ringwadenfischereien auf freie Thunfischschulen (ohne FADs) haben kaum Einfluss auf Nicht-Zielarten.
Die Fischerei mit Handleinen/Angeln ist sehr selektiv mit wenig Beifang von nicht-Zielarten. Hier muss aber der Zustand der Köderfisch-Bestände beobachtet werden.
In der Fischerei mit Langleinen können Beifänge von Schildkröten, Haien und Seevögeln auftreten. Insbesondere durch die Form der Haken lassen sich unerwünschte Beifänge bestimmter Arten reduzieren. Verschiedene IOTC-Resolutionen beinhalten Vorgaben zur Vermeidung und Handhabung von beigefangenen Haien, Schildkröten und Seevögeln. [30] [558] [651] [876]

Biologische Besonder­heiten

Tiere, die gerade in die Fischerei einwachsen, werden hauptsächlich mit Ringwaden mit Fischkonzentrationseinrichtungen (FADs) gefangen. Jungtiere bilden gemischte Schwärme mit Echtem Bonito und jungen Großaugenthunen und sind hauptsächlich im Oberflächenwasser tropischer Gebiete zu finden. Ältere Tiere leben auch in etwas tieferen Wasserschichten. Die mittleren Altersstufen werden in der industriellen Fischerei selten gefangen, sind aber in einigen handwerklichen Fischereien häufig (z.B. im Arabischen Meer). [876]

Zusätzliche Informationen

Die sogenannten Thunfischabkommen mit Partnerländern (z.B. Komoren, Madagaskar und Seychellen) erlauben es Fischereifahrzeugen aus der EU, wandernde Thunfischbestände entlang der afrikanischen Küsten und im Indischen Ozean zu nutzen. Deutsche Fangschiffe sind in diesen Fischereien nicht aktiv. [185] [876]

Zertifizierte Fischereien

Derzeit ist keine Fischerei auf Gelbflossenthun im Indischen Ozean nach den Standards des Marine Stewardship Councils (MSC) nachhaltigkeitszertifiziert. Das Zertifikat einer Fischerei ist wegen des veränderten Bestandszustandes suspendiert. [4] Siehe
http://fisheries.msc.org/en/fisheries/maldives-pole-line-tuna/@@view

Soziale Aspekte

Gelbflossenthun wird mit Fahrzeugen aller Größen von verschiedenen Nationen gefischt. Die Arbeitsbedingungen an Bord und die Entlohnung sind daher sehr unterschiedlich, und richten sich nach den Regeln der jeweiligen Staaten. [652] [876]

AutorJahrTitelQuelle
[4]Marine Stewardship Council (MSC)Fisch und Meeresfrüchte aus zertifiziert nachhaltiger Fischereimsc.org
[13]Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE)Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) Homepageble.de
[14]Fisch-Informationszentrum e.V. (FIZ)Fisch-Informationszentrum e.V. Homepagefischinfo.de
[30]Food and Agriculture Organization (FAO)FAO. © 2003-2010. Fisheries Topics: Technology. Fish capture technology. In: FAO Fisheries and Aquaculture Department [online]. Rome. Updated 2006 15 09.[Cited 10 June 2010]fao.org
[100]Food and Agriculture Organization (FAO)2010FAO. © 2010. FAO FishFinder, the Species Identification and Data Programme. FAO FishFinder. In: FAO Fisheries and Aquaculture Department [online]. Rome. Updated 6 April 2010.fao.org
[185]Europäische KommissionEuropäische Kommission, Fischerei, Homepageeuropa.eu
[229]Froese, R. and D. Pauly. Editors.2011FishBase. World Wide Web electronic publication.
www.fishbase.org, version (06/2011).
fishbase
[558]Kelleher K2005Discards in the world\'s marine fisheries: An update FAO fisheries technical paper 470, Rome, 154 pp
[610]Indian Ocean Tuna Commission (IOTC)2012Report of the Fifteenth Session of the IOTC Scientific Committee, Mahé, Seychelles, 10–15 December 2012. IOTC–2012–SC15–R[E]: 288 pp.
[651]Indian Ocean Tuna Commission (IOTC)Collection of Active Conservation and Management Measures for the Indian Ocean Tuna Commission.iotc.org
[652]Indian Ocean Tuna Commission (IOTC)Homepage der Indian Ocean Tuna Commission (IOTC)iotc.org
[798]Europäische Union (EU)2015Verordnung (EU) 2015/104 des Rates vom 19. Januar 2015 zur Festsetzung der Fangmöglichkeiten für bestimmte Fischbestände und Bestandsgruppen in den Unionsgewässern sowie für Unionsschiffe in bestimmten Nicht-Unionsgewässern (2015) und zur Änderung der Verordnung (EU) Nr. 43/2014 sowie zur Aufhebung der Verordnung (EU) Nr. 779/2014europa.eu
[876]Indian Ocean Tuna Commission (IOTC)2015Status of the Indian Ocean yellowfin tuna (YFT: Thunnus albacares) resource. IOTC–2015–SC18–ES04[E]iotc.org/
[878]Indian Ocean Tuna Commission (IOTC)2015IOTC–SC18 2015. Report of the 18th Session of the IOTC Scientific Committee. Bali, Indonesia 23–27 November 2015. IOTC–2015–SC18–R[E]: 175 pp.iotc.org