Bestandsdatenblatt

Nordsee-Kliesche

Gültig 06/2017 - 06/2020

Nordsee-Kliesche

gültig 06/2017 - 06/2020

Zugehörige Fischart

Kliesche

Allgemeine Informationen


Ökoregion:Nordsee
Fanggebiet:Nordsee (4, 3.a) FAO 27
Art:Limanda limanda

Wissenschaftliche Begutachtung

Internationaler Rat für Meeresforschung (ICES), Kopenhagen, www.ices.dk

Methode, Frequenz

Es gibt keine analytische Bestandsberechnung für diesen Bestand. Gründe sind das Fehlen von entsprechenden Eingangsdaten (u.a. biologische Einzelfischdaten wie Alter und Gewicht sowie unvollständige Fangdaten aufgrund hoher Rückwurfzahlen). Die Berechnung zeigt nur Trends auf, sie berücksichtigt Fangdaten und die Daten von einer unabhängigen wissenschaftlichen Forschungsreise. Es wird eine nummerische Fangempfehlung gegeben, die auf der relativen Biomasse aus der Bestandsberechnung und den durchschnittlichen Fangdaten basiert. Für fischereiliche Sterblichkeit und Laicherbiomasse sind Referenzwerte für die Bewirtschaftung nach dem Konzept zur Erlangung des höchstmöglichen nachhaltigen Dauerertrages (MSY) als Proxies (Kandidaten) definiert. [996] [1014]

Wesentliche Punkte

2017: Die Trends aus der Bestandsberechnung zeigen eine kontinuierliche Zunahme der Laicherbiomasse seit 2006. Die Gesamtsterblichkeit nimmt seit 2003 ab. Die Rückwürfe von Nordsee-Kliesche sind sehr hoch, 2016 betrugen sie 90% des Gesamtfanges. Die gemeinsam für Kliesche und Flunder festgesetzte Höchstfangmenge wurde 2017 aufgehoben, da ein solches Management nicht mehr als sinnvoll angesehen wird. Die Bestände sollen nun mit anderen Erhaltungsmaßnahmen bewirtschaftet werden. Weil Kliesche nun nicht mehr quotiert ist, fällt sie auch nicht unter das EU-Anlandegebot. [981] [996] [1005] [1014]

Bestands­zustand

Laicherbiomasse (Reproduktionskapazität)

    Referenzwerte nicht definiert (nach Vorsorgeansatz)

  Referenzwerte nicht definiert (nach Managementplan)

    Referenzwerte nicht definiert (nach höchstem Dauerertrag)

 

Fischereiliche Sterblichkeit

    Referenzwerte nicht definiert (nach Vorsorgeansatz)

  Referenzwerte nicht definiert (nach Managementplan)

    Referenzwerte nicht definiert (nach höchstem Dauerertrag)

 

Bestands­entwicklung

Informationen zu Laicherbiomasse, fischereilicher Sterblichkeit und Nachwuchsproduktion liegen vor, sind aber nur relativ und die Zeitreihe sehr kurz. Die Biomasse wächst seit 2006. Die Gesamtsterblichkeit (natürliche und fischereiliche) sinkt seit 2003. Die Nachwuchsproduktion zeigte bis 2014 einen ansteigenden Trend, hat aber in den letzten beiden Jahren abgenommen. Die Anlandungen haben seit 2011 abgenommen. Rückwurfdaten stehen ab 2002 zur Verfügung, der Hauptteil der Fänge aus diesem Bestand wird zurückgeworfen. Bezogen auf die möglichen Kandidaten (Proxies) für den MSY-Referenzwert liegen die fischereiliche Sterblichkeit und die Laicherbiomasse im grünen Bereich. [996] [1014]

Ausblick

Der Bestand scheint die derzeitige Fischereiintensität zu verkraften, allerdings hat die Nachwuchsproduktion etwas nachgelassen. Ein erheblicher Teil der Fänge wird verworfen. Eine Reduzierung der Rückwürfe würde eine weitere deutliche Erhöhung der Anlandungen ermöglichen. [981] [996] [1005] [1014]

Umwelt­einflüsse auf den Bestand

Hauptverbreitungsgebiet der 1-2 jährigen Tiere ist die süd-östliche Nordsee. Ältere Tiere sind vermehrt in der zentralen und nördlichen Nordsee zu finden. [996] [1014]

Wer und Wie

Nordsee-Kliesche wurde bis einschließlich 2016 über eine gemeinsame Höchstfangmenge (TAC) für Kliesche und Flunder in den EU-Gewässern der Nordsee (inklusive EU-Gewässer von ICES-Gebiet 2.a) bewirtschaftet. Fänge im Skagerrak und Kattegat wurden nicht begrenzt. 2017 wurde der Nordsee-TAC aufgehoben, die Bestände sollen nun mit anderen Erhaltungsmaßnahmen bewirtschaftet werden. Die Bewirtschaftung dieses Bestandes erfolgt durch technische EU-Verordnungen (z.B. Maschenöffnungen) und die jeweiligen Landesregeln (z.B. Gebietsschließungen). Es gibt keine Mindestgröße für die Bestandserhaltung. [422] [981] [996] [1005] [1014]

Differenz zwischen Wissen­schaft und Management

Für 2012 wurde die erste Fangempfehlung für Nordsee-Kliesche gegeben, die Fänge sollten nicht steigen. Ab 2014 erfolgten nummerische Fangempfehlungen. Ein Vergleich mit der festgesetzten Höchstfangmenge (TAC) war aber nicht möglich, solange ein gemeinsamer TAC für zwei verschiedene Arten (Kliesche & Flunder) festgelegt wurde, was biologisch sinnlos ist. 2017 wurde daher die im Januar festgesetzte Fangmengenbegrenzung im März aufgehoben. Der ICES bewertet das Risiko, die Bestände ohne Fanglimits zu bewirtschaften als gering. Nach seiner Einschätzung wiederspricht die Aufhebung des TACs nicht der Europäischen Fischereipolitik. Voraussetzung für diese Bewertung ist, dass sich der Charakter der Fischerei nicht sehr ändert: Kliesche und Flunder bleiben überwiegend Beifang und die Zielarten Scholle und Seezunge werden im Rahmen des MSY-Konzeptes befischt. [981] [996] [1005] [1014]

Karten

Verbreitungsgebiet

Managementgebiet

Nordsee-Kliesche ist in der Nordsee (ICES-Gebiet 4) sowie im Skagerrak und Kattegat (Gebiet 3.a) verbreitet. Seit 2017 begrenzt das Management die Fangmengen nicht mehr. Bis dahin wurde eine gemeinsame Höchstfangmenge für Kliesche und Flunder in den EU-Gewässern der Nordsee (inklusive EU-Gewässer von ICES-Gebiet 2.a) festgelegt. Fänge im Skagerrak und Kattegat sind und waren nicht begrenzt. [981] [996] [1005] [1014]

Anlandungen und TACs (in 1.000 t)

Gesamtfang2016: 49,9 (5,1 Anlandungen plus 44,8 Rückwürfe); von den Anlandungen: Baumkurre 61%, Grundscherbrettnetze 22%, Waden 6%, andere Geräte 11%
TACs (Flunder & Kliesche gemeinsam, Gebiete 4 & 2.a) 2011-2016: 18,4 2017: TAC im März 2017 aufgehoben [981] [996] [1005] [1014]

IUU-Fischerei

Es gibt keine Hinweise auf illegale oder unberichtete Fänge von Kliesche aus der Nordsee. [996] [1014]

Struktur und Fangmethode

Nordsee-Kliesche wird von den meisten Ländern hauptsächlich als Beifang in der Fischerei auf Scholle und Seezunge gefangen. Hauptanlandenationen sind in der Nordsee (2016: 80% der Anlandungen aus diesem Bestand) die Niederlande (64%) und Dänemark (10% der Anlandungen). Im Skagerrak und Kattegat tätigten Dänemark 73% und die Niederlande 21% der Anlandungen. Deutschland hat 2016 aus der Nordsee 244 t (6%) und aus Skagerrak und Kattegat 9 t (1%) Kliesche angelandet. [996] [1014]

Beifänge und Rückwürfe

Nordsee-Kliesche ist selbst überwiegend Beifang. Daten zu Rückwürfen liegen seit 2002 vor. Die Rückwürfe lagen in dieser Zeit zwischen 87 und 93% des Gesamtfanges (bezogen aufs Gewicht). 2016 wurden 90% des Fanges zurückgeworfen. Nordsee-Kliesche ist seit 2017 nicht mehr quotiert und wird deshalb auch in absehbarer Zukunft nicht unter das Anlandegebot der EU fallen. Die Überlebensraten der Rückwürfe sind nicht bekannt. Untersuchungen in der Ostsee zeigten, dass die Überlebensrate der zurückgeworfenen Klieschen verglichen mit anderen Plattfischen eher niedrig ist, insbesondere bei Wassertemperaturen über 13°C. [748] [996] [1005] [1014]

Einflüsse der Fischerei auf die Umwelt

Durch den Einsatz von Grundschleppnetzen können Bodenlebensgemeinschaften geschädigt werden. Artenzusammensetzung, Biomasse und Nahrungsgefüge können sich erheblich verändern. [30] [97] [208]

Biologische Besonder­heiten

Auffälliges Merkmal der Klieschen ist die über der Brustflosse halbkreisförmig gekrümmte Seitenlinie. Dadurch lässt sie sich deutlich von anderen Plattfischarten unterscheiden. [2] [229]

Zusätzliche Informationen

Kliesche ist auf dem nordostatlantischen Schelf weit verbreitet. Sie ist von der Biskaya über Island, bis in die Barentssee zu finden und kommt auch in der Ostsee vor. In der Nordsee ist sie eine der häufigsten Arten und über das gesamte Gebiet, bis in 100m Tiefe verbreitet. Große Klieschen liefern Filets, die denen von Scholle oder Flunder geschmacklich nicht nachstehen. Ein erhebliches Problem bei der Vermarktung ist der unattraktive Artname. [996] [1014]

Zertifizierte Fischereien

Bislang ist keine Fischerei auf Nordsee-Kliesche nach einem der gängigen Nachhaltigkeitsstandards zertifiziert.

Soziale Aspekte

Die Fahrzeuge fahren unter den Flaggen der Anrainerstaaten, die Arbeitsbedingungen an Bord und die Entlohnung erfolgt daher nach deren Regeln. [12] [13]

Marktdaten

Keine Daten verfügbar.

Anlandungen (in 1.000 t)Fänge (in 1.000 t)Laicherbiomasse (in 1.000 t)Laicherbiomasse ZustandFischereiliche SterblichkeitAnmerkungen (insbesondere Managementplan)Gültigkeit
Nordsee (4, 3.a) 5,1 49,9 - Anlandungen & Fänge 2016 06/2017 -
06/2020
Öst. Beringsee & Aleuten (L. aspera) 128,7 132,3 850,6 - 12/2018 -
12/2019
Ostsee (22-32) 1,4 2,4 - Anlandungen & Fänge 2016 05/2017 -
05/2020

Klassifizierung nach dem Ansatz des höchstmöglichen nachhaltigen Dauerertrages (MSY), durch den ICES oder analog zu dessen Einteilung:

SymbolBiomasseBewirtschaftung (fischereiliche Sterblichkeit)
innerhalb der Schwankungsbreite um den Zielwertangemessen oder unternutzt
außerhalb der Schwankungsbreite um den Zielwertübernutzt
Zustand unklar, Referenzpunkte nicht definiert und/oder unzureichende DatenZustand unklar, Referenzpunkte nicht definiert und/oder unzureichende Daten
AutorJahrTitelQuelle
[2]Muus BJ, Nielsen JG1999Die Meeresfische Europas Franckh-Kosmos Verlag
[12]Europäische Gemeinschaften2009Die Gemeinsame Fischereipolitik. Ein Leitfaden für Benutzerec.europa.eu
[13]Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE)Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) Homepageble.de
[30]Food and Agriculture Organization (FAO)FAO. © 2003-2010. Fisheries Topics: Technology. Fish capture technology. In: FAO Fisheries and Aquaculture Department [online]. Rome. Updated 2006 15 09.[Cited 10 June 2010]fao.org
[97]Zydelis R, Bellebaum J, Österblom H, Vetemaa M, Schirmeister B, Stipniece A, Dagys M, van Eerden M, Garthe S2009Bycatch in gillnet fisheries – An overlooked threat to waterbird populations Biological Conservation 142:1269–1281
[208]Bellebaum, J2011Untersuchung und Bewertung des Beifangs von Seevögeln durch die passive Meeresfischerei in der Ostsee. BfN-Skripten 295 Bundesamt für Naturschutz, ISBN 978-3-89624-030-9, www.bfn.de
[229]Froese, R. and D. Pauly. Editors.2011FishBase. World Wide Web electronic publication.
www.fishbase.org, version (06/2011).
fishbase
[422]Europäische Gemeinschaft (EG)1998Verordnung (EG) Nr. 850/98 des Rates vom 30. März 1998 zur Erhaltung der Fischereiressourcen durch technische Maßnahmen zum Schutz von jungen Meerestieren.europa.eu
[748]ICES2014Report of the Benchmark Workshop on Baltic Flatfish Stocks (WKBALFLAT), 27–31 January 2014, Copenhagen, Denmark. ICES CM 2014/ACOM:39. 320 pp.ices.dk
[981]Europäische Union (EU)2017VERORDNUNG (EU) 2017/127 DES RATES vom 20. Januar 2017 zur Festsetzung der Fangmöglichkeiten für 2017 für bestimmte Fischbestände und Bestandsgruppen in den Unionsgewässern sowie für Fischereifahrzeuge der Union in bestimmten Nicht-Unionsgewässerneuropa.eu
[996]ICES2017ICES Advice on fishing opportunities, catch, and effort, Greater North Sea Ecoregion, Dab (Limanda limanda) in Subarea 4 and Division 3.a (North Sea, Skagerrak and Kattegat)ices.dk
[1005]ICES2017ICES Special Request Advice, Greater North Sea Ecoregion, EU request on a combined dab and flounder TAC and potential management measures besides catch limitsices.dk
[1014]ICES2017Report of the Working Group on Assessment of Demersal Stocks in the North Sea and Skagerrak (2017), 26 April–5 May 2017, ICES HQ. ICES CM 2017/ACOM:21. 1077 pp.ices.dk