Bestandsdatenblatt

Nordostatlantische Makrele

Gültig 10/2009 - 10/2010

Nordostatlantische Makrele

gültig 10/2009 - 10/2010

Zugehörige Fischart

Makrele

Allgemeine Informationen


Ökoregion:Barentsmeer (Nordost-Arktis), Färöer-Plateau, Iberische Küste, Islandschelf, Keltischer und Biskaya-Schelf, Nordsee, Norwegische See
Fanggebiet:Nordsee (4, 3.a), südliche Gebiete (8, 9.a), westliche Gebiete (2, 5, 6, 7, 14) FAO 27
Art:Scomber scombrus

Wissenschaftliche Begutachtung

Internationaler Rat für Meeresforschung (ICES), Kopenhagen.

 

Methode, Frequenz

Jährliche analytische Bestandsberechnung mit Vorhersage unter Verwendung lückenhafter Fangdaten und zweier unabhängiger wissenschaftlicher Forschungsreisen, die nur die erwachsenen Tiere erfassen. Fischereiunabhängige Daten sind nur alle drei Jahre verfügbar. Alle vier Referenzwerte nach dem Vorsorgeansatz sind definiert, sie basieren auf der historischen Entwicklung des Bestandes. [56] [57]

 

Wesentliche Punkte

2009: Der Bestand wächst erneut leicht auf den höchsten Wert der – kurzen – Zeitserie. Die fischereiliche Sterblichkeit ist noch immer zu hoch, obwohl verbesserte Kontrollen nun zu greifen scheinen. Der 2008 modifizierte Managementplan wurde für 2010 implementiert; die Küstenstaaten haben für 2010 bestimmte Arten der Rückwürfe im ganzen Verbreitungsgebiet verboten. Die unregulierten Fänge in der isländischen AWZ haben sich im Vergleich zum Vorjahr verdreifacht und betragen nun 18% des Gesamtfangs. [17] [49] [57]

 

Bestands­zustand

Laicherbiomasse (Reproduktionskapazität)

  volle Reproduktionskapazität (nach Vorsorgeansatz)

 

 

 

Fischereiliche Sterblichkeit

  erhöhtes Risiko (nach Vorsorgeansatz)

  über dem Grenzwert (nach Managementplan)

  übernutzt (nach höchstem Dauerertrag)

 

Bestands­entwicklung

Der Bestand besteht aus drei Komponenten, die sich in der Vergangenheit unterschiedlich entwickelt haben: der westlichen, südlichen und der Nordseekomponente. Die Nordseekomponente, die zur Hochzeit ca. 3 Mio. t Laicherbiomasse aufwies, brach Anfang der 1970er Jahre durch Überfischung zusammen (maximale Anlandungen von über 1 Mio. t jährlich) und hat sich trotz umfassenden Schutzes bis heute nicht erholt. Stattdessen ist die westliche Komponente stark angewachsen, sie wird heute auf den gleichen Fangplätzen in der nördlichen Nordsee gefangen wie früher die Nordseekomponente. Die Zeitreihe für den Gesamtbestand ist kurz, weil vor 1980 keine Informationen über die Nachwuchsproduktion der südlichen Komponente verfügbar waren. In dieser Zeit ist die Biomasse bemerkenswert stabil geblieben, eine Phase schwächeren Nachwuchses führte Anfang dieser Dekade zu einer stark steigenden fischereilichen Sterblichkeit und abnehmender Biomasse. Durch Reduzierung der Fänge und bessere Kontrollen der Anlandungen konnte der Bestand schnell wieder aufgebaut werden. [56] [57]

 

Ausblick

Sollte der aktuelle Managementplan befolgt werden, ist zu erwarten, dass die Biomasse weiter anwächst, die fischereiliche Sterblichkeit sinkt und die Fangmengen weiter moderat erhöht werden können. Allerdings ist unklar, ob sich die stark zunehmende und unregulierte isländische Fischerei in den Managementplan einbinden lässt.

 

Umwelt­einflüsse auf den Bestand

Dieser Bestand ist der am weitesten verbreitete kommerziell genutzte Fischbestand in europäischen Gewässern, und schon dadurch sehr variablen Umweltbedingungen ausgesetzt. Die Variabilität der Nachwuchsproduktion hat in den letzten Jahren zugenommen. Das Verbreitungsgebiet der NO-atlantischen Makrele hat sich in den letzten fünf Jahren deutlich nach NW verschoben, sie kommt im Sommer nun in isländischen Gewässern vor. Die Ursachen hierfür sind unbekannt. [57]

 

Wer und Wie

erfolgt in der Regel gemeinsam durch die Küstenstaaten (EU, Färöer und Norwegen), und getrennt von diesen durch Island und Russland. Fänge in internationalen Gewässern werden durch die Nordostatlantische Fischereikommission (NEAFC) reguliert. Ein Managementplan ist seit 1999 implementiert (verändert 2008), der vom ICES als positiv bewertet wurde (in Übereinstimmung mit dem Vorsorgeansatz). Zum Schutz der Nordseekomponente wurden verschiedene Maßnahmen erlassen (vor allem Gebietschließungen zu bestimmten Jahreszeiten). [57] [58]

 

Differenz zwischen Wissen­schaft und Management

Festgesetzte Höchstfangmenge (TAC) und wissenschaftliche Empfehlung stimmen in der Regel gut überein, mit Ausnahme der Jahre, in denen wegen schlechten Nachwuchses die Fangmenge schnell reduziert werden musste. Erst ab 2007 wurde der Empfehlung gefolgt, Maßnahmen gegen die illegale Fischerei zu implementieren, damit Anlandungen und TACs übereinstimmen. [57]

 

Karten

Verbreitungsgebiet

Managementgebiet

Der Bestand ist in zahlreichen verschiedenen nationalen und internationalen Managementgebieten verbreitet. Makrele wird auch außerhalb jeglicher Managementgebiete gefangen, z.B. zunehmend in der isländischen Wirtschaftszone. Für die südlichen Gebiete setzt die EU bis max. 2013 eine autonome Quote fest. [57]

 

Anlandungen und TACs (in 1.000 t)

Gesamtfang2008: 611,1 (Anlandungen gesamt: 584,3 berichtet: 583,2 bekannte Rückwürfe: 26,8), davon pelagische Schleppnetze XX %, Ringwaden XX %, andere X %
TACs (ohne Island-AWZ)2006: 444  2007: 502  2008: 458  2009: 643  [56] [57] [9]

IUU-Fischerei

Die Information über die Fangzusammensetzung der nicht- oder falschberichteten Fänge ist unvollständig, wird aber in der Bestandsberechnung verwendet. Unabhängige wissenschaftliche Analysen aus Markierungsexperimenten gaben Hinweise, dass die tatsächliche Entnahme bis 2007 40-100% über den gemeldeten legalen Anlandungen liegen könnten. Die Kontrollen wurden daher ab 2007 deutlich verbessert. Die seit 2006 stark steigenden Fänge in der isländischen Wirtschaftszone (2008 und 2009 rund 18 % der Gesamtfänge) sind nicht reguliert. [56]

 

Struktur und Fangmethode

Fast alle Anrainerstaaten unterhalten gerichtete Fischereien auf Makrele. Der weiten geografischen Verbreitung entsprechend kommen Fahrzeuge aller Größen und vielfältige Fangmethoden zum Einsatz, von kleinen offenen Booten für die Handangelei bis zu großen Vollfrost-Fabrikschiffen mit pelagischen Schleppnetzen oder Ringwaden. Gefangen wird fast ausschließlich für die menschliche Ernährung. Die Makrelenfischerei ist derzeit die wertvollste Fischerei in der EU. [13] [14]

 

Beifänge und Rückwürfe

Daten über Rückwürfe sind unvollständig, für die drei Flotten, aus denen solche vorliegen, betrug der Anteil in den letzten Jahren 5-18% der Anlandungen. Die meisten Fischereien zielen auf große Makrelen für den menschlichen Konsum, es gibt Hinweise auf Rückwürfe von kleinerer, aber marktfähiger Ware (highgrading). Bei gemischten Fängen von Makrele mit Hering, Stöcker oder Eberfisch kann es zum Verwerfen des gesamten Fangs kommen (slipping). Diese Fänge treten nur zu bestimmten Jahreszeiten und in bestimmten Gebieten auf. 2008 hat sich die berichtete Menge an Rückwürfen im Vergleich zum Vorjahr verdreifacht. Ab 2010 ist highgrading und slipping im gesamten Verbreitungsgebiet verboten. [17] [49] [57]

 

Einflüsse der Fischerei auf die Umwelt

Pelagische Schleppnetzfischerei und Ringwadenfischerei haben in der Regel geringe Beifänge von Nichtzielarten und beeinflussen der Meeresboden nicht (weil sie ihn nicht berühren). Potentiell problematisch können Beifänge von Seesäugern in Schleppnetzen in den westlichen Gebieten sein. [57]

 

Biologische Besonder­heiten

Dieser Makrelenbestand besteht aus drei Komponenten, die Unterschiede in ihren Laichplätzen und Wanderrouten zeigen. Die Nordseekomponente laicht an der britischen Ostküste, die südliche Komponente über der Schelfkante der Biskaya und der iberischen Halbinsel, und die westliche Komponente über der westbritischen Schelfkante. Von dort aus unternehmen Makrelen ausgedehnte Wanderungen auf die Nahrungsgründe, sie erreichen dabei sogar das Barentssee. Die einzelnen Komponenten mischen sich auf diesen Wanderungen. Trotz umfangreicher Schutzmaßnahmen hat sich die in den frühen 1970er Jahren zusammengebrochene Nordseekomponente nicht erholt. Es wird diskutiert, dass sich in der Nordsee geborene Fische bei der ersten Wanderung auf die Laichgründe den Mitgliedern der westlichen Komponente anschließen, die in der nördlichen Nordsee viel häufiger sind, und so zur westlichen Komponente rekrutieren (entrainment hypothesis). In diesem Fall wäre eine Erholung der Nordseekomponente unwahrscheinlich. [57] [59]

 

Zusätzliche Informationen

Nur eine einzige fischereiunabhängige Datenserie steht für die Bestandsberechnung zur Verfügung: der wegen des enormen Aufwandes nur alle drei Jahre durchgeführte Makrelen-Eiersurvey. Schiffe von sieben Nationen fangen über ein halbes Jahr von Cadiz bis nördlich Schottlands Makreleneier und schließen von deren Häufigkeit auf die Laicherbiomasse zurück. Makrelen wandern und fressen nahe der Wasseroberfläche, sie lassen sich daher auch aus Flugzeugen detektieren. Wegen der wissenschaftlich erforderlichen Anpassung des verwendeten Berechnungsmodelles kam es 2003 zu einer erheblichen Revision der Einschätzung des Bestandszustandes. [56] [57]

 

Soziale Aspekte

Die Fischereien auf Makrele im Nordostatlantik werden mit Fahrzeugen aller Größen durchgeführt, vom offenen Fahrzeug für Handleinenfischerei bis zum über 140 m langen Vollfrost-Trawler. Arbeitsbedingungen an Bord und die Entlohnung sind daher sehr unterschiedlich, richten sich aber nach den Regeln der europäischen Flaggenstaaten. [13]

 

AutorJahrTitelQuelle
[4]Marine Stewardship Council (MSC)Fisch und Meeresfrüchte aus zertifiziert nachhaltiger Fischereimsc.org
[9]Europäische Union (EU)2009Verordnung (EG) Nr. 43/2009 zur Festsetzung der Fangmöglichkeiten und begleitenden Fangbedingungen für bestimmte Fischbestände und Bestandsgruppen in den Gemeinschaftsgewässern sowie für Gemeinschaftsschiffe in Gewässern mit Fangbeschränkungen (2009)europa.eu
[13]Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE)Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) Homepageble.de
[14]Fisch-Informationszentrum e.V. (FIZ)Fisch-Informationszentrum e.V. Homepagefischinfo.de
[17]NEAFC2009North-East Atlantic fisheries commission, 2009, Rec 16: Discards Banneafc.org
[49]Europäische Union (EU)2009Verordnung (EG) Nr. 1288/2009 des Rates zur Festlegung technischer Übergangsmaßnahmen für den Zeitraum vom 1. Januar 2010 bis zum 30. Juni 2011europa.eu
[56]ICES2009Report of the Working Group on Widely Distributed Stocks (WGWIDE), 2 - 8 September 2009, Copenhagen, Denmark. ICES CM 2009/ACOM:12. 563 pp. 2. Northeast Atlantic Mackerelices.dk
[57]ICES2009Report of the Advisory Committee, 2009. Book 9. Widely Distributed and Migratory Stocks. 9.4.2. Mackerel in the Northeast Atlantic (combined Southern, Western, and North Sea spawning components)ices.dk
[58]2010Agreed record of conclusions of fisheries consultations between the European Union and Norway on the management of mackerel in the North-East Atlantic
[59]ICES2007Report of the Workshop on Testing the Entrainment Hypothesis (WKTEST) ICES CM 2007/LRC:10