Bestandsdatenblatt

Goldbarsch 5, 6, 12, 14 (Island)

Gültig 06/2010 - 06/2011

Goldbarsch 5, 6, 12, 14 (Island)

gültig 06/2010 - 06/2011

Zugehörige Fischart

Rotbarsch (2 Arten)

Allgemeine Informationen


Ökoregion:Ostgrönlandschelf, Islandschelf, Färöer-Plateau, Keltischer und Biskaya-Schelf
Fanggebiet:Färöer (5.b), Island (5.a), Keltische Meere (6), südöstl. Grönland (14) FAO 27
Art:Sebastes norvegicus (ehemals S. marinus)

Wissenschaftliche Begutachtung

Internationaler Rat für Meeresforschung (ICES), Kopenhagen, www.ices.dk, und Hafrannsóknastofnunin (Isländisches Meeresforschungsinstitut, MRI), Reykjavik, www.hafro.is

Methode, Frequenz

Jährliche Bestandsberechnung auf der Basis des aus den isländischen Grundfischsurveys berechneten Biomasse-Indikators (Frühjahrssurvey seit 1985, Herbstsurvey seit 1996, decken das Gebiet von 90-98% der kommerziellen Fänge dieser Art ab). Upa wird also anders als die üblichen Vorsorgeansatz-Referenzwerte aus der Verfügbarkeit von Fischen in einem bestimmten Survey abgeleitet. Es gibt keine „klassischen“ Referenzwerte, der ICES betrachtet aber den Upa Referenzwert als vereinbar mit dem Konzept zur Erlangung des höchsten Dauerertrages (MSY). Informationen über die Zusammensetzung der kommerziellen Fänge liegen vor. Weitere Surveys werden in färingischen und grönländischen Gewässern durchgeführt. [84]

Wesentliche Punkte

2010: Die Biomasse ist in den letzten beiden Jahren angewachsen und hat 2009 den Biomasse-Referenzwert Upa überschritten. Zwei starke Goldbarsch-Jahrgänge aus den Jahren 1985 und 1990 sorgen für kontinuierliche Fänge in der isländischen Fischerei auf Rotbarsch. Für das nächste Fischereijahr, beginnend im September 2010, gibt es getrennte Höchstfangmengen (TACs) für Sebastes marinus und S. mentella. [84] [85] [41]

Bestands­zustand

Laicherbiomasse (Reproduktionskapazität)

  volle Reproduktionskapazität (nach Vorsorgeansatz)

 

  Referenzwerte nicht definiert (nach höchstem Dauerertrag)

 

Fischereiliche Sterblichkeit
 

  unbekannt (nach Vorsorgeansatz)

  Referenzwerte nicht definiert (nach Managementplan)

  unbekannt (nach höchstem Dauerertrag)

 

Bestands­entwicklung

Zwischen 1950 und 1960 wurden bis 160 kt jährlich gefangen. Als Folge dieser Überfischung nahm der Bestand in den folgenden Jahren ab, so dass sich die Fangmengen auf 60.000 t - 110.000 t reduzierten. Zwischen 1986 und 1994 nahm der isländische Goldbarschbestand stark ab, seit Mitte der 1990er Jahre hat der Bestand jedoch wieder zugenommen. Traditionell war die deutsche Grundschleppnetzfischerei vor Island stark vertreten. Zwischen 1905 und 1977 wurden jährlich 10.000 t - 200.000 t Rotbarsch, Seelachs und Kabeljau in diesem Gebiet von der deutschen Flotte gefangen. Nach der schrittweisen Ausweitung der ausschließlichen Wirtschaftszone (AWZ) Islands auf 200 Seemeilen im Jahre 1976 wurde der Zugang zu den fischreichen Gewässern Islands stark eingeschränkt, so dass der Islandschelf für die deutsche Fischerei stark an Bedeutung verloren hat. [85] [31]

Ausblick

Seit 1990 ist kein starker Jahrgang mehr aufgetreten, mittelfristig ist daher mit abnehmenden Fangmengen zu rechnen. Die Erkenntnisse über die Stärke der Nachwuchsjahrgänge sind jedoch unsicher. ICES und das isländische Meeresforschungsinstitut empfehlen eine Reduzierung der Anlandungen aus allen Gebieten um rund 25% (von 40.000 t auf 30.000 t). [41] [84]

Umwelt­einflüsse auf den Bestand

Über spezielle Umwelteinflüsse auf diesen Bestand ist bis zum jetzigen Zeitpunkt noch wenig bekannt, der größte Einfluss auf den Bestand wird der Fischerei zugerechnet. Die Verdriftung der Rotbarschlarven und damit das Erreichen der Aufwuchsgebiete auf dem ostgrönländischen und isländischen Schelf spielt für die Rekrutierung eine wichtige Rolle. [84]

Wer und Wie

90-98% der Fänge stammen aus isländischen Gewässern. Es gibt keinen langfristigen Managementplan. Der Bestand wird durch nationale Regelungen bewirtschaftet, die Höchstfangmengen (TACs) und individuell handelbare Quoten vorsehen, sowie Gebietsschließungen und technische Regularien. Ab September 2010 gibt es getrennte TACs für Sebastes mentella und S. marinus. [84] [41] [31]

Differenz zwischen Wissen­schaft und Management

Durch die Bewirtschaftung zweier verschiedener Arten mit einem gemeinsamen TAC kann selbst bei Einhaltung der Höchstfangmenge von einer der Arten mehr entnommen werden, als von der Wissenschaft empfohlen. In den letzten Jahren sind so 10-20% mehr Goldbarsch gefangen worden als empfohlen. Durch die Einführung getrennter TACs ab September 2010 sollte diese Problematik behoben werden. Der für das Fischereijahr 2010/2011 für S. marinus festgesetzte TAC von 30.000 t entspricht den vom ICES und MRI empfohlenen Höchstfangmengen (Information aus dem isländischen Ministerium für Fischerei und Landwirtschaft). [84] [85] [41] [31]

Karten

Verbreitungsgebiet

Managementgebiet

Der Bestand ist in mindestens drei verschiedenen Managementgebieten mit teilweise sehr unterschiedlichen Mechanismen und Zielen verbreitet (Island, Färöer, Grönland), der weitaus größte Teil der Fänge kommt aber aus der isländischen AWZ. [84]

Anlandungen und TACs (in 1.000 t)

Gesamtfang2009: 40,0 (davon 39,3 in Gebiet Va); davon Grundschleppnetze 90-95%, Rest: Langleinen und Kiemennetze
TACs2006/2007: 57 2007/2008: 57 2008/2009: 50 2009/2010: 50
(gemeinsam für S. marinus und S. mentella) 2010/2011: 30 (nur S. marinus) [84] [31]

IUU-Fischerei

Anders als in der Fischerei auf S. mentella in internationalen Gewässern spielt die illegale, unberichtete und unregulierte Fischerei hier keine Rolle, da die Fischerei ausschließlich in nationalen und gut kontrollierten Hoheitsgebieten stattfindet. [84]

Struktur und Fangmethode

Der Goldbarsch wird überwiegend mit dem Grundschleppnetz von mittelgroßen Frischfischfängern bis großen Vollfrost-Fabrikschiffen gefangen, in ausgewählten Gebieten werden auch andere Geräte verwendet. [84]

Beifänge und Rückwürfe

Es wird davon ausgegangen, dass aufgrund der Schließungen wichtiger Aufwuchsgebiete westlich von Island keine wesentlichen Rückwürfe von Goldbarsch in der isländischen Rotbarschfischerei oder in der Grundschleppnetzfischerei auf andere Zielarten vorkommen. Beifänge von Nichtzielarten in der Schleppnetzfischerei und der Langleinenfischerei sind möglich, insbesondere von Tiefsee-Haien. [84] [85]

Einflüsse der Fischerei auf die Umwelt

Durch den Einsatz von Grundschleppnetzen kann der Meeresboden geschädigt werden. Im Fanggebiet für diesen Rotbarschbestand kommen Kaltwasserkorallen vor, die irreversibel durch Schleppnetze zerstört werden können. Dem Kapitän des Fahrzeuges obliegt daher eine hohe Verantwortung bei der Fangplatzwahl. [83] [30]

Biologische Besonder­heiten

Der Goldbarsch ist eine Tiefseeart, die gekennzeichnet ist durch langsames Wachstum und spätes Einsetzen der Geschlechtsreife (im Alter von 12 – 15 Jahren bei etwa 35 cm Länge). Sie ist damit besonders empfindlich gegen Überfischung. Der „typische“ Goldbarsch ist zwischen 35 und 40 cm lang und kommt in Bodennähe zwischen 100 und 400 m vor. Es wurden jedoch auch Exemplare von 100 cm Länge und einem Gewicht von 15 kg gefangen. Rotbarsche kopulieren im Frühwinter, die Larven dieser lebend gebärenden Art werden im April/Mai „geboren“ und wachsen vor allem in Gebieten nördlich und westlich der Insel auf. Der Nachwuchs hält sich in Bodennähe auf dem ostgrönländischen Schelf und am Rande des isländischen Kontinentalschelfs auf. Der Goldbarsch frisst hauptsächlich Zooplankton, Krill und auch kleinere Fischarten wie z.B. Lodde und Hering. [84] [85] [31]

Zusätzliche Informationen

Deutschland ist der größte Abnehmer für Rotbarsch aus isländischen Gewässern.
Die genaue Unterscheidung zwischen Goldbarsch (S. marinus) und Tiefen-Rotbarsch (S. mentella) ist nicht einfach, da sie vom Habitus sehr ähnlich erscheinen. Sie erfordert häufig die Berücksichtigung vieler Körpermerkmale oder genetische Analysen. [14] [31]

Zertifizierte Fischereien

Bislang ist keine Goldbarschfischerei nach einem der gängigen Nachhaltigkeitsstandards zertifiziert.

Soziale Aspekte

Die Goldbarschfischerei wird überwiegend mit mittleren bis großen Hochseefahrzeugen durchgeführt. Die Fahrzeuge fahren unter Flaggen der Küstenstaaten, die Arbeitsbedingungen an Bord und die Entlohnung erfolgt daher nach deren Regeln. [13] [31]

AutorJahrTitelQuelle
[13]Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE)Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) Homepageble.de
[14]Fisch-Informationszentrum e.V. (FIZ)Fisch-Informationszentrum e.V. Homepagefischinfo.de
[30]Food and Agriculture Organization (FAO)FAO. © 2003-2010. Fisheries Topics: Technology. Fish capture technology. In: FAO Fisheries and Aquaculture Department [online]. Rome. Updated 2006 15 09.[Cited 10 June 2010]fao.org
[31]Ministry of Industries and Innovation, IcelandInformationsseite des isländischen Ministeriums für Industrie und Innovation (Ministry of Industries and Innovation)fish.is
[41]Marine and Freshwater Research Institute (MFRI), IslandAdvice-Dokumente zum Status der Meeresfischbestände in Isländischen Gewässern (auf Isländisch und Englisch).hafogvatn.is
[83]Fossa JH, Mortensen PB, Furevik DM2002The deep-water coral Lophelia pertusa in Norwegian waters: distribution and fishery impacts Hydrobiologia 471:1-12
[84]ICES2010Report of the Advisory Committee, 2010. Book 2. Iceland and East Greenland. 2.4.7. Golden redfish (Sebastes marinus) in Subareas V, VI, XII and XIVices.dk
[85]ICES2010Report of the North-Western Working Group (NWWG), 27 April - 4 May 2010, ICES Headquarters, Copenhagen. ICES CM 2010/ACOM:07. 751 pp. 16. Redfish in Subareas V, VI, XII and XIVices.dk