Fischarten

Sardelle, europäische / Anchovis – Engraulis encrasicolus

gültig 05/2015-05/2016

Sardelle, europäische / Anchovis
Engraulis encrasicolus

gültig 05/2015-05/2016

Biologische Charakteristika

Die europäische Sardelle (auch Anchovis genannt) gehört wie Hering, Sprott und Sardine zur Ordnung der Heringsartigen (Clupeiformes), jedoch anders als diese nicht zur Familie der Heringsfische (Clupeidae), sondern zu den Engraulidae (Sardellen). Sie ist ein kleiner, eher kurzlebiger Schwarmfisch, der in der freien Wassersäule (pelagisch) auf dem Kontinentalschelf lebt. Die Tiere tolerieren Salzgehalte von 5-41 und sind daher besonders während der Laichzeit auch in Lagunen und Ästuaren zu finden. Im Sommer schwimmen sie weiter nach Norden und sind dann in geringeren Wassertiefen anzutreffen. Sie ernähren sich hauptsächlich von Kleinkrebsen, aber auch von anderem tierischen Plankton, Fischlaich und planktischen Algen. Anders als die meisten Heringsfische filtern sie ihre Nahrung mit weit geöffnetem Maul aus dem Wasser. [2] [229]

Maxima: Länge: bis 20,0 cm,
Alter: bis 5 Jahre,
Masse: k. A. [229]
IUCN-Status: Europa & global: ungefährdet (LC) [384] [1032] (Zugriff am 27. Nov. 2017)
CITES-Status: nicht gelistet [3]
Widerstandsfähigkeit (resilience): mittel (min. Populationsverdopplungszeit 1,4-4,4 Jahre) [229]
Fruchtbarkeit (fecundity): 13.000 - 20.000 Eier pro Weibchen [2]
Trophische Ebene: 3,1 ± 0,45 (Standardfehler) [229]

Die europäische Sardelle lebt im Nordostatlantik von Norwegen über die Nordsee bis Gibraltar. Das Hauptverbreitungsgebiet sind hier allerdings die südlicheren Gebiete. In den letzten Jahren ist die europäische Sardelle auch häufig in der westlichen Ostsee zu finden. Darüber hinaus ist sie im Mittleren Ostatlantik und im Südostatlantik möglicherweise bis Südafrika verbreitet. Europäische Sardellen kommen außerdem im Mittelmeer und im Schwarzen Meer vor. [2] [229]

Sardellen sind schlanker als Heringsfische und besitzen im Gegensatz zu ihnen einen überstehenden Oberkiefer und ein großes Maul. Die Bauchflossen setzen deutlich vor der Rückenflosse an. Der Rücken der Sardellen ist grün-bläulich die Bauchseiten weiß-silbern gefärbt. Die europäische Sardelle kann eine maximale Länge von 20 cm erreichen, bleibt im Süden des Verbreitungsgebietes aber deutlich kleiner. [2] [229]

Die europäische Sardelle ist eine wichtige befischte Art im Nordostatlantik (FAO 27), im mittleren Ostatlantik (FAO 34) und im Mittelmeer und Schwarzen Meer (FAO 37). Bereits in der Antike wurde u.a. Europäische Sardelle zur Herstellung einer Würzsoße (Garum) verwendet, die im Mittelmeerraum ein wichtiges Handelsgut war. Hierfür wurden die Fische in einem längeren Prozess fermentiert. [2] [14]

Frisches Sardellenfleisch schmeckt bitter. Die Tiere werden daher meist gesalzen und in Öl bzw. Marinade als Konserven zubereitet. Sie sind gelegentlich aber auch als Frischfisch (Afrika und Mittelmeer), getrocknet oder geräuchert erhältlich. Außerdem finden sie in der Produktion von Fischmehl Verwendung. [14] [229]

Marktdaten 2014 (vorl.)

Verbrauch in Deutschland (Speisesardellen): 1.957 t (2013: 2.256 t), Marktanteil: 0,2% [13] [14]

Anlandungen (in 1.000 t)Fänge (in 1.000 t)Laicherbiomasse (in 1.000 t)Laicherbiomasse ZustandFischereiliche SterblichkeitAnmerkungen (insbesondere Managementplan)Gültigkeit
Marokko & Mauretanien 150,4 - - letzte verfügbare Begutachtung von 2012 05/2015 -
01/2016

Klassifizierung nach dem Ansatz des höchstmöglichen nachhaltigen Dauerertrages (MSY), durch den ICES oder analog zu dessen Einteilung:

SymbolBiomasseBewirtschaftung (fischereiliche Sterblichkeit)
innerhalb der Schwankungsbreite um den Zielwertangemessen oder unternutzt
außerhalb der Schwankungsbreite um den Zielwertübernutzt
Zustand unklar, Referenzpunkte nicht definiert und/oder unzureichende DatenZustand unklar, Referenzpunkte nicht definiert und/oder unzureichende Daten
AutorJahrTitelQuelle
[2]Muus BJ, Nielsen JG1999Die Meeresfische Europas Franckh-Kosmos Verlag
[3]CITESConvention on International Trade in Endangered Species of Wild Fauna and Flora, Appendices I, II and IIIcites.org
[13]Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE)Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) Homepageble.de
[14]Fisch-Informationszentrum e.V. (FIZ)Fisch-Informationszentrum e.V. Homepagefischinfo.de
[229]Froese, R. and D. Pauly. Editors.2011FishBase. World Wide Web electronic publication.
www.fishbase.org, version (06/2011).
fishbase
[384]IUCNIUCN Red List of Threatened Species. Version 2011.2. Downloaded on 09 February 2012iucnredlist.org
[1032]Nieto A et al.2015European Red List of Marine Fishes Publications Office of the European Union