Bestandsdatenblatt

Alaska-Seelachs im Golf von Alaska

gültig 12/2013 – 12/2014

Alaska-Seelachs im Golf von Alaska

gültig 12/2013 – 12/2014

Zugehörige Fischart

Alaska-Seelachs

Allgemeine Informationen


Ökoregion:Golf von Alaska
Fanggebiet:Beringsee/Golf von Alaska FAO 67
Art:Gadus chalcogrammus (Theragra chalcogramma)

Wissenschaftliche Begutachtung

Durch Alaska Fisheries Science Center (AFSC), www.afsc.noaa.gov und Alaska Department of Fish and Game (ADF&G), www.adfg.alaska.gov, zusammengestellt und veröffentlicht vom North Pacific Fishery Management Council, (NPFMC), www.alaskafisheries.noaa.gov/npfmc/index.html

Methode, Frequenz

Jährliche Bestandsberechnung mit Vorhersage unter Verwendung von Fangdaten sowie Daten aus mehreren unabhängigen wissenschaftlichen Forschungsreisen. Die Berechnung für das süd-östliche Verbreitungsgebiet erfolgt getrennt. Für diesen Alaska-Seelachs-Bestand ist die Relation zwischen Elterntieren und Nachwuchsproduktion zu unsicher, um Referenzwerte nach dem Konzept des höchstmöglichen nachhaltigen Dauerertrags (MSY) festzulegen. Im Managementplan wird für solche Bestände hilfsweise ein MSY-Biomasse-Referenzwert von 35% der unbefischten Situation festgelegt (B35%). Aufgrund einiger Unsicherheiten in der Bestandsberechnung liegt der Management-Zielwert etwas höher (B40%). Bei Erreichen eines Limitreferenzwerts (B20%) wird die gezielte Fischerei eingestellt. Die Fangempfehlung wird als „akzeptabler Fang“ (ABC = Acceptable Biological Catch) angegeben. Referenzwerte für die fischereiliche Sterblichkeit werden in Bezug dazu (FABC) und in Bezug zur Überfischung (FOFL ~ Fmsy) gegeben. [195] [327] [699]

Wesentliche Punkte

Die Laicherbiomasse wird 2014 über dem Referenzwert zur Erlangung des höchstmöglichen nachhaltigen Dauerertrages (B35%), sowie über dem anspruchsvolleren Management-Zielwert (B40%) liegen. Der Bestand wird nachhaltig bewirtschaftet. [699]

Bestands­zustand

Laicherbiomasse (Reproduktionskapazität)

    Referenzwerte nicht definiert (nach Vorsorgeansatz)

  innerhalb der Schwankungsbreite um den Zielwert (nach Managementplan)

  innerhalb der Schwankungsbreite um den Zielwert (nach höchstem Dauerertrag)

 

Fischereiliche Sterblichkeit

    Referenzwerte nicht definiert (nach Vorsorgeansatz)

  innerhalb der Schwankungsbreite um den Zielwert (nach Managementplan)

  angemessen (nach höchstem Dauerertrag)

 

B35% dient als MSY-Referenzwert für die Laicherbiomasse, FOFL für die fischereiliche Sterblichkeit (F). Management-Ziele sind der anspruchsvollere Biomasse-Referenzwert B40% und FABC für F.

Bestands­entwicklung

Alaska-Seelachs war Mitte der 1960er Jahre nur Beifang in anderen Fischereien z.B. auf pazifischen Rotbarsch. Als diese Fischereien abnahmen, wurde Alaska-Seelachs immer mehr zur primären Zielart. Die gerichtete Fischerei begann im Golf von Alaska durch ausländische Fahrzeuge in den frühen 1970er Jahren; Mitte der 1970er Jahre kamen US-Schiffe hinzu. Die Fänge nahmen Ende der 1970er bis Anfang der 1980er Jahre stark zu. Seit 1988 wird die Fischerei nur noch durch US-Fahrzeuge durchgeführt. Diese Bestandsbeschreibung bezieht sich auf die westlichen und zentralen Gebiete und umfasst somit das Hauptverbreitungsgebiet im Golf von Alaska. Die Bestandsgröße war bis Ende der 1970er Jahre relativ niedrig, stieg dann aber in den frühen 1980er Jahren auf ihren Höchstwert. Danach war zunächst eine rapide Abnahme des Bestandes zu beobachten. Bis 1995 hat sich die Biomasse auf niedrigerem Wert stabilisiert, fiel Ende der 1990er aber unter 40% der unbefischten Bestandsgröße und erreichte 2003 das Minimum von 18%. Seit 2009 ist ein stetiger Anstieg zu beobachten und die Vorhersage für 2014 sieht die Laicherbiomasse wieder über allen Referenzwerten. Die fischereiliche Sterblichkeit liegt unter den Referenzwerten, der Bestand wird also nachhaltig bewirtschaftet. Ausschlaggebend für die Klassifizierung des Bestandszustandes ist die Laicherbiomasse der Weibchen. [699]

Ausblick

Die Vorhersagen für die Bestandsentwicklung der nächsten fünf Jahre sind sehr variabel. Die Biomasse wird bis 2015 stabil bleiben oder etwas abnehmen, danach aber wieder ansteigen. Die Fangmöglichkeiten werden wahrscheinlich weitgehend stabil bleiben. [699]

Umwelt­einflüsse auf den Bestand

Alaska-Seelachs im Golf von Alaska zeigt eine Abhängigkeit von diversen Umweltfaktoren. Insbesondere die Temperatur hat einen Einfluss auf die Nachwuchsproduktion. [699]

Wer und Wie

Das Fischereimanagement in den Gewässern der USA erfolgt nach dem Magnuson-Stevens Fishery Conservation and Management Act (MSFCM) von 1976. Der National Marine Fisheries Service (NMFS) bewirtschaftet die Grundfischfischerei in der ausschließlichen Wirtschaftszone (3-200 sm, Bundesgewässer) im Golf von Alaska (GOA). Das Management von Bundesstaatsgewässern (0-3 sm) unterliegt dem Alaska Department of Fish and Game (ADF&G). Für Alaska-Seelachs existiert in den westlichen und zentralen Gebieten des GOA eine parallele Fischerei, das heißt, die Bundes-Regularien gelten mit geringen Abweichungen auch in den Gewässern Alaskas und die staatliche Höchstfangmenge (TAC) darf dort gefischt werden. Die Bewirtschaftung erfolgt gemäß dem Managementplan für Grundfische im GOA. Alaska-Seelachs ist eine Zielart dieses Managementplanes, der unter anderem Regularien zu Fanggeräten, Gebietsschließungen, Beifangreduzierung (siehe „Beifänge und Rückwürfe“) und Meldepflichten enthält. Die TACs werden auf Basis der wissenschaftlichen Empfehlungen unter Berücksichtigung sozialer und ökonomischer Aspekte festgelegt. [195] [196] [327] [699]

Differenz zwischen Wissen­schaft und Management

Die Höchstfangmengen (TACs) für diesen Bestand werden seit Jahren den wissenschaftlichen Empfehlungen folgend festgesetzt. Die jährlichen Anlandungen liegen innerhalb dieser Vorgaben. [699]

Karten

Verbreitungsgebiet

Managementgebiet

Die Bewirtschaftung von Alaska-Seelachs im Golf von Alaska erfolgt über zwei Höchstfangmengen (TACs), eine für die westlichen und zentralen (West, Central & West Yakutat) und eine für die süd-östlichen Gebiete, sowie ein festgelegtes „harvest level“ für den Prince William-Sund. Der TAC für die süd-östlichen Gebiete kann von den herkömmlichen Fahrzeugen wegen des Verbots von Schleppnetzen nicht genutzt werden. Für dieses Gebiet gibt es eine getrennte Bestandsberechnung. [193] [327] [699]

Anlandungen und TACs (in 1.000 t)

Gesamtfang2012: 104,0 (inkl. Prince William-Sund; Südost: 0); davon etwa 90% pelagische Schleppnetze
TACs (West, Central & West Yakutat / Südost / Prince William-Sund)2010: 75,5 / 9,2 / 1,7 2011: 87,0 / 9,2 / 1,7 2012: 105,7 / 10,8 / 2,8 2013: 110,3 / 10,8 / 2,7 2014: 162,4 / 12,6 / 4,2 [699] [700]

IUU-Fischerei

Es gibt keine Hinweise auf unberichtete oder illegale Fänge von Alaska-Seelachs aus dem Golf von Alaska.

Struktur und Fangmethode

Im Golf von Alaska werden etwa 90% der Fänge mit pelagischen Schleppnetzen gefischt. Im Winter zielt die Fischerei vor allem auf Vorlaicher-Ansammlungen in der Shelikof-Straße und nahe der Shumagin-Inseln. Die Sommerfischerei ist weniger vorhersagbar, findet in der Regel aber östlich von Kodiak Island und küstennah entlang der Alaska-Halbinsel statt. Die Höchstfangmengen werden auf vier Zeiträume verteilt. [196] [327] [699]

Beifänge und Rückwürfe

Die Fischerei mit pelagischen Schleppnetzen kann ohne nennenswerte unerwünschte Beifänge durchgeführt werden. Zwischen 2008 und 2012 bestanden etwa 95% der Fänge in dieser Fischerei aus Alaska-Seelachs (bezogen auf Zielarten). Alaska-Seelachs muss generell an Bord behalten werden, wenn die Fischerei geöffnet ist, unabhängig vom verwendeten Netz und der angegebenen Zielart (soweit nicht andere Regularien greifen). Rückwürfe kommen aber dennoch vor (2012: 1,9% bezogen auf den Gesamtfang), meist zu kleine Alaska-Seelachse oder solche, die zu groß für die Filetiermaschinen sind. Neben mit Höchstfangmengen regulierten Arten werden auch Beifänge von Arten berücksichtigt, die als Nahrung für andere Elemente des Ökosystems wichtig sind. Schließlich gibt es ein Fangverbot für Arten, die die traditionelle küstennahe Fischerei stützen, und die daher vermieden oder unverzüglich unverletzt zurückgesetzt werden müssen. Zu diesen Arten gehören pazifischer Hering, pazifischer Heilbutt, alle pazifischen Lachse und verschiedene Krabben. 2010 war der Beifang von Königslachs so hoch, das besondere Management-Maßnahmen ergriffen wurden, um diesen Beifang zu verringern. Dieser Beifang konnte seither erheblich gesenkt werden. [195] [327] [362] [699]

Einflüsse der Fischerei auf die Umwelt

Diese Fischerei wird hauptsächlich mit pelagischen Schleppnetzen durchgeführt, die wenig Grundberührung haben. Besonders empfindliche Gebiete (z.B. Kaltwasserkorallen) sind für die Schleppnetzfischerei geschlossen. Alaska-Seelachs ist Hauptnahrungsquelle für Stellersche Seelöwen (westliche Art). Die Fischerei könnte daher einen negativen Einfluss auf die nach IUCN Kriterien stark gefährdeten (EN) Art (Zugriff 04. Febr. 2014) haben. Das Management für Alaska-Seelachs enthält verschiedene Regularien, um die Seelöwen zu schützen und ihre Ernährung zu sichern. Hierzu gehören Schließungen der Fischerei den Gewässern um Seelöwenkolonien, Reduzierung der Alaska-Seelachs Entnahme aus bestimmten Gebieten und die Verteilung der Fischerei auf verschiedene Zeiträume. Außerdem soll die gerichtete Fischerei geschlossen werden, wenn die Alaska-Seelachs Laicherbiomasse im nächsten Jahr unter den Limitreferenzwert (B20%) zu fallen droht. [195] [196] [384] [699]

Biologische Besonder­heiten

Alaska-Seelachs (englisch Alaska pollock oder walleye pollock) gehört zu den dorschartigen Fischen (Gadiformes), ist also entgegen seinem deutschen Namen kein Lachsverwandter. Neuere genetische Studien zu den Verwandtschaftsverhältnissen verschiedener Dorschartiger ergaben, dass Alaska-Seelachs evolutionsbiologisch in eine Reihe mit den verschiedenen Kabeljau-Arten in Atlantik und Pazifik gehört. Aus diesem Grund erfolgte eine neue taxonomische Einordnung. Der lateinische Name ändert sich daher von Theragra chalcogramma in Gadus chalcogrammus, an der deutschen Handelsbezeichnung wird sich dagegen vermutlich nichts ändern. [551] [697]

Zusätzliche Informationen

In den Gewässern um Alaska werden vier Alaska-Seelachs Bestände bewirtschaftet: Östliche Beringsee, Aleuten, Bogoslof-Insel und Golf von Alaska. Zwischen den ersten dreien gibt es wahrscheinlich einen Austausch, während der Bestand im Golf von Alaska separierter ist. Die Trennung von den Beständen in der Beringsee ist durch die Analyse von Larvendrift sowie durch genetische Untersuchungen nachgewiesen. Der größte Bestand ist der in der östlichen Beringsee. Um den Konsumenten vor radioaktiv belasteten Lebensmitteln zu schützen, besonders nach dem Reaktor-Unglück im japanischen Fukushima, führt die EU regelmäßige Importkontrollen durch; Eigenkontrollen der deutschen Industrie ergänzen diese Untersuchungen. Die Kontrollen aus dem gesamten Pazifik zeigen, dass bislang keine radioaktiv belasteten Fischereierzeugnisse in die EU eingeführt werden. Die Informationen werden regelmäßig aktualisiert (siehe Literaturquellen für entsprechende Links). [346] [347] [348] [699]

Zertifizierte Fischereien

Die gesamte Alaska-Seelachs Fischerei der USA (100% der Fangmenge) ist seit 2005 nach den Standards des Marine Stewardship Councils (MSC) nachhaltigkeitszertifiziert. Die Fischerei auf Alaska-Seelachs im Golf von Alaska wurde 2010 für weitere fünf Jahre zertifiziert. [4] Siehe http://www.msc.org/track-a-fishery/fisheries-in-the-program/certified/pacific/gulf-of-alaska-pollock

Soziale Aspekte

Innerhalb der ausschließlichen Wirtschaftszone (AWZ) der USA steht Alaska-Seelachs für die größten Fänge einer einzelnen Art. Die Alaska-Seelachs Fischerei in der Beringsee, um die Aleuten, sowie im Golf von Alaska ist im Moment die größte Fischerei in den USA und eine der größten Weißfisch-Fischereien weltweit. Im Golf von Alaska fischen nur einheimische Fahrzeuge, die Arbeitsbedingungen an Bord und die Entlohnung erfolgt daher nach US-Regeln. [193] [699]

AutorJahrTitelQuelle
[4]Marine Stewardship Council (MSC)Fisch und Meeresfrüchte aus zertifiziert nachhaltiger Fischereimsc.org
[13]Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE)Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) Homepageble.de
[14]Fisch-Informationszentrum e.V. (FIZ)Fisch-Informationszentrum e.V. Homepagefischinfo.de
[193]Alaska Fisheries Science Center (AFSC)Alaska Fisheries Science Center, AFSCafsc.noaa
[195]North Pacific Fishery Management Council (NPFMC)North Pacific Fishery Management Council: Homepagefakr.noaa
[196]Woodby D, Carlile D. Diddeek S, Funk F, Clark JH, Hulbert L2005Commercial fisheries of Alaska, Special Publication No. 05-09, ADF&Gadfg.alaska
[327]North Pacific Fishery Management Council (NPFMC)Bering Sea/Aleutian Islands and Gulf of Alaska Groundfishfakr.noaa
[346]Bundesverband der deutschen Fischindustrie und des Fischgroßhandels e.V.2011Pressemitteilung: Fischereierzeugnisse aus dem Pazifik sind sicher! Hamburg, 12.7.2011fischverband.de
[347]European ComissionHomepage: European comission, energy, Fukushima nuclear emergencyeuropa.eu
[348]Thünen-InstitutHomepage: Leitstelle zur Überwachung der Umweltradioaktivität in Fischthuenen.de
[362]National Oceanic and Atmospheric Administration, NOAA2011Fisheries of the Exclusive Economic Zone Off Alaska; Chinook Salmon Bycatch Management in the Gulf of Alaska Pollock Fishery; Amendment 93, Federal Register /Vol. 76, No. 240 /Wednesday, December 14, 2011 / Proposed Rulesfakr.noaa
[384]IUCNIUCN Red List of Threatened Species. Version 2011.2. Downloaded on 09 February 2012iucnredlist.org
[551]Eschmeyer WN (ed.)Catalog of Fishes. California Academy of Sciences (http://research.calacademy.org/research/ichthyology/catalog/fishcatmain.asp) Electronic version accessed 07 Nov. 2012.calacademy.org
[679]ICES2013Report of the Advisory Committee 2013, Book 3. The Barents Sea and the Norwegian Sea. 3.4.4. Haddock in Subareas I and II (Northeast Arctic)ices.dk
[699]North Pacific Fishery Management Council (NPFMC)2013Stock assessment and fishery evaluation report for the groundfish resources of the Gulf of Alaskanoaa.gov
[700]National Oceanic and Atmospheric Administration (NOAA)2014Fisheries of the Exclusive Economic Zone Off Alaska; Inseason Adjustment to the 2014 Gulf of Alaska Pollock and Pacific Cod Total Allowable Catch Amounts Federal Register / Vol. 79, No. 3 / Monday, January 6, 2014 / Rules and Regulations