Fischarten

Dornhai – Squalus spp.

gültig 08/2019-10/2020

Biologische Charakteristika

Seit 2011 werden zwei wesentliche genutzte Dornhaiarten taxonomisch getrennt: Der weltweit verbreitete gewöhnliche Dornhai (Squalus acanthias) und der gefleckte Dornhai (Squalus suckleyi) im Nordpazifik (auch nordpazifischer Dornhai genannt). Beide Arten unterscheiden sich morphologisch und molekularbiologisch. In diesem Artdatenblatt werden beide Arten gemeinsam behandelt.
Haie haben wie auch Rochen ein Skelett aus Knorpel und gehören daher zu den Knorpelfischen. Beide hier behandelten Squalus-Arten besitzen je einen kräftigen Stachel vor den zwei Rückenflossen. Im Wasser sind Dornhaie für den Menschen nicht gefährlich, gefangene Tiere können aber an Land oder Deck durch schnelle Körperbewegungen mit ihren Dornen Verletzungen hervorrufen. Über die Wunde kann ein Gift eindringen, das für die meisten Menschen nur leicht reizend ist, aber in Ausnahmen auch heftige allergische Reaktionen hervorrufen kann.
Dornhaie sind ovovivipar (=aplazental vivipar), das heißt die Jungtiere entwickeln sich zunächst in Eiern, schlüpfen jedoch noch innerhalb des Mutterleibs und liegen danach frei im Eileiter. Tragzeit und Anzahl der Jungen variiert regional und auch mit der Größe des Muttertiers. Würfe können 1-20 Jungtiere enthalten, in der Regel etwa 4-8. Auch die Tragzeit variiert regional zwischen 18 und 24 Monaten. Das Alter bei Erreichen der Geschlechtsreife hängt von Geschlecht und Region ab. Für Weibchen werden 10-35 Jahre, für Männchen 6-14 Jahre angegeben. Die Länge der Jungtiere beträgt bei der Geburt 20-33 cm. Langsames Wachstum, späte Geschlechtsreife und lange Tragzeiten mit wenigen Nachkommen machen diese Arten sehr empfindlich für Überfischung. Die Neigung zur Schwarmbildung (nach Größe und bei reifen Tieren nach Geschlecht) führt zu einer zusätzlichen Gefährdung, da Ansammlungen großer Fische (z.B. reifer Weibchen) besonders leicht zu fangen sind. Die gezielte Entnahme reifer Weibchen und die Verschiebung des Geschlechterverhältnisses haben negativen Einfluss auf die Nachwuchsproduktion.
Dornhaie leben vor allem im Meerwasser, können aber Brackwasser tolerieren. Oft sind sie in Buchten und Ästuaren zu finden, wandern hier aber ab, wenn das Wasser saisonal bedingt zu salzarm oder zu warm wird. In der Regel halten sich Dornhaie in Bodennähe (demersal) auf, können aber auch in der Wassersäule (pelagisch) und an der Oberfläche angetroffen werden. Es gibt wanderende, aber auch ortsgebundene Komponenten. Das Wanderverhalten und die zeitweise pelagische Lebensweise erschweren genaue Bestandsuntersuchungen.
Dornhaie stehen weit oben im Nahrungsnetz; sie fressen was zur Verfügung steht (opportunistische Ernährung). Die Nahrung besteht vor allem aus Knochenfischen wie Hering, Sardinen, Makrelen, Kabeljau und verschiedenen Plattfischen, aber auch Wirbellose wie Tintenfische, Borstenwürmer, Krebse, Seegurken und Quallen werden gefressen. [2] [100] [170] [175] [176] [181] [229]

Maxima: S. acanthias Länge: bis 122 cm, Alter: bis 75 Jahre, Masse: bis 9,1 kg
S. suckleyi Länge: bis 140 cm [229]
IUCN-Status: S. acanthias Europa & Mittelmeer: stark gefährdet (EN), global: gefährdet (VU)
S. suckleyi: ungefährdet (LC) [384] [1032] (Zugriff 26. Aug. 2019)
CITES-Status: nicht gelistet [3]
OSPAR-Status: S. acanthias gelistet, alle Regionen [134]
Widerstandsfähigkeit (resilience): beide Arten sehr niedrig (Verdoppelung der Population dauert mehr als 14 Jahre) [229]
Fruchtbarkeit (fecundity): beide Arten niedrig, lebendgebärend (ovovivipar), Tragzeit 18-24 Monate (1-20 Jungtiere pro Weibchen) [2] [229]
Trophische Ebene: beide Arten 4,4 ± 0,4 (Standardfehler) [229]

Dornhaie sind weltweit in temperierten und borealen Meeresgebieten verbreitet. Man findet sie daher in weiten Bereichen des Atlantiks und des Pazifiks. Sie leben auf dem Kontinentalschelf und in den oberen Bereichen der Kontinentalabhänge bis zu Tiefen von 900 m, meist aber in flacheren Gebieten. Das Verbreitungsgebiet des gewöhnlichen Dornhais (Squalus acanthias) umfasst den Westatlantik von Grönland und Labrador (Kanada) bis Florida und Kuba sowie Uruguay und Argentinien, wobei er zwischen Nova Scotia (Kanada) und Cape Hatteras (USA) besonders häufig vorkommt; außerdem den Ostatlantik von Island bzw. Russland bis Marokko einschließlich Nordsee und westliche Ostsee, Mittelmeer und Schwarzes Meer sowie die südliche afrikanische Küste. Im Südpazifik ist er um Australien und Neuseeland, sowie vor Südamerika (Peru und Chile) verbreitet.
Im Nordpazifik ist gefleckte Dornhai (Squalus suckleyi) zu finden. Er ist im Westen von Korea und Japan bis nach Russland, im Beringmeer und im Osten von den Aleuten bis nach Südkalifornien bzw. Mexiko verbreitet. [100] [170] [229]

Dornhaie besitzen einen lang gestreckten, schlanken Körper und eine kurze spitze Schnauze. Die Körperoberseite ist grau oder blaugrau gefärbt und kann eine unregelmäßige Anordnung weißer Flecken auf den Seiten aufweisen. Die Bauchseite ist heller, bis hin zu weiß. Die erste Rückenflosse ist grösser als die zweite und vor beiden sitzt ein kräftiger Stachel. Sie besitzen keine Analflosse. [2] [100] [229]

Squalus acanthias und S. suckleyi sind die wahrscheinlich häufigsten Haiarten. Ihre fischereiwirtschaftliche Bedeutung kommt an die kommerziell genutzter Knochenfische heran. Es kam in der Vergangenheit häufig zur Übernutzung, aber die enorme Häufigkeit schützte die Bestände bisher vor dem Verschwinden. Die gezielte Fischerei wird vorher aus ökonomischen Gründen beendet. Es gibt weltweit noch einige Fischereien auf Dornhai, die Übernutzung und veränderte Nachfrage haben aber zur Abnahme vor allem der gezielten Dornhai-Fischereien geführt. In einigen Gebieten richtet Dornhai in der Fischerei wirtschaftlichen Schaden durch das Zerstören von Fanggerät und das Anfressen von Fängen an. [100] [175]

In Deutschland sind besonders die geräucherten Bauchlappen als Schillerlocken beliebt, und in Gelee mariniert kommt das Fleisch als Seeaal in den Handel. Im Vereinigten Königreich ist Dornhai als „rock salmon“ bekannt. Dornhai wird frisch, gefroren, getrocknet und gesalzen und geräuchert angeboten. Darüber hinaus werden Vitaminprodukte, Tiernahrung, Leder und Düngemittel aus Dornhai hergestellt. [2] [14] [100] [229]

Marktdaten: Alle Dornhaiarten auf dem deutschen Markt zusammengefasst.

2018 (vorl.): Verbrauch in Deutschland: 283 t (2017: 131 t), Marktanteil (Fische, Krebse, Weichtiere): 0,02% (2017: 0,01%) [13] [14]

Anlandungen (in 1.000 t)Fänge (in 1.000 t)Laicherbiomasse (in 1.000 t)Laicherbiomasse ZustandFischereiliche SterblichkeitAnmerkungen (insbesondere Managementplan)Gültigkeit
Golf von Alaska (NOP: Kanada, NOP: Alaska) 2,0 - - nach Vorsorgeansatz 05/2012 -
12/2012
Kalifornienstrom (NOP: USA) - 1,2 - nach Vorsorgeansatz 05/2012 -
12/2012
Neufundland-Labrador (NWA: Kanada) 0,1 - - - 04/2016 -
04/2017
Neuseeland 5,1 - - - 05/2018 -
05/2019
Nordostatlantik 0,3 - - keine gezielte Fischerei, keine Laicherbiomasse, nur totale Biomasse 10/2018 -
10/2020
Strait of Georgia (NOP: Kanada) 0,3 - - nach Vorsorgeansatz 05/2012 -
12/2012
US-Schelf (NWA: USA) 10,7 16,5 139,0 Mgmt.plan seit 2000/2003 10/2015 -
12/2018

Klassifizierung nach dem Ansatz des höchstmöglichen nachhaltigen Dauerertrages (MSY), durch den ICES oder analog zu dessen Einteilung:

SymbolBiomasseBewirtschaftung (fischereiliche Sterblichkeit)
innerhalb der Schwankungsbreite um den Zielwertangemessen oder unternutzt
außerhalb der Schwankungsbreite um den Zielwertübernutzt
Zustand unklar, Referenzpunkte nicht definiert und/oder unzureichende DatenZustand unklar, Referenzpunkte nicht definiert und/oder unzureichende Daten
AutorJahrTitelQuelle
[2]Muus BJ, Nielsen JG1999Die Meeresfische Europas Franckh-Kosmos Verlag
[3]CITESConvention on International Trade in Endangered Species of Wild Fauna and Flora, Appendices I, II and IIIcites.org
[13]Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE)Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) Homepageble.de
[14]Fisch-Informationszentrum e.V. (FIZ)Fisch-Informationszentrum e.V. Homepagefischinfo.de
[100]Food and Agriculture Organization (FAO)2010FAO. © 2010. FAO FishFinder, the Species Identification and Data Programme. FAO FishFinder. In: FAO Fisheries and Aquaculture Department [online]. Rome. Updated 6 April 2010.fao.org
[134]OSPAR Commission2010OSPAR List of Threatened and/or Declining Species and Habitats (Reference Number: 2008-6)ospar.org
[170]Ebert DA, White WT, Goldman KJ, Compagno LJV, Daly-Engel TS, Ward R2010Resurrection and redescription of Squalus suckleyi (Girard, 1854) from the North Pacific, with comments on the Squalus acanthias subgroup (Squaliformes: Squalidae) Zootaxa 2612:22-40
[175]Compagno LJV1984FAO Species Catalogue. Vol. 4. Sharks of the world. An annotated and illustrated catalogue of shark species known to date. Part 1 Hexanchiformes to Lamniformes. FAO Fish. Synop. 125 (4/1):1-249
[176]Heessen HJL, Daan N1996Long-term trends in ten non-target North Sea fish species ICES J. Mar. Sci. 53: 1063–1078
[181]Food and Agriculture Organization (FAO)2007Report of the Second FAO ad hoc Advisory Panel for the assessment of proposals to amend Appendices I and II of CITES concerning commercially-exploited aquatic species. Rome, 26–30 March 2007. FAO Fisheries Report No. 833. FIMF/R833
[229]Froese, R. and D. Pauly. Editors.2011FishBase. World Wide Web electronic publication.
www.fishbase.org, version (06/2011).
fishbase
[384]IUCNIUCN Red List of Threatened Species. Version 2011.2. Downloaded on 09 February 2012iucnredlist.org
[1032]Nieto A et al.2015European Red List of Marine Fishes Publications Office of the European Union