Bestandsdatenblatt

Nordostatlantischer Dornhai

Gültig 01/2011 - 10/2011

Allgemeine Informationen

Ökoregion:Barentsmeer (Nordost-Arktis), Norwegische See, Islandschelf, Färöer-Plateau, Keltischer und Biskaya-Schelf, Nordsee
Fanggebiet:NNorwegische See (II), Nordsee (IV, IIIa), Keltische Meere (VI, VII), Island (Va), Färöer (Vb), Biskaya (VIII) FAO 27
Art:Squalus acanthias

Wissenschaftliche Begutachtung

Internationaler Rat für Meeresforschung (ICES), Kopenhagen, www.ices.dk

Methode, Frequenz

Der erste ICES-Advice für den Nordostatlantischen Dornhai wurde für 2006 herausgegeben und erfolgt seitdem jährlich oder alle zwei Jahre. Er basiert auf Anlandedaten und Daten aus wissenschaftlichen Forschungsreisen. Referenzpunkte sind nicht definiert. Die Bestandsberechnung ist aufgrund unvollständiger Anlandedaten und fehlender Informationen über Rückwürfe sehr unsicher. [104]

Wesentliche Punkte

2010: Die gesetzliche Höchstfangmenge (TAC) ist auf null reduziert worden (EU- und internationale Gewässer). Seit 2011 gibt es auch keine Beifangquote mehr. In Norwegen ist die Fischerei auf Dornhai verboten. [121] [104] [167] ] [Fischereidirektorat Norwegen, persönliche Mitteilung, April 2011]

Bestands­zustand

Laicherbiomasse (Reproduktionskapazität)

  Referenzwerte nicht definiert (nach Vorsorgeansatz)

  Referenzwerte nicht definiert (nach Managementplan)

  außerhalb der Schwankungsbreite um den Zielwert (nach höchstem Dauerertrag)

 

Fischereiliche Sterblichkeit

  Referenzwerte nicht definiert (nach Vorsorgeansatz)

  Referenzwerte nicht definiert (nach Managementplan)

  angemessen (nach höchstem Dauerertrag)

 

Als Maß für den Fischereidruck dient hier die Nutzungsrate.

Bestands­entwicklung

Vor Beginn des 20sten Jahrhunderts war Dornhai von geringer fischereilicher Bedeutung. In der ersten Hälfte des 20sten Jahrhunderts wurde er als Lieferant von Lebertran und für die menschliche Ernährung immer wertvoller und immer stärker auch gezielt befischt. In den 1960ern wurden bis über 60.000 t im Jahr angelandet. Abgesehen von einem kleineren Anstieg in den 1980ern nahmen die Anlandungen seitdem stetig ab. Die Nachwuchsproduktion sank stufenweise seit den 1960ern und auch die Biomasse nahm kontinuierlich ab und hat sich in den letzten Jahren auf niedrigem Niveau etwas stabilisiert. Seit 2006 warnt der ICES, dass der Bestand erschöpft ist und Gefahr läuft zu kollabieren. [101] [104]

Ausblick

Trotz Schließung der gezielten Fischerei und Regulierung des Beifanges wird die Erholung des Bestandes aufgrund des Mangels an reifen Weibchen sehr langsam erfolgen und wahrscheinlich viele Jahre dauern. [101] [133]

Umwelt­einflüsse auf den Bestand

Das Wanderverhalten von Dornhaien ist wahrscheinlich stark mit der Wassertemperatur korreliert. Die bevorzugte Temperatur liegt zwischen 7-8 und 12-15°C und es werden horizontale und vertikale Wanderungen unternommen, um in diesem Temperaturbereich zu bleiben. [175]

Wer und Wie

Die Bewirtschaftung von Dornhai im Nordostatlantik erfolgt durch die Küstenstaaten Europäische Union, Norwegen, Island und die Färöer Inseln durch eigene Bewirtschaftungsregeln. Es gibt keinen Managementplan. Seit 2003 ist in europäischen Gewässern das „Finning“ verboten, bei dem die Haifischflossen abgetrennt und der Hai wieder ins Meer zurückgeworfen wird. Im Februar 2009 wurde der Aktionsplan der Europäischen Gemeinschaft für die Erhaltung und Bewirtschaftung der Haibestände verabschiedet. Die Nordostatlantische Fischereikommission (NEAFC) verbietet die Dornhaifischerei auch in internationalen Gewässern. [104] [135] [136] [180]

Differenz zwischen Wissen­schaft und Management

Seit 1999 werden gesetzliche Höchstfangemengen (TACs) für Dornhai festgelegt, allerdings bis einschließlich 2006 nur für die Nordsee und die Norwegische See. Die Gesamtanlandungen aus allen Gebieten lagen daher immer weit darüber. Der ICES empfiehlt seit seinem ersten Advice für 2006 die Schließung der gerichteten Fischerei, Minimierung der Beifänge und Ausweitung der TACs auf alle Gebiete, in denen Dornhai gefangen wird. Diesen Empfehlungen wurde jedoch nur schrittweise gefolgt. Erst 2007 wurden Höchstfangmengen für alle Gebiete festgelegt und in Nordsee und Norwegischer See als Beifangquote deklariert. Für 2008 wurden die weiter reduzierten TACs für alle Gebiete als Beifangquoten ausgewiesen. 2009 gab es wieder reguläre Höchstfangmengen, und es wurde der aktuellen ICES- Empfehlung gefolgt, eine Höchstanlandelänge von 100 cm festzulegen, um reife Weibchen zu schützen. Die TACs 2010 wurden auf Null festgesetzt, allerdings waren noch immer Beifänge von bis zu 10% der Vorjahresquote erlaubt. Für 2011 empfahl der ICES erneut, die Fangmengen für Dornhai auf Null zu setzen, und die EU ist in ihrer aktuellen Verordnung zu den Fangmöglichkeiten dieser Empfehlung gefolgt. In Norwegen ist die Fischerei auf Dornhai verboten. [120] [104] [125] [167] [Fischereidirektorat Norwegen, persönliche Mitteilung, April 2011]

Karten

Verbreitungsgebiet

Managementgebiet

Der ICES betrachtet den Dornhai von der Barentssee bis in die Biscaya als einen gemeinsamen Bestand. Fänge vor der spanischen Küste (ICES Gebiet IX) gehören möglicherweise ebenfalls zum Nordostatlantischen Bestand, werden hier aber vermehrt mit anderen Arten vermischt. Beziehungen zu den Populationen im Mittelmeer sind unklar. [101]

Anlandungen und TACs (in 1.000 t)

GesamtfangAnlandungen 2009: 1,5 (ohne Frankreich und Färöer Inseln)
TACs 2006: 1,05 (nur IIa, IV) 2007: 3,7 (teilweise Beifangquote) 2008: 2,6 (Beifangquote) 2009: 1,4 2010: 0 2011: 0 [9] [104] [121] [167]

IUU-Fischerei

Es gibt keine Hinweise auf illegale oder unberichtete Fänge von Dornhai im Nordostatlantik. [177]

Struktur und Fangmethode

Es gibt keine gerichtete Fischerei mehr auf Dornhai im Nordostatlantik. 2009 setzten sich die Anlandungen überwiegend aus Beifängen gemischter Grundschleppnetz- und Kiemennetz-Fischerei in den ICES Gebieten Nordsee (IV), westlich Schottlands (VIa) und Keltische Meere (VII) zusammen. [101]

Beifänge und Rückwürfe

Da es keine gerichtete Fischerei auf Dornhai mehr gibt, ist Dornhai selbst nur Beifang. 2010 waren in der EU Beifänge von insgesamt bis zu 142 t (einschließlich anderer Haiarten) zulässig, wenn die Höchstanlandungsgröße von 100 cm eingehalten wurde und die Beifänge weniger als 10% aller an Bord befindlichen Meerestiere ausmachten. Seit 2011 müssen alle Fänge soweit möglich unverzüglich und unversehrt ausgesetzt werden. In Norwegen hingegen müssen alle Beifänge angelandet werden, die nicht unverzüglich lebend wieder ausgesetzt werden können. Dornhaie sind relativ robuste Tiere und es gibt eine vergleichsweise hohe Überlebenschance für Rückwürfe. Die Überlebensrate hängt vom Fanggeschirr und der Größe des Fanges ab. Bei Fangmengen ≥ 200 kg steigt die Sterblichkeit der Rückwürfe. [104] [120] [121] [167] [Fischerei Direktorat Norwegen, persönliche Mitteilung, April 2011]

Einflüsse der Fischerei auf die Umwelt

Da Dornhai nicht direkt befischt wird, und es auch keine Beifangquote mehr gibt, können keine Einflüsse der Fischerei auf die Umwelt mehr festgestellt werden. [167]

Biologische Besonder­heiten

Dornhaie sind langlebige, langsam wachsende Tiere, die spät geschlechtsreif werden, lange Tragezeiten von etwa 2 Jahren und nur wenige Nachkommen haben. Das macht sie besonders anfällig für Überfischung.
Die Neigung zur Schwarmbildung (getrennt nach Größe und bei reifen Tieren nach Geschlecht) führt zu einer zusätzlichen Gefährdung. Ansammlungen großer Fische, wie z.B. reifer Weibchen sind besonders leicht zu fangen. [14] [1] [133] [179]

Zusätzliche Informationen

Der Dornhai im Nordostatlantik wird von der IUCN als vom Aussterben bedroht (CR) eingestuft.
Hauptfangnationen waren traditionell Frankreich, Irland, Norwegen und das Vereinigte Königreich. Hauptfanggebiete waren immer die Nordsee, die Keltischen Meere und teilweise die Norwegische See.
Nachdem der Bestand im Nordostatlantik zusammengebrochen ist, wurden zunächst im Nordwestatlantik und später in Neuseeland steigende Fangzahlen verzeichnet. [14] [1] [101] [11]

Zertifizierte Fischereien

Es ist keine Dornhaifischerei im Nordostatlantik nach einem der gängigen Nachhaltigkeitsstandards zertifiziert.

Soziale Aspekte

Dornhai wurde mit mittleren und großen Fahrzeugen verschiedener Anrainerstaaten gefangen. Die Fahrzeuge fuhren unter den Flaggen der Anrainerstaaten, die Arbeitsbedingungen an Bord und die Entlohnung erfolgte daher nach deren Regeln. [13]

AutorJahrTitelQuelle
[1]Froese R, Pauly D2010FishBase. World Wide Web electronic publication, version (01/2010)fishbase.org
[9]Europäische Union (EU)2009Verordnung (EG) Nr. 43/2009 zur Festsetzung der Fangmöglichkeiten und begleitenden Fangbedingungen für bestimmte Fischbestände und Bestandsgruppen in den Gemeinschaftsgewässern sowie für Gemeinschaftsschiffe in Gewässern mit Fangbeschränkungen (2009)europa.eu
[11]IUCN2010IUCN Red List of Threatened Species. Version 2010.1, International Union for Conservation of Nature. Downloaded on 16 July 2010iucnredlist.org
[13]Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE)Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) Homepageble.de
[14]Fisch-Informationszentrum e.V. (FIZ)Fisch-Informationszentrum e.V. Homepagefischinfo.de
[101]ICES2010ICES. 2010. Report of the Working Group on Elasmobranch Fishes (WGEF), 22–29 June 2010, Horta, Portuga. ICES CM 2010/ACOM:19. 558 ppices.dk
[104]ICES2010Report of the Advisory Committee, 2010. Book 9. Widely Distributed and Migratory Stocks 9.4.6 Northeast Atlantic spurdogices.dk
[120]Mandelman JW, Farrington MA2007The estimated short-term discard mortality of a trawled elasmobranch, the spiny dogfish (Squalus acanthias) Fisheries Research 83 238–245
[121]Europäische Union (EU)2010Verordnung (EU) Nr. 23/2010 DES RATES vom 14. Januar 2010 zur Festsetzung der Fangmöglichkeiten für bestimmte Fischbestände und Bestandsgruppen in den EU-Gewässern sowie für EU-Schiffe in Gewässern mit Fangbeschränkungen und zur Änderung der Verordnungen (EG) Nr. 1359/2008, (EG) Nr. 754/2009, (EG) Nr. 1226/2009 und (EG) Nr. 1287/2009europa.eu
[125]Europäische Union (EU)2010Vorschlag für eine Verordnung des Rates zur Festsetzung der Fangmöglichkeiten für bestimmte Fischbestände und Bestandsgruppen in den EU-Gewässern sowie für EU-Schiffe in bestimmten Nicht-EU-Gewässern (2011)europa.eu
[133]OSPAR Commission2010Background document for spurdog or spiny dogfish Squalus acanthiasospar.org
[135]Europäische Union2003Verordnung (EG) Nr. 1185/2003 des Rates vom 26. Juni 2003 über das Abtrennen von Haifischflossen an Bord von Schiffeneuropa.eu
[136]Kommission der europäischen Gemeinschaften2009Mitteilung der Kommission an das europäische Parlament und den Rat über einen Aktionsplan der Europäischen Gemeinschaft für die Erhaltung und Bewirtschaftung der Haibestände. Brüssel, den 5.2.2009 KOM(2009)40 endgültigeuropa.eu
[167]Europäische Union (EU)2011Verordnung (EU) Nr. 57/2011 des Rates vom 18. Januar 2011 zur Festsetzung der Fangmöglichkeiten für bestimmte Fischbestände und Bestandsgruppen in den EU-Gewässern sowie für EU-Schiffe in bestimmten Nicht-EU-Gewässern (2011)europa.eu
[175]Compagno LJV1984FAO Species Catalogue. Vol. 4. Sharks of the world. An annotated and illustrated catalogue of shark species known to date. Part 1 Hexanchiformes to Lamniformes. FAO Fish. Synop. 125 (4/1):1-249
[177]Lack M, Sant G2008Illegal, unreported and unregulated shark catch: A review of current knowledge and action Department of the Environment, Water, Heritage and the Arts and TRAFFIC, Canberra
[179]Anonymus2009CITES Proposal: Inclusion of Squalus acanthias Linnaeus, 1758 in Appendix II in accordance with Article II 2(a) and (b). Fifteenth meeting of the Conference of the Parties, Doha (Qatar), 13-25 March 2010CITES.org
[180]NEAFC2011North-East Atlantic fisheries commission, 2011, Rec 7: Spurdogneafc.org