Bestandsdatenblatt

Pelagischer Rotbarsch, Sebastes mentella, Irmingersee flach

Gültig 06/2012 - 06/2013

Pelagischer Rotbarsch, Sebastes mentella, Irmingersee flach

gültig 06/2012 - 06/2013

Zugehörige Fischart

Rotbarsch (2 Arten)

Allgemeine Informationen


Ökoregion:Westgrönlandschelf, Neufundland-Labradorschelf, Ostgrönlandschelf, Färöer-Plateau
Fanggebiet:Kanada FAO 21; Island (5.a), ozeanischer Nordostatlantik (12), südöstl. Grönland (14) FAO 27
Art:Sebastes mentella

Wissenschaftliche Begutachtung

Internationaler Rat für Meeresforschung (ICES), Kopenhagen, www.ices.dk

Methode, Frequenz

Es wird keine analytische Bestandsberechnung durchgeführt und es gibt keine Referenzwerte, da Daten zu den Fängen der kommerziellen Fischerei, zur Nachwuchsproduktion und aus wissenschaftlichen Forschungsreisen dafür unzureichend sind. Insbesondere ist die vertikale Auflösung der Daten ist nicht hoch genug, um sie hinreichend genau auf die Bestände („tief“ und „flach“) aufteilen zu können. Es können daher auch keine Fangmöglichkeiten berechnet werden. Die Bestandsinformationen beruhen auf kommerziellen Fangdaten und dem internationalen Rotbarsch-Survey. Diese Forschungsreise wird seit 1991 mit akustischen Methoden und Schleppnetzfängen durchgeführt. Sie findet seit 1997 alle zwei Jahre statt, zuletzt 2011. [526] [527]

Wesentliche Punkte

2012: Der Bestand scheint auf sehr niedrigem Niveau stabil zu sein, neue Daten liegen nicht vor. Der ICES empfiehlt weiterhin, keine gerichtete Fischerei zuzulassen und einen Erholungsplan zu entwickeln. Die Fischerei ist 2012 in den internationalen Gewässern der Irmingersee (für die Unterzeichner des NEAFC-Abkommens) und im Zuständigkeitsbereich der NAFO noch immer geschlossen, Russland hat jedoch erneut eine autonome Quote von 29.480 t festgelegt (für beide pelagischen Bestände). Die Anlandungen wurden 2011 erheblich gesenkt. [201] [526] [527]

Bestands­zustand

Laicherbiomasse (Reproduktionskapazität)

    unbekannt (nach Vorsorgeansatz)

 unbekannt (nach Managementplan)

    unbekannt (nach höchstem Dauerertrag)

 

Fischereiliche Sterblichkeit
 

  unbekannt (nach Vorsorgeansatz)

  unbekannt (nach Managementplan)

  unbekannt (nach höchstem Dauerertrag)

 

Bestands­entwicklung

Dieser Bestand wurde erst 2009 vom tiefen pelagischen Bestand getrennt. Bis dahin unterschied der ICES in der Irmingersee und angrenzenden Gebieten zwischen einem pelagischen und einem demersalen S. mentella-Bestand (weitere Informationen dazu auf der Seite Rotbarsch: Bestandsstruktur). Die Fischerei auf den Rotbarschbestand „Sebastes mentella pelagisch flach“ begann 1982 durch Flotten des Ostblocks (vor allem der Sowjetunion). Die Anlandungen variierten 1982-1995 meist zwischen 60.000 und 100.000 t, nur 1989-1991 sanken sie auf etwa 30.000 t. Bis 1991 wurde überwiegend im Oberflächenwasser bis 400 m gefischt. Ab 1992 verlagerte sich die Fischerei auch in tiefere Gewässer und nutzte damit nach heutigem Wissensstand einen anderen Bestand. Da sich die verschiedenen Bestände in den Fängen gemischt haben können, ist eine nachträgliche Zuordnung nicht exakt möglich. Ab 1997 werden Logbuchdaten mit Fangtiefenangaben (für EU-Mitgliedstaaten nicht verpflichtend) für die Bestandszuordnung verwendet. Biomasseberechnungen werden mit Hilfe von akustischen Methoden im Oberflächenwasser (bis zur Echo-Streuschicht) durchgeführt. Während die durch Forschungsreisen abgedeckte Fläche immer größer wurde, sank der ermittelte Biomasseindex seit 1991 fast kontinuierlich. Der Index ist 2011 leicht gestiegen, beträgt aber noch immer nur etwa 5% des Wertes zu Beginn der Datenreihe in den frühen 1990er Jahren. [199] [295] [296] [519] [526] [527]

Ausblick

Aufgrund der schwachen Datenlage können keine kurzfristigen Vorhersagen berechnet werden. Rotbarsch ist eine langlebige und spät reproduzierende Art, die Erholung des überfischten Bestandes wird daher viele Jahrzehnte dauern. [526]

Umwelt­einflüsse auf den Bestand

Über spezielle Umwelteinflüsse auf diesen Bestand ist bis zum jetzigen Zeitpunkt noch wenig bekannt. Steigende Wassertemperaturen in den Bereichen flacher als 500 m beeinflussen und verschieben möglicherweise die saisonale Verteilung im Verbreitungsgebiet. [527]

Wer und Wie

Der Bestand ist in verschiedenen Managementgebieten verbreitet. Er kommt vor allem in grönländischen und in internationalen Gewässern vor. Die Nordostatlantische Fischereikommission (NEAFC) ist die Haupt-Managementorganisation für diesen Bestand. Für das NAFO-Gebiet werden separate Quoten festgelegt. Die Quote der NEAFC-Vertragsparteien für das NAFO-Gebiet soll jedoch mit den Quoten für das NEAFC-Gebiet verrechnet werden. Es gibt jährlich einen Entwurf zur Bewirtschaftung der pelagischen Rotbarsch-Bestände in internationalen Gewässern durch die verschiedenen Vertragsparteien der NEAFC. Über viele Jahre wurde keine Einigung über den Entwurf erzielt, so dass einige Länder autonome Quoten festlegten. 2011 erfolgte eine Einigung mit allen Vertragsparteien außer Russland. Diese Bewirtschaftungsregeln der Küstenstaaten (Färöer Inseln, Grönland, Island), der EU und Norwegens sind seit Mai 2011 in Kraft und gelten bis 31. Dezember 2014. Die flache pelagische Fischerei auf Rotbarsch in internationalen Gewässern ist dieser Regelung folgend seit 2011 geschlossen, Russland legt jedoch eine autonome Quote fest, die für beide pelagischen Bestände gemeinsam gilt. Die Bewirtschaftung erfolgt außerdem über technische Regularien, wie z.B. minimale Maschenweiten. [201] [204] [380] [526]

Differenz zwischen Wissen­schaft und Management

Dieser Bestand wurde erst 2009 vom tiefen pelagischen Bestand getrennt. Bis dahin wurden wissenschaftliche Empfehlungen für einen pelagischen und einen demersalen S. mentella-Bestand gegeben. Die Höchstfangmengen (TACs) des Bewirtschaftungsentwurfes lagen meist über den wissenschaftlichen Empfehlungen. Da seit Jahren keine Einigung mit allen Vertragsparteien erfolgte, wurden autonome Quoten festgelegt, deren Summe meist über dem NEAFC-TAC und weit über den wissenschaftlichen Empfehlungen lag. Das 2011 abgeschlossenes Übereinkommen der NEAFC-Vertragsparteien folgt der wissenschaftlichen Empfehlung, die Fischerei auf diesen Bestand zu schließen (2011 und 2012). Die weitere Entwicklung der Fischerei bis 2014 wird von der Etablierung eines Erholungsplanes sowie den wissenschaftlichen Empfehlungen abhängen. Russland hat das NEAFC-Abkommen nicht unterzeichnet und legt eine autonome Quote fest (2011 und 2012 je 29.480 t für beide pelagischen Bestände, da es deren Trennung nicht anerkennt), meldete für 2011 jedoch keine Fänge aus dem flachen Bestand. In den NAFO-Gebieten ist der TAC für 2012 ebenfalls null. [199] [201] [204] [380] [526]

Karten

Verbreitungsgebiet

Managementgebiet

Managementgebiete für die flache pelagische Fischerei auf Rotbarsch sind Grönland und internationale Gewässer von NEAFC und NAFO (außerhalb des eingezeichneten Vielecks). Für die NAFO-Gewässer gibt es eine separate Quote. Die Verbreitung des Bestandes kann bis in kanadische Gewässer reichen. [199] [204] [526]

Anlandungen und TACs (in 1.000 t)

Gesamtfang2011: 0,6; davon pelagische Schleppnetze 100%
TACs (Summe Quoten, beide pelagischen Bestände) 2008: 64 2009: 72 2010: 72 2011: 60 2012: 56
(2011 und 2012 NEAFC Abkommen flacher Bestand: 0) [201] [204] [380] [526] [527]

IUU-Fischerei

Es gibt in dieser Fischerei Probleme mit unberichteten und unregulierten Fängen. Sofern diese in internationalen Gewässern getätigt werden, sind sie nicht illegal. Zum Teil werden Daten aus den NEAFC und NAFO-Gebieten zu spät geliefert. Die offiziell gemeldeten Fänge für beide pelagischen Bestände liegen im Rahmen der festgesetzten Quoten. Es gibt Hinweise (ICES 2007), dass in einigen Jahren höchstens 80% des tatsächlichen Fischereiaufwandes und damit auch der tatsächlichen Anlandungen gemeldet wurden. [203] [526] [527]

Struktur und Fangmethode

Die Fischerei auf diesen Rotbarschbestand wird mit pelagischen Schleppnetzen durchgeführt. In den Vorjahren gab es Anlandungen aus verschiedenen ICES- und NAFO-Gebieten, 2011 hingegen nur aus dem ICES-Gebiet XIV. An diesen Fängen waren nur Island und die Färöer-Inseln beteiligt. Die pelagische Rotbarschfischerei verwendet die größten Schleppnetze, die weltweit in der kommerziellen Fischerei eingesetzt werden: In einem Gloria-Netz finden bis zu 11 Jumbojets Platz, die Netzöffnung entspricht der Fläche von vier bis fünf Fußballfeldern. Die ersten Maschen des Netzes haben Öffnungen von 128 m; wenn sich ein solches Netz verheddert (z.B. nach versehentlicher Grundberührung), kann es in der Regel nur mit Hilfe von Mobilkränen auf einem Flugplatz klariert werden. [31] [526] [527]

Beifänge und Rückwürfe

In dieser pelagischen Fischerei gibt es sehr geringe unerwünschte Beifänge und Rückwürfe. [526] [527]

Einflüsse der Fischerei auf die Umwelt

Die pelagische Fischerei hat kaum Einfluss auf den Lebensraum, andere Fischarten oder Wirbellose, mit Ausnahme der Zielart. Der Meeresboden wird durch die Fanggeräte nicht berührt, auch weil dies das riesige Fanggerät unbrauchbar machen würde. [526] [527]

Biologische Besonder­heiten

Seit 2009 trennt der ICES drei Bestände und somit auch drei Managementeinheiten von Sebastes mentella in der Irmingersee und angrenzenden Gewässern. Es werden die überwiegend pelagischen Bestände in der Irmingersee S. mentella flach (oberhalb 500 m) und S. mentella tief (unterhalb 500 m), sowie ein bodenlebender Bestand auf dem isländischen Kontinentalabhang unterschieden (weitere Informationen dazu auf der Seite „Rotbarsch Bestandsstruktur“). Die Trennung basiert auf genetischen Daten, sowie biologischen Informationen wie z.B. Befall mit spezifischen Parasiten. Wahrscheinlich ist das Ostgrönlandschelf Aufwuchsgebiet für alle drei Bestände. Russland erkennt die Trennung der zwei pelagischen Bestände nicht an und legt eine autonome Quote für beide fest. Wie alle Sebastes-Arten ist auch S. mentella ovovivipar, also lebendgebärend mit interner Befruchtung. Sie ist eine langlebige langsam wachsende Art, die spät geschlechtsreif wird und dadurch sehr anfällig für Überfischung ist. [199] [294] [526] [527]

Zusätzliche Informationen

Die Irmingersee war traditionell einer der Hauptfanggründe für den Rotbarsch, insbesondere für die deutsche Fischerei, nachdem Fangmöglichkeiten auf dem Islandschelf mit Ausdehnung der AWZ wegfielen. Die genaue Unterscheidung zwischen Sebastes marinus (Goldbarsch) und S. mentella ist nicht einfach, da sie vom Habitus sehr ähnlich erscheinen. Sie erfordert häufig die Berücksichtigung vieler Körpermerkmale oder genetische Analysen. Der Handel unterscheidet selten zwischen den Arten. Deutschland ist der größte Abnehmer für Rotbarsch aus isländischen Gewässern. [14] [31]

Zertifizierte Fischereien

Bislang ist keine pelagische Rotbarschfischerei nach einem der gängigen Nachhaltigkeitsstandards zertifiziert.

Soziale Aspekte

Die Rotbarschfischerei wird überwiegend mit mittleren bis großen Hochseefahrzeugen durchgeführt. Die Fahrzeuge fahren unter Flaggen der jeweiligen Staaten, die Arbeitsbedingungen an Bord und die Entlohnung folgt daher deren Regeln. [13] [31]

AutorJahrTitelQuelle
[13]Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE)Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) Homepageble.de
[14]Fisch-Informationszentrum e.V. (FIZ)Fisch-Informationszentrum e.V. Homepagefischinfo.de
[31]Ministry of Industries and Innovation, IcelandInformationsseite des isländischen Ministeriums für Industrie und Innovation (Ministry of Industries and Innovation)fish.is
[199]ICES2009Report of the Workshop on Redfish Stock Structure (WKREDS), 22-23 January 2009, ICES Headquaters, Copenhagen. ICES CM 2009/ACOM: 37. 71ppices.dk
[201]NEAFC2011Multi-annual interim conservation and management measure for deep and shallow pelagic redfish in the Irminger sea and adjacent waters to apply from 2011 - 2014 in the NEAFC convention area. Rec pv 2011: Postal Vote on Redfish in the Irminger Seaneafc.org
[203]ICES2010Report of the North-Western Working Group (NWWG), 27 April - 4 May 2010, ICES Headquarters, Copenhagen. ICES CM 2010/ACOM:07. 751 pp. 20. Deep Pelagic Sebastes mentellaices.dk
[204]Northwest Atlantic Fisheries Organization (NAFO)Northwest Atlantic Fisheries Organization, Conservation and Enforcement Measures: u.a. Quota Tablenafo.int
[294]ICES2011Report of the Stock Identification Methods Working Group (SIMWG). By Correspondence in 2011. ICES CM 2011/SSGSUE:06. 91 pp.ices.dk
[295]ICES2011Report of the Advisory Committee, 2011. Book 2. Iceland and East Greenland. 2.3.3.1. NEAFC request on redfish stock structure in the Irminger Seaices.dk
[296]ICES2011Report of the Working Group on Redfish Surveys (WGRS), 2–4 August 2011, Murmansk, Russia. ICES CM 2011/SSGESST:21. 62 pp.ices.dk
[380]Europäische Union2012Verordnung (EU) Nr. 44/2012 des Rates vom 17. Januar 2012 zur Festsetzung der Fangmöglichkeiten im Jahr 2012 in EU-Gewässern und für EU-Schiffe in bestimmten Nicht-EU-Gewässern für bestimmte, über internationale Verhandlungen und Übereinkünfte regulierte Fischbestände und Bestandsgruppeneuropa.eu
[519]ICES2012Report of the North-Western Working Group (NWWG), 26 April - 3 May 2012, ICES Headquarters, Copenhagen. ICES CM 2012/ACOM:07. 1375 pp. Annex 2 – Stock Annexesices.dk
[526]ICES2012Report of the Advisory Committee, 2012. Book 2. Iceland and Greenland. 2.4.9. Beaked redfish (Sebastes mentella) in Subareas V, XII, and XIV and NAFO Subareas 1+2 (Shallow pelagic stockices.dk
[527]ICES2012Report of the North-Western Working Group (NWWG), 26 April - 3 May 2012, ICES Headquarters, Copenhagen. ICES CM 2012/ACOM:07. 1375 pp. 19 Shallow Pelagic Sebastes mentellaices.dk