Bestandsdatenblatt

Pelagischer Rotbarsch, Sebastes mentella, Irmingersee tief

Gültig  09/2015 - 09/2016

Pelagischer Rotbarsch, Sebastes mentella, Irmingersee tief

gültig 09/2015 - 09/2016

Zugehörige Fischart

Rotbarsch (2 Arten)

Allgemeine Informationen

Ökoregion:Ostgrönlandschelf, Islandschelf, Färöer-Plateau
Fanggebiet:Kanada FAO 21; Island (5.a), ozeanischer Nordostatlantik (12), südöstl. Grönland (14) FAO 27
Art:Sebastes mentella

Wissenschaftliche Begutachtung

Internationaler Rat für Meeresforschung (ICES), Kopenhagen, www.ices.dk

Methode, Frequenz

Es wird keine analytische Bestandsberechnung durchgeführt und es gibt keine Referenzwerte, da die Daten zu den Fängen der kommerziellen Fischerei, zur Nachwuchsproduktion und aus wissenschaftlichen Forschungsreisen dafür unzureichend sind. Insbesondere die vertikale Auflösung der Daten ist nicht hoch genug, um sie hinreichend genau den Beständen („tief“ und „flach“) zuordnen zu können. Es können daher auch keine Fangmöglichkeiten berechnet werden. Die Fangempfehlung basiert auf den Fängen der Vorjahre, modifiziert unter Vorsorgeaspekten. Die Bestandsinformationen beruhen auf kommerziellen Fangdaten und dem internationalen Rotbarsch-Survey. Diese Forschungsreise wird für den tiefen Bestand mit Schleppnetzfängen durchgeführt. Sie findet alle zwei Jahre statt, zuletzt 2015. [857] [881]

Wesentliche Punkte

2015: Die Biomasse-Daten der aktuellen Forschungsreise (2015) sind weiter gesunken und dadurch erneut die niedrigsten der Zeitreihe. Die Nutzungsrate des Bestandes ist nicht bekannt, aber mit Sicherheit zu hoch. Die Fänge wurden 2014 stark reduziert, lagen aber noch immer über der wissenschaftlichen Empfehlung. Die Summe der Quoten lag 2015 erneut deutlich über den Empfehlungen des ICES. [857] [881]

Bestands­zustand

Laicherbiomasse (Reproduktionskapazität)

    unbekannt (nach Vorsorgeansatz)

  unbekannt (nach Managementplan)

    unbekannt (nach höchstem Dauerertrag)

 

Fischereiliche Sterblichkeit
 

    unbekannt (nach Vorsorgeansatz)

  unbekannt (nach Managementplan)

    unbekannt (nach höchstem Dauerertrag)

 

Bestands­entwicklung

Dieser Bestand wurde 2009 vom flachen pelagischen Bestand getrennt. Bis dahin unterschied der ICES in der Irmingersee und angrenzenden Gebieten zwischen einem pelagischen (im Freiwasser) und einem demersalen (in Bodennähe) S. mentella-Bestand (weitere Informationen). Die Fischerei auf den Rotbarschbestand „Sebastes mentella pelagisch tief“ begann 1991, als die Rotbarsch-Fischerei an der Oberfläche sich in tiefere Bereiche ausdehnte. Da sich dadurch die verschiedenen Bestände in den Fängen gemischt haben können, sind die Anlandedaten aus den Jahren 1992-1996 nur bestmögliche Schätzungen. Die Anlandungen aus diesem Bestand stiegen bis 1996 auf fast 140.000 t und schwankten seitdem zwischen 30.000 und 100.000 t, 2014 waren es mit 24.000 t jedoch weniger. Ab 1997 werden Logbuchdaten mit Fangtiefenangaben (für EU-Mitgliedstaaten nicht verpflichtend) für die Bestandszuordnung verwendet. Nach den Daten der Forschungsreisen (ab 1999) hat die Biomasse seit 2001 stark abgenommen und 2015 wurde der niedrigste Wert der Zeitreihe erreicht. [199] [295] [716] [857] [881]

Ausblick

Aufgrund der unzureichenden Datenlage können keine kurzfristigen Vorhersagen berechnet werden. Rotbarsch ist eine langlebige und spät reproduzierende Art, die Erholung des überfischten Bestandes wird daher viele Jahrzehnte dauern. [857] [881]

Umwelt­einflüsse auf den Bestand

Der Anstieg der Wassertemperatur in der Irminger See hat einen Einfluss auf die räumliche und vertikale Verteilung der Tiere aus dem flachen pelagischen Bestand. Welchen Einfluss veränderte Umweltbedingungen auf den tiefen pelagischen Bestand haben ist bis zum jetzigen Zeitpunkt noch wenig bekannt und muss weiter untersucht werden. [857] [881]

Wer und Wie

Der Bestand ist in verschiedenen Managementgebieten verbreitet. Er kommt vor allem in internationalen, isländischen und grönländischen Gewässern vor (Bewirtschaftungsbereich siehe Karte Managementgebiete). Die Nordostatlantische Fischereikommission (NEAFC) ist die Haupt-Managementorganisation für diesen Bestand. Die Vertragsparteien der NEAFC haben regelmäßig einen Entwurf zur Bewirtschaftung der pelagischen Rotbarsch-Bestände in internationalen Gewässern erstellt. Über viele Jahre wurde jedoch keine Einigung erzielt, so dass einige Länder autonome Quoten festlegten. 2011 erfolgte eine Einigung mit allen Vertragsparteien außer Russland. Diese Bewirtschaftungsregelungen der Küstenstaaten (Färöer Inseln, Grönland, Island) mit der EU und Norwegen sind seit Mai 2011 in Kraft. Russland hat diesen NEAFC-Beschluss nicht unterzeichnet und legt eine autonome Quote fest (für beide pelagischen Bestände, da es deren Trennung nicht anerkennt), der größte Teil dieser Quote (80-90%) wird aus dem tiefen Bestand entnommen. Hinzu kommt noch ein TAC für pelagische Rotbarsche in grönländischen Gewässern (ICES-Gebiete V und XIV und NAFO 1F), der unter bestimmten Voraussetzungen auch im Managementgebiet dieses Bestandes gefischt werden darf. Die Bewirtschaftung erfolgt außerdem über technische Regularien, wie z.B. minimale Maschenweiten. [31] [201] [798] [857] [881]

Differenz zwischen Wissen­schaft und Management

Dieser Bestand wurde 2009 vom flachen pelagischen Bestand getrennt. Da jahrelang keine Einigung mit allen Vertragsparteien über einen Bewirtschaftungsentwurf erfolgte, wurden autonome Quoten festgelegt, deren Summe weit über den wissenschaftlichen Empfehlungen lag. Im 2011 abgeschlossenen Übereinkommen der NEAFC-Vertragsparteien wurden Quoten bis 2014 festgelegt. 2011 und 2012 lag diese NEAFC-Quote aber über den wissenschaftlichen Empfehlungen des ICES, hinzu kamen noch die autonome Quote Russlands und weitere Fangmöglichkeiten aus einem TAC in grönländischen Gewässern. 2014 und 2015 entspricht die NEAFC-Quote der wissenschaftlichen Empfehlung, Russland hat aber erneut eine autonome Quote festgelegt. Die Quoten wurden zwar 2012 bis 2014 nicht vollständig ausgenutzt, die Entnahme war aber 2013 mehr als doppelt so hoch wie die empfohlene Menge. 2014 lagen die Fänge (24.000 t) nur 20% über der Empfehlung (20.000 t). Dieser Bewirtschaftungsansatz schützt den Bestand nicht vor einer fortgesetzten Übernutzung. Der ICES wies auf das Fehlen von tiefen-spezifischen Fangdaten hin und empfahl die Entwicklung eines Managementplanes. Der Entwurf eines solchen Plans wurde vom ICES Anfang 2014 begutachtet und als nicht im Einklang mit dem Vorsorgeansatz befunden [31] [199] [201] [716] [798] [857] [881]

Karten

Verbreitungsgebiet

Managementgebiet

Managementgebiete für die tiefe pelagische Fischerei auf Rotbarsch sind die ausschließliche Wirtschaftszone von Island und Grönland und internationale Gewässer der NEAFC. Das Vieleck umschließt das Managementgebiet für diesen Bestand, in dem der größte Teil der tiefen pelagischen Fischerei stattfindet. Der Bestand ist darüber hinaus auch weiter südwestlich und im Gebiet der NAFO verbreitet. [199] [857] [881]

Anlandungen und TACs (in 1.000 t)

GesamtfangGesamtfang 2014: 23,8; 100% pelagische Schleppnetze
TACs (Summe Quoten beide
pelagische Bestände/NEAFC-
Abkommen, tiefer Bestand)
2011: 60/38 2012: 54/32 2013:48/26
2014: 43/20 2015: 35/9,5 [201] [798]
[857] [881]

IUU-Fischerei

Es gab in dieser Fischerei erhebliche Probleme mit unberichteten und unregulierten Fängen. Sofern diese in internationalen Gewässern getätigt werden, sind sie nicht illegal. Zum Teil werden Daten aus den NEAFC- und NAFO-Gebieten zu spät geliefert. Die offiziell gemeldeten Fänge für beide pelagischen Bestände liegen im Rahmen der festgesetzten Quoten. Es gibt Hinweise, dass 2007 höchstens 80% des tatsächlichen Fischereiaufwandes und damit auch der tatsächlichen Anlandungen gemeldet wurden. Spätere Daten liegen nicht vor, der nichtgemeldete Aufwand ist aber wahrscheinlich sehr viel geringer als in früheren Jahren. [203] [857] [881]

Struktur und Fangmethode

Die meisten Fänge aus diesem Rotbarschbestand werden von Russland getätigt (2014: 65 %). In der Fangstatistik folgen Island (9%), Norwegen (8%) und Litauen (4%). Hauptfanggebiet war 2014 das ICES-Gebiet XIV (97 % der Fänge). Die Fischerei wird mit pelagischen Schleppnetzen durchgeführt. Die pelagische Rotbarschfischerei verwendet die größten Schleppnetze, die weltweit in der kommerziellen Fischerei eingesetzt werden: In einem Gloria-Netz finden bis zu 11 Jumbojets Platz, die Netzöffnung entspricht der Fläche von vier bis fünf Fußballfeldern. Die ersten Maschen des Netzes haben Öffnungen von 128 m; wenn sich ein solches Netz verheddert (z.B. nach versehentlicher Grundberührung), kann es in der Regel nur mit Hilfe von Mobilkränen auf einem Flugplatz klariert werden. [31] [857] [881]

Beifänge und Rückwürfe

In dieser pelagischen Fischerei gibt es sehr geringe unerwünschte Beifänge und Rückwürfe. [857] [881]

Einflüsse der Fischerei auf die Umwelt

Die pelagische Fischerei hat kaum Einfluss auf den Lebensraum, andere Fischarten oder Wirbellose, mit Ausnahme der Zielart. Der Meeresboden wird durch die Fanggeräte nicht berührt, auch weil dies das riesige Fanggerät unbrauchbar machen würde. [31] [857] [881]

Biologische Besonder­heiten

Seit 2009 trennt der ICES drei Bestände und somit auch drei Managementeinheiten von Sebastes mentella in der Irmingersee und angrenzenden Gewässern. Es werden die überwiegend pelagischen Bestände in der Irmingersee S. mentella flach (oberhalb 500 m) und S. mentella tief (unterhalb 500 m), sowie ein bodenlebender Bestand auf dem isländischen Kontinentalabhang unterschieden (weitere Informationen). Die Trennung basiert auf genetischen Daten, sowie biologischen Informationen wie z.B. Befall mit spezifischen Parasiten. Wahrscheinlich ist der Ostgrönlandschelf Aufwuchsgebiet für die Jungtiere aller drei Bestände. Wie alle Sebastes-Arten ist auch S. mentella ovovivipar, also lebendgebärend mit innerer Befruchtung. Sie ist eine langlebige, langsam wachsende Art, die spät geschlechtsreif wird und dadurch sehr anfällig für Überfischung ist. [199] [294] [857] [881]

Zusätzliche Informationen

Die Irmingersee war traditionell einer der Hauptfanggründe für den Rotbarsch, insbesondere für die deutsche Fischerei, nachdem Fangmöglichkeiten auf dem Islandschelf mit Ausdehnung der ausschließlichen Wirtschaftszone (AWZ) wegfielen. Die genaue Unterscheidung zwischen Sebastes norvegicus (zuvor S. marinus, Goldbarsch) und S. mentella ist nicht einfach, da sie von der Gestalt sehr ähnlich erscheinen. Sie erfordert häufig die Berücksichtigung vieler Körpermerkmale oder genetische Analysen. Der Handel unterscheidet selten zwischen den Arten. Deutschland ist der größte Abnehmer für Rotbarsch aus isländischen Gewässern. [14] [31]

Zertifizierte Fischereien

Bislang ist keine pelagische Rotbarschfischerei nach einem der gängigen Nachhaltigkeitsstandards zertifiziert.

Soziale Aspekte

Die Rotbarschfischerei wird überwiegend mit mittleren bis großen Hochseefahrzeugen durchgeführt. Die Fahrzeuge fahren unter Flaggen der jeweiligen Staaten, die Arbeitsbedingungen an Bord und die Entlohnung folgt daher deren Regeln. [13] [31]

AutorJahrTitelQuelle
[13]Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE)Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) Homepageble.de
[14]Fisch-Informationszentrum e.V. (FIZ)Fisch-Informationszentrum e.V. Homepagefischinfo.de
[31]Ministry of Industries and Innovation, IcelandInformationsseite des isländischen Ministeriums für Industrie und Innovation (Ministry of Industries and Innovation)fish.is
[199]ICES2009Report of the Workshop on Redfish Stock Structure (WKREDS), 22-23 January 2009, ICES Headquaters, Copenhagen. ICES CM 2009/ACOM: 37. 71ppices.dk
[201]NEAFC2011Multi-annual interim conservation and management measure for deep and shallow pelagic redfish in the Irminger sea and adjacent waters to apply from 2011 - 2014 in the NEAFC convention area. Rec pv 2011: Postal Vote on Redfish in the Irminger Seaneafc.org
[203]ICES2010Report of the North-Western Working Group (NWWG), 27 April - 4 May 2010, ICES Headquarters, Copenhagen. ICES CM 2010/ACOM:07. 751 pp. 20. Deep Pelagic Sebastes mentellaices.dk
[294]ICES2011Report of the Stock Identification Methods Working Group (SIMWG). By Correspondence in 2011. ICES CM 2011/SSGSUE:06. 91 pp.ices.dk
[295]ICES2011Report of the Advisory Committee, 2011. Book 2. Iceland and East Greenland. 2.3.3.1. NEAFC request on redfish stock structure in the Irminger Seaices.dk
[716]ICES20142.3.3.2 Faroe Islands, Greenland, and Iceland request to ICES on evaluation of a proposed harvest control rule for deep pelagic redfish in the Irminger Sea and adjacent watersices.dk
[798]Europäische Union (EU)2015Verordnung (EU) 2015/104 des Rates vom 19. Januar 2015 zur Festsetzung der Fangmöglichkeiten für bestimmte Fischbestände und Bestandsgruppen in den Unionsgewässern sowie für Unionsschiffe in bestimmten Nicht-Unionsgewässern (2015) und zur Änderung der Verordnung (EU) Nr. 43/2014 sowie zur Aufhebung der Verordnung (EU) Nr. 779/2014europa.eu
[857]ICES2015Report of the North-Western Working Group (NWWG), 28 April-5 May, ICES HQ, Copenhagen Denmark. ICES CM 2015/ACOM:07. 717 pp.ices.dk
[881]ICES2015Report of the Advisory Committee, 2015. Book 2.Greenland Sea, Iceland Sea, and Oceanic Northeast Atlantic Ecoregions. 2.3.4a Beaked redfish (Sebastes mentella) in Subareas V, XII, and XIV (Iceland and Faroes grounds, north of Azores, east of Greenland) and NAFO Subareas 1+2 (deep pelagic stock 500 m)ices.dk