Bestandsdatenblatt

Sardine in Iberischen Gewässern

Gültig 07/2018 - 07/2019

Sardine in Iberischen Gewässern

gültig 07/2018 - 07/2019

Zugehörige Fischart

Sardine

Allgemeine Informationen


Ökoregion:Iberische Küste
Fanggebiet:Iberische Gewässer (8.c, 9.ab) (vorläufige Definition) FAO 27
Art:Sardina pilchardus

Wissenschaftliche Begutachtung

Internationaler Rat für Meeresforschung (ICES), Kopenhagen, www.ices.dk

Methode, Frequenz

Jährliche analytische Bestandsberechnung mit Vorhersage unter Verwendung vollständiger Fangdaten und Daten unabhängiger wissenschaftlicher Forschungsreisen. Die Referenzpunkte nach Vorsorgeansatz (Bpa, Blim, Fpa, Flim) und dem Konzept zur Erlangung des höchstmöglichen nachhaltigen Dauerertrages (Fmsy, MSY-Btrigger) sind seit 2017 definiert. Die Bestandsberechnung ist unsicher, denn die derzeit geringe Bestandsgröße und die fleckenhafte Verteilung verringern die Genauigkeit der Bestandsberechnung mit akustischen Methoden. Die wichtigste, weil vollständigste, Forschungsreise wird nur alle drei Jahre durchgeführt. Außerdem kommt es in der Biskaya zur Vermischung mit dem weiter nördlich verbreiteten Sardinen-Bestand. [1087] [1088]

Wesentliche Punkte

2018: Die Biomasse einjähriger und älterer Tiere hat sie sich seit 2012 auf dem historischen Minimum stabilisiert. Sie liegt unter allen Referenzwerten, also weit im roten Bereich. Die fischereiliche Sterblichkeit erreicht 2017 den niedrigsten Wert der Zeitreihe und liegt nun knapp unter dem Referenzwert des Vorsorgeansatzes (Fpa), aber noch über dem Referenzwert des höchstmöglichen nachhaltigen Dauerertrages (Fmsy). Da keins der möglichen Fang-Szenarien bis 2020 zu einem Anwachsen des Bestandes über Blim führt, empfiehlt der ICES, auf Basis des MSY-Konzeptes, erneut die Schließung der Fischerei. [1087] [1088]

Bestands­zustand

Laicherbiomasse (Reproduktionskapazität)

  unzureichende Reproduktionskapazität (nach Vorsorgeansatz)

  Referenzwerte nicht definiert (nach Managementplan)

  außerhalb der Schwankungsbreite um den Zielwert (nach höchstem Dauerertrag)

 

Fischereiliche Sterblichkeit

  nachhaltig bewirtschaftet (nach Vorsorgeansatz)

  Referenzwerte nicht definiert (nach Managementplan)

  übernutzt (nach höchstem Dauerertrag)

 

Für die Klassifizierung des Bestandszustandes wird die Biomasse einjähriger und älterer Tiere verwendet, nicht die Laicherbiomasse.

Bestands­entwicklung

Anlandedaten aus diesem Bestand sind seit 1940 verfügbar. Bis Anfang der 1980er Jahre schwankten die Anlandungen zwischen 100.000 und knapp 250.000 t, das Maximum wurde 1961 erreicht (246.000 t). Seit 1985 ist aber eine fast stetige Abnahme zu erkennen. Die Biomasse einjähriger und älterer Tiere sinkt seit 2006 und liegt seit 2009 unter dem Limitwert (Blim). Seit 2012 hat sie sich auf dem historischen Minimum stabilisiert. Die fischereiliche Sterblichkeit lag während der gesamten Zeitreihe meist über dem Limitwert (Flim), hat seit dem Höchstwert von 2011 aber erheblich abgenommen und erreicht 2017 den niedrigsten Wert der Zeitserie. Die Nachwuchsproduktion liegt seit 2005 unter dem Langzeitmittel, 2017 wurde der niedrigste Wert der Zeitserie erreicht. [1087] [1088]

Ausblick

Der Bestand liegt unter dem Limit-Referenzpunkt für die Biomasse (Blim). Außerdem befindet er sich weiterhin in einer Periode mit schwacher Nachwuchsproduktion. Selbst eine Schließung der Fischerei würde nicht zu einem Anwachsen des Bestandes über Blim bis 2020 führen. Die fischereiliche Sterblichkeit muss erheblich reduziert werden, damit sich der Bestand mittelfristig erholen kann. Die Bewirtschaftung des Bestandes erfolgt jedoch nicht über eine internationale Höchstfangmenge (TAC), sondern durch nationale Regelungen Spaniens und Portugals. [1087] [1088]

Umwelt­einflüsse auf den Bestand

Das Überleben der Sardinen-Nachkommen hängt stark von günstigen Umweltbedingungen ab, trotzdem tolerieren Sardinen einen weiten Temperaturbereich für Lebensraum und Laichgebiete. Die Intensität des Tiefenwasseraufstiegs (Auftrieb, upwelling) kann die Nachwuchsproduktion sowohl positiv als auch negativ beeinflussen. Werden die Larven in küstenferne Gebiete getrieben, sinkt ihre Überlebenschance. Ein Verbleib der Larven in Küstennähe im planktonreichen, hochproduktiven Gebiet erhöht ihre Überlebensfähigkeit. [1087] [1088]

Wer und Wie

Die Bewirtschaftung dieses Bestandes erfolgt durch Portugal und Spanien über nationale Regeln wie minimale Anlandelängen, maximale tägliche Fangmengen, saisonale Öffnungszeiten und Gebietsschließungen. Eine internationale Höchstfangmenge (TAC) ist nicht festgelegt. Der alte Managementplan (2013 – 2017) wird nicht mehr als vorsorglich angesehen, Spanien und Portugal arbeiten an der Entwicklung eines neuen Management- und Erholungsplanes. Basis für die Fangempfehlung des ICES ist daher das Konzept zur Erlangung des höchstmöglichen nachhaltigen Dauerertrages (MSY). [1087] [1088]

Differenz zwischen Wissen­schaft und Management

Eine Höchstfangmenge wird nicht festgelegt. Seit 2008 liegen die Anlandungen über den wissenschaftlichen Empfehlungen des ICES. Nur 2013 wurde etwas weniger angelandet als maximal empfohlen. [1087] [1088]

Karten

Verbreitungsgebiet

Managementgebiet

Dieser Sardinen-Bestand ist von der Straße von Gibraltar im Süden bis an die Grenze mit Frankreich im Norden verbreitet (ICES-Gebiete 8.c und 9.a). Diese Abgrenzung ist jedoch etwas willkürlich und basiert auf Managementaspekten. Wanderungen von Fischen zwischen den Gebieten 8.b und c sind möglich, ebenso wie zu den nordafrikanischen Gebieten. Die Bewirtschaftung erfolgt durch Portugal und Spanien (EU). Die Fanggebiete sind vorläufig definiert. [1087] [1088]

Anlandungen und TACs (in 1.000 t)

Gesamtfang2017: 21,9; davon 99% Ringwaden, 1% andere
TACsnicht festgelegt [1087] [1088]

IUU-Fischerei

Es gibt keine Hinweise auf illegale oder unberichtete Fänge aus diesem Bestand. [1087] [1088]

Struktur und Fangmethode

Nahezu alle Fänge aus diesem Bestand werden von Spanien (2017: 7.217 t, 33% der Anlandungen) und Portugal (2017: 13.697 t, 63%) in einer Fischerei für den menschlichen Konsum getätigt. Es wird überwiegend mit Ringwaden gefischt. Die Fänge sind in der zweiten Jahreshälfte etwas höher. Spanische Schiffe fischen auf Sardelle, Makrele, Sardine und Stöcker. Im Sommer wechselt ein Teil der Flotte zum Thunfischfang. In Portugal ist Sardine Hauptzielart, aber auch Stöcker und Sardelle werden angelandet. [1087] [1088]

Beifänge und Rückwürfe

Daten aus spanischen und portugiesischen Beobachterprogrammen aus 2017 zeigten, dass die Rückwurfmengen vernachlässigbar sind. In Jahren mit hoher Nachwuchsproduktion gibt es allerdings Hinweise auf Slipping (Verwerfen des Fanges bevor das Netz an Bord genommen wird). In der Ringwadenfischerei auf Sardinen gibt es kaum Beifänge anderer Arten. [1087] [1088]

Einflüsse der Fischerei auf die Umwelt

Die Ringwadenfischerei wird in tiefem Wasser durchgeführt und hat keinen Einfluss auf den Meeresboden, da sie ihn nicht berührt. Daten von Beobachtern und Befragungen von Fischeren deuten auf einen geringen Einfluss auf Meeressäuger, Seevögel und Schildkröten hin. Die Auswirkungen dieser Fischerei auf das pelagische Ökosystem in Iberischen Gewässern wurden bisher nicht untersucht. Möglich ist ein Einfluss durch Veränderungen in den Räuber-Beute Verhältnissen aufgrund von Veränderungen in Häufigkeit, Größenstruktur und Verhalten der Sardinen. [30] [1087] [1088]

Biologische Besonder­heiten

Sardinen fressen sowohl tierisches auch pflanzliches Plankton. Außerdem werden auch die eigenen Eier gefressen. Diese Art von Kannibalismus dient wahrscheinlich dazu, die Bestandsdichte zu kontrollieren. [1087] [1088]

Zusätzliche Informationen

Die Iberische Sardine ist ein Futterfisch, der Nahrung für Raubfische, Meeressäuger und Seevögel darstellt. Sie ist eine der häufigsten Arten unter den sogenannten kleinen pelagischen Schwarmfischen in den westlichen Iberischen Gewässern. Futterfische wie die Sardine können als Beute die Menge ihrer Räuber (von unten nach oben, „bottom up“) oder als Räuber ihre Zooplankton-Beute (von oben nach unten, „top-down“) kontrollieren. Kontrollieren sie sowohl Räuber als auch Beute, stehen also als Regulator an zentraler Stelle des Nahrungsnetzes, spricht man von einer Wespentaillen-Kontrolle („wasp-waist-control“). Diese Arten werden dann auch als ökologische Schlüsselarten bezeichnet, und ihr Management muss besonders vorsichtig erfolgen (zB höherer MSY-Referenzwert (Bmsy)), um den Einfluss der Fischerei auf das Ökosystem so gering wie möglich zu halten. [1087] [1088]

Zertifizierte Fischereien

Keine Fischerei auf Sardine in Iberischen Gewässern ist nach einem der gängigen Nachhaltigkeitsstandards zertifiziert.

Soziale Aspekte

Die Sardinenfischerei an der Iberischen Küste wird von spanischen und portugiesischen Schiffen durchgeführt. Die Fahrzeuge fahren unter EU-Flaggen, die Arbeitsbedingungen an Bord und die Entlohnung erfolgt daher nach EU-Regeln. In Portugal hat diese Fischerei einen hohen sozio-ökonomischen Wert für den Fischerei-Sektor insgesamt (einschl. verarbeitender Industrie), da sie einen großen Teil der fischereilichen Produktion liefert und ein wichtiger Zulieferer für die Konservenindustrie ist. [13] [1087] [1088]

Marktdaten

2018 (vorl.): Verbrauch in Deutschland: 7.881 t (2017: 7.386 t), Marktanteil (Fische, Krebse, Weichtiere): 0,7% (2017: 0,6%) [13] [14]

Anlandungen (in 1.000 t)Fänge (in 1.000 t)Laicherbiomasse (in 1.000 t)Laicherbiomasse ZustandFischereiliche SterblichkeitAnmerkungen (insbesondere Managementplan)Gültigkeit
Biskaya (8.abd) 30,3 30,3 - - 07/2018 -
07/2019
Iberische Gewässer (8.c 9.a) 21,9 21,9 148,7 - 07/2018 -
07/2019
Keltische See & Ärmelkanal (7) - - - Menge der Anlandungen nicht bekannt 07/2017 -
07/2019

Klassifizierung nach dem Ansatz des höchstmöglichen nachhaltigen Dauerertrages (MSY), durch den ICES oder analog zu dessen Einteilung:

SymbolBiomasseBewirtschaftung (fischereiliche Sterblichkeit)
innerhalb der Schwankungsbreite um den Zielwertangemessen oder unternutzt
außerhalb der Schwankungsbreite um den Zielwertübernutzt
Zustand unklar, Referenzpunkte nicht definiert und/oder unzureichende DatenZustand unklar, Referenzpunkte nicht definiert und/oder unzureichende Daten
AutorJahrTitelQuelle
[2]Muus BJ, Nielsen JG1999Die Meeresfische Europas Franckh-Kosmos Verlag
[3]CITESConvention on International Trade in Endangered Species of Wild Fauna and Flora, Appendices I, II and IIIcites.org
[13]Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE)Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) Homepageble.de
[14]Fisch-Informationszentrum e.V. (FIZ)Fisch-Informationszentrum e.V. Homepagefischinfo.de
[229]Froese, R. and D. Pauly. Editors.2011FishBase. World Wide Web electronic publication.
www.fishbase.org, version (06/2011).
fishbase
[384]IUCNIUCN Red List of Threatened Species. Version 2011.2. Downloaded on 09 February 2012iucnredlist.org
[1032]Nieto A et al.2015European Red List of Marine Fishes Publications Office of the European Union