Bestandsdatenblatt

Island-Seelachs

Gültig 06/2011 - 06/2012

Island-Seelachs

gültig 06/2011 - 06/2012

Zugehörige Fischart

Seelachs

Allgemeine Informationen


Ökoregion:Islandschelf
Fanggebiet:Island (5.a) FAO 27
Art:Pollachius virens

Wissenschaftliche Begutachtung

Internationaler Rat für Meeresforschung (ICES), Kopenhagen, www.ices.dk und Hafrannsóknastofnunin (Isländisches Meeresforschungsinstitut, MRI), Reykjavik, www.hafro.is

Methode, Frequenz

Jährliche analytische Bestandsberechnung mit Vorhersage unter Verwendung von Anlandedaten und einer wissenschaftlichen Forschungsreise (Frühjahrssurvey). Neben den ICES-Empfehlungen gibt es die des Isländischen Meeresforschungsinstituts (MRI). 2010 wurden die Datenreihen überarbeitet, die Berechnungsmethode geändert und die Referenzwerte revidiert. Die Referenzwerte nach dem Ansatz des höchstmöglichen nachhaltigen Dauerertrages (Btrig, Fmsy) sind definiert, nach dem Vorsorgeansatz ist nur ein Referenzwert (Blim) festgelegt. Die Bestandberechnung ist aufgrund spärlicher Daten für die Feinabstimmung des Modells eher unsicher. [41] [258] [259] [106]

Wesentliche Punkte

2010/11: Die fischereiliche Sterblichkeit hat etwas abgenommen, ist aber immer noch viel zu hoch, und die Laicherbiomasse sinkt kontinuierlich weiter. Die Höchstfangmenge 2010/11 wurde wieder höher als die Empfehlungen von ICES und MRI festgesetzt. [258] [259]

Bestands­zustand

Laicherbiomasse (Reproduktionskapazität)

  volle Reproduktionskapazität (nach Vorsorgeansatz)

  Referenzwerte nicht definiert (nach Managementplan)

  innerhalb der Schwankungsbreite um den Zielwert (nach höchstem Dauerertrag)

 

Fischereiliche Sterblichkeit

  Referenzwerte nicht definiert (nach Vorsorgeansatz)

  Referenzwerte nicht definiert (nach Managementplan)

  übernutzt (nach höchstem Dauerertrag)

 

Bestands­entwicklung

Nach dem zweiten Weltkrieg war die Fischerei um Island von ausländischen Flotten dominiert. Deutsche Trawler haben vor allem nach Seelachs und Rotbarsch gefischt. Seit Ausweitung der ausschließlichen Wirtschaftszone (AWZ) in den 1970er Jahren fischen hier jedoch hauptsächlich isländische Schiffe. Die Anlandungen nahmen seit Mitte der 1980er Jahre zu, einhergehend mit steigender fischereilicher Sterblichkeit und ab Anfang der 1990er Jahre abnehmender Laicherbiomasse. Die Laicherbiomasse erreichte 1996 ihren bisherigen Tiefpunkt, stieg bis 2006 wieder an, nimmt seitdem aber kontinuierlich ab. Die fischereiliche Sterblichkeit stieg bis 2008 an, sinkt aber seitdem langsam wieder. [258] [259]

Ausblick

Die Bewirtschaftung nach dem Konzept des höchstmöglichen nachhaltigen Dauerertrages (MSY) erfordert eine weitere Senkung der fischereilichen Sterblichkeit (F). Bleibt F weiterhin zu hoch, wird die Laicherbiomasse wahrscheinlich weiter sinken und in absehbarer Zeit unter den MSY-Triggerwert fallen. ICES und MRI empfehlen eine Reduzierung der Fangmengen um 10% für 2012. [258]

Umwelt­einflüsse auf den Bestand

Der isländische Seelachs lebt nah an seiner nördlichen Verbreitungsgrenze. Daher ist auch nur ein kleiner Teil des Bestandes in kälterem Wasser entlang der nördlichen und östlichen Küste zu finden. In wärmeren Jahren kann sich die Verteilung jedoch ändern, und in den letzten Jahren verlagerten sich sowohl die Fischerei, als auch die Forschungsreisen weiter nach Norden. Abweichungen in der Verbreitung der großen pelagischen Bestände wie blauer Wittling und atlantoskandischer Hering beeinflussen ebenfalls das Wanderverhalten des Seelachses. Veränderungen der altersspezifischen Länge und des Gewicht konnten bisher nicht eindeutig fischereilichen oder Umwelteinflüssen zugeordnet werden. [258] [259]

Wer und Wie

Die isländische Fischerei wird vom dortigen Ministerium für Fischerei und Landwirtschaft gemanagt. Es ist für die entsprechenden Gesetze und Regularien verantwortlich und entscheidet auch über die erlaubten Höchstfangmengen. Die Entscheidungen stützen sich auf die Empfehlungen des Isländischen Meeresforschungsinstituts (MRI) unter Berücksichtigung von sozio-ökonomischen Aspekten. Die Quoten und Anlandungen werden auf ein Fischereijahr von September bis Ende August bezogen. Alle Anlandungen sind nur an lizensierten Anlandeplätzen möglich und werden zentral registriert. Das isländische Managementsystem basiert auf individuellen transferierbaren Quoten (ITQs), seit 1991 sind über 90 % der Fischereirechte handelbar. Es gibt keinen spezifischen Managementplan für Island-Seelachs, die Referenzwerte zur Erlangung des höchstmöglichen nachhaltigen Dauerertrages Fmsy und Btrig werden aber als mögliche Kandidaten für Managementziele im Rahmen einer Harvest control rule betrachtet. Die Fischerei wird neben den festgesetzten Höchstfanggmengen (TACs) über weitere Vorschriften wie minimale Maschenweiten und Gebietsschließungen reguliert. [31] [258] [259]

Differenz zwischen Wissen­schaft und Management

Die Empfehlungen des ICES und des Isländischen Meeresforschungsinstitutes (MRI) unterschieden sich in den letzten Jahren nicht wesentlich, mit Ausnahme des Fischereijahres 2008/09. Die erlaubten Höchstfangmengen (TACs) wurden in den letzten 5 Jahren über den wissenschaftlichen Empfehlungen festgesetzt. Für das Fischereijahr 2011/12 stimmen die Empfehlungen des ICES und des MRI überein (weniger als 45.000 t), der TAC wurde aber auf 52.000 t festgesetzt. [31] [41] [258]

Karten

Verbreitungsgebiet

Managementgebiet

Der Bestand ist auf dem gesamten Islandschelf verbreitet. Seelachs um Island wird als ein Bestand betrachtet, obwohl Markierungexperimente auf Zu- und in geringerem Maße Abwanderungen hinweisen. [258] [259]

Anlandungen und TACs (in 1.000 t)

GesamtfangAnlandungen 2009/2010: 53,9 (Rückwürfe 1-2%); davon Grundschleppnetze 79%, Kiemennetze 8%, Handleinen, Danish seine und andere 13%
TACs2007/08: 75,0 2008/09: 65,0 2009/10: 50,0 2010/11: 50,0 2011/12: 52,0 [31] [258]

IUU-Fischerei

Es gibt keine Hinweise auf unberichtete oder illegale Fänge von Island-Seelachs. [258] [259]

Struktur und Fangmethode

Isländischer Seelachs wird sowohl in gezielter Fischerei als auch gemischt mit Kabeljau und Schellfisch gefangen. Der größte Anteil entfällt auf Trawler, Kiemennetze werden vor allem von 13 Fahrzeugen verschiedener Größe verwendet. Die 50 Haupttrawler haben 2008 85% des Gesamtfanges entnommen. Der Rest verteilt sich auf viele kleine Fahrzeuge die unter anderem mit Handleine auf Kabeljau, Schellfisch und Plattfischfang gehen und Seelachs beifangen. Die Fischerei ist ganzjährig. Gefischt wird hauptsächlich entlang des Kontinentalabhanges vor der Süd- und Westküste, wo wahrscheinlich die Hauptfraßgründe der Fische liegen. [31] [258] [259]

Beifänge und Rückwürfe

Seelachs wird in einer gemischten Rundfischfischerei gefangen; unerwünschte Beifänge sind selten. Der Rückwurf von Fisch mit ökonomischem Wert ist in isländischen Gewässern verboten. Es gibt keine minimalen Anlandegrößen. Um Rückwürfe tatsächlich zu minimieren, ist etwas Flexibilität in der Quotennutzung erlaubt, kleine Fische werden z.B. nicht voll auf die Quote angerechnet. Rückwürfe machen nur 1-2 % der Gesamtfänge aus. [31] [258] [259]

Einflüsse der Fischerei auf die Umwelt

Durch den Einsatz von Grundschleppnetzen kann der Meeresboden geschädigt werden. Einen negativen Effekt hat dieses Gerät auf die Fauna des Hartbodens, hier hat als Folge des Einsatzes von Grundschleppnetzen die Häufigkeit von z.B. Schwämmen und Kaltwasser-Korallen abgenommen. Einige Gebiete um Island sind zum Schutz dieser Kaltwasser-Riffe für die Fischerei geschlossen. Beim Seelachsfang können die Netze allerdings fast ohne Grundberührung eingesetzt werden. Verlorengegangene Geräte wie Kiemennetze können für eine gewisse Zeit weiterfischen (ghost fishing). Der Einfluss des „ghost fishing“ ist jedoch noch nicht quantifiziert worden. [30] [83] [259] [178] [31]

Biologische Besonder­heiten

Seelachs wird auf dem gesamten isländischen Schelf gefunden, ist im kälteren Wasser nördlich und östlich der Insel aber seltener. Er ist ein schneller Schwimmer, der Wanderungen in Fraß- und Laichgebiete unternimmt. Markierungsexperimente ergaben auch weite Wanderungen zwischen Beständen, z.B. aus nördlicheren Gebieten nach Island und zu den Färöer Inseln. Seelachs kann sowohl in Bodennähe (demersal) als auch in der Wassersäule (pelagisch) angetroffen werden. [31] [258] [107] [259]

Zusätzliche Informationen

Seelachs gehört zu den fünf kommerziell wichtigsten Fischarten Islands. Der größte Abnehmer ist Deutschland. Zweitgrößter Abnehmer sind die Niederlande. Beide Märkte werden vor allem mit gefrorenen Filets beliefert, wohingegen nach Spanien vor allem gesalzener und nach Nigeria Trockenfisch exportiert wird.
In Island ist auch das Angeln von Seelachs sehr populär. Besonders Kinder stehen an den Hafenanlagen der Insel und angeln vor allem junge Seelachse [14] [31]

Zertifizierte Fischereien

Bislang ist keine Fischerei auf Island-Seelachs nach den Standards des Marine Stewardship Councils (MSC) zertifiziert. Eine Fischerei befindet sich im Zertifizierungverfahren um das weniger anspruchsvolle regionale Iceland Responsible Fisheries Label (IRF). [260]

Soziale Aspekte

Die Seelachsfischerei um Island wird hauptsächlich von Isländischen Schiffen betrieben. Fischerei und Fischverarbeitung machen in Island ungefähr 11 % des BIP und 9 % der Beschäftigten aus. Seit Einführung der individuell transferierbaren Quoten (ITQs) sind die Produktivität und der Mehrwert pro Beschäftigten gestiegen. Das Einkommen der Fischer ist im Vergleich zu den Einkommen anderer Sektoren hoch. Allerdings hat die Einführung der ITQs anscheinend zu keiner wesentlichen Rentabilitätssteigerung in der Fischerei geführt. In strukturschwachen Gebieten verursachte die Konzentration der Fangquoten und die damit verbundene Abwanderung von Fischereibetrieben und der verarbeitenden Industrie eine erhöhte Arbeitslosigkeit. [13] [31] [130]

AutorJahrTitelQuelle
[13]Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE)Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) Homepageble.de
[14]Fisch-Informationszentrum e.V. (FIZ)Fisch-Informationszentrum e.V. Homepagefischinfo.de
[30]Food and Agriculture Organization (FAO)FAO. © 2003-2010. Fisheries Topics: Technology. Fish capture technology. In: FAO Fisheries and Aquaculture Department [online]. Rome. Updated 2006 15 09.[Cited 10 June 2010]fao.org
[31]Ministry of Industries and Innovation, IcelandInformationsseite des isländischen Ministeriums für Industrie und Innovation (Ministry of Industries and Innovation)fish.is
[41]Marine and Freshwater Research Institute (MFRI), IslandAdvice-Dokumente zum Status der Meeresfischbestände in Isländischen Gewässern (auf Isländisch und Englisch).hafogvatn.is
[83]Fossa JH, Mortensen PB, Furevik DM2002The deep-water coral Lophelia pertusa in Norwegian waters: distribution and fishery impacts Hydrobiologia 471:1-12
[106]ICES2010Report of the Benchmark Workshop on Roundfish (WKROUND), 9–16 February 2010, Copenhagen, Denmark. ICES CM 2010/ACOM:36. 183 pp.ices.dk
[107]Armannsson H, Jonsson ST, Neilson JD, Marteinsdottir G2007Distribution and migration of saithe (Pollachius virens) around Iceland inferred from mark-recapture studies ICES Journal of Marine Science, 64: 1006–1016
[130]Europäisches Parlament2003Fischereibewirtschaftung durch Systeme übertragbarer Rechte. Generaldirektion Wissenschaft, Vorläufige Ausgabe Reihe Fischerei, FISH 111 DE 04-2003
[178]FAO Food and Agriculture Organization2005FAO. © 2005-2011. World inventory of fisheries. Ghost fishing. Issues Fact Sheets. Text by Andrew Smith. In: FAO Fisheries and Aquaculture Department [online]. Rome. Updated 27 May 2005. [Cited 10 March 2011].fao.org
[258]ICES2011Report of the Advisory Committee, 2011. Book 2. Iceland and Greenland. 2.4.4. Saithe in Division Va (Icelandic saithe)ices.dk
[259]ICES2011Report of the North Western Working Group (NWWG), 26 April - 3 May 2011, ICES Headquarters, Copenhagen. ICES CM 2011/ACOM:7. 975 pp. 8 Saithe in Icelandic watersices.dk
[260]Iceland Responsible Fisheries Foundation (IRF)Homepage der Iceland Responsible Fisheries FoundationIRF.iceland