Bestandsdatenblatt

Island-Seelachs

Gültig 06/2018 - 06/2019

Island-Seelachs

gültig 06/2018 - 06/2019

Zugehörige Fischart

Seelachs

Allgemeine Informationen


Ökoregion:Islandschelf
Fanggebiet:Island (5.a) FAO 27
Art:Pollachius virens

Wissenschaftliche Begutachtung

Internationaler Rat für Meeresforschung (ICES), Kopenhagen, www.ices.dk und Hafrannsóknastofnun (Isländisches Forschungsinstitut für Meere und Binnengewässer, MFRI), Reykjavik, www.hafogvatn.is

Methode, Frequenz

Jährliche analytische Bestandsberechnung mit Vorhersage unter Verwendung von Anlandedaten und einer wissenschaftlichen Forschungsreise (Frühjahrssurvey). Neben den ICES-Empfehlungen gibt es die des isländischen Institutes MFRI. Für die Beschreibung des Fischereidruckes nach dem Konzept des höchstmöglichen nachhaltigen Dauerertrages (MSY) und nach Managementplan wird die Nutzungsrate (NR) verwendet. Alle Referenzwerte nach Vorsorgeansatz (Bpa, Blim, Fpa und Flim) und MSY-Konzept (MSY-Btrigger, NRmsy) sind definiert. Die Bestandberechnung ist eher unsicher, unter anderem weil die Daten aus den Forschungsreisen stark schwanken. Basis für die Fangempfehlung ist der Managementplan (Referenzwerte entsprechen MSY). [41] [1105] [1108]

Wesentliche Punkte

2018/19: Der Bestand liegt weit im grünen Bereich. Er ist größer als in den Berechnungen des Vorjahres angenommen wurde, weil die Jahrgänge 2012-2014 nun stärker erscheinen. Die Laicherbiomasse erreicht 2018 den Höchstwert der gesamten Zeitreihe. Der Fischereidruck konnte weiter gesenkt werden. [1105] [1108]

Bestands­zustand

Laicherbiomasse (Reproduktionskapazität)

  volle Reproduktionskapazität (nach Vorsorgeansatz)

  über dem Grenzwert (nach Managementplan)

  innerhalb der Schwankungsbreite um den Zielwert (nach höchstem Dauerertrag)

 

Fischereiliche Sterblichkeit

  nachhaltig bewirtschaftet (nach Vorsorgeansatz)

  innerhalb der Schwankungsbreite um den Zielwert (nach Managementplan)

  angemessen (nach höchstem Dauerertrag)

 

Als Maß für den Fischereidruck nach MSY und Managementplan dient hier die Nutzungsrate (NR).

Bestands­entwicklung

Nach dem zweiten Weltkrieg war die Fischerei um Island von ausländischen Flotten dominiert. Deutsche Trawler haben vor allem Seelachs und Rotbarsch gefischt. Seit Ausweitung der ausschließlichen Wirtschaftszone (AWZ) in den 1970er Jahren fischen hier jedoch hauptsächlich isländische Schiffe. Die Anlandungen von Seelachs nahmen Mitte der 1980er Jahre bis 1991 zu, einhergehend mit steigender Nutzungsrate und ab Anfang der 1990er Jahre abnehmender Laicherbiomasse. Inzwischen ist die Laicherbiomasse aber wieder angewachsen und erreicht 2018 den Höchstwert der Zeitreihe. Die Nutzungsrate sinkt seit 2009. Der Bestand wird nach Managementplan und somit auch nach dem Konzept zur Erlangung des höchstmöglichen nachhaltigen Dauerertrages (MSY) bewirtschaftet. Die Nachwuchsproduktion ist variabel und lag in den letzten 10 Jahren über dem Mittelwert, mit Ausnahme von 2018. Besonders stark waren die Jahrgänge 2012-2014. [41] [42] [1105] [1108]

Ausblick

Der Bestand wird nach dem Konzept des höchstmöglichen nachhaltigen Dauerertrages (MSY) bewirtschaftet. Aufgrund der starken Nachwuchsproduktion der letzten Jahre, können die Höchstfangmengen zunächst steigen. Die längerfristige Entwicklung hängt davon ab wie sich die weitere Nachwuchsproduktion darstellt, 2018 war sie wahrscheinlich schwächer. [41] [1105] [1108]

Umwelt­einflüsse auf den Bestand

Der isländische Seelachs lebt nah an der nördlichen Verbreitungsgrenze dieser Art. Daher ist auch nur ein kleiner Teil des Bestandes in kälterem Wasser entlang der nördlichen und östlichen Küste zu finden. In wärmeren Jahren kann sich die Verteilung jedoch ändern, und in den letzten Jahren verlagerte sich die Fischerei weiter nach Norden. Abweichungen in der Verbreitung der großen pelagischen Bestände wie blauer Wittling und atlanto-skandischer Hering beeinflussen ebenfalls das Wanderverhalten des Seelachses. Veränderungen des individuellen Gewichts der Fische konnten bisher nicht eindeutig fischereilichen oder Umwelteinflüssen zugeordnet werden. [1105] [1108]

Wer und Wie

Die isländische Fischerei wird vom dortigen Ministerium für Industrie und Innovation bewirtschaftet. Es ist für die entsprechenden Gesetze und Regularien verantwortlich und entscheidet auch über die erlaubten Höchstfangmengen. Die Entscheidungen stützen sich auf die Empfehlungen des isländischen Institutes MFRI unter Berücksichtigung von sozio-ökonomischen Aspekten. Die Quoten und Anlandungen werden auf ein Fischereijahr von September bis Ende August bezogen. Alle Anlandungen sind nur an lizensierten Anlandeplätzen möglich und werden zentral registriert. Das isländische Managementsystem basiert auf individuellen transferierbaren Quoten (ITQs), seit 1991 sind über 90 % der Fischereirechte handelbar. Seit Frühjahr 2013 wird auch dieser Bestand durch einen Managementplan (Harvest Control Rule) bewirtschaftet. Der Plan berücksichtigt u.a. die hohen Unsicherheiten in der Bestandsberechnung. Der ICES bewertet diesen Managementplan als in Übereinstimmung mit dem Vorsorgeansatz und dem Konzept des höchstmöglichen nachhaltigen Dauerertrages (MSY). Die Fischerei wird neben den Höchstfangmengen (TACs) über weitere Vorschriften wie minimale Maschenöffnungen und Gebietsschließungen reguliert. [42] [1105] [1108]

Differenz zwischen Wissen­schaft und Management

Die Empfehlungen des ICES und des Isländischen Meeresforschungsinstitutes (MRI, jetzt MFRI) sind seit 2009/10 nahezu identisch, zuvor gab es in einigen Jahren größere Abweichungen. Von 2007/08 bis 2012/13 wurden die Höchstfangmengen (TACs) über den wissenschaftlichen Empfehlungen festgesetzt, 2012/13 allerdings nur geringfügig. Seit 2013/14 entspricht der TAC der wissenschaftlichen Empfehlung, die auf dem Managementplan beruht. Die Anlandungen lagen in den letzten 4 Jahren unter der Höchstfangmenge. [41] [42] [1105] [1108]

Karten

Verbreitungsgebiet

Managementgebiet

Der Bestand ist auf dem gesamten Islandschelf verbreitet, die Höchstfangmengen werden für die isländische ausschließliche Wirtschaftszone festgelegt. Seelachs um Island wird als ein Bestand betrachtet, obwohl Markierungexperimente auf Zu- und in geringerem Maße Abwanderungen hinweisen. Verbreitungs- und Managementgebiet sind annähernd identisch. [42] [1105] [1108]

Anlandungen und TACs (in 1.000 t)

GesamtfangKalenderjahr 2017: Anlandungen: 49,1; davon Grundschleppnetze 90,2%, Kiemennetze 2,7%, andere 7,1% Fischereijahr 2016/17: 44,98
TACs2009/10: 50,0 2010/11: 50,0 2011/12: 52,0 2012/13: 50,0 2013/14: 57,0 2014/15: 58,0 2015/16: 55,0 2016/17: 55,0 2017/18: 60,2 [41] [42] [1105] [1108]

IUU-Fischerei

Es gibt keine Hinweise auf unberichtete oder illegale Fänge von Island-Seelachs. [1105] [1108]

Struktur und Fangmethode

Isländischer Seelachs wird sowohl in einer gezielten Fischerei als auch gemischt mit Kabeljau und Schellfisch gefangen. Der größte Anteil entfällt auf Trawler. Die Fischerei ist ganzjährig. Gefischt wird hauptsächlich entlang des Kontinentalabhanges vor der Süd- und Westküste, wo wahrscheinlich die Hauptfraßgründe der Fische liegen. [42] [1105] [1108]

Beifänge und Rückwürfe

Unerwünschte Beifänge sind in dieser Fischerei selten. Der Rückwurf von Fisch mit ökonomischem Wert ist in isländischen Gewässern verboten. Es gibt keine minimale Anlandelänge. Gebiete werden aber zeitnah für drei Wochen für die Fischerei geschlossen, wenn bei Inspektionen an Bord festgestellt wird, dass mehr als 25% des Fanges aus Tieren unter 55 cm besteht. Um Rückwürfe tatsächlich zu minimieren, ist etwas Flexibilität in der Quotennutzung erlaubt, außerdem werden kleine Fische nicht voll auf die Quote angerechnet. Die Rückwurfmengen von Seelachs sind vernachlässigbar. [42] [1105] [1108]

Einflüsse der Fischerei auf die Umwelt

Durch den Einsatz von Grundschleppnetzen können Bodenlebensgemeinschaften geschädigt werden. Artenzusammensetzung, Biomasse und Nahrungsgefüge können sich erheblich verändern. Einen negativen Effekt hat dieses Gerät auf die Fauna des Hartbodens, hier hat als Folge des Einsatzes von Grundschleppnetzen die Häufigkeit von z.B. Schwämmen und Kaltwasser-Korallen abgenommen. Die Kartierung der empfindlichen Riffe schreitet voran und einige Gebiete um Island sind zum Schutz dieser Kaltwasser-Riffe für die Fischerei geschlossen. Beim Seelachsfang können die Netze allerdings fast ohne Grundberührung eingesetzt werden. Verlorengegangene Geräte wie Kiemennetze können für eine gewisse Zeit weiterfischen (ghost fishing). Der Einfluss des „ghost fishing“ ist jedoch noch nicht quantifiziert worden. [30] [42] [83] [178] [1105] [1108]

Biologische Besonder­heiten

Seelachs kommt auf dem gesamten isländischen Schelf vor, ist im kälteren Wasser nördlich und östlich der Insel aber seltener. Er ist ein schneller Schwimmer, der Wanderungen in Fraß- und Laichgebiete unternimmt. Markierungsexperimente ergaben auch weite Wanderungen zwischen Beständen, z.B. aus nördlicheren Gebieten nach Island und zu den Färöer Inseln. Seelachs kann sowohl in Bodennähe (demersal) als auch in der Wassersäule (pelagisch) angetroffen werden. [42] [107] [1105] [1108]

Zusätzliche Informationen

Seelachs gehört zu den fünf kommerziell wichtigsten Fischarten Islands. Der wichtigste Markt ist Deutschland, gefolgt von den Niederlanden. Beide Märkte werden vor allem mit gefrorenen Filets beliefert, wohingegen nach Spanien vor allem gesalzener und nach Nigeria Trockenfisch exportiert wird. [14] [42]

Zertifizierte Fischereien

Die isländische Fischerei auf Island-Seelachs ist nach den Standards des Marine Stewardship Councils (MSC) zertifiziert. Außerdem ist sie nach dem weniger anspruchsvollen regionalen Iceland Responsible Fisheries (IRF) Programm zertifiziert. [4] [260]

Siehe:

http://fisheries.msc.org/en/fisheries/isf-iceland-saithe-ling-atlantic-wolffish-and-plaice/@@view

http://www.responsiblefisheries.is/certification/certified-fisheries/

Soziale Aspekte

Island gehört zu den größten Erzeugern von Fisch und Meeresfrüchten weltweit. Der Fischereisektor ist ungemein wichtig für das Land. Die Seelachsfischerei um Island wird hauptsächlich von Isländischen Schiffen betrieben, die Fangflotte besteht aus verschiedenen Fahrzeugtypen und –größen. [13] [42] [1105] [1108]

Marktdaten

2018 (vorl.): Verbrauch in Deutschland: 28.301 t (2017: 26.898 t), Marktanteil (Fische, Krebse, Weichtiere): 2,5% (2017: 2,3% ) [13] [14]

Anlandungen (in 1.000 t)Fänge (in 1.000 t)Laicherbiomasse (in 1.000 t)Laicherbiomasse ZustandFischereiliche SterblichkeitAnmerkungen (insbesondere Managementplan)Gültigkeit
Färöer (5.b) 30,6 30,6 66,9 - 06/2018 -
06/2019
Island (5.a) 49,1 - 232,9 Managementplan ab 2013 06/2018 -
06/2019
NE-Arktis (1, 2) 146,2 - 383,0 Harvest control rule ab 2007 06/2018 -
06/2019
Nordsee/westl. Schottlands (3.a, 4, 6) 86,8 94,8 228,1 neuer Managementplan ab 2018 06/2019 -
06/2020

Klassifizierung nach dem Ansatz des höchstmöglichen nachhaltigen Dauerertrages (MSY), durch den ICES oder analog zu dessen Einteilung:

SymbolBiomasseBewirtschaftung (fischereiliche Sterblichkeit)
innerhalb der Schwankungsbreite um den Zielwertangemessen oder unternutzt
außerhalb der Schwankungsbreite um den Zielwertübernutzt
Zustand unklar, Referenzpunkte nicht definiert und/oder unzureichende DatenZustand unklar, Referenzpunkte nicht definiert und/oder unzureichende Daten
AutorJahrTitelQuelle
[4]Marine Stewardship Council (MSC)Fisch und Meeresfrüchte aus zertifiziert nachhaltiger Fischereimsc.org
[13]Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE)Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) Homepageble.de
[14]Fisch-Informationszentrum e.V. (FIZ)Fisch-Informationszentrum e.V. Homepagefischinfo.de
[30]Food and Agriculture Organization (FAO)FAO. © 2003-2010. Fisheries Topics: Technology. Fish capture technology. In: FAO Fisheries and Aquaculture Department [online]. Rome. Updated 2006 15 09.[Cited 10 June 2010]fao.org
[41]Marine and Freshwater Research Institute (MFRI), IslandAdvice-Dokumente zum Status der Meeresfischbestände in Isländischen Gewässern (auf Isländisch und Englisch).hafogvatn.is
[42]Ministry of Industries and Innovation, IcelandInformationsseite des isländischen Ministeriums für Industrie und Innovation (Ministry of Industries and Innovationn), Fisheries in Icelandgovernment.is
[83]Fossa JH, Mortensen PB, Furevik DM2002The deep-water coral Lophelia pertusa in Norwegian waters: distribution and fishery impacts Hydrobiologia 471:1-12
[107]Armannsson H, Jonsson ST, Neilson JD, Marteinsdottir G2007Distribution and migration of saithe (Pollachius virens) around Iceland inferred from mark-recapture studies ICES Journal of Marine Science, 64: 1006–1016
[178]FAO Food and Agriculture Organization2005FAO. © 2005-2011. World inventory of fisheries. Ghost fishing. Issues Fact Sheets. Text by Andrew Smith. In: FAO Fisheries and Aquaculture Department [online]. Rome. Updated 27 May 2005. [Cited 10 March 2011].fao.org
[260]Iceland Responsible Fisheries Foundation (IRF)Homepage der Iceland Responsible Fisheries FoundationIRF.iceland
[1105]ICES2018ICES Advice on fishing opportunities, catch, and effort, Greenland Sea and Icelandic Waters Ecoregions, Saithe (Pollachius virens) in Division 5.a (Iceland grounds), 2018ices.dk
[1108]ICES2018Report of the North-Western Working Group (NWWG), 26 April–3 May, 2018, ICES HQ, Copenhagen, Denmark. ICES CM 2018/ACOM:09. 803 pp.ices.dk