Bestandsdatenblatt

Europäischer Aal

Gültig 11/2021 - 11/2022

Aal, Europäischer
Anguilla anguilla

gültig 11/2021 - 11/2022

Zum aktuellen Bestandsdatenblatt

Zugehörige Fischart

Aal, Europäischer

Allgemeine Informationen


Ökoregion:Mittelmeer, Schwarzes Meer, Barentsmeer (Nordost-Arktis), Färöer-Plateau, Iberische Küste, Islandschelf, Keltischer und Biskaya-Schelf, Nordsee, Norwegische See, Ostsee, alle in Nordostatlantik und Mittelmeer entwässernden europäischen und nordafrikanischen Binnengewässer
Fanggebiet:Nordostatlantik FAO 27; Mittelmeer und Schwarzes Meer FAO 37
Art:Anguilla anguilla

Wissenschaftliche Begutachtung

Die zusammenfassende Betrachtung des Bestandszustandes des Europäischen Aals wird vom Internationalen Rat für Meeresforschung (ICES) www.ices.dk in Zusammenarbeit mit der European Inland Fisheries and Aquaculture Advisory Commission (EIFAAC) und der General Fisheries Commission for the Mediterranean (GFCM) erarbeitet.

Methode, Frequenz

Die Beurteilung des Gesamtzustandes des Europäischen Aals durch den ICES erfolgt derzeit über die Rekrutierung, also die Anzahl der aus dem Laichgebiet in den europäischen Flussmündungen ankommenden Jungaale. Für die Nordsee und das „übrige Europa“ wird je ein Glasaal-Rekrutierungs-Index berechnet und in Relation zum Mittelwert der Jahre 1960-79 gesetzt. Außerdem wird ein Gelbaal-Rekrutierungs-Index ermittelt, der im Wesentlichen die Rekrutierung in der Ostsee wiederspiegelt, da die Jungaale bei ihrer Ankunft hier in der Regel bereits pigmentiert sind. Diese Rekrutierungs-Indizes basieren auf Daten aus der Fischerei und aus wissenschaftlichen Erhebungen und sind Basis für die wissenschaftliche Empfehlung des ICES. Die Rekrutierung von 1960-1979 wird als wahrscheinlicher Limit-Referenzwert (Rlim) betrachtet. [1314] [1315] [1335]

Wesentliche Punkte

2021: Es gibt keine Veränderung in der Wahrnehmung des Bestandszustandes des Europäischen Aals: Anders als die meisten anderen kommerziell genutzten Fischarten ist diese Art vom Aussterben bedroht. Der Glasaalindex für die Nordsee 2021 (vorläufiger Wert) liegt mit 0,6% nur knapp über dem niedrigsten Wert der Zeitreihe (2011 und 2012: 0,5%). Der Bestand befindet sich also nach wie vor in einem kritischen Zustand außerhalb sicherer biologischer Grenzen und unter allen potentiellen Referenzwerten. Der ICES empfiehlt für 2022 explizit, dass in allen Lebensräumen keine Aal-Fänge mehr getätigt werden sollten. Dies gilt sowohl für Freizeit- als auch für kommerzielle Fänge und schließt den Fang von Glasaalen für Besatzmaßnahmen und die Aquakultur mit ein. Alle anderen von Menschen verursachten Sterblichkeiten sollten auf ein Minimum reduziert und nach Möglichkeit vermieden werden. [1314] [1315] [1335]

Bestands­zustand

Laicherbiomasse (Reproduktionskapazität)

    Referenzwerte nicht definiert (nach Vorsorgeansatz)

  Referenzwerte nicht definiert (nach Managementplan)

    Referenzwerte nicht definiert (nach höchstem Dauerertrag)

Fischereiliche Sterblichkeit

  Referenzwerte nicht definiert (nach Vorsorgeansatz)

  Referenzwerte nicht definiert (nach Managementplan)

  Referenzwerte nicht definiert (nach höchstem Dauerertrag)

Die Begutachtung des ICES basiert auf den Rekrutierungs-Indizes. Die Rekrutierung von 1960-1979 wird als wahrscheinlicher Limit-Referenzwert (Rlim) betrachtet. Da die aktuelle Schätzung der Rekrutierung seit vielen Jahren unter Rlim liegt, geht der ICES davon aus, dass auch die aktuelle Biomasse unter einem wahrscheinlichen, jedoch nicht definierten Limit-Referenzwert (Blim) liegt (daher Klassifizierung mit ?x). Eine Klassifizierung von fischereilicher Sterblichkeit oder Nutzungsrate in Bezug zu höchstmöglichem nachhaltigen Dauerertrag (MSY) und Vorsorgeansatz erfolgt nicht, denn entsprechende Referenzwerte sind ebenfalls nicht definiert. [1314] [1315] [1335]

Bestands­entwicklung

Die Rekrutierung von Glasaalen und Gelbaalen (Einwanderung aus dem Laichgebiet) nahm von 1980 bis 2011 stark ab. Statistische Analysen der Zeitreihen von 1980 bis 2020 zeigen, dass die Rekrutierung ab 2011 nicht weiter abnahm und sich seither mit geringfügigen Schwankungen auf einem sehr niedrigen Niveau bewegt. Der Glasaal-Rekrutierungs-Index für die Nordsee (Daten aus Norwegen, Schweden, Deutschland, Dänemark, Belgien und den Niederlanden) erreichte 2021 0,6% (vorläufig) des Mittelwertes von 1960-79 (Bezugswert), 2020 waren es 0,9%, 2019 1,4%, 2018 1,8%. Der Wert von 2021 liegt damit nur geringfügig über dem niedrigsten Wert der Zeitserie von 2011 und 2012 (0,5%). Das Jungfischaufkommen hat also im Bereich der Nordsee um 99,1% (2020) abgenommen. In den anderen Gebieten („übriges Europa“, Daten aus Irland, Frankreich, Spanien, Portugal, Italien und dem Vereinigten Königreich) betrug die Glasaal-Rekrutierung 2021 nur 5,4% (vorläufig) (2018: 10,4%, 2019: 6,2%, 2020: 7,1%). Der niedrigste Wert der Zeitserie wurde auch hier für 2011 mit 3,7% ermittelt. Die Gelbaal-Rekrutierung (zeigt im Wesentlichen die Rekrutierung in der Ostsee) erreichte 2020 16,1% (2018: 16,6%, 2019: 13,9%) des Bezugswertes. Alle aktuellen Werte liegen also weit unter den Bezugswerten und somit unter allen potentiellen Referenzwerten. Es gibt keine Änderung in der Wahrnehmung oder Beurteilung des Bestandszustandes. Eine Darstellung der Anlandemengen ist aufgrund der unzuverlässigen Fangstatistiken nicht möglich. [1314] [1315] [1335]

Ausblick

Der Bestand des Europäischen Aals befindet sich in einem kritischen Zustand weit außerhalb sicherer biologischer Grenzen. Eine Erholung des Bestandes wird aufgrund der schwachen Rekrutierung (Einwanderung aus dem Laichgebiet) der letzten Jahre, der Vielzahl an Einflussfaktoren und der langen Generationszeit dieser Art wahrscheinlich Jahrzehnte dauern. [1314] [1315]

Umwelt­einflüsse auf den Bestand

Der Europäische Aal ist eine panmiktische (nicht in Bestände gegliederte) und weit verbreitete Art mit einer semelparen Reproduktionsstrategie (sie vermehren sich nur ein einziges Mal). Da er verschiedene Lebensräume besiedelt und durchwandert, wird er durch eine Vielzahl von durch Menschen verursachte Einflüsse, aber auch durch natürliche Faktoren beeinflusst. Viele Faktoren wirken im kontinentalen Bereich, also den Süßgewässern. Neben der Fischerei auf alle kontinentalen Lebensstadien (vom Glasaal bis zum abwandernden Blankaal) können bei den durch Menschen verursachten Sterblichkeits-Faktoren wesentliche Gruppen unterschieden werden (1) Turbinen von Wasserkraft- und Pumpanlagen, (2) Verschlechterung bzw. Verlust des Lebensraumes, (3) Verschmutzung, Krankheiten und Parasiten und (4) andere Bewirtschaftungsmaßnahmen, die sich auf das Ausmaß der Prädation auswirken können (z. B. Schutz oder Bekämpfung von Räubern). Der Klimawandel kann weitere Auswirkungen haben, die jedoch sind nicht bekannt. Aale reichern aufgrund ihres hohen Körperfettgehalts und ihres langen Lebens in besonderem Maße fettlösliche Schadstoffe im Gewebe an. Ein Einfluss auf die Nachwuchsproduktion von Tieren aus stark belasteten Gebieten ist wahrscheinlich (indirekt durch Beeinflussung des Wanderverhaltens oder direkt durch Beeinflussung der Gonadenentwicklung und Beeinträchtigung der Nachkommen). Der Befall mit dem aus Asien eingeschleppten und nicht zuletzt durch Besatzmaßnahmen weiter verbreiteten Parasiten Anguillicola crassus (Schwimmblasenwurm) beeinträchtigt vermutlich die Laichwanderung. Im ozeanischen Bereich beeinflussen möglicherweise klimatische Veränderungen das Überleben und die Drift der Larven. [698] [887] [1245] [1314] [1315]

Wer und Wie

Der Europäische Aal wird, wie jede andere Fischart, von den Umweltbedingungen und der Nutzung im gesamten Verbreitungsgebiet beeinflusst. Aufgrund der besorgniserregenden Bestandsentwicklung reagierte die Europäische Union 2007 mit Maßnahmen zur Wiederauffüllung des Bestandes des Europäischen Aals (EU-Aalverordnung). Sie hat Schutz, Erholung und nachhaltige Nutzung des Bestandes zum Ziel. Die Schutzmaßnahmen erfolgen auf regionaler Ebene, daher mussten bis Ende 2008 individuelle Aalbewirtschaftungspläne für alle Flusssysteme durch die einzelnen Mitgliedsstaaten entwickelt werden. Über den Erfolg der Maßnahmen muss regelmäßig Bericht erstattet werden.
Im Rahmen der Pläne sollen die EU-Mitgliedsstaaten die Biomasse der aktuell zum Laichen abwandernden Blankaale erfassen (Bcurrent) sowie eine potentiell erreichbare Laichabwanderung berechnen (Bbest; Details siehe in EU-Aalverordnung). Als Referenzwert wird die Menge an Aalen herangezogen, die gemäß der bestmöglichen Schätzung ohne Beeinflussung des Bestands durch menschliche Einflüsse ins Meer abgewandert wäre (B0). Ziel der Pläne ist es, die von Menschen verursachte Sterblichkeit zu verringern und eine Laichabwanderung von mindestens 40% der Blankaale im Vergleich zu B0 zu ermöglichen. Die EU-Aalverordnung wurde bisher nicht wissenschaftlich evaluiert und ist daher nicht Basis für die Empfehlungen des ICES.
Es gibt kein gemeinsames Management über die EU-Grenzen hinaus. 2007 wurde der Europäische Aal in Anhang II des Washingtoner Artenschutzübereinkommen (CITES) aufgenommen (gültig ab März 2009). Die Umsetzung in EU-Recht erfolgte 2008 mit Aufnahme in Anhang B der EU-Verordnung über den Schutz wildlebender Tier- und Pflanzenarten durch Überwachung des Handels (gültig seit 2010). Damit wurde der internationale Handel mit Aalprodukten stark reguliert. Seit 2010 ist jeglicher außergemeinschaftliche Handel verboten (CITES-Exportquote = 0). Marokko, Tunesien, Algerien und die Türkei haben für 2020, 2021 und 2022 hingegen Exportquoten festgelegt.
Die Aalfischerei wird von den Mitgliedsstaaten auf nationaler Ebene für Küsten- und Binnengewässer geregelt, z.B. über Glasaalquoten, Fanglizenzen und Mindestreferenzgrößen für die Bestandserhaltung. In den Unionsgewässern des ICES-Gebiets müssen die Mitgliedstaaten die Fischerei in drei aufeinander folgenden Monaten/Jahr vollständig schließen (Details in der EU-Verordnung). In der Ostsee ist die Aufbewahrung an Bord von mit aktivem Fanggerät gefangenem Aal verboten. Unbeabsichtigt gefangene Aale müssen umgehend freigesetzt werden. In Norwegen ist seit Januar 2010 jegliche kommerzielle und Freizeitfischerei auf Aal verboten. Seit 2016 wird eine Quote für Forschung und Monitoring an ausgewählte Fischer vergeben. [3] [187] [188] [189] [301] [576] [579] [1148] [1179] [1242] [1314] [1315] [1333] [1334]

Differenz zwischen Wissen­schaft und Management

Die EU-Aalverordnung (insbesondere die Kennzahlen B0 & B40%) wurde bisher nicht wissenschaftlich evaluiert und ist daher nicht Basis für die Empfehlungen des ICES. Basis der ICES-Empfehlung sind die Rekrutierungs-Indizes (siehe „Methode, Frequenz“). Aufgrund des schlechten Bestandszustandes des Europäischen Aals empfiehlt der ICES für 2022 explizit, dass in allen Lebensräumen keine Aal-Fänge mehr getätigt werden sollten. Dies gilt sowohl für Freizeit- als auch für kommerzielle Fänge und schließt den Fang von Glasaalen für Besatzmaßnahmen und die Aquakultur mit ein. Ausnahmen wären nur akzeptabel, wenn durch den Fang die Sterblichkeit reduziert wird (z.B. durch den Fang vor Barrieren und das Aussetzen hinter der Barriere). Alle anderen von Menschen verursachten Sterblichkeiten sollten auf ein Minimum reduziert und nach Möglichkeit vermieden werden. In vielen Aalbewirtschaftungsplänen der EU-Mitgliedstaaten sind Besatzmaßnahmen zur Erreichung des 40%-Abwanderungsziels vorgesehen. Weil eine künstliche Reproduktion jedoch bislang nicht gelungen ist, basiert jeglicher Besatz auf dem Fang von Wildfischen (Glas- oder Gelbaalen) und damit natürlichen Rekruten. Während Besatz deshalb zu einer Erhöhung der Gelbaal- und Blankaal-Produktion im jeweiligen Besatzgewässer beiträgt, fehlen schlüssige Beweise, dass sich daraus ein Nettonutzen für den Gesamtbestand des Europäischen Aals ergibt, zumal teilweise von erheblichen Sterblichkeiten allein beim Fang von Besatzfischen berichtet wird. Angesichts dieser Unsicherheiten und möglicher schädlicher Auswirkungen und unter Berücksichtigung des Vorsorgeprinzips empfiehlt der ICES, keine Aal-Fänge für Besatzmaßnahmen zuzulassen.
19 EU-Mitgliedsstaaten haben bisher Aalbewirtschaftungspläne aufgestellt, sechs Mitgliedsstaaten wurden ausgenommen, und drei haben keine Pläne vorgelegt (Stand 2020). Die EU-Aalverordnung fordert alle drei Jahre Berichte der Mitgliedsstaaten. Die Berichterstattung der Mitgliedstaaten über die Umsetzung der Pläne war bisher unvollständig, da einige Länder die Berichte nicht übermittelt oder unvollständige Informationen bereitgestellt haben. [188] [1179] [1180] [1314] [1315]

Karten

Verbreitungsgebiet

Managementgebiet

Der Europäische Aal ist weit verbreitet (Europa, Russland und Nordafrika) und nicht in Bestände gegliedert (panmiktisch). Die Bewirtschaftung erfolgt über ein Rahmenprogramm der EU (EU-Aalverordnung) und Aalbewirtschaftungspläne der Mitgliedstaaten, die für jedes Aaleinzugsgebiet erstellt werden mussten. Glasaal-Fangmengen werden von den einzelnen Mitgliedsstaaten festgelegt. Norwegen, Russland und einige Länder des Mittelmeerraumes haben eigene Bewirtschaftungsvorschriften. [188] [301] [1314] [1315] [1334]

Anlandungen und legale Höchstfangmengen (TACs) (in 1.000 t)

GesamtfangFang- und Anlandedaten sind, trotz verbesserter Erfassung, noch immer unzuverlässig bzw. sehr unvollständig.
TACnicht festgelegt, einige Staaten legen nationale Glasaal-Quoten fest, bzw. vergeben Lizenzen, Norwegen hat seit 2016 eine Quote für Forschung und Monitoring (wissenschaftliche Fischerei) eingerichtet, kommerzielle und Freizeitfischerei sind hier verboten. [301] [1242] [1314] [1315] [1333]

IUU-Fischerei

Von teilweise erheblichen illegalen, nicht gemeldeten und/oder unregulierten Fängen von Europäischem Aal ist auszugehen, denn die Einführung der Aalmanagementpläne führte regional zu Beschränkungen der Fischerei. Die von den Ländern gemeldeten Aal-Anlandedaten sind noch immer unzuverlässig. Illegale Exporte von Europa nach Asien sind ein weiteres Problem für den Erfolg der Schutzmaßnahmen. Obwohl die Ausfuhr von Aal aus Europa durch die CITES-Exportquote von Null verboten ist, wurden z.B. 2011/2012 Fälle von illegalem Export von Glasaal (z.B. nach China und auf die Philippinen) aufgedeckt. In der Saison 2016/17 kam es zur Beschlagnahme von Glasaalen und diversen Verhaftungen. Der illegale Versand von Glasaalen von Madrid nach Hong Kong wurde 2016 mit genetischen Methoden nachgewiesen. Europol berichtet weiterhin regelmäßig über die Aufdeckung des Glasaalschmuggels in verschiedenen Ländern. [3] [1031] [1176] [1314] [1315]

Struktur und Fangmethode

Der Europäische Aal wird in seinen verschiedenen Lebensstadien als Glasaal, Gelbaal und Blankaal befischt. Es gibt verschiedenste kommerzielle und Freizeitfischereien, die insgesamt wahrscheinlich ähnliche Mengen anlanden. Gefischt wird u.a. mit Netzen und/oder Langleinen, außerdem mit verschiedenen Reusentypen und Angeln. Glasaale werden mit aktiven und passiven Geräten für Besatz, Aquakultur und den direkten Verzehr gefangen. Glasaalfischerei findet in Frankreich, dem Vereinigten Königreich, Spanien, Portugal und Italien statt. Auch nicht-EU-Länder wie z.B. Marokko haben Glasaalfischereien. Aal ist für die Fischerei eine ausgesprochen wertvolle Ressource. In der Aquakultur werden Speiseaale für den direkten Verzehr gemästet, es werden aber auch Aale vorgestreckt, die später in den Besatz gehen. Jeder Aal aus der Aquakultur stammt jedoch ursprünglich aus Wildfang. [190] [1242] [1314] [1315] [1333]

Beifänge und Rückwürfe

Lokal kann es in der Aalfischerei zu Beifang anderer Arten kommen. Im Meer, vor allem in Küstengewässern, kann Aal als Beifang in der Fischerei mit Grundschleppnetzen und mit passiven Netzen (z.B. Reusen) auftreten. Wegen des hohen Wertes sind Rückwürfe maßiger Tiere unwahrscheinlich. [575] [1314] [1315]

Einflüsse der Fischerei auf die Umwelt

Die heutige Aalfischerei hat wahrscheinlich nur einen geringen bzw. keinen Einfluss auf die Meeresumwelt. Je nach Nutzungsrate können aber Fluss-Ökosysteme über Veränderung der Artenzusammensetzung beeinflusst werden. Die starke Abnahme einer wichtigen und zeitweise dominierenden Art durch die Fischerei oder durch andere Einflüsse kann zu tiefgreifenden Veränderungen geführt haben. Deren Größenordnung auf den verschiedenen Ebenen von Art bis Ökosystem ist aber bisher nicht untersucht. Fang und Verwendung von Glasaal für Besatzmaßnahmen führt z.B. zur Einschleppung von Krankheiten und Parasiten in die Besatzgewässer. [1179] [1314] [1315]

Biologische Besonder­heiten

Der Europäische Aal laicht in der Sargassosee im südwestlichen Nordatlantik. Die Larven (Weidenblattlarven) werden mit den nordatlantischen Meeresströmungen an die europäischen und nordafrikanischen Küsten transportiert, wo eine Umwandlung in Glasaale stattfindet. Als Steigaale siedeln sie sich in brackigen Küstengewässern an oder steigen in die Flüsse auf. Die anschließende Gelbaal-Phase dient dem Nahrungserwerb und damit dem Wachstum und dauert je nach Geschlecht, Gewässertyp und geografischer Lage typischerweise fünf bis über 20 Jahre. Mit dem Beginn der Laichwanderung findet die Umwandlung in die Blankaal-Phase statt. Zum Laichen wird die Reise in die Sargassosee angetreten, ohne Nahrungsaufnahme, unter Resorption der eigenen Körperreserven für Bewegung und Gonadenentwicklung und mit Vertikalwanderungen (ausgeprägten Tiefenänderungen zwischen Tag und Nacht). Details dieser Wanderung sind aber noch immer unerforscht (weitere Informationen). [2] [229] [698] [1246] [1314] [1315]

Zusätzliche Informationen

Der Europäische Aal ist sehr anpassungsfähig an unterschiedliche Umweltbedingungen und Nahrungsangebote und besiedelt eine Vielzahl von Lebensräumen. Er kommt sowohl in Küstenregionen als auch in Binnengewässern vor. Dabei gibt es sowohl Individuen, die ausschließlich einen Lebensraum besiedeln, als auch solche, die mehrfach ihren Lebensraum wechseln. Die Einwanderung in Binnengewässer ist nicht erforderlich für die Komplettierung des Lebenszyklus (fakultativ katadrom).
Die sehr kritische Bestandssituation des Europäischen Aals wird dadurch verschärft, dass eine Reproduktion dieser Art in Gefangenschaft nach wie vor nicht möglich ist: Trotz großer internationaler Anstrengungen ist es bis heute nicht gelungen, Aale vollständig künstlich zu reproduzieren. Inzwischen konnte aber die Reifung von Aalweibchen und -männchen im Labor herbeigeführt werden, die geschlüpften Laven sind mehrere Wochen lebensfähig. Eine nachhaltige, in diesem Fall also selbsterhaltende Nutzung von Aalen aus der Aquakultur, die nicht auf Wildfänge angewiesen ist, ist aber auch in absehbarer Zukunft nicht zu erwarten.
Auch gelegentliche Meldungen über höhere Glasaal-Einwanderungen in einzelne Flusssysteme ändern nichts am kritischen Bestandszustand des Europäischen Aals. [2] [229] [887] [896] [1314] [1315]

Zertifizierte Fischereien

Keine Fischerei auf Europäischen Aal im Nordostatlantik ist nach einem der gängigen Nachhaltigkeitsstandards zertifiziert.
Die "Initiative zur Förderung des Europäischen Aals e.V." (IFEA) ist der deutsche Verband der Aal-Händler und -Züchter. Die IFEA ist Mitglied der Eel Stewardship Association (ESA), die wiederum den Eel Stewardship Fund (ESF) gegründet hat. Der ESF ist kein Nachhaltigkeitszertifikat, sondern eine Handelsmarke.
Die „Sustainable Eel Group“ (SEG) hat einen Standard für Europäischen Aal entwickelt, der jedoch nicht annähernd den gängigen Fischerei-Nachhaltigkeitsstandards entspricht. U.a. werden auch Glasaal-Fischereien zertifiziert. Der Standard diskutiert zwar die Wirksamkeit von Besatzmaßnahmen anhand wissenschaftlicher Erkenntnisse, Besatz wird hier aber als eine akzeptierte Methode anerkannt. Solange nicht gezeigt werden kann, dass trotz hoher Sterblichkeiten von Glasaalen und vorgestreckten Aalen während Fang, Transport, Hälterung und Mast die Überlebenswahrscheinlichkeit eines Aals im Besatzgewässer signifikant höher als im Ursprungsgewässer ist, und gleichzeitig das Besatzgewässer mindestens in gleichem Maße zum tatsächlichen Laichgeschehen beiträgt, sind Besatzmaßnahmen keine Lösung der prekären Situation dieser bedrohten Art (siehe dazu auch unter „Differenz zwischen Wissenschaft und Management“). [1179] [1314] [1315]

Soziale Aspekte

Der Europäische Aal ist eine wertvolle Art mit großer Bedeutung für die europäische Berufsfischerei inklusive der Aquakultur. Auch in Deutschland gilt der Aal als wichtige Zielfischart für die Binnen- und kleingewerbliche Küstenfischerei. Vor allem in der norddeutschen Binnenfischerei sollen große Teile des finanziellen Ertrages durch Aal erzielt werden. Wissenschaftlich fundierte Daten dazu sind allerdings nicht verfügbar. [190] [1314] [1315]

Marktdaten: In Deutschland wird auf dem Markt nicht zwischen verschiedenen Aal-Arten unterschieden. Bei den Marktdaten sind also alle Aal-Arten zusammengefasst, den Hauptteil der Versorgung auf dem deutschen Markt macht jedoch der Europäische Aal (Anguilla anguilla) aus.

2022 (vorl.): Verbrauch in Deutschland: 1.899 t (2021: 1.610 t), Marktanteil (Fische, Krebse, Weichtiere): 0,2 % (2021: 0,1 %) [13] [14]

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Klassifizierung nach dem Ansatz des höchstmöglichen nachhaltigen Dauerertrages (MSY), durch den ICES bis 2020 oder analog zu dessen Einteilung:

SymbolBiomasseBewirtschaftung (fischereiliche Sterblichkeit)
innerhalb der Schwankungsbreite um den Zielwertangemessen oder unternutzt
außerhalb der Schwankungsbreite um den Zielwertübernutzt
Zustand unklar, Referenzpunkte nicht definiert und/oder unzureichende DatenZustand unklar, Referenzpunkte nicht definiert und/oder unzureichende Daten
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