Bestandsdatenblatt

Dornhai auf dem Neufundland-Labradorschelf

gültig 2011/01 – 2012/01

Dornhai auf dem Neufundland-Labradorschelf

gültig 2011/01 – 2012/01

Zugehörige Fischart

Dornhai (2 Arten)

Allgemeine Informationen


Ökoregion:Neufundland-Labradorschelf, Scotian Schelf
Fanggebiet:Nordwestatlantik: Kanada FAO 21
Art:Squalus acanthias

Wissenschaftliche Begutachtung

Fisheries and Oceans Canada (DFO), www.dfo-mpo.gc.ca (Centre for Scientific Advice (CSA), Maritimes Region)

Methode, Frequenz

Die Anzahl der Bestände im Nordwestatlantik ist unklar, zurzeit wird ein Gesamtbestand mit mindestens zwei Komponenten angenommen. Die Bestandsberechnungen und die Bewirtschaftung erfolgen jedoch getrennt durch die USA und Kanada, da bislang keine Einigung für eine grenzübergreifende Bestandsberechnung (durch die zwischenstaatliche Arbeitsgruppe TRAC) erzielt werden konnte. Von US-Seite wird das angewendete Modell und dessen Aktualisierung 2009 als adäquat für die Berechnung des Gesamtbestandes angesehen. Kanada hält jedoch Teile des dortigen Bestandes für nicht voll erfasst und lehnt die US-Berechnungen ab. Im Dez. 2011 soll eine Bestandsberechnung mit einem neuen Modell durchgeführt werden. In Kanada basieren die Bestandsbeurteilungen auf Fischereidaten sowie den Ergebnissen von drei Forschungsreisen. Es sind keine Referenzwerte definiert. [115] [116] [156] [158] [161] [NOAA, persönliche Mitteilung, Jan. 2011] [DFO, persönliche Mitteilung, Jan. 2011]

Wesentliche Punkte

2009: Die kanadischen Anlandungen waren im Vergleich zu den Vorjahren stark rückläufig. Insgesamt liegt die Biomasse der kanadischen Komponente des Bestandes über dem Langzeitmittel. Der aktuelle FAO-Report zum Status der Fischbestände (SOFIA) nennt Dornhai im Nordwestatlantik als einen Bestand, der in der letzten Dekade aufgrund guten Managements Zeichen der Erholung zeigt. [156] [158] [161] [166]

Bestands­zustand

Laicherbiomasse (Reproduktionskapazität)

  unbekannt (nach Vorsorgeansatz)

  unbekannt (nach Managementplan)

  unbekannt (nach höchstem Dauerertrag)

 

Fischereiliche Sterblichkeit

  unbekannt (nach Vorsorgeansatz)

  unbekannt (nach Managementplan)

  unbekannt (nach höchstem Dauerertrag)

 

Aufgrund fehlender Daten ist derzeit keine Einordnung des Bestandes in Bezug auf Referenzwerte möglich. Der Bestandszustand ist daher hinsichtlich Laicherbiomasse und Fischereidruck unbekannt.

Bestands­entwicklung

*Die Biomassezahlen aus den Forschungsfahrten im Frühjahr werden als verlässlicher angesehen als die aus dem Sommer. **Entnahme aus kanadischen Gewässern. Zwischen 1962 und 1965 wurde Dornhai aus dem Nordwestatlantik hauptsächlich von der kommerziellen Fischerei der USA angelandet. Danach, 1966-1977, dominierten ausländische Flotten aus Russland und Europa mit Anlandungen von bis zu 25.000 t pro Jahr. Nach Einrichtung und Ausweitung der ausschließlichen Wirtschaftszone (AWZ) wurden die Anlandungen ausländischer Flotten minimal. Der Nordwestatlantische Dornhai wurde nun hauptsächlich von den USA gefischt und galt als moderat genutzter Bestand. Mit dem Rückgang anderer kommerziell genutzter Fischbestände und dem Zusammenbruch des Dornhaibestandes im Nordostatlantik wuchs die Nachfrage nach Dornhai aus kanadischen und besonders aus US-Gewässern. Die Anlandungen stiegen zwischen 1987 und 1996 erneut auf jährlich bis zu 28.000 t (hauptsächlich USA). Diese enorm gestiegenen Fänge, kombiniert mit der gezielten Entnahme von großen Weibchen, führten zu einer Abnahme des Bestandes. Im April 1998 wurde der Bestand vom National Marine Fisheries Service (NMFS, USA) als überfischt bewertet und man begann mit der Entwicklung der Managementpläne. Ab 2001 zeigten die Regulierungen Wirkung und die Anlandungen in den USA nahmen stark ab. Parallel dazu stiegen die Anlandungen in Kanada an und machten kurze Zeit den größeren Teil der Gesamtanlandungen aus. 2009 betrugen Kanadas Anlandungen nur 114 t (2008: 1.574 t). Die Berechnungen der USA betrachten den Bestand seit 2008 als wiederaufgebaut und auch 2009 lag die Biomasse über dem Referenzwert. Die Ergebnisse kanadischer Forschungsfahrten ergaben, dass die Biomasse der kanadischen Komponente insgesamt über dem Langzeitmittel liegt. Der Status der standorttreuen Populationen scheint stabil zu sein, die Biomasse wandernder Komponenten scheint hingegen abzunehmen. [117] [118] [157] [160] [161]

Ausblick

Der Status der kanadischen Komponente von Dornhai im Nordwestatlantik ist unklar. Die Entwicklung der Biomasse unterscheidet sich in den verschiedenen Gebieten und zwischen stationären und wandernden Populationen. Bis Juni 2011 soll ein neues Modell fertiggestellt sein, das aktuelle Bestandsberechnungen ermöglicht. Von einer Erhöhung der fischereilichen Nutzung vor allem adulter Weibchen wird abgeraten. [156] [158] [DFO persönliche Mitteilung, Jan. 2011]

Umwelt­einflüsse auf den Bestand

Auf dem Scotian Schelf sind Dornhaie mit Bodenwassertemperaturen zwischen 0° und 12°C assoziiert, wobei 6-11°C die bevorzugten Temperaturen zu sein scheinen. [157]

Wer und Wie

Der Bestand im Nordwestatlantik wird von den USA und Kanada separat bewirtschaftet. In Kanada ist die DFO (Fisheries and Oceans Canada) für das Fischereimanagement zuständig. Dornhai wird mit anderen Grundfischen im Rahmen eines integrierten Managementplanes (groundfish integrated fish management plan) bewirtschaftet. Vor 2002 waren die Fänge in Kanada nicht reguliert. Seit 2002 gibt es eine Quote, die aber nicht auf wissenschaftlichen Daten und Fangempfehlungen, sondern auf der Fanghistorie basiert. Sie betrug zunächst 3.200 t und wurde 2004 auf 2.500 t reduziert. Es gibt keine Regulierung von Beifängen und Rückwürfen. Die Fischerei wird über Beobachter auf See und ein Monitoringprogramm kontrolliert. [157] [159] [162] [DFO persönliche Mitteilung, Jan. 2011]

Differenz zwischen Wissen­schaft und Management

Ohne ein funktionierendes Populationsmodell kann von wissenschaftlicher Seite keine Fangempfehlung gegeben werden; ein entsprechendes Modell soll aber im Juni 2011 zur Verfügung stehen. Der Empfehlung aus dem aktuellsten DFO Advice Report von 2007, die Nutzungsrate vor allem adulter Weibchen nicht zu erhöhen, wurde bisher entsprochen. Die Höchstfangmengen sind seit 2004 stabil. [156] [NOAA, persönliche Mitteilung, Jan. 2011

Karten

Verbreitungsgebiet

Managementgebiet

Der Dornhai im Nordwestatlantik wird als ein Bestand betrachtet, der in mindestens zwei Komponenten zerfällt. Er ist zwischen Labrador (Kanada) und Florida (USA) verbreitet. NAFO Untergebiete 2-6. Das Management erfolgt getrennt zwischen USA und Kanada. [114] [115] [116] [156]

Anlandungen und TACs (in 1.000 t)

GesamtfangAnlandungen 2009: 0,11; vor allem Handleinen, Langleinen und Kiemennetze
TACs2008/09: 2,5 2009/10: 2,5 2010/11: 2,5 [159] [160] [157]

IUU-Fischerei

Es gibt keine Hinweise auf illegale oder unberichtete Fänge von Dornhai im Nordwestatlantik. [177]

Struktur und Fangmethode

Kanada verzeichnet die meisten Fänge aus der Provinz Nova Scotia. Die Fischerei findet vor allem im Sommer statt. Hauptfangeräte sind Hand- und Langleinen, gefolgt von Kiemennetzen. Es gibt eine gerichtete Fischerei, sowie Beifänge aus anderen Fischereien. [157] [159]

Beifänge und Rückwürfe

Dornhai wird regelmäßig als Beifang in der Langleinen und Kiemennetz-Fischerei gefangen und macht oft einen großen Teil des Gesamtfanges aus. Vor 1999 überstiegen die Mengen der toten Rückwürfe oft die Anlandemengen, sind inzwischen aber stark zurückgegangen. Da nur ein geringer Preis erzielt wird und die Handhabung an Bord aufwändig ist, werden Dornhaie oft zurückgeworfen, wenn wertvollerer Fang zur Verfügung steht. Dornhaie sind relativ robuste Tiere und es gibt eine vergleichsweise hohe Überlebenschance für Rückwürfe. Die Überlebensrate hängt vom Fanggeschirr und der Größe des Fanges ab. Bei Fangmengen ≥ 200 kg steigt die Sterblichkeit der Rückwürfe. Kanada gibt von 1987 bis 2007 als jährliches Mittel 850 t tote Rückwürfe an. Die niedrigen Anlandungen 2009 lassen aber einen geringeren Wert annehmen. Als Beifänge in Kiemennetzen können Meeressäuger und Schildkröten auftreten. [120] [156] [157]

Einflüsse der Fischerei auf die Umwelt

Beim Einsatz von Kiemennetzen kann es zum Beifang von Meeressäugern und Schildkröten kommen. [30] [122]

Biologische Besonder­heiten

Der Dornhaibestand im Nordwestatlantik der USA und Kanada ist genetisch nicht unterteilbar, es ist aber eine räumliche Strukturierung von Populationen zu erkennen. Es gibt ortsgebundene Komponenten in den nördlichen Gebieten sowie grenzüberschreitende wanderende Komponenten. In kanadischen Gewässern finden saisonale Wanderungen von küstennah zu küstenfern statt. In US-Gewässern finden vor allem Wanderungen in Nord-Süd Richtung statt, wobei einige Komponenten im Frühjahr/Sommer in kanadische Gewässer einwandern und im Herbst/Winter zurück. Die größte Biomasse des Bestandes kommt aber in US-Gewässern vor. [115] [156]

Zusätzliche Informationen

Der Dornhai im Nordwestatlantik wird von der IUCN als stark gefährdet (EN) eingestuft. Dornhaie sind langlebige, langsam wachsende Tiere, die spät geschlechtsreif werden, lange Tragezeiten von etwa 2 Jahren und nur wenige Nachkommen haben. Dadurch entsteht eine direkte Beziehung zwischen Anzahl erwachsener Weibchen und Nachwuchsproduktion, was sie besonders anfällig für Überfischung macht. Dornhaie sind Top-Prädatoren, die sich opportunistisch ernähren, das heißt sie fressen was zur Verfügung steht. Kleinere Tiere fressen vor allem Krebse, größere meistens Fisch. Gefressen werden Dornhaie wiederum von verschiedenen größeren Knochenfischen und anderen Haien. [115] [116] [156] [11] [179]

Zertifizierte Fischereien

Keine Dornhaifischerei im kanadischen Gebiet des Nordwestatlantiks ist nach einem der gängigen Nachhaltigkeitsstandards zertifiziert.

Soziale Aspekte

In Kanada hat Dornhai eine lange Nutzungshistorie. Das Öl wurde in der Industrie als Schmiermittel, als Lampenöl und Vitamin A-Lieferant genutzt. Das Fleisch wurde zu Dünger verarbeitet, ging in die Fischmehlproduktion und in den Verzehr, Flossen gingen in den internationalen Handel. Heute bedient die kommerzielle Fischerei vor allem den europäischen Markt. Dornhai findet in Deutschland Verwendung als Schillerlocken und Seeaal, in England findet man ihn in Fisch und Chips. Weitere Teile, wie z.B. Knorpel werden zu Lebensmittelzusätzen weiterverarbeitet, andere gehen in die Düngemittelproduktion. Die Flossen werden gefrostet nach Asien exportiert. Aufgrund des stellenweise massenhaften Vorkommens und dadurch entstehender Probleme in der kommerziellen Fischerei wurde aktiv versucht, die Populationen zu dezimieren oder sogar auszurotten. Aus diesem Grund bestand auch über viele Jahre kein Interesse an einem nachhaltigen Management. [161] [14]

AutorJahrTitelQuelle
[11]IUCN2010IUCN Red List of Threatened Species. Version 2010.1, International Union for Conservation of Nature. Downloaded on 16 July 2010iucnredlist.org
[13]Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE)Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) Homepageble.de
[14]Fisch-Informationszentrum e.V. (FIZ)Fisch-Informationszentrum e.V. Homepagefischinfo.de
[30]Food and Agriculture Organization (FAO)FAO. © 2003-2010. Fisheries Topics: Technology. Fish capture technology. In: FAO Fisheries and Aquaculture Department [online]. Rome. Updated 2006 15 09.[Cited 10 June 2010]fao.org
[114]Atlantic States Marine Fisheries Commission (ASMFC)Spiny Dogfish, Squalus acanthias: Overview of Stock Status, Managementplans, Reportsasmfc.org
[115]Transboundary Resources Assessment Committee (TRAC)2010Transboundary Resources Assessment Committee. Northwest Atlantic Spiny Dogfish. TRAC Status Report 2010/2nefsc.noaa
[116]Northeast Fisheries Science Center (NEFSC)2006Northeast Fisheries Science Center. 43rd Northeast Regional Stock Assessment Workshop (43rd SAW): 43rd SAW assessment report. US Dep Commer, Northeast Fish Sci Cent Ref Doc 06-25; 400 pnefsc.noaa.gov
[117]Mid-Atlantic Fishery Management Council (MAFMC), New England Fishery Management Council (NEFMC), National Marine Fisheries Service (NMFS)Fishery Management Plans: Spiny Dogfishmafmc.org
[118]NEFSC1998NEFSC [Northeast Fisheries Science Center] [Report of the] 26th Northeast Regional Stock Assessment Workshop (26th SAW), Stock Assessment Review Committee (SARC) consensus summary of assessments. Northeast Fish. Sci. Cent. Ref. Doc. 98-03. 283 pp
[120]Mandelman JW, Farrington MA2007The estimated short-term discard mortality of a trawled elasmobranch, the spiny dogfish (Squalus acanthias) Fisheries Research 83 238–245
[122]Mid-Atlantic Fishery Management Council (MAFMC), National Marine Fisheries Service (NMFS)20102010 Spiny Dogfish Specifications, Environmental Assessment, Regulatory Impact Review, and Initial Regulatory Flexibility Analysisnero.noaa.gov
[156]Fisheries and Oceans Canada (DFO)2007Assessment of Spiny Dogfish in Atlantic Canada DFO Can. Sci. Advis. Sec. Sci. Advis. Rep. 2007/046
[157]Campana SE, Gibson AJF, Marks L, Joyce W, Rulifson R, Dadswell M2007Stock structure, life history, fishery and abundance indices for spiny dogfish (Squalus acanthias) in Atlantic Canada Canadian Science Advisory Secretariat, Research Document 2007/089
[158]Fisheries and Oceans Canada, DFOHomepage: Fisheries and Oceans CanadaDFO-Kanada
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[161]Wallace SS, McFarlane GA, Campana SE, King JR200928. Status of Spiny Dogfish in Atlantic and Pacific Canada Galucci VF, MCFarlane GA, Bargmann GG Herausgeber, Biology and Management of Dogfish Sharks, American Fisheries Society, Bethesda Maryland, 313-334
[162]Fisheries and Oceans Canada, DFO2010National Plan of Action for the Conservation and Management of Sharks (NPOA-Sharks)www.dfo-mpo
[166]Food and Agriculture Organization (FAO)2010The State of World Fisheries and Aquaculture 2010. Rome, FAO. 2010. 197pp, ISBN 978-92-5-106675-1
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[179]Anonymus2009CITES Proposal: Inclusion of Squalus acanthias Linnaeus, 1758 in Appendix II in accordance with Article II 2(a) and (b). Fifteenth meeting of the Conference of the Parties, Doha (Qatar), 13-25 March 2010CITES.org