Hering: Frühjahrslaicher westliche Ostsee
gültig 04/2026 - 04/2028

Zugehörige Fischart
Archiv
Allgemeine Informationen
| Ökoregion: | Nordsee, Ostsee |
| Fanggebiet: | westliche Ostsee (22-24 (mit Beltsee und Öresund)), Skagerrak/Kattegat (20-21 (3.a)), östliche Nordsee (4.aE) FAO 27 (Nordostatlantik) |
| Art: | Clupea harengus |
Wissenschaftliche Begutachtung
Internationaler Rat für Meeresforschung (ICES), Kopenhagen, www.ices.dk
Methode, Frequenz
Zweijährliche analytische Bestandsberechnung mit Vorhersage unter Verwendung vollständiger Fangdaten und mehrerer unabhängiger wissenschaftlicher Forschungsreisen, die alle Lebensstadien abdecken. Referenzpunkte nach dem Konzept zur Erlangung des höchstmöglichen nachhaltigen Dauerertrages (Fmsy, MSY Btrigger) und nach Vorsorgeansatz (Bpa, Blim, Fpa) sind definiert (2026 angepasst). Die Vorhersage ist unter anderem durch den erlaubten Transfer von Fangquoten von ICES-Gebiet 20-21 (auch als 3.a bezeichnet) in die Nordsee unsicher. Kaum vorhersagbar sind außerdem die jeweiligen Anteile von Nord- und Ostseehering in den Fängen in den Gebieten 20-21 und in der östlichen Nordsee, da das Wanderverhalten beider Bestände variiert. Auch die Vermischung von Hering aus der westlichen und der zentralen Ostsee sowie das zunehmende Auftreten von Ostsee-Herbstlaichern trägt zu Unsicherheiten in der Bestandsberechnung bei. [1551] [1553] [1554]
Wesentliche Punkte
2026: Die Bestandsberechnung von Hering der westlichen Ostsee wurde Ende 2025 einer eingehenden Prüfung unterzogen („Benchmark“). Dabei wurden u.a. Indices aus Forschungsreisen, Fangmengen und die natürliche Sterblichkeit neu berechnet. Dies führte zu einer geänderten Wahrnehmung der Laicherbiomasse und der Nachwuchsproduktion. Der Bestand wird nun fast doppelt so groß wie in der alten Berechnung eingeschätzt. Da gleichzeitig die Referenzpunkte für die Biomasse in ähnlicher Größenordnung angepasst wurden, ist die relative Situation jedoch unverändert. Der Bestand liegt weiterhin weit unter dem Limit-Referenzwert für die Laicherbiomasse (Blim), also tief im roten Bereich (jetzt bei 56 % von Blim, im Vorjahr bei 52 %). Er zeigt in der aktuellen Wahrnehmung nur im vergangenen Jahr, nicht aber in den Vorjahren, eine leichte Zunahme. Die Referenzwerte für die fischereiliche Sterblichkeit wurden im Rahmen des Benchmarks drastisch reduziert, die Sterblichkeit liegt aber weiterhin unter den Referenzwerten. In der westlichen Ostsee ist die gerichtete Fischerei 2026 wie im Vorjahr nur noch für Fahrzeuge unter 12 m erlaubt. Der Anteil der Fänge aus dem Gesamtbestand, der in der östlichen Nordsee als Beifang der Nordseeheringsfischerei erzielt wurde, ist 2025 von 84% auf 54 % des Gesamtfanges gesunken.
Die Bestandsberechnung wird nur noch alle zwei Jahre durchgeführt, die Fangempfehlung ist daher auch für zwei Jahre gültig. Da keines der möglichen Fang-Szenarien bis Anfang 2029 zu einem Anwachsen des Bestandes über Blim führt, empfiehlt der ICES auf Basis des MSY-Konzeptes im neunten Jahr in Folge die Schließung der Fischerei (diesmal für 2027 und 2028). [1551] [1553] [1554]
Bestandszustand
Laicherbiomasse (Reproduktionskapazität) |
|---|
unzureichende Reproduktionskapazität (nach Vorsorgeansatz) |
außerhalb der Schwankungsbreite um den Zielwert (nach EU-Managementplan) |
außerhalb der Schwankungsbreite um den Zielwert (nach höchstem Dauerertrag) |
Fischereiliche Sterblichkeit |
|---|
nachhaltig bewirtschaftet (nach Vorsorgeansatz) |
innerhalb der Schwankungsbreite um den Zielwert (nach EU-Managementplan) |
angemessen (nach höchstem Dauerertrag) |
Der EU-Mehrjahresplan für die Ostsee ist nicht mit Norwegen abgestimmt, er gilt nur in den ICES-Gebieten 22-24 und ist daher nicht Basis für die Fangempfehlung des ICES. [977] [1551] [1553]

Bestandsentwicklung
Die Zeitserie für den Hering der westlichen Ostsee beginnt erst Anfang der 1990er, weil Methoden zur Trennung der beiden im Kattegat und Skagerrak gemischten Bestände (Nord- und Ostseehering) erst ab diesem Zeitpunkt zur Verfügung standen. In diesem Zeitraum hat die Laicherbiomasse nach jetziger Wahrnehmung zunächst stark abgenommen, schwankte ab etwa 1996 für fünf Jahre zwischen dem Limitreferenzwert (Blim) und dem aktuellen Referenzwert des maximalen nachhaltigen Dauerertrages (MSY Btrigger), lag aufgrund stärkerer Nachwuchsproduktion die folgenden sechs Jahre über MSY Btrigger und nahm dann schnell ab. Nach 2006 ist die Laicherbiomasse wegen der ab 2004 nachlassenden Nachwuchsproduktion und zu zögerlich reduzierten Fangmengen bis weit unter Blim gesunken. 2021 wurde der niedrigste Wert der Zeitserie erreicht. Der Bestand zeigt in der aktuellen Wahrnehmung nur im vergangenen Jahr, nicht aber in den Vorjahren eine leichte Zunahme. Der Bestand befindet sich auch weiterhin in einer Periode mit schwacher Nachwuchsproduktion. Unter den jüngsten Jahrgängen sind die schwächsten der Zeitserie, was nach aktuellen Erkenntnissen vor allem auf mildere und spätere Winter zurückzuführen ist (siehe auch „Umwelteinflüsse auf den Bestand“). Die fischereiliche Sterblichkeit war fast über die gesamte Zeitreihe viel zu hoch. Erst ab 2019 ist eine stetige Reduzierung festzustellen, seit 2022 liegt sie unter allen Referenzwerten. Die Fangmengen wurden vor allem in der westlichen Ostsee reduziert (Höchstfangmengen (TACs) zwischen 2017 und 2021 um 94 %). Die TACs im Skagerrak/Kattegat wurden im gleichen Zeitraum dagegen nur um 57 % reduziert, erst ab 2022 erfolgte eine stärkere Reduzierung (um über 90 %). Die Fischerei ist beinahe geschlossen, 2022 wurden die Quoten in der westlichen Ostsee erneut halbiert, und nun darf Hering nur noch von Fahrzeugen kleiner 12 m gezielt gefangen werden. [1549] [1550] [1551] [1553] [1554]
Ausblick
Der Bestand des Herings der westlichen Ostsee liegt weit unter dem Limit-Referenzpunkt für die Laicherbiomasse (Blim). Außerdem befindet er sich weiterhin in einer Periode mit schwacher Nachwuchsproduktion, 2021 war der schwächste Jahrgang der Zeitserie. Die Empfehlung lautet unverändert auf Schließung der Fischerei 2027 und 2028, weil es keine Fangmenge gibt, die eine Erholung des Bestandes bis 2029 bewirken könnte. Alle Fangszenarien, einschließlich Null-Fang, resultieren in einer Laicherbiomasse in 2028 und 2029 unter Blim. Langfristig erscheint eine Erholung des Bestandes und eine nachhaltige Nutzung auch bei anhaltend schwacher Nachwuchsproduktion möglich, wenn auch die Fangmengen von Anfang der 1990er Jahre nicht mehr annähernd erreicht werden dürften. [1549] [1550] [1551] [1553] [1554]
Umwelteinflüsse auf den Bestand
Seit 2004 produziert der Hering der westlichen Ostsee immer schwächer werdende Nachwuchsjahrgänge, 2021 trat der Schwächste der Zeitserie auf. Das ist nach aktuellen Erkenntnissen vor allem auf warme und späte Winter zurückzuführen. Es kommt offenbar zu Veränderungen in der Phänologie, also den jahreszeitlichen Entwicklungsphasen. Die Heringe wandern früher in die Laichgebiete und die Larven schlüpfen früher als bisher. Die Entwicklung von Kleinkrebsen, dem Futter der Larven, hängt jedoch von der Entwicklung kleiner Algen ab. Deren Auftreten wiederum ist lichtgesteuert, verschiebt sich also weniger – sind die Heringslarven zu früh dran, verpassen sie wahrscheinlich das Nahrungsoptimum. Hinzu kommt, dass die Eier in einer Zeit starken Algen- und Pilzwachstums abgelegt werden. Dies wird durch Überdüngung und hohe Wassertemperaturen gefördert. Neueste Studien zeigen außerdem, dass Heringslarven bei erhöhten Wassertemperaturen physiologischen Stress erfahren. Temperaturen über 16°C führen zu Herzrhythmusstörungen, geringere Wachstumsraten sind u.a. die Folge. Eine erhöhte Sterblichkeit von Eiern kann auch durch Stürme hervorgerufen werden, außerdem werden erheblich größere Mengen an Eiern von Räubern (z.B. Dreistachligen Stichlingen) gefressen, als bisher angenommen – es ist jedoch unklar, ob sich letztere Faktoren in den letzten Jahren verändert haben (für mehr Info: "Thünen erklärt: Der Hering in der Klimafalle"). [982] [983] [1130] [1196] [1197] [1273] [1551] [1553]
Wer und Wie
Die Bewirtschaftung des westlichen Herings erfolgt durch die Europäische Union und (im Norden) gemeinsam mit Norwegen (bezüglich der Fangmengen). Ein EU-Mehrjahresplan für Dorsch und alle pelagischen Bestände der Ostsee ist seit 2016 in Kraft, Norwegen hat den Plan jedoch nicht übernommen. Basis für die Fangempfehlung des ICES ist daher weiter das Konzept zur Erlangung des höchstmöglichen nachhaltigen Dauerertrages (MSY). Die Bewirtschaftung erfolgt durch Höchstfangmengen (TACs), seit 2026 gibt es nur noch zwei Hauptmanagementgebiete mit jeweils einem Herings-TAC: 1. die westliche Ostsee (ICES-Gebiet 22-24) und 2. die Nordsee (4) mit Skagerrak/Kattegat (20-21 (3.a)) und östlichem Ärmelkanal (7.d). Letzterer wird in Unter-TACs, unter anderem für Skagerrak/Kattegat (20-21 (3.a)) unterteilt, getrennt für den menschlichen Konsum (mit Maschen größer 32 mm) und für die Industriefischerei. Die neuen Regeln ermöglichen Fischereien, die vorher Hering in 20-21 gefangen haben, die Fänge in der Nordsee und einen Teil sogar in britischen Gewässern zu fischen. Der Anteil der Fänge betrug 2025 37 % aus Gebiet 22-24, 9 % aus 20-21 (3.a) und 54 % aus der östlichen Nordsee.
Seit Januar 2015 gilt ein generelles Rückwurfverbot für Heringe in EU-Gewässern. Weitere Managementinstrumente sind in der EU-Verordnungen zu Maschenöffnungen, sowie nationale Regelungen (z.B. Gebietsschließungen). [750] [977] [979] [1065] [1148] [1466] [1549] [1550] [1551] [1553]
Differenz zwischen Wissenschaft und Management
Die wissenschaftliche Empfehlung des ICES bezieht sich auf das gesamte Verbreitungsgebiet dieses Heringsbestandes. Die Bewirtschaftung erfolgt jedoch in zwei Managementgebieten; im nördlichen Gebiet kommt es zur Vermischung mit Nordseehering. Das Vorkommen von Nordseehering in den Fängen wurde bislang bei der Festlegung der Höchstfangmengen (TACs) für ICES-Gebiete 20-21 hinzugerechnet, dies muss beim Vergleich zwischen Empfehlung und Summe der TACs berücksichtigt werden.
Viele Jahre entsprachen die festgesetzten Höchstfangmengen der wissenschaftlichen Empfehlung, 2006–2011 sind die Fangmengen jedoch erheblich höher festgesetzt worden als empfohlen, genau zu der Zeit, in der schnell auf die nachlassende Nachwuchsproduktion reagiert werden sollte. Erst 2012 bis 2014 stimmte die erlaubte Höchstfangmenge (TAC) für die ICES-Gebiete 22-24 wieder mit den wissenschaftlichen Empfehlungen überein. In Gebiet 20-21 wurde aber weiterhin ein zu hoher TAC festgesetzt, der aber bis zur Hälfte in der Nordsee genutzt werden durfte, so dass die tatsächlichen Fänge aus dem Gebiet unter der empfohlenen Menge lagen. Für 2016 stimmten beide TACs mit der Empfehlung überein, 2017 und 2018 lag der TAC für die Gebiete 20-21 wieder etwas höher als empfohlen, weil der TAC 2017 für Hering in der Nordsee abweichend von der Empfehlung deutlich höher festgesetzt wurde und die Höhe des TACs in 4 einen Einfluss auf den in den Gebieten 20-21 hat. Die Verwendung der Regel für die Festsetzung des TACs in Kattegat und Skagerrak entspricht schon seit Jahren nicht mehr der wissenschaftlichen Empfehlung. Der TAC im südlichen Managementgebiet (22-24) wurde 2012 bis 2018 dicht an der Empfehlung festgesetzt und fast oder ganz ausgefischt. Erst ab 2022 wurden die Fangmengen in der gerichteten Fischerei in 20-21 und 22-24 ausreichend gesenkt, problematisch bleiben jedoch die (erwünschten) Beifänge von Ostseeheringen in der östlichen Nordsee (in norwegischen Gewässern), die auf die Nordseeherings-Quote angerechnet werden. Ab Mai 2026 hat Norwegen erstmals temporäre Regeln eingeführt, die die Fänge von Ostseehering vor der norwegischen Küste im Sommer reduzieren sollen.
Der Fischereidruck konnte in den vergangenen drei Jahren erheblich gesenkt werden, seit 2023 ist er so niedrig, dass der Bestand mittelfristig eine Chance hat, sich zu erholen. [1549] [1550] [1551] [1553]
Karten
Verbreitungsgebiet

Managementgebiet

Der Hering der westlichen Ostsee ist in zwei verschiedenen Managementgebieten verbreitet: 1. der westlichen Ostsee (ICES-Gebiete 22-24) und 2. der Nordsee (4) mit Skagerrak/Kattegat (20-21, auch als 3.a bezeichnet) und östlichem Ärmelkanal (7.d), letzteres ist in Gebiete mit Unter-TACs unterteilt. Für beide Gebiete gelten separate Höchstfangmengen (TACs). In der Nordsee und dem Skagerrak/Kattegat werden Frühjahrslaicher der westlichen Ostsee gemischt mit Nordsee-Herbstlaichern gefangen. Menge und Anteil variieren und können nicht genau vorhergesagt werden. [1065] [1549] [1550] [1551] [1553]
Anlandungen und legale Höchstfangmengen (TACs) (in 1.000 t)
| Gesamtfang | 2025: 2,3 (nur Frühjahrslaicher, alle Managementgebiete); 45 % in gerichteter Fischerei, 55 % als Beifang in anderen Hering- und Sprottfischereien; aktive Geräte (pelagische Schleppnetze und Ringwaden) und passive Geräte (hauptsächlich Kiemennetze; seit 2022 in 22-24 nur noch passive Fanggeräte) |
| TACs (22-24/20-21 (3.a)) | 2011: 15,9/30,0 2012: 20,9/45,0 2013: 25,8/55,0 2014: 19,8/46,8 2015: 22,2/43,6 2016: 26,3/51,1 2017: 28,4/50,7 2018: 17,3/48,4 2019: 9,0/29,3 2020: 3,2/24,5 2021: 1,6/21,6 2022: 0,8/25,0 (davon nur 1.136 t in Gebiet 20-21 (3.a) fischbar) 2023: 0,8/23,3 (davon nur 1.279 t in Gebiet 20-21 (3.a) fischbar) 2024 0,8/29,7 (davon nur 1.136 t in Gebiet 20-21 (3.a) fischbar), 2025: 0,8/22,8 (davon nur 1.136 t in Gebiet 20-21 (3.a) fischbar) 2026: 0,8/1,2 (maximal erlaubter Fang in Gebiet 20-21 (3.a)) [1065] [1549] [1550] [1551] [1553] |
IUU-Fischerei
Seit 2011 ist die Quotennutzung zwischen den Gebieten 20-21 und 4.a so flexibilisiert, dass keine Anreize mehr für eine Fehlberichtung zwischen den Gebieten bestehen sollten, die zuvor offenbar auftrat. [1551] [1553]
Struktur und Fangmethode
Alle Anrainerstaaten unterhalten gerichtete Fischereien auf Hering der westlichen Ostsee, vor allem durch mittlere und kleine Schleppnetzkutter und kleinste Fahrzeuge mit Stellnetzen. In den ICES-Gebieten 22-24 verfügt Deutschland über die höchste Quote (die Quoten dürfen hier seit 2022 in der gerichteten Fischerei nur noch von Fahrzeugen unter 12 m mit passiven Fanggeräten genutzt werden). Im Kattegat (21) fischen nur Dänemark und Schweden, im Skagerrak (20) zusätzlich nur noch Norwegen. Die Heringe werden überwiegend für den menschlichen Konsum gefangen (Flotte F in 22-24, Flotte C in 20-21, Flotte A in 4), aber im Norden auch als Beifang in der Industriefischerei angelandet (Flotte D in 20-21). [1549] [1550] [1551] [1553]
Beifänge und Rückwürfe
Seit dem 1. Januar 2015 ist der Rückwurf von Hering in der Ostsee generell verboten, durch Fraß beschädigter Fisch ist vom Anlandegebot aber ausgenommen. Rückwürfe scheinen tatsächlich in keiner der Herings-Fischereien auf diesen Bestand ein Problem zu sein, die Stellnetzfischereien sind hochselektiv. Es gibt keine Mindestanlandelänge und keine erkennbaren Anreize (Schleppnetzfischerei) oder Möglichkeiten (Stellnetzfischerei) zum „Highgrading“ (Verwerfen legal anlandbarer Fische, um den Fangertrag zu optimieren), auch wenn laichreife Fische einen höheren Anlandeerlös erzielen als nicht-Laichende. In Abhängigkeit von Jahreszeit und Fangplatz kann es in der Schleppnetzfischerei zu Beifängen von Sprotten kommen. Der Beifang von Hering in der Sprottfischerei wird erfasst und in der Bestandsberechnung berücksichtigt, allerdings wurde in der Industriefischerei in den Gebieten 20-21 das Verwerfen ganzer Hols („slipping“) berichtet, wenn der Hol zu hohe Anteile von Hering enthält. Die pelagische Fischerei auf Hering hat sehr geringe unerwünschte Beifänge anderer Arten. [750] [979] [1148] [1466] [1551] [1553]
Einflüsse der Fischerei auf die Umwelt
Pelagische Schleppnetz- und Stellnetzfischereien beeinflussen der Meeresboden kaum (weil sie ihn in der Regel nicht berühren). Potentiell problematisch können Beifänge von Seevögeln und Meeressäugern in Stellnetzen sein. Die pelagische Fischerei auf Hering ist in Bezug auf Beifang von Fischen, Beeinflussung des Meeresbodens und Rückwürfe eine der Fischereien mit den geringsten Umweltauswirkungen überhaupt. Hering ist gemeinsam mit Sprotte eine wichtige Nahrungsquelle u.a. für Dorsch. Die Heringsfischerei kann daher indirekt den Dorschbestand beeinflussen, in der westlichen Ostsee allerdings in geringerem Umfang als in der östlichen (weil sich Westdorsch überwiegend von wirbellosen Bodenorganismen ernährt). [30] [97] [208] [1551] [1553]
Biologische Besonderheiten
Anders als die meisten anderen Heringsbestände im Nordost-Atlantik laicht dieser auf Großalgen und Seegräsern (Makrophyten) im Küstenbereich. Mit Abstand wichtigstes Laichgebiet dieses Bestandes ist der Greifswalder Bodden (zwischen Rügen und dem vorpommerschen Festland). Diese Konzentration ermöglicht es, mit Hilfe eines Larvensurveys schon sehr früh Kenntnisse über die Stärke von Nachwuchsjahrgängen zu erlangen, die erst in 2-3 Jahren von der Fischerei erfasst werden. Außerdem ist der erwachsene Hering auf den Laichplätzen für die Fischerei gut zugänglich.
Nach dem Ablaichen im März bis Mai wandern erwachsene Heringe dieses Bestandes in das Kattegat und Skagerrak und bis in die östliche Nordsee auf die Nahrungsgründe. Hier vermischen sie sich mit dem herbstlaichenden Hering der Nordsee und werden mit diesem auch gemeinsam gefangen, was die Bestandsberechnung erheblich erschwert. [88] [1551] [1553]
Zusätzliche Informationen
Der Hering der westlichen Ostsee ist eher schlank und kleinwüchsig und eignet sich daher besonders für die Marinadenproduktion. Für die Herstellung von Rollmops und Kronsild gibt es kaum alternative Rohwaren-Quellen, daher sind die Anlandepreise bei deutlich sinkenden Fangmengen zwischen 2008 und 2017 stark gestiegen und haben die Verluste durch die Reduzierung der Fangmenge zu einem großen Teil ausgleichen können. Seit 2017 haben die weiter steigenden Erlöse die Fangverluste jedoch nicht mehr annähernd ausgleichen können. Der Verlust des MSC-Siegels erschwert die Vermarktung.
Die Rückkehr der Anfang des 20. Jahrhunderts ausgerotteten Kegelrobben an die deutsche Ostseeküste, eine Erfolgsgeschichte des Meeresnaturschutzes, verursacht insbesondere für die Heringsfischerei erhebliche Probleme: Auch wenn die Fangmenge der derzeit unter 700 Kegelrobben zur Heringslaichzeit keinen bedeutenden Einfluss auf die Populationsentwicklung hat, plündern die Tiere die Stellnetze der Fischer und beschädigen Fang und Fanggerät. In weiten Teilen der vorpommerschen Küste lässt sich die Heringsfischerei mit Stellnetzen daher nicht mehr wirtschaftlich durchführen.
Die deutsche Stellnetzfischerei hat ihre Heringsquote 2025 nur zu 52 % ausgefischt (2024 zu 49 %). Dies liegt zum Teil daran, dass die derzeitigen Fangmöglichkeiten (435 Tonnen) für eine Direktvermarktung zu viel, für einen regelmäßigen Abtransport zu Verarbeitern im Ausland aber zu gering sind. Das Fischwerk in Mukran, ehemals größter Abnehmer von Westhering für die deutsche Fischerei, wurde 2023 geschlossen. [4] [14] [1463] [1464] [1465] [1550] [1551] [1553]
[1465] [1504] [1506] [1507]
Zertifizierte Fischereien
Teile der Schleppnetzfischerei auf Hering in der westlichen Ostsee waren MSC-zertifiziert. Die Zertifikate wurden jedoch aufgrund der Änderung der Bestandsbeurteilung am 21. September 2018 suspendiert. Inzwischen ist die Zertifizierung ausgelaufen. Siehe:
www.msc.org/de/presse/pressemitteilungen/deutsche-ostsee-heringsfischer-verlieren-msc-umweltsiegel
Soziale Aspekte
Die Heringsfischerei in der Ostsee wird mit Fahrzeugen verschiedener Größe durchgeführt. In der westlichen Ostsee spielen kleine und kleinste Fahrzeuge eine wichtige Rolle. Diese Fischereibetriebe haben erhebliche Bedeutung für die strukturschwachen Gebiete an den Küsten der Anrainerstaaten. An der Fischerei auf diesen Bestand ist auch die Deutsche Flotte maßgeblich beteiligt. Die Fahrzeuge fahren unter EU- oder norwegischer Flagge, die Arbeitsbedingungen an Bord und die Entlohnung erfolgen daher nach den jeweiligen Regeln. [13] [1551] [1553]
Marktdaten
2022 (vorl.): Verbrauch in Deutschland: 113.325 t (2021: 123.073 t), Marktanteil (Fische, Krebse, Weichtiere): 9,9 % (2021: 11,0 %) [13] [14]
| Anlandungen (in 1.000 t) | Fänge (in 1.000 t) | Laicherbiomasse (in 1.000 t) | Laicherbiomasse Zustand | Fischereiliche Sterblichkeit | Anmerkungen (insbesondere Managementplan) | Gültigkeit | |
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Nordostatlantik, Bottn. Meerbusen (30, 31) | 55,0 | 55,0 | 517,3 | - |
05/2025 - 05/2026 | ||
| Nordostatlantik, Irische See (7.a Nord) | 7,4 | 7,4 | 9,4 | - |
07/2025 - 06/2026 | ||
| Nordostatlantik, Isländischer Sommerlaicher (5.a) | 82,2 | 82,2 | 517,3 | - |
06/2025 - 06/2026 | ||
| Nordostatlantik, Keltische See (7.a Süd, 7.g-hj-k) | 1,0 | 1,0 | 22,3 | - |
04/2025 - 04/2026 | ||
| Nordostatlantik, Nordsee Herbstlaicher 3.a, 4, 7.d) | 428,6 | 428,6 | 1.505,2 | neue Managementstrategie ab 2026 |
04/2026 - 04/2027 | ||
| Nordostatlantik, Norw. Frühjahrslaicher (1,2,5,4.a,14.a) | 460,2 | 460,2 | 2.723,0 | Managementplan ab 1999/2018 |
10/2025 - 10/2026 | ||
| Nordostatlantik, Rigaer Meerbusen (28.1) | 31,2 | 31,2 | 119,2 | nur Lettische & Estische Fischerei |
05/2025 - 05/2026 | ||
| Nordostatlantik, westl. & nordwestl. Irl. (6.a Süd, 7.bc) | 2,2 | 2,2 | - | Biomasse nur als Index |
04/2025 - 04/2026 | ||
| Nordostatlantik, Westlich Schottl. (6.a Nord) | 2,0 | 2,2 | - | Biomasse nur als Index |
04/2025 - 04/2026 | ||
| Nordostatlantik, westliche Ostsee (20-24) | 2,3 | 2,3 | 111,4 | EU-Mehrjahresplan seit 2016 |
04/2026 - 04/2028 | ||
| Nordostatlantik, Zentrale Ostsee (25-29, 32) | 75,2 | 75,2 | - | EU-Mehrjahresplan seit 2016, für Laicherbiomasse nur rel. Angabe |
05/2025 - 05/2026 | ||
| Nordwestatlantik, Gulf of Maine/Georges Bank (5YZ) (USA) | 95,3 | - | 1.041,5 | Anl. & SSB 2014 |
08/2015 - 08/2018 | ||
| Nordwestatlantik, Gulf St. Law. Früh. (4T) (Kanada) | 1,2 | - | 9,7 | Anl. 2015, SSB 2016 |
09/2016 - 09/2018 | ||
| Nordwestatlantik, Gulf St. Law. Herbst (4T) (Kanada) | 28,1 | - | 165,0 | Anl. 2015, SSB 2016 |
09/2016 - 09/2018 | ||
| Nordwestatlantik, Neufundland W. (4R) (Kanada) | 3,1 | - | - | Anl. 2021, Frühjahrs- und Herbstlaicher, bisher keine neuen Daten verfügbar |
06/2022 - 06/2024 | ||
| Nordwestatlantik, Nov Scot/Bay Fundy (4VWX) (Kanada) | 56,0 | - | - | Anl. 2015, mehrere Laichkomponenten |
07/2016 - 07/2018 |
Klassifizierung nach dem Ansatz des höchstmöglichen nachhaltigen Dauerertrages (MSY), durch den ICES bis 2020 oder analog zu dessen Einteilung:
| Symbol | Biomasse | Bewirtschaftung (fischereiliche Sterblichkeit) |
|---|---|---|
| innerhalb der Schwankungsbreite um den Zielwert | angemessen oder unternutzt | |
| außerhalb der Schwankungsbreite um den Zielwert | übernutzt | |
| Zustand unklar, Referenzpunkte nicht definiert und/oder unzureichende Daten | Zustand unklar, Referenzpunkte nicht definiert und/oder unzureichende Daten |
| Autor | Jahr | Titel | Quelle | |
|---|---|---|---|---|
| [4] | Marine Stewardship Council (MSC) | Fisch und Meeresfrüchte aus zertifiziert nachhaltiger Fischerei | msc.org | |
| [13] | Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) | Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) Homepage | ble.de | |
| [14] | Fisch-Informationszentrum e.V. (FIZ) | Fisch-Informationszentrum e.V. Homepage | fischinfo.de | |
| [30] | Food and Agriculture Organization (FAO) | FAO Webseite: Search technology factsheets - Fishing gear type | fao.org | |
| [88] | Aneer G | 1989 | Herring (Clupea harengus L.) spawning and spawning ground characteristics in the Baltic Sea | Fisheries Research 8:169-195 |
| [97] | Zydelis R, Bellebaum J, Österblom H, Vetemaa M, Schirmeister B, Stipniece A, Dagys M, van Eerden M, Garthe S | 2009 | Bycatch in gillnet fisheries – An overlooked threat to waterbird populations | Biological Conservation 142:1269–1281 |
| [208] | Bellebaum, J | 2011 | Untersuchung und Bewertung des Beifangs von Seevögeln durch die passive Meeresfischerei in der Ostsee. BfN-Skripten 295 | Bundesamt für Naturschutz, ISBN 978-3-89624-030-9, www.bfn.de |
| [750] | Europäische Union (EU) | 2013 | Verordnung (EU) Nr. 1380/2013 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 11. Dezember 2013 über die Gemeinsame Fischereipolitik und zur Änderung der Verordnungen (EG) Nr. 1954/2003 und (EG) Nr. 1224/2009 des Rates sowie zur Aufhebung der Verordnungen (EG) Nr. 2371/2002 und (EG) Nr. 639/2004 des Rates und des Beschlusses 2004/585/EG des Rates | europa.eu |
| [977] | Europäische Union (EU) | 2016 | VERORDNUNG (EU) 2016/1139 DES EUROPÄISCHEN PARLAMENTS UND DES RATES vom 6. Juli 2016 zur Festlegung eines Mehrjahresplans für die Bestände von Dorsch, Hering und Sprotte in der Ostsee und für die Fischereien, die diese Bestände befischen, zur Änderung der Verordnung (EG) Nr. 2187/2005 des Rates und zur Aufhebung der Verordnung (EG) Nr. 1098/2007 des Rates | europa.eu |
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