Bestandsdatenblatt

Kliesche (Yellowfin sole) östliche Beringsee und Aleuten

Gültig 12/2015 - 12/2016

Kliesche (Yellowfin sole) östliche Beringsee und Aleuten

gültig 12/2015 - 12/2016

Zugehörige Fischart

Kliesche (2 Arten)

Allgemeine Informationen


Ökoregion:Östliche Beringsee
Fanggebiet:Beringsee und Aleuten FAO 67
Art:Limanda aspera

Wissenschaftliche Begutachtung

Durch das Alaska Fisheries Science Center (AFSC), www.afsc.noaa.gov, zusammengestellt und veröffentlicht vom North Pacific Fishery Management Council, (NPFMC), www.npfmc.org

Methode, Frequenz

Jährliche Bestandsberechnung mit Vorhersage unter Verwendung von Fangdaten sowie Daten aus mehreren unabhängigen wissenschaftlichen Forschungsreisen. Für die pazifische Kliesche östliche Beringsee und Aleuten gibt es verlässliche Definitionen für die Referenzwerte nach dem Konzept zur Erlangung des höchstmöglichen nachhaltigen Dauerertrags (Bmsy, Fmsy). Die Fangempfehlung wird als „akzeptabler Fang“ (ABC = Acceptable Biological Catch) angegeben. Referenzwerte für die fischereiliche Sterblichkeit werden in Bezug dazu (FABC) und in Bezug zur Überfischung (FOFL = Fmsy) angegeben. Die Klassifizierung des Bestandszustandes bezüglich Fmsy erfolgt über den Vergleich der Fangmengen mit dem Überfischungslimit (OFL). [327] [905]

 

Wesentliche Punkte

2015/2016: Die pazifische Kliesche östliche Beringsee und Aleuten liegt nach allen Referenzwerten im grünen Bereich. [905]

 

Bestands­zustand

Laicherbiomasse (Reproduktionskapazität)

  volle Reproduktionskapazität (nach Vorsorgeansatz)

innerhalb der Schwankungsbreite um den Zielwert (nach Managementplan)

  innerhalb der Schwankungsbreite um den Zielwert (nach höchstem Dauerertrag)

 

Fischereiliche Sterblichkeit

  nachhaltig bewirtschaftet (nach Vorsorgeansatz)

  Referenzwerte nicht definiert (nach Managementplan)

  angemessen (nach höchstem Dauerertrag)

 

Die Klassifizierung beruht auf der Vorhersage für 2019.

Bestands­entwicklung

Die Fischerei auf pazifische Scholle in der östlichen Beringsee begann 1954 durch internationale Flotten. Durch im Schnitt 400.000 t jährlichen Fang wurde der Bestand von 1959-1962 übernutzt. Mit Abnahme der Biomasse sanken auch die Fänge auf im Mittel 117.800 t in den Jahren 1963-1971 und weiter auf 50.700 t von 1972-1977. In den frühen 1980er Jahren verbesserte sich der Zustand des Bestandes und die Fänge stiegen wieder an. Während der 1980er Jahre veränderte sich auch der Charakter der Fischerei. Bis 1984 dominierten in der Fischerei auf pazifische Kliesche noch die internationalen Flotten, aber die US-Fischerei entwickelte sich schnell. Zunächst gab es Kooperationen, gegen Ende der 1980er dominierten US-Fischereien und 1991 war die Fischerei durch ausländische Flotten komplett eingestellt. Die Laicherbiomasse nimmt seit 1994 ab und der Fischereidruck ist in den letzten Jahren gestiegen. Laicherbiomassse und Fischereidruck liegen derzeit aber noch komplett im grünen Bereich. [905]

 

Ausblick

Bei gleichbleibender fischereilicher Sterblichkeit wird die Laicherbiomasse weiter abnehmen, aber im grünen Bereich bleiben. Die Fangmöglichkeiten werden wahrscheinlich weiter reduziert werden müssen. [905]

 

Umwelt­einflüsse auf den Bestand

Erwachsene Klieschen zeigen saisonale Wanderungsmuster. Von den Überwinterungsgebieten an den Schelfrändern wandern sie im April/Mai auf den inneren Schelf zu den Laich- und Nahrungsgebieten. [905]

 

Wer und Wie

Das Fischereimanagement in den Gewässern der USA erfolgt nach dem Magnuson-Stevens Fishery Conservation and Management Act (MSFCMA) von 1976. Der National Marine Fisheries Service (NMFS) bewirtschaftet die Grundfischfischerei in der ausschließlichen Wirtschaftszone (3-200 sm, Bundesgewässer) der östlichen Beringsee. Das Management von Bundesstaatsgewässern (0-3 sm) unterliegt dem Alaska Department of Fish and Game (ADF&G). Die Bewirtschaftung erfolgt gemäß dem Managementplan für Grundfische in der Beringsee und den Aleuten. Die pazifische Scholle ist eine Zielart dieses Managementplanes, der u.a. Regularien zu Fanggeräten, Gebietsschließungen, Beifangreduzierung und Meldepflichten enthält. Die Höchstfangmengen (TACs) werden auf Basis der wissenschaftlichen Empfehlungen unter Berücksichtigung sozialer und ökonomischer Aspekte festgelegt. [196] [327] [905]

 

Differenz zwischen Wissen­schaft und Management

Die Höchstfangmengen (TACs) werden für diesen Bestand seit Jahren den wissenschaftlichen Empfehlungen folgend festgesetzt. Die jährlichen Anlandungen liegen innerhalb dieser Vorgaben. [327] [905]

 

Karten

Verbreitungsgebiet

Managementgebiet

Pazifische Kliesche ist in der gesamten östlichen Beringsee verbreitet und wird als ein Bestand betrachtet. Ihr Vorkommen um die Aleuten ist vernachlässigbar. Die Bewirtschaftung erfolgt über eine Höchstfangmenge. Die zentrale Beringsee gehört zu den internationalen Gewässern („Donut Hole“). [193] [905]

 

Anlandungen und TACs (in 1.000 t)

Gesamtfang2014: 156,8; Anlandungen 152,2, Rückwürfe 4,6; überwiegend Grundschleppnetze
TACs2011: 196,0   2012: 202,0   2013: 198,0   2014: 184,0   
2015: 149,0   2016: 144,4   [327] [905]

IUU-Fischerei

Es gibt keine Hinweise auf unberichtete oder illegale Fänge von pazifischer Kliesche in der östlichen Beringsee. [905]

 

Struktur und Fangmethode

Die gerichtete Fischerei auf pazifische Kliesche findet üblicherweise vom Frühling bis in den Dezember mit Grundschleppnetzen statt. In der Regel werden die Fische noch auf See ausgenommen und gefrostet und für die weitere Verarbeitung nach Asien verschifft. [327] [905]

 

Beifänge und Rückwürfe

In der Fischerei auf Kliesche werden auch andere Zielarten (durch Höchstfangmengen reguliert), wie z.B. Alaska Seelachs und verschiedene andere Plattfischarten, beigefangen. Außerdem werden Beifänge von Nicht-Zielarten berücksichtigt (z.B. Wirbellose und verschiedene Fische). Schließlich gibt es ein Fangverbot für Arten, die die traditionelle küstennahe Fischerei stützen, und die daher vermieden oder unverzüglich unverletzt zurückgesetzt werden müssen(z.B. pazifischer Hering, pazifischer Heilbutt, alle pazifischen Lachse und verschiedene Krabben). Der Rückwurf von pazifischer Kliesche lag 2013 und 2014 bei 3,7 bzw. 2,9 % des gesamten Fanges. [327] [905]

 

Einflüsse der Fischerei auf die Umwelt

Durch den Einsatz von Grundschleppnetzen können Bodenlebensgemeinschaften geschädigt werden. Artenzusammensetzung, Biomasse und Nahrungsgefüge können sich erheblich verändern. Fast 65% der ausschließlichen Wirtschaftszone Alaskas sind für die Grundschleppnetz-Fischerei geschlossen um empfindliche Lebensräume (z.B. Kaltwasserkorallen, Seeberge und Canyons) zu schützen und/oder den Beifang bestimmter Arten zu reduzieren. Grundschleppnetze für die gerichtete Plattfischfischerei müssen dem Managementplan entsprechend modifiziert werden, um den Einfluss auf Bodenlebensgemeinschaften zu reduzieren. [196] [327] [905]

 

Biologische Besonder­heiten

Pazifische Kliesche ist eine der häufigsten Plattfischarten in der östlichen Beringsee. Ihre Häufigkeit im Gebiet der Aleuten ist dagegen vernachlässigbar. Pazifische Kliesche ist ein langsam wachsender und langlebiger Fisch. Sie beginnt mit etwa 6 Jahren in die Schleppnetz-Fischerei einzuwachsen. Erst mit 13 Jahren ist sie vollständig in alle übrigen Fangmethoden eingewachsen. [905]

 

Zusätzliche Informationen

Um den Konsumenten vor radioaktiv belasteten Lebensmitteln zu schützen, besonders nach dem Reaktor-Unglück im japanischen Fukushima, führt die EU regelmäßige Importkontrollen durch; die Eigenkontrollen der deutschen Industrie ergänzen diese Untersuchungen. Die Kontrollen aus dem gesamten Pazifik zeigen, dass bislang keine radioaktiv belasteten Fischereierzeugnisse in die EU eingeführt werden. Die Informationen werden regelmäßig aktualisiert (siehe Literaturquellen für entsprechende Links). [346] [347] [348]

 

Zertifizierte Fischereien

Die Fischerei auf pazifische Kliesche in der östlichen Beringsee ist seit 2010 nach den Standards des Marine Stewardship Councils (MSC) nachhaltigkeitszertifiziert (im Oktober 2015 für weitere fünf Jahre). Die Klieschen-Fischerei in der östlichen Beringsee und bei den Aleuten ist außerdem nach dem weniger anspruchsvollen regionalen ASMI (Alaska Seafood Marketing Institute) Programm zertifiziert. [4] [888] Siehe
www.msc.org/track-a-fishery/fisheries-in-the-program/certified/pacific/bering-sea-and-aleutian-islands-flatfish/bering-sea-and-aleutian-islands-flatfish
www.alaskaseafood.org/rfm-certification/certified-fisheries-companies/certified-fisheries/

Soziale Aspekte

In der östlichen Beringsee fischen nur einheimische Fahrzeuge, die Arbeitsbedingungen an Bord und die Entlohnung erfolgt daher nach US-Regeln. [905]

 

AutorJahrTitelQuelle
[4]Marine Stewardship Council (MSC)Fisch und Meeresfrüchte aus zertifiziert nachhaltiger Fischereimsc.org
[193]Alaska Fisheries Science Center (AFSC)Alaska Fisheries Science Center, AFSCafsc.noaa
[196]Woodby D, Carlile D. Diddeek S, Funk F, Clark JH, Hulbert L2005Commercial fisheries of Alaska, Special Publication No. 05-09, ADF&Gadfg.alaska
[327]North Pacific Fishery Management Council (NPFMC)Bering Sea/Aleutian Islands and Gulf of Alaska Groundfishfakr.noaa
[346]Bundesverband der deutschen Fischindustrie und des Fischgroßhandels e.V.2011Pressemitteilung: Fischereierzeugnisse aus dem Pazifik sind sicher! Hamburg, 12.7.2011fischverband.de
[347]European ComissionHomepage: European comission, energy, Fukushima nuclear emergencyeuropa.eu
[348]Thünen-InstitutHomepage: Leitstelle zur Überwachung der Umweltradioaktivität in Fischthuenen.de
[888]Alaska Seafood Marketing Institute (ASMI)Homepage: Alaska Seafood Marketing Institute (ASMI)alaskaseafood.org
[905]Wilderbuer TK, Nichol DG, Ianelli J20154. Assessment of the yellowfin sole stock in the Bering Sea and Aleutian Islandswww.afsc.noaa.gov