Bestandsdatenblatt

Ostsee-Kliesche

Gültig 05/2017 - 05/2020

Ostsee-Kliesche

gültig 05/2017 - 05/2020

Zugehörige Fischart

Kliesche

Allgemeine Informationen


Ökoregion:Ostsee
Fanggebiet:Ostsee (22-32) FAO 27
Art:Limanda limanda

Wissenschaftliche Begutachtung

Internationaler Rat für Meeresforschung (ICES), Kopenhagen, www.ices.dk

Methode, Frequenz

Es gibt keine analytische Bestandsberechnung für diesen Bestand. Hauptgründe sind das Fehlen von entsprechenden Eingangsdaten (u.a. biologische Einzelfischdaten wie Alter und Gewicht). Für die fischereiliche Sterblichkeit ist der Referenzwert für die Bewirtschaftung nach dem Konzept zur Erlangung des höchstmöglichen nachhaltigen Dauerertrages (MSY) als Proxy (Kandidat) definiert. Zwei unabhängige Forschungsreisen zur Erfassung der Grundfische lassen grobe Aussagen über die Bestandsentwicklung zu und bilden die Basis der nummerischen Fangempfehlung des ICES. [975] [991]

Wesentliche Punkte

2017: Der Bestands-Indikator für Ostsee-Kliesche ist seit 2010 stabil. Bezogen auf einen möglichen Kandidaten (Proxy) für den MSY-Referenzwert liegt die fischereiliche Sterblichkeit im grünen Bereich (unter Fmsy). 2018 wurde keine neue Begutachtung vorgelegt. [975] [991]

Bestands­zustand

Laicherbiomasse (Reproduktionskapazität)

  Referenzwerte nicht definiert (nach Vorsorgeansatz)

  Referenzwerte nicht definiert (nach Managementplan)

  Referenzwerte nicht definiert (nach höchstem Dauerertrag)

 

Fischereiliche Sterblichkeit

    Referenzwerte nicht definiert (nach Vorsorgeansatz)

  Referenzwerte nicht definiert (nach Managementplan)

    Referenzwerte nicht definiert (nach höchstem Dauerertrag)

 

Bestands­entwicklung

Informationen zu Laicherbiomasse, fischereilicher Sterblichkeit und Nachwuchsproduktion liegen nicht vor. Der aus den Einheitsfängen der jährlichen Forschungsreisen abgeleitete Bestands-Indikator hat sich seit den frühen 2000er Jahren verdreifacht und ist seit 2010 stabil. Bezogen auf einen möglichen Kandidaten (Proxy) für den MSY-Referenzwert liegt die fischereiliche Sterblichkeit im grünen Bereich (unter Fmsy). 1994 wurden mit 3106 t die bisher höchsten Anlandungen aus diesem Bestand getätigt. Seit 2003 schwanken die Anlandungen zwischen 1000 und 1900 t. Der weitaus größte Anteil der Anlandungen (2016 ~96%) stammt aus ICES-Gebiet 22. [975] [991]

Ausblick

Der Bestand scheint die derzeitige Fischereiintensität zu verkraften, die empfohlenen Fangmengen sollten aber etwas reduziert werden. Ein erheblicher und sehr variabler Teil der Fänge wird verworfen. Eine Reduzierung der Rückwürfe würde eine weitere deutliche Erhöhung der Anlandungen ermöglichen. Kliesche ist nicht quotiert und wird deshalb auch vorerst nicht unter das Anlandegebot der EU fallen. [975] [991]

Umwelt­einflüsse auf den Bestand

Der Erfolg der Nachwuchsproduktion der Ostsee-Kliesche hängt von den hydrographischen Bedingungen ab. Der Salzgehalt spielt eine wichtige Rolle für die Schwebfähigkeit der Eier. Meist wird bereits im Arkona-Becken der benötigte Salzgehalt nicht mehr erreicht. [748] [975] [991]

Wer und Wie

Es gibt kein gemeinsames Management für die Ostsee-Kliesche. Höchstfangmengen (TACs) werden nicht festgelegt. Die Bewirtschaftung dieses Bestandes erfolgt durch technische EU-Verordnungen (z.B. Maschenöffnung) und die jeweiligen Landesregeln (z.B. Gebietsschließungen). [206] [975] [991]

Differenz zwischen Wissen­schaft und Management

Für 2013 wurde die erste nummerische Fangempfehlung gegeben, 2014 und 2015 bezog sich die Empfehlung auf die Anlandungen, seit 2016 wieder auf die Fänge. Die Fänge lagen 2016 unter der wissenschaftlichen Empfehlung. [975] [991]

Karten

Verbreitungsgebiet

Managementgebiet

Ostsee-Kliesche ist vor allem in der westlichen Ostsee verbreitet, ihre östliche Verbreitungsgrenze ist nicht klar identifiziert. Das Management begrenzt die Fangmengen nicht. [975] [991]

Anlandungen und TACs (in 1.000 t)

Gesamtfang2016: 2,4; (1,4 Anlandungen plus 1,0 Rückwürfe); von den Anlandungen: Grundschleppnetze 90%, passive Geräte (Stellnetze) 10%
TACssind nicht festgelegt [975] [991]

IUU-Fischerei

Es gibt keine Hinweise auf illegale oder unberichtete Fänge von Kliesche aus der südlichen Ostsee – wegen der fehlenden Fangmengenlimitierung wäre dies auch kaum erklärlich. [975] [991]

Struktur und Fangmethode

Ostsee-Kliesche wird von den meisten Ländern hauptsächlich als Beifang in der Fischerei auf Grundfische (Dorsch) gefangen. Hauptfangnationen sind Deutschland (ICES-Gebiet 22) und Dänemark (ICES-Gebiete 22 und 24). Deutschland hat 2016 1051 t Ostsee-Klische angelandet, also 77% der Anlandungen aus diesem Bestand getätigt. [975] [991]

Beifänge und Rückwürfe

Ostsee-Kliesche ist selbst überwiegend Beifang. Daten zu Rückwürfen liegen seit 2012 für Dänemark und Deutschland vor. Sie betrugen 2014 37%, 2015 45% und 2016 43% des Gesamtfanges (bezogen aufs Gewicht). Die Überlebensrate der zurückgeworfenen Klieschen ist verglichen mit anderen Plattfischen eher niedrig, insbesondere bei Wassertemperaturen über 13°C. Sie hängen stark von den Randbedingungen (z.B. Schleppdauern, Fangzusammensetzung) ab. [748] [975] [991]

Einflüsse der Fischerei auf die Umwelt

Durch den Einsatz von Grundschleppnetzen können Bodenlebensgemeinschaften geschädigt werden. Artenzusammensetzung, Biomasse und Nahrungsgefüge können sich erheblich verändern. Potentiell problematisch können Beifänge von Seevögeln und Meeressäugern in Stellnetzen sein. [30] [97] [208]

Biologische Besonder­heiten

Auffälliges Merkmal der Klieschen ist die über der Brustflosse halbkreisförmig gekrümmte Seitenlinie. Dadurch lässt sie sich deutlich von anderen Plattfischarten unterscheiden. Diese Plattfischart ist deutlich weniger tolerant gegenüber reduziertem Salzgehalt als Scholle und Flunder, sie ist daher nur im Westen der Ostsee verbreitet. [2] [229]

Zusätzliche Informationen

Der größte Teil der Ostsee-Kliesche ist in der westlichen Ostsee verbreitet (ICES-Gebiete 22-24). Ihre östliche Verbreitungsgrenze ist nicht klar identifiziert. Für die Bestandsbegutachtung werden daher nur die Daten der Forschungsreisen in diesen Gebieten verwendet. Es gibt Hinweise auf drei Klieschen-Populationen in der Ostsee: Eine in der Beltsee (Gebiete 22 und 24 West), eine im Sund (Gebiet 23) und eine im Arkona und im Borhombecken (Gebiete 24 Ost und 25). Die hydrographischen Bedingungen sprechen jedoch gegen die Existenz eines eigenen Bestandes in Arkona- und Bornholmbecken. Verbindungen zu Kliesche im Kattegat (Gebiet 21) werden noch untersucht. Große Klieschen liefern Filets, die denen von Scholle oder Flunder geschmacklich nicht nachstehen. Ein erhebliches Problem bei der Vermarktung ist der unattraktive Artname. [748] [975] [991]

Zertifizierte Fischereien

Bislang ist keine Fischerei auf Ostsee-Kliesche nach einem der gängigen Nachhaltigkeitsstandards zertifiziert.

Soziale Aspekte

Die Fahrzeuge fahren unter den Flaggen der Anrainerstaaten, die Arbeitsbedingungen an Bord und die Entlohnung erfolgt daher nach deren Regeln. [12] [13]

Marktdaten

Keine Daten verfügbar.

Anlandungen (in 1.000 t)Fänge (in 1.000 t)Laicherbiomasse (in 1.000 t)Laicherbiomasse ZustandFischereiliche SterblichkeitAnmerkungen (insbesondere Managementplan)Gültigkeit
Nordsee (4, 3.a) 5,1 49,9 - Anlandungen & Fänge 2016 06/2017 -
06/2020
Öst. Beringsee & Aleuten (L. aspera) 128,7 132,3 850,6 - 12/2018 -
12/2019
Ostsee (22-32) 1,4 2,4 - Anlandungen & Fänge 2016 05/2017 -
05/2020

Klassifizierung nach dem Ansatz des höchstmöglichen nachhaltigen Dauerertrages (MSY), durch den ICES oder analog zu dessen Einteilung:

SymbolBiomasseBewirtschaftung (fischereiliche Sterblichkeit)
innerhalb der Schwankungsbreite um den Zielwertangemessen oder unternutzt
außerhalb der Schwankungsbreite um den Zielwertübernutzt
Zustand unklar, Referenzpunkte nicht definiert und/oder unzureichende DatenZustand unklar, Referenzpunkte nicht definiert und/oder unzureichende Daten
AutorJahrTitelQuelle
[2]Muus BJ, Nielsen JG1999Die Meeresfische Europas Franckh-Kosmos Verlag
[12]Europäische Gemeinschaften2009Die Gemeinsame Fischereipolitik. Ein Leitfaden für Benutzerec.europa.eu
[13]Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE)Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) Homepageble.de
[30]Food and Agriculture Organization (FAO)FAO. © 2003-2010. Fisheries Topics: Technology. Fish capture technology. In: FAO Fisheries and Aquaculture Department [online]. Rome. Updated 2006 15 09.[Cited 10 June 2010]fao.org
[97]Zydelis R, Bellebaum J, Österblom H, Vetemaa M, Schirmeister B, Stipniece A, Dagys M, van Eerden M, Garthe S2009Bycatch in gillnet fisheries – An overlooked threat to waterbird populations Biological Conservation 142:1269–1281
[206]Europäische Union (EG)2005Verordnung (EG) Nr. 2187/2005 des Rates vom 21. Dezember 2005 mit technischen Maßnahmen für die Erhaltung der Fischereiressourcen in der Ostsee, den Belten und dem Öresund, zur Änderung der Verordnung (EG) Nr. 1434/98 und zur Aufhebung der Verordnung (EG) Nr. 88/98europa.eu
[208]Bellebaum, J2011Untersuchung und Bewertung des Beifangs von Seevögeln durch die passive Meeresfischerei in der Ostsee. BfN-Skripten 295 Bundesamt für Naturschutz, ISBN 978-3-89624-030-9, www.bfn.de
[229]Froese, R. and D. Pauly. Editors.2011FishBase. World Wide Web electronic publication.
www.fishbase.org, version (06/2011).
fishbase
[748]ICES2014Report of the Benchmark Workshop on Baltic Flatfish Stocks (WKBALFLAT), 27–31 January 2014, Copenhagen, Denmark. ICES CM 2014/ACOM:39. 320 pp.ices.dk
[975]ICES2017Report of the Baltic Fisheries Assessment Working Group (WGBFAS), 19-26 April 2017, Copenhagen, Denmark. ICES CM 2017/ACOM:11. 787 pp.ices.dk
[991]ICES2017ICES Advice on fishing opportunities, catch, and effort, Baltic Sea and Greater North Sea Ecoregions, Dab (Limanda limanda) in subdivisions 22–32 (Baltic Sea)ices.dk