Fischarten

Lodde (Capelin) – Mallotus villosus

gültig 01/2022-01/2023

Lodde (Capelin)
Mallotus villosus

gültig 01/2022-01/2023

Hier finden Sie allgemeine Informationen zur Fischart Lodde.
Für spezifische Informationen wählen Sie bitte einen Bestand aus der Liste am linken Rand aus.

Biologische Charakteristika

Die Lodde ist ein kleiner Schwarmfisch aus der Ordnung der Stintartigen (Osmeriformes) und der Familie der Stinte (Osmeridae). Im deutschen Handel ist sie als Lodde oder unter dem englischen Namen Capelin (oder eingedeutscht Kapelan) zu finden. Namensgebend sowohl für den deutschen Trivialnamen (Lodde - loðinn (altnordisch (und isländisch) = wollig, zottig) als auch für die lateinische Bezeichnung (villosus (lateinisch) = zottig, haarig) sind die bei Männchen zur Laichzeit ausgebildeten länglichen Auswüchse an den Schuppen entlang der Seitenlinie. Lodden leben als pelagische Schwarmfische von der Meeresoberfläche bis in Tiefen von 700 m, in der Regel bis 300 m. Erwachsene Lodden fressen planktische Krebse (z.B. Hüpferlinge, Krill, Flohkrebse), Würmer und kleine Fische. Heranreifende Lodden unternehmen ausgedehnte Wanderungen zwischen Aufwuchs- und Futtergebieten. Aus dem Bestand in der Barentssee (Nordost-Arktis) wandern die laichreifen Tiere im Januar/Februar Richtung der Küsten Nord-Norwegens und der Kola-Halbinsel, wo Anfang März gelaicht wird. Die Tiere aus dem Bestand um Island, Färöer, Ost-Grönland und Jan Mayen wandern zum Laichen an die Süd- und Westküste Islands. Gelaicht wird meist im Alter von 3-4 Jahren, am Boden in 2-100 m Tiefe, auf Sand oder Kies, wo die Eier festhaften. Weitere Laichgebiete anderer Bestände finden sich z.B. an den Küsten von Neufundland und Grönland. Bei Lodden aus dem Pazifik und der Neufundland-Region dominiert das sogenannte Strand-Laichen: Die Tiere springen zum Laichen auf den Strand. Die meisten Tiere sterben nach dem Laichgeschäft (Semelparie).
Lodden sind ein wichtiger Bestandteil des Nahrungsnetzes im arktischen Ökosystem. Als sogenannte Futterfische sind sie wichtige Beute für Kabeljau, Seelachs, Wale, Robben und Seevögel. Starke natürliche Populationsschwankungen der Lodde beeinflussen z.B. Wachstum, Reife und Fruchtbarkeit des Kabeljaus. Auch indirekt beeinflusst die Lodde die Nachwuchsproduktion des Kabeljaus: In Jahren mit geringem Vorkommen der Lodde ist der Kannibalismus beim Kabeljau sehr ausgeprägt.
Die schnelle Reaktion der Lodde auf Temperaturveränderungen, ihre Bedeutung für das nordatlantische Nahrungsnetz und die enge Überwachung der Bestände machen diese Art zu einem Indikator für Klimaschwankungen und -veränderungen im nördlichen gemäßigten marinen Ökosystem. [2] [37] [229] [389] [390] [551] [1322]

Maxima: Länge: bis 25,2 cm,
Alter: bis 10 Jahre (meist bis 5 Jahre),
Masse: bis 0,52 kg [37] [229]
IUCN-Status: Europa: ungefährdet (LC), global: nicht bewertet (NE) [384] (Zugriff 09. Dez. 2021)
CITES-Status: nicht gelistet [3]
Widerstandsfähigkeit (resilience): mittel (min. Populationsverdopplungszeit 1,4-4,4 Jahre) [229]
Fruchtbarkeit (fecundity): 6.000-12.000 Eier pro Weibchen pro Jahr [2] [229]
Trophische Ebene: 3,2 ± 0,1 (Standardfehler) [229]

Die Lodde ist zirkumpolar in der Arktis verbreitet. Sie kommt im Nord-Atlantik von der Barentssee, im Weißen Meer, der Norwegischen See über Island und Grönland und die Hudson Bay (Kanada) bis hinunter zum Golf von Maine (USA) vor. Im Nord-Pazifik ist Lodde nach Süden bis Korea und bis zur Juan-de-Fuca-Straße in Kanada verbreitet. [2] [229]

Der oliv- bis flaschengrüne Rücken der Lodde geht fließend in silberne Seiten und einen silbrig-weißen Bauch über. Die Seitenlinie ist von Kopf bis zur Schwanzflosse vollständig sichtbar. Eine strahlenlose Fettflosse mit langer Basis sitzt auf dem Schwanzstiel. Sie ist ein typisches Merkmal der stintartigen (Ordnung Osmeriformes), aber auch der lachsartigen Fische (Salmoniformes). Die Männchen bilden vor dem Laichen längliche Auswüchse an den Schuppen der Seitenlinie aus (siehe auch unter „Biologische Charakteristika“). Außerdem vergrößert sich die Analflosse und wird schwarz. Auffällig ist auch der außergewöhnliche Geruch dieser Fischart: Wie Stinte (Osmerus eperlanus) riechen sie nach dem Fang nach Gurke. [2] [37] [229]

Lodde gehört wie Hering und Blauer Wittling zu den wichtigsten Arten für die Produktion von Fischmehl- und -öl auf Island. Aufgrund der kurzen Lebensdauer und Jahren mit schwacher oder gar Ausfall der Nachwuchsproduktion schwanken viele Lodden-Bestände stark (siehe auch unter „Biologische Charakteristika“). In der Barentssee wurden seit Beginn der Erfassung im Jahr 1971 vier Zusammenbrüche des Bestandes beobachtet. Die Lodden-Fischerei ist in den Zeiten des Zusammenbruchs geschlossen. Seit einschließlich 2016 war die Lodden-Fischerei hier nur in einem Jahr (2018) erlaubt. Auf den Bestand Lodde Island - westlicher Nordostatlantik (Färöer, Ost-Grönland, Jan Mayen) war die Fischerei in den Saisons 2008/09, 2018/19 und 2019/20 geschlossen.
Wenn die erlaubten Fangmengen gering sind, konzentriert sich der Markt auf die Produktion von Rogen und ganzen gefrorenen Fischen für den menschlichen Konsum für den japanischen Markt. Dadurch kann ein größerer wirtschaftlicher Nutzen aus den Fängen gezogen werden. Durch die Öffnung der Fischerei auf den Bestand Island - westlicher Nordostatlantik 2020/21 mit einer kleinen Fangmenge und die hohe Nachfrage sind die Preise stark gestiegen. Die erlaubten Fangmengen in der aktuellen Saison 2021/22 sind erheblich höher. [37] [39] [1325] [1326] [1327]

Lodde ist ein wichtiger Fisch für die Fischmehl und -öl-Produktion (siehe auch „Wirtschaftliche Bedeutung“). Den Weibchen wird zuvor der Rogen entnommen. Die kleinen orangenen Eier sind im Handel als Capelinrogen, Isländischer Kaviar oder Masago zu finden und werden u.a. bei der Herstellung von Sushi-Produkten eingesetzt, auch für den deutschen Markt. Lodden werden aber auch getrocknet und/oder gebraten oder gegrillt direkt konsumiert. In Japan sind sie als „Bar-Snack“ sehr beliebt. Für einige Märkte werden Konserven und Frostprodukte hergestellt. [14] [37] [229] [1325]

Lodden werden vor allem für die Produktion von Fischmehl und-öl verwendet. Auch wenn sich die Fischerei, vor allem in Zeiten geringer Bestände und Höchstfangmengen, in einigen Gebieten von einer überwiegend industriellen zu einer Fischerei für den menschlichen Verzehr gewandelt hat, spielt Lodde auf dem deutschen Markt bisher keine große Rolle. Man findet den Rogen aber z.B. in Sushi-Produkten.

Verbrauchsdaten für den deutschen Markt sind für diese Art derzeit nicht verfügbar. [13] [14] [37] [229] [1325] [1327]

Anlandungen (in 1.000 t)Fänge (in 1.000 t)Laicherbiomasse (in 1.000 t)Laicherbiomasse ZustandFischereiliche SterblichkeitAnmerkungen (insbesondere Managementplan)Gültigkeit
Lodde Island-westlicher Nordostatlantik (5, 2.a, 14) 128,6 128,6 344,1 - 11/2021 -
11/2022
Lodde Nordost-Arktis (1, 2) - 0,0 423,8 2021 Anlandungen: 0, Fang 10t (Forschung und Beifang), SSB: 2021 unter, 2022 über Blim 10/2021 -
10/2022

Klassifizierung nach dem Ansatz des höchstmöglichen nachhaltigen Dauerertrages (MSY), durch den ICES bis 2020 oder analog zu dessen Einteilung:

SymbolBiomasseBewirtschaftung (fischereiliche Sterblichkeit)
innerhalb der Schwankungsbreite um den Zielwertangemessen oder unternutzt
außerhalb der Schwankungsbreite um den Zielwertübernutzt
Zustand unklar, Referenzpunkte nicht definiert und/oder unzureichende DatenZustand unklar, Referenzpunkte nicht definiert und/oder unzureichende Daten
AutorJahrTitelQuelle
[2]Muus BJ, Nielsen JG1999Die Meeresfische Europas Franckh-Kosmos Verlag
[3]CITESConvention on International Trade in Endangered Species of Wild Fauna and Flora, Appendices I, II and IIIcites.org
[13]Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE)Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) Homepageble.de
[14]Fisch-Informationszentrum e.V. (FIZ)Fisch-Informationszentrum e.V. Homepagefischinfo.de
[37]Havforskningsinstituttet, NorwegenOnline Portal des Havforskningsinstituttet (Institut für Meeresforschung), Norwegenimr.no
[39]Fischereiverwaltung, NorwegenOnline Portal des Fiskeridirektoratet (Fischereiverwaltung), Norwegenfiskeridir.no
[229]Froese, R. and D. Pauly. Editors.2011FishBase. World Wide Web electronic publication.
www.fishbase.org, version (06/2011).
fishbase
[384]IUCNIUCN Red List of Threatened Species. Version 2011.2. Downloaded on 09 February 2012iucnredlist.org
[389]Appeltans W, Bouchet P, Boxshall GA, Fauchald K, Gordon DP, Hoeksema BW, Poore GCB, van Soest RWM, Stöhr S, Walter TC, Costello MJ2011World Register of Marine Species, WoRMSmarinespecies.org
[390]Integrated Taxonomic Information System (ITIS)Homepageitis.gov
[551]Eschmeyer WN (ed.)Catalog of Fishes. California Academy of Sciences (http://research.calacademy.org/research/ichthyology/catalog/fishcatmain.asp) Electronic version accessed 07 Nov. 2012.calacademy.org
[1322]Rose GA2005Capelin (Mallotus villosus) distribution and climate: A sea ‘‘canary’’ for marine ecosystem change ICES Journal of Marine Science, 62: 1524 e 1530
[1325]Food and Agriculture Organization (FAO)FAO Website: Fishery and Aquaculture Country Profilesfao.org
[1326]Food and Agriculture Organization (FAO)2021GLOBEFISH - Information and Analysis on World Fish Trade: Capelin is back at record high pricesfao.org
[1327]SAI Global2017Marine Stewardship Council Full Assessment Public Certification Report For The ISF Iceland Capelin Fisherymsc.org