Bestandsdatenblatt

Nordostatlantische Makrele

Gültig 10/2010 - 10/2011

Nordostatlantische Makrele

gültig 10/2010 - 10/2011

Zugehörige Fischart

Makrele

Allgemeine Informationen


Ökoregion:Barentsmeer (Nordost-Arktis), Färöer-Plateau, Iberische Küste, Islandschelf, Keltischer und Biskaya-Schelf, Nordsee, Norwegische See
Fanggebiet:Nordsee (4, 3.a), südliche Gebiete (8, 9.a), westliche Gebiete (2, 5, 6, 7, 14) FAO 27
Art:Scomber scombrus

Wissenschaftliche Begutachtung

Internationaler Rat für Meeresforschung (ICES), Kopenhagen, www.ices.dk

Methode, Frequenz

Jährliche analytische Bestandsberechnung mit Vorhersage unter Verwendung unvollständiger Fangdaten und zweier unabhängiger wissenschaftlicher Forschungsreisen, die nur die erwachsenen Tiere erfassen. Fischereiunabhängige Daten sind nur alle drei Jahre verfügbar. Alle vier Referenzwerte nach dem Vorsorgeansatz sind definiert, sie basieren auf der historischen Entwicklung des Bestandes. Die Referenzwerte nach dem Ansatz des höchsten Dauerertrages (Btrig, Fmsy) basieren auf der Managementstrategie. [111] [112]

 

Wesentliche Punkte

2010: Für 2010 gab es keine Einigung der Fischereinationen über die Höchstfangmenge (TAC). Die verschiedenen Parteien haben autonome Quoten festgelegt, deren Summe weit über den Empfehlungen des ICES liegt. Der Ende 2008 überarbeitete Managementplan wird nicht eingehalten. Trotzdem nimmt die Laicherbiomasse derzeit nur leicht ab, die fischereiliche Sterblichkeit ist noch immer zu hoch. Die Küstenstaaten haben für 2010 bestimmte Arten der Rückwürfe im ganzen Verbreitungsgebiet verboten. [17] [49] [111]

 

Bestands­zustand

Laicherbiomasse (Reproduktionskapazität)

  volle Reproduktionskapazität (nach Vorsorgeansatz)

 

  innerhalb der Schwankungsbreite um den Zielwert (nach höchstem Dauerertrag)

 

Fischereiliche Sterblichkeit

  erhöhtes Risiko (nach Vorsorgeansatz)

  über dem Grenzwert (nach Managementplan)

  übernutzt (nach höchstem Dauerertrag)

 

Achtung: Die Bestandsberechnung für Nordostatlantische Makrele wurde im April 2019 überarbeitet. Der Zustand des Bestandes bezüglich der Referenzwerte hat sich geändert. Die Informationen hier werden aktualisiert, sobald die nötigen Daten vorliegen.

Bestands­entwicklung

Der Bestand besteht aus drei Komponenten, die sich in der Vergangenheit unterschiedlich entwickelt haben: der westlichen, südlichen und der Nordseekomponente. Die Nordseekomponente, die zur Hochzeit ca. 3 Mio. t Laicherbiomasse aufwies, brach Anfang der 1970er Jahre durch Überfischung zusammen (maximale Anlandungen von über 1 Mio. t jährlich) und hat sich trotz umfassenden Schutzes bis heute nicht erholt. In der Folge ist die westliche Komponente stark angewachsen, sie wird heute auf den gleichen Fangplätzen in der nördlichen Nordsee gefangen wie früher die Nordseekomponente. Die Zeitreihe für den Gesamtbestand ist kurz, weil vor 1980 keine Informationen über die Nachwuchsproduktion der südlichen Komponente verfügbar waren. In dieser Zeit ist die Biomasse bemerkenswert stabil geblieben, eine Phase schwächeren Nachwuchses führte Anfang dieser Dekade zu einer stark steigenden fischereilichen Sterblichkeit und abnehmender Biomasse. Durch Reduzierung der Fänge und bessere Kontrollen der Anlandungen konnte der Bestand schnell wieder aufgebaut werden. [111] [112]

 

Ausblick

Dem Managementplan folgend müssten die Fangmengen reduziert werden, ebenso nach dem Konzept des höchsten Dauerertrages. Die Summe der Quoten für 2010 überschreitet jedoch alle Empfehlungen und es ist unklar, ob sich die Fischereinationen für 2011 auf eine gemeinsame Bewirtschaftung einigen können. Die fischereiliche Sterblichkeit wird ohne gemeinsamen TAC weiter steigen, die Laicherbiomasse aber aufgrund einiger starker Jahrgänge noch stabil bleiben. [112]

 

Umwelt­einflüsse auf den Bestand

Dieser Bestand ist der am weitesten verbreitete kommerziell genutzte Fischbestand in europäischen Gewässern, und schon dadurch sehr variablen Umweltbedingungen ausgesetzt. Die Variabilität der Nachwuchsproduktion hat in den letzten Jahren zugenommen. Das Verbreitungsgebiet der Nordostatlantischen Makrele hat sich in den letzten fünf Jahren deutlich nach Nordwesten verschoben, sie kommt im Sommer nun in isländischen Gewässern vor. Mögliche Ursachen sind wärmere Wassertemperaturen, Veränderungen im Nahrungsangebot und in der Bestandsgröße. [111] [112]

 

Wer und Wie

Der ab 2009 geltende überarbeitete Langzeit-Managementplan wird von den beteiligten Parteien nicht eingehalten. Die involvierten Küstenstaaten (EU, Färöer und Norwegen) legen seit 2009, genauso wie Island und Russland, autonome Quoten fest. Der Managementplan wurde vom ICES als positiv bewertet (in Übereinstimmung mit dem Vorsorgeansatz), durch die Nichteinhaltung wird der Bestand jedoch nicht mehr nach dem Vorsorgeprinzip bewirtschaftet.
Zum Schutz der Nordseekomponente wurden verschiedene Maßnahmen erlassen (vor allem Gebietschließungen zu bestimmten Jahreszeiten). [111] [112] [18]

Differenz zwischen Wissen­schaft und Management

Die Fangempfehlungen des ICES für 2010 beruhten auf dem Managementplan. Die einzelnen Parteien haben aber keine gemeinsame Einigung über die Höchstfangmenge (TAC) erzielt. Die Summe der stattdessen festgesetzten autonomen Quoten liegt 50% über den Empfehlungen des ICES.
In den Jahren 2000-2008 stimmten festgesetzte Höchstfangmenge und wissenschaftliche Empfehlung in der Regel gut überein. Die Fänge lagen allerdings immer höher. Erst ab 2007 wurden ausreichende Maßnahmen gegen die illegale Fischerei implementiert. [111] [112]

Karten

Verbreitungsgebiet

Managementgebiet

Die Nordostatlantische Makrele wird als weitverbreiteter Bestand definiert. Sie ist in zahlreichen verschiedenen nationalen und internationalen Managementgebieten verbreitet. In der Isländischen AWZ wird erst seit 2009 eine Fangquote festgesetzt, seit ein erheblicher Teil des Bestandes auch dort verbreitet ist. [111]

 

Anlandungen und TACs (in 1.000 t)

Gesamtfang2009: 735 (Anlandungen gesamt: 722, bekannte Rückwürfe: 13);
davon pelagische Schleppnetze XX %, Ringwaden XX %, andere X %
TACs 2007: 502 (ohne Island-AWZ)   2008: 458 (ohne Island-AWZ)   
2009: keine Einigung, Summe der nationalen Quoten: 737  
2010: keine Einigung, Summe der nationalen Quoten: 866 (inkl.
Überträge aus 2009)         [18] [111] [112]

IUU-Fischerei

Die Information über die Fangzusammensetzung der nicht- oder falschberichteten Fänge ist unvollständig, wird aber in der Bestandsberechnung verwendet. Unabhängige wissenschaftliche Analysen aus Markierungsexperimenten gaben Hinweise, dass die tatsächliche Entnahme bis 2007 40-100% über den gemeldeten legalen Anlandungen liegen könnten. Die Kontrollen wurden daher ab 2007 deutlich verbessert. [111]

 

Struktur und Fangmethode

Fast alle Anrainerstaaten unterhalten gerichtete Fischereien auf Makrele. Der weiten geografischen Verbreitung entsprechend kommen Fahrzeuge aller Größen und vielfältige Fangmethoden zum Einsatz, von kleinen offenen Booten für die Handangelei bis zu großen Vollfrost-Fabrikschiffen mit pelagischen Schleppnetzen oder Ringwaden. Gefangen wird fast ausschließlich für die menschliche Ernährung. Die Makrelenfischerei ist derzeit die wertvollste Fischerei in der EU. [13] [14]

 

Beifänge und Rückwürfe

Daten über Rückwürfe sind unvollständig. Die meisten Fischereien zielen auf große Makrelen für den menschlichen Konsum, es gibt Hinweise auf Rückwürfe von kleinerer, aber marktfähiger Ware (highgrading). Bei gemischten Fängen von Makrele mit Hering, Stöcker oder Eberfisch kann es zum Verwerfen des gesamten Fangs kommen (slipping). Diese Fänge treten nur zu bestimmten Jahreszeiten und in bestimmten Gebieten auf. Ab 2010 ist highgrading und slipping im gesamten Verbreitungsgebiet verboten. Es gibt wenig Beifang von Nichtzielarten. Durch die Verschiebung des Verbreitungsgebietes tritt Makrele vermehrt als Beifang in Gebieten auf, in denen sie früher nicht gefischt wurde. [111] [112] [49] [17]

 

Einflüsse der Fischerei auf die Umwelt

Pelagische Schleppnetzfischerei und Ringwadenfischerei haben in der Regel geringe Beifänge von Nichtzielarten und beeinflussen den Meeresboden nicht (weil sie ihn nicht berühren). Potentiell problematisch können Beifänge von Meeressäugern in Schleppnetzen in den westlichen Gebieten sein. [111]

 

Biologische Besonder­heiten

Dieser Makrelenbestand besteht aus drei Komponenten, die Unterschiede in ihren Laichplätzen und Wanderrouten zeigen. Die Nordseekomponente laicht an der britischen Ostküste, die südliche Komponente über der Schelfkante der Biskaya und der iberischen Halbinsel, und die westliche Komponente über der westbritischen Schelfkante. Von dort aus unternehmen Makrelen ausgedehnte Wanderungen auf die Nahrungsgründe, sie erreichen dabei sogar die Barentssee. Die einzelnen Komponenten mischen sich auf diesen Wanderungen. Trotz umfangreicher Schutzmaßnahmen hat sich die in den frühen 1970er Jahren zusammengebrochene Nordseekomponente nicht erholt. Es wird diskutiert, dass sich in der Nordsee geborene Fische bei der ersten Wanderung auf die Laichgründe den Mitgliedern der westlichen Komponente anschließen, die in der nördlichen Nordsee viel häufiger sind, und so zur westlichen Komponente rekrutieren (entrainment hypothesis). In diesem Fall wäre eine Erholung der Nordseekomponente unwahrscheinlich. [59] [112]

 

Zusätzliche Informationen

Nur eine einzige fischereiunabhängige Datenserie steht für die Bestandsberechnung zur Verfügung: der wegen des enormen Aufwandes nur alle drei Jahre durchgeführte Makrelen-Eiersurvey. Schiffe von sieben Nationen fangen über ein halbes Jahr von Cadiz bis nördlich Schottlands Makreleneier und schließen von deren Häufigkeit auf die Laicherbiomasse zurück. Makrelen wandern und fressen nahe der Wasseroberfläche, sie lassen sich daher auch aus Flugzeugen detektieren. Wegen der wissenschaftlich erforderlichen Anpassung des verwendeten Berechnungsmodelles kam es 2003 zu einer erheblichen Revision der Einschätzung des Bestandszustandes. [111] [112]

 

Soziale Aspekte

Die Fischereien auf Makrele im Nordostatlantik werden mit Fahrzeugen aller Größen durchgeführt, vom offenen Fahrzeug für Handleinenfischerei bis zum über 140 m langen Vollfrost-Trawler. Arbeitsbedingungen an Bord und die Entlohnung sind daher sehr unterschiedlich, richten sich aber nach den Regeln der europäischen Flaggenstaaten. [13]

 

AutorJahrTitelQuelle
[4]Marine Stewardship Council (MSC)Fisch und Meeresfrüchte aus zertifiziert nachhaltiger Fischereimsc.org
[13]Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE)Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) Homepageble.de
[14]Fisch-Informationszentrum e.V. (FIZ)Fisch-Informationszentrum e.V. Homepagefischinfo.de
[17]NEAFC2009North-East Atlantic fisheries commission, 2009, Rec 16: Discards Banneafc.org
[18]Europäische Union (EU)2010Verordnung (EU) Nr. 219/2010 des Rates zur Änderung der Verordnung (EU) Nr. 53/2010 hinsichtlich der Fangmöglichkeiten für bestimmte Fischbestände und nach Abschluss der bilateralen Fischereivereinbarungen für 2010 mit Norwegen und den Färöerneuropa.eu
[49]Europäische Union (EU)2009Verordnung (EG) Nr. 1288/2009 des Rates zur Festlegung technischer Übergangsmaßnahmen für den Zeitraum vom 1. Januar 2010 bis zum 30. Juni 2011europa.eu
[59]ICES2007Report of the Workshop on Testing the Entrainment Hypothesis (WKTEST) ICES CM 2007/LRC:10
[111]ICES2010Report of the Advisory Committee, 2010. Book 9. Widely Distributed and Migratory Stocks. 9.4.2. Mackerel in the Northeast Atlantic (combined Southern, Western, and North Sea spawning components)ices.dk
[112]ICES2010Report of the Working Group on Widely Distributed Stocks (WGWIDE), 28 August - 3 September 2010, Vigo, Spain. ICES CM 2010/ACOM:15. 5 pp. 2. Northeast Atlantic Mackerelices.dk