Fischarten

Nordseegarnele (Krabbe, Granat) – Crangon crangon

gültig 11/2016-10/2017

Nordseegarnele (Krabbe, Granat)
Crangon crangon

gültig 11/2016-10/2017

Biologische Charakteristika

Die Nordseegarnele wird an der Küste und im Handel u.a. auch „Krabbe“ oder „Granat“ genannt. Sie ist ein Krebstier aus der Gruppe der Zehnfußkrebse (Decapoda), zu der viele bekannte und wirtschaftlich bedeutende Krebsarten gehören (z.B. Hummer, Langusten, Tiefseegarnelen). Aufgrund ihrer wirtschaftlichen Bedeutung wird sie, obwohl kein Fisch, auf Fischbestände online geführt.
Das Alter von Garnelen kann nicht wie bei Fischen mittels Wachstumsringen bestimmt werden, andere Methoden der Altersbestimmung sind entweder sehr aufwändig oder unsicher. Durch den jährlichen Rhythmus des Längenwachstums kann man jedoch zumindest die Alterszusammensetzung im Bestand abschätzen, wenn auch eine Zuordnung von Individuen zu einer Altersklasse nicht möglich ist. Die meisten Garnelen sind weniger als ein bzw. gerade ein Jahr alt, wenn sie gefangen werden. Nur vergleichsweise wenige Individuen werden bis zwei, möglicherweise sogar 3 Jahre alt. Der größte Teil der in den Fängen auftretenden Tiere entstammt im Winter gelegten Eiern, die nach Brutpflege am Mutterleib im zeitigen Frühjahr schlüpfen. Sie gehen nach mehreren Larvenstadien im freien Wasser im späten Frühjahr an der Küste, besonders im Wattenmeer, zum Bodenleben über. Dort können sie im Sommer bei hohen Wassertemperaturen mehr als 0,5 mm pro Tag wachsen, sodass sie bereits im August als kleine Exemplare in den Fischernetzen auftauchen und dann im September bis November die Basis der Anlandungen bilden. Die großen Tiere im Folgejahr sind dann ein Jahr alt oder älter.
Nordseegarnelen ernähren sich räuberisch von kleinen Muscheln, Schnecken, Würmern und Krebsen, die sie mit ihren ca. 1-2 mm großen Scheren zerpflücken können, aber auch von den Resten abgestorbener Pflanzen und Tiere (Detritus). [407] [421] [442]

Maxima: Länge bis 95 mm (nach Daten des Thünen-Instituts bis 105 mm),
Alter: Alter evtl. bis 3 Jahre,
Masse: k. A. für Maxima, Weibchen 75 mm: 3,14 g; im Mittel der Fänge ca. 1 Gramm [407] [418]
IUCN-Status: nicht bewertet (NE) [384] (Zugriff am 20. Apr. 2017)
CITES-Status: nicht gelistet [3]
Widerstandsfähigkeit (resilience): k. A.
Fruchtbarkeit (fecundity): bei jährlich 3 Eiablagen ca. 8.000 bis 26.000 Eier pro Weibchen pro Jahr, je nach Alter, Größe und Ernährungszustand [407]
Trophische Ebene: k. A.

Nordseegarnelen finden sich an den Küsten des gesamten Nordostatlantiks mit Ost- und Nordsee bis an den Rand der Arktis (Island, Weißes Meer), sowie im Mittelmeer und Schwarzen Meer. Schwerpunkt der Verbreitung liegt in den hochproduktiven Ästuaren mit Tidenstrom zwischen 45° und 57°N (temperierte Klima-Zone). Gefangen wird die Nordseegarnele vor allem in seichteren Gewässern bis ca. 40 m Wassertiefe in Buchten von Frankreich und England bis nach Dänemark mit Schwerpunkt im Wattenmeer und in der Deutschen Bucht. Nordseegarnelen leben vor allem über sandigem Grund. [407]

Nordseegarnelen sind typische Garnelen, lang und schmal mit nahezu rundlichem Querschnitt und langen Antennen. Ihre Färbung ist leicht gräulich bis bräunlich (daher im Französischen „crevette grise“, im Englischen „brown shrimp“ genannt). Im gekochten Zustand sind sie rötlich-braun und weisen eine „Tropfenform“ auf, da sich der Körper von der Schwanzspitze bis zum Kopf gekrümmt hat. [407] [421]

Krebsfleisch gilt als Delikatesse, und deshalb sind auch die Nordseegarnelen ein wertvolles und hochpreisiges Fischereiprodukt. Für die deutsche Küstenfischerei stellen sie eine ökonomisch sehr wichtige Art dar, in vielen Jahren nach Anlandewert sogar die wertvollste. 2009 gab es hier über 500 Arbeitsplätze auf See, und es wurden etwa 33 Mio. Euro erwirtschaftet. International waren 2010 über 500 Fahrzeuge (Deutschland 228) mit etwa 1.000 Fischern an der Nordseegarnelen-Fischerei beteiligt. Hinzu kommen diverse Arbeitsplätze in der verarbeitenden Industrie. Die Fahrzeuge der Küstenfischerei haben auch für den Tourismus an der Küste erhebliche Bedeutung. [404] [421]

Nordseegarnelen werden in der Regel nach dem Fang bereits an Bord gekocht. In geringem Umfang sind sie auch als ungeschälte Speisekrabben an der Küste erhältlich. Der Großteil wird, nach meist längerem Transport zu und vom Ort des „Puhlens“, als geschältes Krabbenfleisch lose oder abgepackt oder als Salatzubereitung über den Lebensmittelhandel vermarktet. In sehr geringen Mengen werden die Garnelen auch als „Sieb-„ oder „Industriekrabben“ (zu klein für den menschlichen Konsum) zu Fischfutter verarbeitet. [404] [408]

Marktdaten 2015 (vorl.)

Verbrauch in Deutschland: 624 t (2014: 652), Marktanteil: 0,3% (2014: 0,3) (bezogen auf alle Fischereierzeugnisse). [13] [14]

Anlandungen (in 1.000 t)Fänge (in 1.000 t)Laicherbiomasse (in 1.000 t)Laicherbiomasse ZustandFischereiliche SterblichkeitAnmerkungen (insbesondere Managementplan)Gültigkeit
Nordsee (4, 7.d) 31,4 - - Anldg. Speise-Garnelen 06/2016 -
10/2017

Klassifizierung nach dem Ansatz des höchstmöglichen nachhaltigen Dauerertrages (MSY), durch den ICES oder analog zu dessen Einteilung:

SymbolBiomasseBewirtschaftung (fischereiliche Sterblichkeit)
innerhalb der Schwankungsbreite um den Zielwertangemessen oder unternutzt
außerhalb der Schwankungsbreite um den Zielwertübernutzt
Zustand unklar, Referenzpunkte nicht definiert und/oder unzureichende DatenZustand unklar, Referenzpunkte nicht definiert und/oder unzureichende Daten
AutorJahrTitelQuelle
[3]CITESConvention on International Trade in Endangered Species of Wild Fauna and Flora, Appendices I, II and IIIcites.org
[13]Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE)Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) Homepageble.de
[14]Fisch-Informationszentrum e.V. (FIZ)Fisch-Informationszentrum e.V. Homepagefischinfo.de
[384]IUCNIUCN Red List of Threatened Species. Version 2011.2. Downloaded on 09 February 2012iucnredlist.org
[404]Aviat D, Diamantis C, Neudecker T, Berkenhagen J, Müller M2011Die Garnelenfischerei in der Nordsee, Generaldirektion interne Politikbereiche der Union Fachabteilung B: Struktur- und Kohäsionspolitik, Fischerei Studie, IP/B/PECH/IC/2010_102, PE 460.041
[407]Tiews K1970Synopsis of biological data on the common shrimp Crangon crangon (Linnaeus, 1758). FAO Fish Rep 57:1167–1224
[408]Neudecker T, Damm U, Kühnhold WW2006Fang, Anlandungen, Discard und Bestand der Nordseegarnelen (Crangon crangon L.). Catch, landings, discard and stock of the brown shrimp (Crangon crangon L.)ti.bund.de
[418]Tiews K1952Studien zu der Büsumer Garnelenfischerei, ihren biologischen Grundlagen und ihrer wirtschaftlichen Struktur. (Studies on the brown shrimp fishery of Büsum, their biological base and economic structure). Dissertation, Christian-Albrechts-Universität, Kiel. pp. 146+16
[421]Westheide W, Rieger R Hrsg.1996Spezielle Zoologie, Teil 1: Einzeller und wirbellose Tiere Gustav Fischer Verlag, Stuttgart, Jena, New York, 909 pp
[442]Kuipers BR, Dapper R1984Nursery function of Wadden Sea tidal flats for the brown shrimp Crangon crangon Mar Ecol Prog Ser 17: 171-181