Bestandsdatenblatt

Ostsee-Scholle (22-32)

Gültig 05/2011 - 05/2012

Ostsee-Scholle (22-32)

gültig 05/2011 - 05/2012

Zugehörige Fischart

Scholle

Allgemeine Informationen


Ökoregion:Ostsee
Fanggebiet:Ostsee (22-32) FAO 27
Art:Pleuronectes platessa

Wissenschaftliche Begutachtung

Internationaler Rat für Meeresforschung (ICES), Kopenhagen, www.ices.dk

Methode, Frequenz

Es gibt keine analytische Bestandsberechnung für Ostsee-Scholle, weil die Eingangsdaten für die Modelle fehlen. Zudem handelt es sich möglicherweise um drei verschiedene Bestände, die aufgrund der Datenlage aber gemeinsam behandelt werden. Es können daher auch keine Fangempfehlungen gegeben werden, und es sind keine Referenzpunkte definiert. Eine unabhängige Forschungsreise zur Erfassung der Grundfische wird jedes Jahr im ersten Quartal durchgeführt. Sie lässt grobe Aussagen über die Bestandsentwicklung zu. [394] [395] [398]

Wesentliche Punkte

2011: Die Daten der Forschungsreise weisen auf eine Zunahme des Bestandes im letzten Jahr hin, die Gesamtnutzungsrate ist jedoch nicht bekannt. [394]

Bestands­zustand

Laicherbiomasse (Reproduktionskapazität)

  Referenzwerte nicht definiert (nach Vorsorgeansatz)

  Referenzwerte nicht definiert (nach Managementplan)

  Referenzwerte nicht definiert (nach höchstem Dauerertrag)

 

Fischereiliche Sterblichkeit
 

  unbekannt (nach Vorsorgeansatz)

  unbekannt (nach Managementplan)

  unbekannt (nach höchstem Dauerertrag)

 

Bestands­entwicklung

Informationen zu Laicherbiomasse, fischereilicher Sterblichkeit und Nachwuchsproduktion liegen nicht vor. Die Einheitsfänge (CPUE) der jährlichen Forschungsreise weisen allerdings auf eine Zunahme des Bestandes hin. Die höchsten Anlandungen von Ostsee-Scholle wurden Ende der 1970er Jahre erreicht (1979: 8.289 t). Danach war mit einigen Schwankungen eine Abnahme zu beobachten, bis 1993 mit 269 t der niedrigste Wert erreicht wurde. Seit 1995 kam es wieder zu einem Anstieg auf das nächste Maximum von 2.763 t im Jahre 2002. In den Folgejahren wurden jährlich meist um die 2.000 t Ostsee-Scholle angelandet. [394] [395]

Ausblick

Der ICES empfahl unter Vorsorgegesichtspunkten, dass die Fänge nicht steigen sollten, tatsächlich schlug die EU-Kommission aber eine Kürzung um 25% vor. Die erlaubte Fangmenge wurde für 2012 schließlich um 5% gekürzt. Die Höchstfangmengen für diesen Bestand waren in den letzten Jahren insgesamt nie restriktiv (die Fänge lagen immer unter dem TAC), für einzelne Fischereien können die Höchstfangmengen allerdings erreicht werden, was dann zu erhöhtem Rückwurf führt. [381] [394]

Umwelt­einflüsse auf den Bestand

Die Verbreitung der Scholle in der Ostsee ist vor allem abhängig vom Salzgehalt. Die Häufigkeit der Art nimmt mit dem Salzgehalt von Westen nach Osten und Norden hin ab. Da die pelagischen (frei schwebenden) Eier der Scholle einen bestimmten Salzgehalt für den erforderlichen Auftrieb benötigen, kann ein erfolgreiches Laichen nur in den tieferen Becken erfolgen. Ausreichend gute Bedingungen sind regelmäßig im Arkona- und Bornholm-Becken zu finden, im Danziger und Gotland-Becken hingegen nur sporadisch, nach dem Einstrom von salzhaltigem Nordseewasser. [398] [399]

Wer und Wie

Die Bewirtschaftung von Ostsee-Scholle erfolgt durch die EU über eine Begrenzung der Anlandemenge (TAC) für die gesamte Ostsee (EU-Gewässer der ICES-Gebiete 22-32). Das Management erfolgt außerdem über die jeweiligen Landesregeln. Die Nationen haben eigene Vorgaben für Maschenweiten und Mindestanlandelängen. Mindestanlandelänge in Deutschland und Schweden ist 25 cm. [381] [394]

Differenz zwischen Wissen­schaft und Management

Die Höchstfangmenge (TAC) wird als „vorsorglicher TAC“ festgelegt. Es gibt keine nummerische Fangempfehlung, von der er abweichen kann und streng genommen wurde dem Wortlaut der wissenschaftlichen Empfehlung, die erlaubte Fangmenge 2012 nicht zu erhöhen, gefolgt. Tatsächlich ist das Management in diesem Fall aus politischen Gründen aber sogar nach unten von der Empfehlung abgewichen – aus wissenschaftlicher Sicht ist eine Senkung der Fangmenge nicht erforderlich und sogar kontraproduktiv, denn eine solche Senkung verschärft den Datenmangel eher als dass sie ihn behebt. [381] [394]

Karten

Verbreitungsgebiet

Managementgebiet

Die Verbreitung der Scholle in der Ostsee reicht östlich bis in den Golf von Danzig und im Norden ins Gebiet um Gotland. Sie kann sporadisch aber auch noch nördlicher angetroffen werden. Die Verbreitung ist vom Salzgehalt abhängig. Scholle in der Ostsee zerfällt möglicherweise in drei verschiedene Bestände: einen in der Belt-See (ICES-Gebiete 22 und 24 West), einen im Öresund (ICES-Gebiet 23) und einen im Arkona-, Bornholm-, Danziger und östlichen Gotland-Becken (ICES-Gebiete 24 Ost, 25, 26, 28). Es wird eine Höchstfangmenge (TAC) für die EU-Gewässer der ICES-Gebiete 22-32 festgelegt. [381] [394] [398]

Anlandungen und TACs (in 1.000 t)

Gesamtfang2010: Anlandungen: 1,9 (vorl.); Grundschleppnetze und Kiemennetze
TACs (EU-Gewässer 22-32)2008: 3,2 2009: 3,0 2010: 3,0 2011: 3,0 2012: 2,9 [91] [141] [381] [396] [397]

IUU-Fischerei

Es gibt keine Hinweise auf illegale oder unberichtete Fänge von Scholle aus der Ostsee. [394]

Struktur und Fangmethode

Scholle wird in der Ostsee als Beifang in der Dorsch-Fischerei sowie in der gemischten Plattfisch-Fischerei gefangen. Hauptfanggebiet ist das ICES-Gebiet 22, größere Mengen werden außerdem in den ICES-Gebieten 24 und 25 gefangen. Hauptfangnation in allen drei Gebieten ist Dänemark (2010: 74% der Gesamtanlandungen). Deutschland ist die zweitgrößte Fangnation (2010: 15 %), außerdem landen auch Polen und Schweden Ostsee-Scholle an (2010: je 5 %). [394]

Beifänge und Rückwürfe

Scholle ist selbst zum Teil Beifang. Vollständige Daten über Rückwürfe liegen nicht vor, ein Rückwurf vermarktbarer Fische dieser Art wird aber wahrscheinlicher, wenn die Quoten limitierend wirken. [394]

Einflüsse der Fischerei auf die Umwelt

Durch den Einsatz von Grundschleppnetzen kann der Meeresboden geschädigt werden. Potentiell problematisch können Beifänge von Seevögeln und Meeressäugern in Stellnetzen sein. [30] [208]

Biologische Besonder­heiten

Die Scholle laicht in der Ostsee zwischen Februar und März in den verschiedenen Becken (abhängig vom Salzgehalt). Die Aufwuchsgebiete liegen im Flachwasser bis in etwa 10 m Tiefe. [394] [399]

Zusätzliche Informationen

Scholle ist auch eine beliebte Zielart in der Freizeitfischerei, die Gesamtfangmenge dürfte aber im Vergleich zur kommerziellen Entnahme gering sein. Bei Einführung eines Anlandegebotes würden die in einigen Fischereien limitierenden Schollenquoten ein Ausfischen der Dorschquote fast unmöglich machen.

Zertifizierte Fischereien

Bislang ist keine Fischerei auf Ostsee-Scholle nach einem der gängigen Nachhaltigkeitsstandards zertifiziert.

Soziale Aspekte

Die Fahrzeuge fahren unter den Flaggen der Anrainerstaaten, die Arbeitsbedingungen an Bord und die Entlohnung erfolgt daher nach deren Regeln. Die deutsche Flotte hat 2010 299 t Scholle aus den ICES-Gebieten 22 und 24 angelandet (vorl. Zahlen). [12] [13] [394]

AutorJahrTitelQuelle
[12]Europäische Gemeinschaften2009Die Gemeinsame Fischereipolitik. Ein Leitfaden für Benutzerec.europa.eu
[13]Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE)Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) Homepageble.de
[14]Fisch-Informationszentrum e.V. (FIZ)Fisch-Informationszentrum e.V. Homepagefischinfo.de
[30]Food and Agriculture Organization (FAO)FAO. © 2003-2010. Fisheries Topics: Technology. Fish capture technology. In: FAO Fisheries and Aquaculture Department [online]. Rome. Updated 2006 15 09.[Cited 10 June 2010]fao.org
[91]Europäische Union (EU)2009Verordnung (EG) Nr. 1226/2009 des Rates zur Festsetzung der Fangmöglichkeiten und begleitenden Fangbedingungen für bestimmte Fischbestände und Bestandsgruppen in der Ostsee (2010)europa.eu
[141]Europäische Union (EU)2010Verordnung (EU) Nr. 1124/2010 des Rates vom 29. November 2010 zur Festsetzung der Fangmöglichkeiten für bestimmte Fischbestände und Bestandsgruppen in der Ostsee (2011)europa.eu
[208]Bellebaum, J2011Untersuchung und Bewertung des Beifangs von Seevögeln durch die passive Meeresfischerei in der Ostsee. BfN-Skripten 295 Bundesamt für Naturschutz, ISBN 978-3-89624-030-9, www.bfn.de
[381]Europäische Union2011Verordnung (EU) Nr. 1256/2011 des Rates vom 30. November 2011 zur Festsetzung der Fangmöglichkeiten für bestimmte Fischbestände und Bestandsgruppen in der Ostsee (2012) und zur Änderung der Verordnung (EU) Nr. 1124/2010europa.eu
[394]ICES2011Report of the Advisory Committee, 2011. Book 8. Baltic Sea. 8.4.10. Plaice in Subdivisions 22 32 (Baltic Sea)ices.dk
[395]ICES2011Report of the Baltic Fisheries Assessment Working Group (WGBFAS), 12 - 19 April, ICES Headquarters, Copenhagen. ICES CM 2011/ACOM:10. 785pp. 5 Plaice, Turbot, Dab, and Brill in the Balticices.dk
[396]Europäische Union2009Verordnung (EG) Nr. 1322/2008 des Rates vom 28. November 2008 zur Festsetzung der Fangmöglichkeiten und begleitenden Fangbedingungen für bestimmte Fischbestände und Bestandsgruppen in der Ostsee (2009)europa.eu
[397]Europäische Union2007Verordnung (EG) Nr. 1404/2007 des Rates vom 26. November 2007 zur Festsetzung der Fangmöglichkeiten und begleitenden Fangbedingungen für bestimmte Fischbestände und Bestandsgruppen in der Ostsee (2008)europa.eu
[398]ICES2010Report of the ICES/HELCOM Workshop on Flatfish in the Baltic Sea (WKFLABA), 8 - 11 November 2010, Öregrund, Sweden. ICES CM 2010/ACOM:68. 85ppices.dk
[399]Nissling A, Westin L, Hjerne O2002Reproductive success in relation to salinity for three flatfish species, dab (Limanda limanda), plaice (Pleuronectes platessa), and flounder (Pleuronectes flesus), in the brackish water Baltic Sea ICES Journal of Marine Science, 59: 93–108