Bestandsdatenblatt

Ostsee-Scholle (24-32)

Gültig 05/2014 - 05/2015

Ostsee-Scholle (24-32)

gültig 05/2014 - 05/2015

Zugehörige Fischart

Scholle

Allgemeine Informationen


Ökoregion:Ostsee
Fanggebiet:Ostsee (22-32) FAO 27
Art:Pleuronectes platessa

Wissenschaftliche Begutachtung

Internationaler Rat für Meeresforschung (ICES), Kopenhagen, www.ices.dk

Methode, Frequenz

Es gibt keine analytische Bestandsberechnung für Ostsee-Scholle, weil die Eingangsdaten unzureichend sind. Zwei unabhängige Forschungsreisen zur Erfassung der Grundfische lassen aber grobe Aussagen über die Bestandsentwicklung zu. Referenzpunkte sind nicht definiert. [736] [742]

Wesentliche Punkte

2014: Die Daten der Forschungsreisen weisen auf eine kontinuierliche Zunahme des Bestandes seit 2003 hin (Bestandsindikator der letzten zwei Jahre (2012-13) ist 43% höher als in den drei vorangegangenen Jahren (2009-11)); die Gesamtnutzungsrate ist jedoch nicht bekannt. Die Trennung in zwei Schollenbestände der Ostsee (21-23 und 24-32) ist noch immer vorläufig. [736] [742]

Bestands­zustand

Laicherbiomasse (Reproduktionskapazität)

  unbekannt (nach Vorsorgeansatz)

  unbekannt (nach Managementplan)

  unbekannt (nach höchstem Dauerertrag)

 

Fischereiliche Sterblichkeit
 

  unbekannt (nach Vorsorgeansatz)

  unbekannt (nach Managementplan)

  unbekannt (nach höchstem Dauerertrag)

 

Bestands­entwicklung

Informationen zu Laicherbiomasse, fischereilicher Sterblichkeit und Nachwuchsproduktion liegen nicht vor. Die Einheitsfänge (CPUE) der jährlichen Forschungsreisen weisen allerdings auf eine deutliche Zunahme des Bestandes seit 2003 hin. Die höchsten Anlandungen aus diesem Schollenbestand wurden Ende der 1970er (1979: 4.530 t) und erneut Mitte der 1980er Jahre erreicht. 1993 wurden dagegen nur 80 t angelandet. Ab 1995 kam es wieder zu einem Anstieg und seitdem wurden meist um die 700-1.200 t Scholle aus diesem Bestand angelandet. Die tatsächlichen Fänge könnten viel höher liegen, denn für einige Fischereien sind die Fangmengen¬begrenzungen sehr restriktiv und die Rückwurfraten daher hoch. [736] [742]

Ausblick

Bei unveränderter Nachwuchsproduktion und Verteilung der Quoten könnten die Anlandungen weiter steigen. Die Einführung eines Anlandegebotes in der Ostsee ab 2015 wird vermutlich die Rückwürfe und damit die Fangmenge reduzieren und mittelfristig die Bestandsituation weiter verbessern, also auch für noch bessere Fangmöglichkeiten sorgen. [742]

Umwelt­einflüsse auf den Bestand

Die Verbreitung der Scholle in der Ostsee ist vor allem abhängig vom Salzgehalt. Die Häufigkeit der Art nimmt mit dem Salzgehalt von Westen nach Osten und Norden hin ab. Da die pelagischen (frei schwebenden) Eier der Scholle einen bestimmten Salzgehalt für den erforderlichen Auftrieb benötigen, kann in den östlicheren Gebieten ein erfolgreiches Laichen nur in den tieferen Becken erfolgen. Ausreichend gute Bedingungen sind regelmäßig im Arkona- und Bornholm-Becken zu finden, im Danziger und Gotland-Becken hingegen nur sporadisch nach dem Einstrom von salzhaltigem Nordseewasser. [398] [399] [742]

Wer und Wie

Die Bewirtschaftung von Scholle in der Ostsee erfolgt durch die EU über eine Begrenzung der Anlandemenge (TAC) für die gesamte Ostsee (EU-Gewässer der ICES-Gebiete 22-32). Das Management erfolgt außerdem durch technische EU-Verordnungen (z.B. Maschenweiten und Mindestanlandelängen) und die jeweiligen Landesregeln (z.B. saisonale Gebietsschließungen. [206] [736] [742]

Differenz zwischen Wissen­schaft und Management

Nach der vorläufigen Unterteilung der Schollen in diesem Gebiet in zwei Bestände ab 2013 bezieht sich die Fangempfehlung für diesen Bestand auf die ICES-Gebiete 24-32, während die Höchstfangmenge (TAC) weiterhin für die „alten“ Gebiete 22-32 festgelegt wird. Ein Vergleich von Wissenschaft und Management ist also nicht möglich. Die Anlandungen aus diesem Bestand lagen 2013 aber unter der wissenschaftlichen Empfehlung. [736] [742]

Karten

Verbreitungsgebiet

Managementgebiet

Dieser Schollen-Bestand ist per (vorläufiger) Definition in den ICES-Gebieten 24-32 verbreitet. Die Verbreitung ist vom Salzgehalt abhängig und reicht daher östlich bis in den Golf von Danzig und im Norden ins Gebiet um Gotland. Sporadisch kann die Ostsee-Scholle aber auch noch nördlicher angetroffen werden. Es wird bislang eine Höchstfangmenge (TAC) für die EU-Gewässer der ICES-Gebiete 22-32 festgelegt. Verbreitungs- und Managementgebiet stimmen seit 2013 nicht mehr überein. [478] [733] [736] [742]

Anlandungen und TACs (in 1.000 t)

Gesamtfang2013: Anlandungen: 0,74 (99,3% aus Gebieten 24 und 25); davon in Gebiet 24 etwa 65% und in Gebiet 25 etwa 77% aktive Fanggeräte (Grundschleppnetze), in Gebiet 26 etwa 76% passive Fanggeräte (Stellnetze)
TACs (EU-Gewässer 22-32)2009: 3,0 2010: 3,0 2011: 3,0 2012: 2,9 2013: 3,4
2014: 3,4 [733] [736] [742]

IUU-Fischerei

Es gibt keine Hinweise auf illegale oder unberichtete Fänge von Scholle aus der Ostsee. [736]

Struktur und Fangmethode

Scholle wird in der Ostsee (24-32) als Beifang in der Dorsch-Fischerei sowie in der gemischten Plattfisch-Fischerei gefangen. Die Fischerei auf diesen Bestand ist vor allem um die Insel Bornholm konzentriert (ICES-Gebiete 24 und 25 mit 99,3% der Anlandungen). Es wird hier jedoch weniger gefangen als in den Gebieten 22 und 23, in denen nach derzeitiger Definition ein anderer Bestand verbreitet ist. Hauptfangnation ist Dänemark, außerdem landen Deutschland (2013: 47 t aus Gebiet 24), Polen und Schweden Ostsee-Scholle an. [742]

Beifänge und Rückwürfe

Scholle ist selbst zum Teil Beifang. Die Menge der Rückwürfe kann sehr hoch sein, vor allem für die Flotten, die geringe Schollenquoten haben, vollständige Daten liegen aber nicht vor. 2012 waren die Rückwürfe doppelt so hoch wie die Anlandungen. Es ist noch nicht absehbar, wie sich diese Zahlen nach Einführung eines Anlandegebotes in der Ostsee verändern. Insbesondere ist unklar, ob Scholle schon ab 2015 unter dieses Gebot fällt. [625] [742]

Einflüsse der Fischerei auf die Umwelt

Durch den Einsatz von Grundschleppnetzen können Bodenlebensgemeinschaften geschädigt werden. Artenzusammensetzung, Biomasse und Nahrungsgefüge können sich erheblich verändern. Potentiell problematisch können Beifänge von Seevögeln und Meeressäugern in Stellnetzen sein. Der Einsatz von Baumkurren ist in der Ostsee verboten. [30] [97] [206] [208]

Biologische Besonder­heiten

Die Scholle laicht in der Ostsee zwischen Februar und März in den verschiedenen Becken (abhängig vom Salzgehalt). Die Aufwuchsgebiete liegen im Flachwasser bis in etwa 10 m Tiefe. [399] [742]

Zusätzliche Informationen

Bei Einführung eines Anlandegebotes in der Ostsee ab 2015 könnten die in einigen Fischereien limitierenden Schollenquoten ein Ausfischen der Dorschquote erschweren. Auch aus diesem Grunde gibt es Überlegungen, Schollen noch ein Jahr vom Anlandegebot auszunehmen, obwohl sie quotiert sind und damit automatisch nicht mehr verworfen werden dürften.
Die deutsche Flotte hat 2013 47 t Scholle aus dem ICES-Gebiet 24 angelandet. Eine größere Rolle spielt für die deutsche Fischerei der Bestand der Scholle in Kattegat, Belten und im Sund (21-23), aus dem größere Mengen angelandet wurden (aus Gebiet 22). [736] [742]

Zertifizierte Fischereien

Bislang ist keine Fischerei auf Ostsee-Scholle nach einem der gängigen Nachhaltigkeitsstandards zertifiziert.

Soziale Aspekte

Die Fahrzeuge fahren unter den Flaggen der Anrainerstaaten, die Arbeitsbedingungen an Bord und die Entlohnung erfolgt daher nach deren Regeln. [12] [13]

AutorJahrTitelQuelle
[12]Europäische Gemeinschaften2009Die Gemeinsame Fischereipolitik. Ein Leitfaden für Benutzerec.europa.eu
[13]Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE)Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) Homepageble.de
[14]Fisch-Informationszentrum e.V. (FIZ)Fisch-Informationszentrum e.V. Homepagefischinfo.de
[30]Food and Agriculture Organization (FAO)FAO. © 2003-2010. Fisheries Topics: Technology. Fish capture technology. In: FAO Fisheries and Aquaculture Department [online]. Rome. Updated 2006 15 09.[Cited 10 June 2010]fao.org
[97]Zydelis R, Bellebaum J, Österblom H, Vetemaa M, Schirmeister B, Stipniece A, Dagys M, van Eerden M, Garthe S2009Bycatch in gillnet fisheries – An overlooked threat to waterbird populations Biological Conservation 142:1269–1281
[206]Europäische Union (EG)2005Verordnung (EG) Nr. 2187/2005 des Rates vom 21. Dezember 2005 mit technischen Maßnahmen für die Erhaltung der Fischereiressourcen in der Ostsee, den Belten und dem Öresund, zur Änderung der Verordnung (EG) Nr. 1434/98 und zur Aufhebung der Verordnung (EG) Nr. 88/98europa.eu
[208]Bellebaum, J2011Untersuchung und Bewertung des Beifangs von Seevögeln durch die passive Meeresfischerei in der Ostsee. BfN-Skripten 295 Bundesamt für Naturschutz, ISBN 978-3-89624-030-9, www.bfn.de
[398]ICES2010Report of the ICES/HELCOM Workshop on Flatfish in the Baltic Sea (WKFLABA), 8 - 11 November 2010, Öregrund, Sweden. ICES CM 2010/ACOM:68. 85ppices.dk
[399]Nissling A, Westin L, Hjerne O2002Reproductive success in relation to salinity for three flatfish species, dab (Limanda limanda), plaice (Pleuronectes platessa), and flounder (Pleuronectes flesus), in the brackish water Baltic Sea ICES Journal of Marine Science, 59: 93–108
[478]ICES2012Report of the Workshop on the Evaluation of Plaice Stocks (WKPESTO), 28 February - 1 March 2012, ICES Headquarters, Copenhagen. ICES CM 2012/ACOM:32. 59 pp.ices.dk
[625]ICES2013Report of the Advisory Committee, 2013. Book 8. Baltic Sea. 8.4.12. Plaice in Subdivisions 24–32 (Baltic Sea)ices.dk
[733]Europäische Union (EU)2014Verordnung (EU) Nr. 1180/2013 des Rates vom 19. November 2013 zur Festsetzung der Fangmöglichkeiten für bestimmte Fischbestände und Bestandsgruppen in der Ostsee für das Jahr 2014europa.eu
[736]ICES2014Report of the Baltic Fisheries Assessment Working Group (WGBFAS), 3-10 April 2014, ICES HQ, Copenhagen, Denmark. ICES CM 2014/ACOM:10. 834 pp.ices.dk
[742]ICES2014Report of the Advisory Committee, 2014. Book 8. Baltic Sea. 8.3.15. Plaice in Subdivision 24-32 (Baltic Sea)ices.dk