Bestandsdatenblatt

Scholle in Kattegat, Belten und Sund (21-23)

Gültig 06/2012 - 06/2013

Scholle in Kattegat, Belten und Sund (21-23)

gültig 06/2012 - 06/2013

Zugehörige Fischart

Scholle

Allgemeine Informationen


Ökoregion:Ostsee
Fanggebiet:Ostsee (22-32), Kattegat/Skagerrak (3.a) FAO 27
Art:Pleuronectes platessa

Wissenschaftliche Begutachtung

Internationaler Rat für Meeresforschung (ICES), Kopenhagen, www.ices.dk

Methode, Frequenz

Die Berechnung für diesen neu definierten Bestand ist noch in der Entwicklung und daher vorläufig und sehr unsicher. In die Berechnung gehen die Daten von vier unabhängigen Forschungsreisen ein. Referenzpunkte sind nicht definiert. Es wird eine nummerische Fangempfehlung gegeben, die auf den Anlandedaten unter Berücksichtigung des MSY-Konzeptes (maximaler nachhaltiger Dauerertrag, Fmsy der Nordsee-Scholle als Vorgabe) basiert. [478] [479] [480]

Wesentliche Punkte

2012: Die Schollen-Bestände in der Ostsee wurden neu definiert, dieser Bestand (Gebiete 21-23) wird nun getrennt von Ostsee-Scholle (24-32) und Skagerrak-Scholle (20) begutachtet. Die Biomasse dieses Bestandes ist in den letzten Jahren gestiegen und die fischereiliche Sterblichkeit hat den niedrigsten Wert der kurzen Zeitreihe erreicht. [478] [479]

Bestands­zustand

Laicherbiomasse (Reproduktionskapazität)

  unbekannt (nach Vorsorgeansatz)

  unbekannt (nach Managementplan)

  unbekannt (nach höchstem Dauerertrag)

 

Fischereiliche Sterblichkeit
 

  unbekannt (nach Vorsorgeansatz)

  unbekannt (nach Managementplan)

  unbekannt (nach höchstem Dauerertrag)

 

Bestands­entwicklung

Informationen zu Laicherbiomasse, fischereilicher Sterblichkeit und Nachwuchsproduktion liegen vor, sind aber aufgrund der kurzen Zeitreihe sehr unsicher. Die Biomasse ist seit 2009 gestiegen und die fischereiliche Sterblichkeit sinkt seit 2007. Sie hat 2011 den niedrigsten Wert der kurzen Zeitreihe erreicht. [479]

Ausblick

Die fischereiliche Sterblichkeit für diesen Bestand muss noch weiter gesenkt werden, um das MSY-Ziel bis 2015 zu erreichen. Die Fangmöglichkeiten müssen dafür aber nicht weiter reduziert werden. Die bisherige Höchstfangmenge (TAC) für die Gebiete 22-32 gilt nun für zwei Bestände, die mögliche Entnahme hängt also auch von den Fängen des zweiten Bestandes ab. [381] [479]

Umwelt­einflüsse auf den Bestand

Die Wachstumsmuster von Schollen sind in diesem Gebiet unter anderem wegen der großen lokalen Unterschiede in den hydrographischen Bedingungen sehr variabel. [479] [480]

Wer und Wie

Die Bewirtschaftung dieses Bestandes erfolgt zurzeit über eine Begrenzung der Anlandemenge (TAC) für die gesamte Ostsee (EU-Gewässer der ICES-Gebiete 22-32) und einen TAC im Kattegat (ICES-Gebiet 21). Es gibt verschiedene Regularien zum Schutz des Dorsch-Bestandes im Kattegat (vor allem Aufwandsbeschränkungen), in Folge derer die gemischte Fischerei mit Grundschleppnetzen (Maschenweite größer 100 mm) in diesem Gebiet stark eingeschränkt ist. Das Management erfolgt außerdem durch technische EU-Verordnungen (z.B. Maschenweiten) und die jeweiligen Landesregeln (z.B. Gebietsschließungen und Mindestanlandelängen). [206] [380] [381] [479]

Differenz zwischen Wissen­schaft und Management

Für diesen neu definierten Bestand wurde bisher keine Fangempfehlung gegeben. Ein Vergleich zwischen Wissenschaft und Management kann daher noch nicht stattfinden. Die Fangempfehlung für diesen Bestand bezieht sich auf Scholle in den Gebieten 21-23, die Höchstfangmenge für die Gebiete 22-32 deckt aber auch das Verbreitungsgebiet der Ostsee-Scholle ab. Eine Zuordnung zu den Beständen wird unter diesen Umständen schwierig werden, wenn das Management nicht die Bewirtschaftungsgebiete anpasst. [380] [381] [479]

Karten

Verbreitungsgebiet

Managementgebiet

Dieser Schollen-Bestand ist per Definition in den ICES-Gebieten 21-23, also in zwei verschiedenen Managementgebieten (Kattegat und Ostsee) verbreitet. Es wird eine Höchstfangmenge (TAC) für das Gebiet 21 (Kattegat) festgelegt. Ein weiterer TAC umfasst die gesamte restliche Ostsee (EU-Gewässer der ICES-Gebiete 22-32). Verbreitungs- und Managementgebiet stimmen ab 2013 nicht überein. [380] [381] [479]

Anlandungen und TACs (in 1.000 t)

Gesamtfang2011: Anlandungen: 1,6; davon 87% mit aktiven Fanggeräten (Grundschleppnetze), 11% mit passiven Fanggeräten (z.B. Stellnetze)
(Kattegat (21)/22-32)2010: 2,3/3,0 2011: 2,0/3,0 2012: 2,0/2,9 [380] [381] [479]

IUU-Fischerei

Es gibt keine Hinweise auf illegale oder unberichtete Fänge von Scholle aus der Ostsee. [479]

Struktur und Fangmethode

Dieser Schollen-Bestand wird ganzjährig gefischt, hauptsächlich aber vom Winter bis ins Frühjahr. Im Kattegat (ICES-Gebiet 21) ist Scholle fast ausschließlich Beifang in der Fischerei auf Kaisergranat und Seezunge. In der Beltsee (ICES-Gebiet 22) wird sie vorwiegend in einer gemischten Fischerei mit Dorsch gefangen. Hauptfangnation ist Dänemark, gefolgt von Deutschland, außerdem landet Schweden Scholle aus diesem Bestand an. Die deutsche Flotte hat 2011 310 t Scholle aus dem ICES-Gebiet 22 angelandet, aus Gebiet 21 kamen dieses Jahr keine Fänge (vorl. Zahlen). Die Anlandungen aus der westlichen Ostsee waren bislang für die deutsche Flotte durch die Quote stark limitiert, während die dänische Fischerei ihre Quote nicht ausgefischt hat. [479]

Beifänge und Rückwürfe

Scholle ist selbst zum Teil Beifang. Vollständige Daten über Rückwürfe liegen nicht vor. Rückwürfe aus dem vormals definierten Bestand der Kattegat/Skagerrak-Scholle (ICES-Gebiete 20 und 21) betrugen auf das Gewicht bezogen 15-25%. [479]

Einflüsse der Fischerei auf die Umwelt

Durch den Einsatz von Grundschleppnetzen kann der Meeresboden geschädigt werden. Artenzusammensetzung, Biomasse und Nahrungsgefüge können sich erheblich verändern. Der Einsatz von Baumkurren ist im Kattegat und der Ostsee verboten. Potentiell problematisch können Beifänge von Seevögeln und Meeressäugern in Stellnetzen sein. [30] [97] [208]

Biologische Besonder­heiten

Da die definierten Bestandsgrenzen nicht mehr angemessen waren, wurde eine neue Definition der Bestände vorgenommen. Zwischen den einzelnen Gebieten gibt es eine umfangreiche Verbindung durch Laichwanderungen, Larvendrift und die anschließende Heimkehr von Jungtieren. Das Ausmaß der Vermischung mit den angrenzenden Beständen ist nicht bekannt. [478] [479]

Zusätzliche Informationen

Bei Einführung eines Anlandegebotes könnten die in einigen Fischereien limitierenden Schollenquoten ein Ausfischen der Dorschquote erschweren.
Das Kattegat hat verschiedene Gebietsbezeichnungen. Aus „Ostseesicht“ wird es, basierend auf der Klassifikation der Internationalen Ostsee-Fischerei Kommission als ICES-Gebiet 21 bezeichnet. Analog zu den übrigen ICES-Gebieten lautet die Bezeichnung auch IIIa Süd. Das Skagerrak wird entsprechend als ICES-Gebiet 20, bzw. IIIa Nord bezeichnet. [479]

Zertifizierte Fischereien

Bislang ist keine Fischerei auf Scholle in Kattegat, Belten und Sund nach einem der gängigen Nachhaltigkeitsstandards zertifiziert.

Soziale Aspekte

Die Fahrzeuge fahren unter den Flaggen der Anrainerstaaten, die Arbeitsbedingungen an Bord und die Entlohnung erfolgt daher nach deren Regeln. [12] [13]

AutorJahrTitelQuelle
[12]Europäische Gemeinschaften2009Die Gemeinsame Fischereipolitik. Ein Leitfaden für Benutzerec.europa.eu
[13]Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE)Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) Homepageble.de
[14]Fisch-Informationszentrum e.V. (FIZ)Fisch-Informationszentrum e.V. Homepagefischinfo.de
[30]Food and Agriculture Organization (FAO)FAO. © 2003-2010. Fisheries Topics: Technology. Fish capture technology. In: FAO Fisheries and Aquaculture Department [online]. Rome. Updated 2006 15 09.[Cited 10 June 2010]fao.org
[97]Zydelis R, Bellebaum J, Österblom H, Vetemaa M, Schirmeister B, Stipniece A, Dagys M, van Eerden M, Garthe S2009Bycatch in gillnet fisheries – An overlooked threat to waterbird populations Biological Conservation 142:1269–1281
[206]Europäische Union (EG)2005Verordnung (EG) Nr. 2187/2005 des Rates vom 21. Dezember 2005 mit technischen Maßnahmen für die Erhaltung der Fischereiressourcen in der Ostsee, den Belten und dem Öresund, zur Änderung der Verordnung (EG) Nr. 1434/98 und zur Aufhebung der Verordnung (EG) Nr. 88/98europa.eu
[208]Bellebaum, J2011Untersuchung und Bewertung des Beifangs von Seevögeln durch die passive Meeresfischerei in der Ostsee. BfN-Skripten 295 Bundesamt für Naturschutz, ISBN 978-3-89624-030-9, www.bfn.de
[380]Europäische Union2012Verordnung (EU) Nr. 44/2012 des Rates vom 17. Januar 2012 zur Festsetzung der Fangmöglichkeiten im Jahr 2012 in EU-Gewässern und für EU-Schiffe in bestimmten Nicht-EU-Gewässern für bestimmte, über internationale Verhandlungen und Übereinkünfte regulierte Fischbestände und Bestandsgruppeneuropa.eu
[381]Europäische Union2011Verordnung (EU) Nr. 1256/2011 des Rates vom 30. November 2011 zur Festsetzung der Fangmöglichkeiten für bestimmte Fischbestände und Bestandsgruppen in der Ostsee (2012) und zur Änderung der Verordnung (EU) Nr. 1124/2010europa.eu
[478]ICES2012Report of the Workshop on the Evaluation of Plaice Stocks (WKPESTO), 28 February - 1 March 2012, ICES Headquarters, Copenhagen. ICES CM 2012/ACOM:32. 59 pp.ices.dk
[479]ICES2012Report of the Advisory Committee, 2012. Book 8. Baltic Sea. 8.4.11. Plaice in Subdivisions 21, 22, and 23 (Kattegat, Belts, and Sound)ices.dk
[480]ICES2012Report of the Working Group on the Assessment of Demersal Stocks in the North Sea and Skagerrak (WGNSSK), 27 April - 3 May 2012, ICES Headquarters, Copenhagen. ICES CM 2012/ACOM:13. 19 pp. 7 Plaice in IIIaices.dk