Bestandsdatenblatt

Scholle in Kattegat, Belten und Sund (21-23)

Gültig 06/2013 - 06/2014

Scholle in Kattegat, Belten und Sund (21-23)

gültig 06/2013 - 06/2014

Zugehörige Fischart

Scholle

Allgemeine Informationen


Ökoregion:Ostsee
Fanggebiet:Ostsee (22-32), Kattegat/Skagerrak (3.a) FAO 27
Art:Pleuronectes platessa

Wissenschaftliche Begutachtung

Internationaler Rat für Meeresforschung (ICES), Kopenhagen, www.ices.dk

Methode, Frequenz

Die Berechnung für diesen neu definierten Bestand ist noch in der Entwicklung und daher vorläufig und unsicher. In die Berechnung gehen die Daten von vier unabhängigen Forschungsreisen ein. Als Referenzwert für die fischereiliche Sterblichkeit nach dem Konzept zur Erlangung des höchstmöglichen nachhaltigen Dauerertrages (Fmsy) dient hilfsweise der Fmsy-Wert für die Nordsee-Scholle. Es wird eine nummerische Fangempfehlung gegeben, die auf den Anlandedaten unter Berücksichtigung des MSY-Konzeptes basiert. [478] [621] [624]

Wesentliche Punkte

2013: Dieser Schollen-Bestand wurde erst 2012 definiert, und es bestehen noch Zweifel an der Gültigkeit der Definition. Die Biomasse ist in den letzten Jahren stark gestiegen und die fischereiliche Sterblichkeit hat den niedrigsten Wert der kurzen Zeitreihe erreicht. Sie liegt unter dem hilfsweise eingesetzten MSY-Referenzwert. [621] [624]

Bestands­zustand

Laicherbiomasse (Reproduktionskapazität)

  unbekannt (nach Vorsorgeansatz)

  unbekannt (nach Managementplan)

  unbekannt (nach höchstem Dauerertrag)

 

Fischereiliche Sterblichkeit
 

    unbekannt (nach Vorsorgeansatz)

  unbekannt (nach Managementplan)

    unbekannt (nach höchstem Dauerertrag)

 

Bestands­entwicklung

Informationen zu Laicherbiomasse, fischereilicher Sterblichkeit und Nachwuchsproduktion liegen vor, sind aber aufgrund der kurzen Zeitreihe sehr unsicher. Die Biomasse ist seit 2009 gestiegen und die fischereiliche Sterblichkeit sinkt seit 2007. Sie hat 2012 den niedrigsten Wert der kurzen Zeitreihe erreicht und liegt unter dem hilfsweise verwendeten Referenzwert zur Erlangung des höchstmöglichen nachhaltigen Dauerertrages (Fmsy). [624]

Ausblick

Die fischereiliche Sterblichkeit für diesen Bestand entspricht offenbar bereits dem MSY-Ziel. Die Anlandungen aus diesem Bestand können daher steigen. Die bisherige Höchstfangmenge (TAC) für die Gebiete 22-32 gilt nun für zwei Bestände, die mögliche Entnahme hängt also auch von den Fängen des zweiten Bestandes ab. [624]

Umwelt­einflüsse auf den Bestand

Das Wachstum von Schollen ist in diesem Gebiet unter anderem wegen der großen lokalen Unterschiede in den hydrographischen Bedingungen sehr variabel. [624]

Wer und Wie

Die Bewirtschaftung dieses Bestandes erfolgt zurzeit über eine Begrenzung der Anlandemenge (TAC) für die gesamte Ostsee (EU-Gewässer der ICES-Gebiete 22-32) und einen TAC im Kattegat (ICES-Gebiet 21). Es gibt verschiedene Regularien zum Schutz des Dorsch-Bestandes im Kattegat (vor allem Aufwandsbeschränkungen), in deren Folge die gemischte Fischerei mit Grundschleppnetzen (Maschenweite größer 100mm) in diesem Gebiet stark eingeschränkt ist. Das Management erfolgt außerdem durch technische EU-Verordnungen (z.B. Maschenweiten und Mindestanlandelängen und die jeweiligen Landesregeln (z.B. saisonale Gebietsschließungen). [206] [621] [624]

Differenz zwischen Wissen­schaft und Management

Fangempfehlung und implementierte Höchstfangmengen (TACs) beziehen sich auf unterschiedliche Gebiete. Der TAC für das Kattegat ist bereits so hoch wie die Empfehlung für das viel größere Gebiet 21-23. 2012 wurde der TACs nicht ausgefischt. Die Fangempfehlung für diesen Bestand bezieht sich auf Scholle in den Gebieten 21-23, die Höchstfangmenge für die Gebiete 22-32 deckt aber auch das Verbreitungsgebiet der Ostsee-Scholle ab. [594] [620] [624]

Karten

Verbreitungsgebiet

Managementgebiet

Dieser Schollen-Bestand ist per Definition in den ICES-Gebieten 21-23, also in zwei verschiedenen Managementgebieten (Kattegat und Ostsee) verbreitet. Es wird eine Höchstfangmenge (TAC) für das Gebiet 21 (Kattegat) festgelegt, ein weiterer TAC umfasst die gesamte restliche Ostsee (EU-Gewässer der ICES-Gebiete 22-32). Verbreitungs- und Managementgebiet stimmen seit 2013 nicht mehr überein. [594] [620] [624]

Anlandungen und TACs (in 1.000 t)

Gesamtfang2012: Anlandungen: 1,9; davon 65% mit aktiven Fanggeräten (Grundschleppnetze), 33% mit passiven Fanggeräten (z.B. Stellnetze); Rückwürfe etwa 0,8 (hauptsächlich aus aktiver Fischerei)
(Kattegat (21)/22-32)2010: 2,3/3,0 2011: 2,0/3,0 2012: 2,0/2,9 2013: 1,8/3,4 [594] [620] [624]

IUU-Fischerei

Es gibt keine Hinweise auf illegale oder unberichtete Fänge von Scholle aus der Ostsee. [624]

Struktur und Fangmethode

Dieser Schollen-Bestand wird ganzjährig gefischt, hauptsächlich aber vom Winter bis ins Frühjahr. Scholle wird in der gemischten Fischerei mit Dorsch sowie als Beifang in der Fischerei auf Kaisergranat und Seezunge in Gebiet 21 gefangen, ist aber auch Zielart einer gerichteten Fischerei. Hauptfangnation ist Dänemark (das auch die höchste Quote erhält, diese in den vergangenen Jahren aber nur selten ausgefischt hat), gefolgt von Deutschland und Schweden (für die die Quoten limitierend sind). Die deutsche Flotte hat 2012 365 t Scholle aus dem ICES-Gebiet 22 angelandet. [621] [624]

Beifänge und Rückwürfe

Scholle ist selbst zum Teil Beifang. Die Menge der Rückwürfe ist sehr hoch, vor allem wegen der bisweilen stark limitierenden Quoten. Vollständige Daten liegen noch nicht vor. 2012 wurden etwa 800 t Scholle aus diesem Bestand zurückgeworfen. [621] [624]

Einflüsse der Fischerei auf die Umwelt

Durch den Einsatz von Grundschleppnetzen kann der Meeresboden geschädigt werden. Artenzusammensetzung, Biomasse und Nahrungsgefüge können sich erheblich verändern. In ICES-Gebiet 23 (Sund) ist der Einsatz von Schleppnetzen aufgrund des hohen Schiffverkehrs fast gänzlich verboten. Potentiell problematisch können Beifänge von Seevögeln und Meeressäugern in Stellnetzen sein. Der Einsatz von Baumkurren ist im Kattegat und der Ostsee verboten. [30] [97] [208] [621]

Biologische Besonder­heiten

Da die definierten Bestandsgrenzen nicht mehr angemessen waren, wurde eine neue Definition der Bestände vorgenommen. Zwischen den einzelnen Gebieten gibt es eine umfangreiche Verbindung durch Laichwanderungen, Larvendrift und die anschließende Heimkehr von Jungtieren. Das Ausmaß der Vermischung mit den angrenzenden Beständen ist nicht bekannt. Die Bestandsdefinition wird 2014 erneut grundlegend überprüft. [621] [624]

Zusätzliche Informationen

Bei Einführung eines Anlandegebotes könnten die in einigen Fischereien limitierenden Schollenquoten ein Ausfischen der Dorschquote erschweren.
Das Kattegat hat verschiedene Gebietsbezeichnungen. Aus „Ostseesicht“ wird es, basierend auf der Klassifikation der Internationalen Ostsee-Fischerei Kommission als ICES-Gebiet 21 bezeichnet. Analog zu den übrigen ICES-Gebieten lautet die Bezeichnung auch IIIa Süd. Das Skagerrak wird entsprechend als ICES-Gebiet 20, bzw. IIIa Nord bezeichnet. [624]

Zertifizierte Fischereien

Bislang ist keine Fischerei auf Scholle in Kattegat, Belten und Sund nach einem der gängigen Nachhaltigkeitsstandards zertifiziert.

Soziale Aspekte

Die Fahrzeuge fahren unter den Flaggen der Anrainerstaaten, die Arbeitsbedingungen an Bord und die Entlohnung erfolgt daher nach deren Regeln. [12] [13]

AutorJahrTitelQuelle
[12]Europäische Gemeinschaften2009Die Gemeinsame Fischereipolitik. Ein Leitfaden für Benutzerec.europa.eu
[13]Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE)Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) Homepageble.de
[14]Fisch-Informationszentrum e.V. (FIZ)Fisch-Informationszentrum e.V. Homepagefischinfo.de
[30]Food and Agriculture Organization (FAO)FAO. © 2003-2010. Fisheries Topics: Technology. Fish capture technology. In: FAO Fisheries and Aquaculture Department [online]. Rome. Updated 2006 15 09.[Cited 10 June 2010]fao.org
[97]Zydelis R, Bellebaum J, Österblom H, Vetemaa M, Schirmeister B, Stipniece A, Dagys M, van Eerden M, Garthe S2009Bycatch in gillnet fisheries – An overlooked threat to waterbird populations Biological Conservation 142:1269–1281
[206]Europäische Union (EG)2005Verordnung (EG) Nr. 2187/2005 des Rates vom 21. Dezember 2005 mit technischen Maßnahmen für die Erhaltung der Fischereiressourcen in der Ostsee, den Belten und dem Öresund, zur Änderung der Verordnung (EG) Nr. 1434/98 und zur Aufhebung der Verordnung (EG) Nr. 88/98europa.eu
[208]Bellebaum, J2011Untersuchung und Bewertung des Beifangs von Seevögeln durch die passive Meeresfischerei in der Ostsee. BfN-Skripten 295 Bundesamt für Naturschutz, ISBN 978-3-89624-030-9, www.bfn.de
[478]ICES2012Report of the Workshop on the Evaluation of Plaice Stocks (WKPESTO), 28 February - 1 March 2012, ICES Headquarters, Copenhagen. ICES CM 2012/ACOM:32. 59 pp.ices.dk
[594]Europäische Union (EU)2013Verordnung (EU) Nr. 40/2013 des Rates vom 21. Januar 2013 zur Festsetzung der Fangmöglichkeiten im Jahr 2013 in EU-Gewässern und für EU-Schiffe in bestimmten Nicht-EU-Gewässern für bestimmte, über internationale Verhandlungen und Übereinkünfte regulierte Fischbestände und Bestandsgruppeneuropa.eu
[620]Europäische Union (EU)2012Verordnung (EU) Nr. 1088/2012 des Rates vom 20. November 2012 zur Festsetzung der Fangmöglichkeiten für bestimmte Fischbestände und Bestandsgruppen in der Ostsee (2013)europa.eu
[621]ICES2013Report of the Baltic Fisheries Assessment Working Group (WGBFAS), 10 - 17 April 2013, ICES Headquarters, Copenhagen. ICES CM 2013/ACOM:10. 738 pp.ices.dk
[624]ICES2013Report of the Advisory Committee, 2013. Book 8. Baltic Sea. 8.4.11. Plaice in Subdivisions 21-23 (Kattegat, Belts and Sound)ices.dk