Bestandsdatenblatt

Scholle in Kattegat, Belten und Sund (21-23)

Gültig 05/2014 - 05/2015

Scholle in Kattegat, Belten und Sund (21-23)

gültig 05/2014 - 05/2015

Zugehörige Fischart

Scholle

Allgemeine Informationen


Ökoregion:Ostsee
Fanggebiet:Ostsee (22-32), Kattegat/Skagerrak (3.a) FAO 27
Art:Pleuronectes platessa

Wissenschaftliche Begutachtung

Internationaler Rat für Meeresforschung (ICES), Kopenhagen, www.ices.dk

Methode, Frequenz

Die Berechnung für diesen relativ neu definierten Bestand ist noch in der Entwicklung und daher unsicher und zeigt nur Trends auf. In die Berechnung gehen Fangdaten und die Daten von vier unabhängigen wissenschaftlichen Forschungsreisen ein. Als Referenzwert für die fischereiliche Sterblichkeit nach dem Konzept zur Erlangung des höchstmöglichen nachhaltigen Dauerertrages (Fmsy) dient hilfsweise der Wert für die Nordsee-Scholle. Es wird eine nummerische Fangempfehlung gegeben, die auf dem Biomasseindex und den Anlandedaten unter Berücksichtigung des MSY-Konzeptes basiert. [478] [736] [743]

Wesentliche Punkte

2014: Die Biomasse dieses Bestandes ist in den letzten Jahren stark gestiegen (2012-2013 129% höher als in den vorangegangenen drei Jahren (2009-2011)) und die fischereiliche Sterblichkeit hat den niedrigsten Wert der kurzen Zeitreihe erreicht. Sie liegt unter dem hilfsweise eingesetzten MSY-Referenzwert. Die Trennung in zwei Schollenbestände der Ostsee (21-23 und 24-32) ist noch immer vorläufig. [736] [743]

Bestands­zustand

Laicherbiomasse (Reproduktionskapazität)

  unbekannt (nach Vorsorgeansatz)

  unbekannt (nach Managementplan)

  unbekannt (nach höchstem Dauerertrag)

 

Fischereiliche Sterblichkeit
 

    unbekannt (nach Vorsorgeansatz)

  unbekannt (nach Managementplan)

    unbekannt (nach höchstem Dauerertrag)

 

Bestands­entwicklung

Informationen zu Laicherbiomasse, fischereilicher Sterblichkeit und Nachwuchsproduktion liegen vor, sind aber nur relativ und aufgrund der kurzen Zeitreihe sehr unsicher. Die Biomasse ist seit 2009 deutlich gestiegen. Die fischereiliche Sterblichkeit sinkt seit 2007. Sie hat 2013 den niedrigsten Wert der kurzen Zeitreihe erreicht und liegt unter dem hilfsweise verwendeten Referenzwert zur Erlangung des höchstmöglichen nachhaltigen Dauerertrages (Fmsy). [736] [743]

Ausblick

Die fischereiliche Sterblichkeit für diesen Bestand liegt offenbar bereits unter dem MSY-Ziel. Die Anlandungen aus diesem Bestand können daher steigen. Die Einführung eines Anlandegebotes in der Ostsee ab 2015 (und im Kattegatt etwas später) wird vermutlich die Rückwürfe und damit die Fangmenge reduzieren und mittelfristig die Bestandsituation weiter verbessern, also auch für noch bessere Fangmöglichkeiten sorgen. [743]

Umwelt­einflüsse auf den Bestand

Das Wachstum von Schollen ist in diesem Gebiet unter anderem wegen der großen lokalen Unterschiede in den hydrographischen Bedingungen sehr variabel. [743]

Wer und Wie

Die Bewirtschaftung dieses Bestandes erfolgt zurzeit über eine Begrenzung der Anlandemenge (TAC) für die gesamte Ostsee (EU-Gewässer der ICES-Gebiete 22-32) und einen TAC im Kattegat (ICES-Gebiet 21). Es gibt verschiedene Regularien zum Schutz des Dorsch-Bestandes im Kattegat (vor allem Aufwandsbeschränkungen), in deren Folge die gemischte Fischerei mit Grundschleppnetzen (Maschenweite größer 100mm) in diesem Gebiet stark eingeschränkt ist. Das Management erfolgt außerdem durch technische EU-Verordnungen (z.B. Maschenweiten und Mindestanlandelängen und die jeweiligen Landesregeln (z.B. saisonale Gebietsschließungen). [206] [736] [743]

Differenz zwischen Wissen­schaft und Management

Nach der vorläufigen Unterteilung der Schollen in diesem Gebiet in zwei neue Bestände ab 2013 beziehen sich Fangempfehlung und implementierte Höchstfangmengen (TACs) auf unterschiedliche Gebiete. Der TAC für das Kattegat ist 2014 bereits fast so hoch wie die Empfehlung für das viel größere Gesamt-Gebiet 21-23. 2013 wurde der Kattegat-TAC nicht annähernd ausgefischt. Die Gesamtanlandungen aus diesem Bestand lagen 2013 leicht über der wissenschaftlichen Empfehlung. Die Fangempfehlung für diesen Bestand bezieht sich auf Scholle in den Gebieten 21-23, die Höchstfangmenge für die Gebiete 22-32 deckt aber auch das Verbreitungsgebiet der Ostsee-Scholle ab. [710] [733] [743]

Karten

Verbreitungsgebiet

Managementgebiet

Dieser Schollen-Bestand ist per (vorläufiger) Definition in den ICES-Gebieten 21-23, also derzeit in zwei verschiedenen Managementgebieten (Kattegat und Ostsee) verbreitet. Es wird eine Höchstfangmenge (TAC) für das Gebiet 21 (Kattegat) festgelegt, ein weiterer TAC umfasst die gesamte restliche Ostsee (EU-Gewässer der ICES-Gebiete 22-32). Verbreitungs- und Managementgebiet stimmen seit 2013 nicht mehr überein. [710] [733] [743]

Anlandungen und TACs (in 1.000 t)

Gesamtfang2013: 3,4; Anlandungen: 2,0; davon 62% mit aktiven Fanggeräten (Grundschleppnetze), 38% mit passiven Fanggeräten (z.B. Stellnetze); Rückwürfe 1,4 (99% in aktiver Fischerei)
(Kattegat (21)/22-32)2010: 2,3/3,0 2011: 2,0/3,0 2012: 2,0/2,9 2013: 1,8/3,4
2014: 2,2/3,4 [710] [733] [743]

IUU-Fischerei

Es gibt keine Hinweise auf illegale oder unberichtete Fänge von Scholle aus diesem Bestand. [736] [743]

Struktur und Fangmethode

Dieser Schollen-Bestand wird ganzjährig gefischt, hauptsächlich aber vom Winter bis ins Frühjahr. Scholle wird in der gemischten Fischerei mit Dorsch sowie als Beifang in der Fischerei auf Kaisergranat und Seezunge in Gebiet 21 gefangen, ist aber auch Zielart einer gerichteten Fischerei. Hauptfangnation ist Dänemark (das auch die höchste Quote erhält, diese in den vergangenen Jahren aber nur selten ausgefischt hat), gefolgt von Deutschland und Schweden (für die die Quoten limitierend sind). Die deutsche Flotte hat 2013 319 t Scholle aus dem ICES-Gebiet 22 angelandet. [736] [743]

Beifänge und Rückwürfe

Scholle ist selbst zum Teil Beifang. Die Menge der Rückwürfe ist sehr hoch, vor allem wegen der bisweilen stark limitierenden Quoten. 2013 betrug der Rückwurf von Schollen aus diesem Bestand etwa 42% des Gesamtfanges (bezogen aufs Gewicht). Die Rückwürfe entstehen vor allem Gebiet 22 in Zusammenhang mit der Dorschfischerei im ersten Quartal und im Kattegat bei der Kaisergranat-Seezungen-Fischerei im dritten Quartal. Es ist noch nicht absehbar, wie sich diese Zahlen nach Einführung eines Anlandegebotes in der Ostsee verändern. Insbesondere ist unklar, ob Scholle in den Gebieten 22 und 23 schon ab 2015 unter dieses Gebot fällt. Wie viele Fische den Rückwurf überleben, ist nicht klar, die Überlebensraten dürften aber höher als Null sein. [736] [743]

Einflüsse der Fischerei auf die Umwelt

Durch den Einsatz von Grundschleppnetzen können Bodenlebensgemeinschaften geschädigt werden. Artenzusammensetzung, Biomasse und Nahrungsgefüge können sich erheblich verändern. In ICES-Gebiet 23 (Sund) ist der Einsatz von Schleppnetzen aufgrund des hohen Schiffverkehrs fast gänzlich verboten. Potentiell problematisch können Beifänge von Seevögeln und Meeressäugern in Stellnetzen sein. Der Einsatz von Baumkurren ist im Kattegat und der Ostsee verboten. [30] [97] [208] [736] [743]

Biologische Besonder­heiten

Da die definierten Bestandsgrenzen für Schollen in der Ostsee nicht mehr angemessen erschienen, wurden diese 2012 neu definiert. Im Jahr 2015 wird die Einteilung erneut überprüft, bis dahin gilt sie als vorläufig. Zwischen den einzelnen Gebieten gibt es eine umfangreiche Verbindung durch Laichwanderungen, Larvendrift und die anschließende Heimkehr von Jungtieren. Das Ausmaß der Vermischung mit den angrenzenden Beständen ist nicht bekannt. [736] [743]

Zusätzliche Informationen

Bei Einführung eines Anlandegebotes könnten die in einigen Fischereien limitierenden Schollenquoten ein Ausfischen der Dorschquote erschweren. Auch aus diesem Grunde gibt es Überlegungen, Schollen noch ein Jahr vom Anlandegebot auszunehmen, obwohl sie quotiert sind und damit in der Ostsee automatisch nicht mehr verworfen werden dürften.
Das Kattegat hat verschiedene Gebietsbezeichnungen. Aus „Ostseesicht“ wird es, basierend auf der Klassifikation der Internationalen Ostsee-Fischerei Kommission als ICES-Gebiet 21 bezeichnet. Analog zu den übrigen ICES-Gebieten lautet die Bezeichnung auch IIIa Süd. Das Skagerrak wird entsprechend als ICES-Gebiet 20, bzw. IIIa Nord bezeichnet. [736] [743]

Zertifizierte Fischereien

Bislang ist keine Fischerei auf Scholle in Kattegat, Belten und Sund nach einem der gängigen Nachhaltigkeitsstandards zertifiziert.

Soziale Aspekte

Die Fahrzeuge fahren unter den Flaggen der Anrainerstaaten, die Arbeitsbedingungen an Bord und die Entlohnung erfolgt daher nach deren Regeln. [12] [13]

AutorJahrTitelQuelle
[12]Europäische Gemeinschaften2009Die Gemeinsame Fischereipolitik. Ein Leitfaden für Benutzerec.europa.eu
[13]Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE)Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) Homepageble.de
[14]Fisch-Informationszentrum e.V. (FIZ)Fisch-Informationszentrum e.V. Homepagefischinfo.de
[30]Food and Agriculture Organization (FAO)FAO. © 2003-2010. Fisheries Topics: Technology. Fish capture technology. In: FAO Fisheries and Aquaculture Department [online]. Rome. Updated 2006 15 09.[Cited 10 June 2010]fao.org
[97]Zydelis R, Bellebaum J, Österblom H, Vetemaa M, Schirmeister B, Stipniece A, Dagys M, van Eerden M, Garthe S2009Bycatch in gillnet fisheries – An overlooked threat to waterbird populations Biological Conservation 142:1269–1281
[206]Europäische Union (EG)2005Verordnung (EG) Nr. 2187/2005 des Rates vom 21. Dezember 2005 mit technischen Maßnahmen für die Erhaltung der Fischereiressourcen in der Ostsee, den Belten und dem Öresund, zur Änderung der Verordnung (EG) Nr. 1434/98 und zur Aufhebung der Verordnung (EG) Nr. 88/98europa.eu
[208]Bellebaum, J2011Untersuchung und Bewertung des Beifangs von Seevögeln durch die passive Meeresfischerei in der Ostsee. BfN-Skripten 295 Bundesamt für Naturschutz, ISBN 978-3-89624-030-9, www.bfn.de
[478]ICES2012Report of the Workshop on the Evaluation of Plaice Stocks (WKPESTO), 28 February - 1 March 2012, ICES Headquarters, Copenhagen. ICES CM 2012/ACOM:32. 59 pp.ices.dk
[710]Europäische Union (EU)2014Verordnung (EU) Nr. 43/2014 des Rates vom 20. Januar 2014 zur Festsetzung der Fangmöglichkeiten für bestimmte Fischbestände und Bestandsgruppen in den Unionsgewässern sowie für Unionsschiffe in bestimmten Nicht-Unionsgewässern (2014)europa.eu
[733]Europäische Union (EU)2014Verordnung (EU) Nr. 1180/2013 des Rates vom 19. November 2013 zur Festsetzung der Fangmöglichkeiten für bestimmte Fischbestände und Bestandsgruppen in der Ostsee für das Jahr 2014europa.eu
[736]ICES2014Report of the Baltic Fisheries Assessment Working Group (WGBFAS), 3-10 April 2014, ICES HQ, Copenhagen, Denmark. ICES CM 2014/ACOM:10. 834 pp.ices.dk
[743]ICES2014Report of the Advisory Committee, 2014. Book 8. Baltic Sea. 8.3.14. Plaice in Subdivision 21-23 (Kattegat, Belts, and Sound)ices.dk