Bestandsdatenblatt

Island-Seelachs

Gültig 06/2022 - 06/2023

Island-Seelachs

gültig 06/2022 - 06/2023

Zum aktuellen Bestandsdatenblatt

Zugehörige Fischart

Seelachs

Allgemeine Informationen

Ökoregion:Islandschelf
Fanggebiet:Island (5.a) FAO 27 (Nordostatlantik)
Art:Pollachius virens

Wissenschaftliche Begutachtung

Internationaler Rat für Meeresforschung (ICES), Kopenhagen, www.ices.dk und Hafrannsóknastofnun (Isländisches Meeres- und Süsswasserforschungsinstitut, MFRI), Reykjavik, www.hafogvatn.is

Methode, Frequenz

Jährliche analytische Bestandsberechnung mit Vorhersage unter Verwendung von Anlandedaten und einer wissenschaftlichen Forschungsreise (Frühjahrssurvey). Die Bestandberechnung ist eher unsicher, unter anderem weil die Daten aus den Forschungsreisen stark schwanken. Neben den ICES-Empfehlungen gibt es die des Isländischen Meeres- und Süsswasserforschungsinstitutes (MFRI). 2020 forderte die isländische Regierung keine Fangempfehlung des ICES an, aber eine des MFRI. Die Referenzwerte für den höchstmöglichen nachhaltigen Dauerertrag (MSY-Btrigger und HRmsy für die Nutzungsrate („Harvest rate“, HR)) sind definiert. Die Referenzwerte nach Vorsorgeansatz sind ebenfalls festgelegt (Bpa, Blim, HRpa, HRlim). Basis für die Fangempfehlung ist der Managementplan. [41] [1371] [1373]

Wesentliche Punkte

2022: In der aktuellen Bestandsberechnung erscheint die Laicherbiomasse von Island-Seelachs, auch einige Jahre rückwirkend, niedriger als in den Berechnungen der letzten Jahre. Ursache sind niedrigere Biomassewerte in den diesjährigen Forschungsreisen. Die Laicherbiomasse liegt aber noch weit im grünen Bereich. Der Fischereidruck (hier Nutzungsrate, „Harvest rate“, HR) ist gestiegen und liegt nun knapp über den Referenzwerten des Konzeptes zur Erlangung des höchstmöglichen nachhaltigen Dauerertrages und des Managementplanes (HRmsy & HRmgmt). [1371] [1373]

Bestands­zustand

Laicherbiomasse (Reproduktionskapazität)

  volle Reproduktionskapazität (nach Vorsorgeansatz)

  über dem Grenzwert (nach Managementplan)
 

  innerhalb der Schwankungsbreite um den Zielwert (nach höchstem Dauerertrag)

Fischereiliche Sterblichkeit

  nachhaltig bewirtschaftet (nach Vorsorgeansatz)
 

  außerhalb der Schwankungsbreite um den Zielwert (nach Managementplan)

  übernutzt (nach höchstem Dauerertrag)

Als Maß für den Fischereidruck dient hier die Nutzungsrate („Harvest rate“, HR), auf sie beziehen sich die Referenzwerte.

Bestands­entwicklung

Nach dem zweiten Weltkrieg war die Fischerei um Island von ausländischen Flotten dominiert. Deutsche Trawler haben vor allem Seelachs und Rotbarsch gefischt. Seit Ausweitung der ausschließlichen Wirtschaftszone (AWZ) in den 1970er Jahren fischen hier jedoch hauptsächlich isländische Schiffe. Die Anlandungen von Seelachs nahmen Mitte der 1980er Jahre bis 1991 zu, einhergehend mit steigender Nutzungsrate und ab Anfang der 1990er Jahre abnehmender Laicherbiomasse. Inzwischen ist die Laicherbiomasse aber wieder angewachsen und liegt weit im grünen Bereich. Die Nutzungsrate ist seit 2009 gesunken, in den letzten zwei Jahren aber gestiegen. Sie liegt nun wieder über den Referenzwerten des höchstmöglichen nachhaltigen Dauerertrages (HRmsy) und des Managementplanes (Hmgmt). Besonders stark war zuletzt der 2012er Jahrgang (in der Grafik 2015, da Nachwuchsproduktion im Alter 3), 2015 war schwach, alle übrigen Jahrgänge zwischen 2006 und 2018 lagen nah am Mittelwert. [41] [42] [1371] [1373]

Ausblick

Die Laicherbiomasse von Island-Seelachs liegt weit im grünen Bereich, der Fischereidruck ist nun aber etwas zu hoch. Die Höchstfangmengen müssen daher etwas reduziert werden. In den letzten Jahren wurden die erlaubten Höchstfangmengen aber nicht ausgefischt und die tatsächlichen Anlandungen lagen teilweise schon erheblich unter den derzeit empfohlenen Fangmengen.
Die längerfristige Entwicklung hängt davon ab wie sich die weitere, derzeitig stabile, Nachwuchsproduktion darstellt. [41] [1371] [1373]

Umwelt­einflüsse auf den Bestand

Der isländische Seelachs lebt nah an der nördlichen Verbreitungsgrenze dieser Art. Daher ist auch nur ein kleiner Teil des Bestandes in kälterem Wasser entlang der nördlichen und östlichen Küste zu finden. In wärmeren Jahren kann sich die Verteilung jedoch ändern, und in den letzten Jahren verlagerte sich die Fischerei weiter nach Norden. Abweichungen in der Verbreitung der großen pelagischen Bestände wie blauer Wittling und atlanto-skandischer Hering beeinflussen ebenfalls das Wanderverhalten des Seelachses. [1371] [1373]

Wer und Wie

Die isländische Fischerei wird vom dortigen Ministerium für Industrie und Innovation bewirtschaftet, das auch über die erlaubten Höchstfangmengen entscheidet. Die Entscheidungen stützen sich auf die Empfehlungen des Isländischen Meeres- und Süsswasserforschungsinstitutes (MFRI) und des ICES, unter Berücksichtigung von sozio-ökonomischen Aspekten. Die Quoten und Anlandungen werden auf ein Fischereijahr von September bis Ende August bezogen. Alle Anlandungen sind nur an lizensierten Anlandeplätzen möglich, werden zentral registriert und sind öffentlich für alle einsehbar. Das isländische Managementsystem basiert auf individuellen transferierbaren Quoten (ITQs), seit 1991 sind über 90 % der Fischereirechte handelbar. Seit Frühjahr 2013 ist für diesen Bestand ein Managementplan (Harvest Control Rule) in Kraft, der seitdem mehrfach modifiziert wurde (zuletzt 2019). Der Plan berücksichtigt u.a. die hohen Unsicherheiten in der Bestandsberechnung. Der ICES bewertet diesen Managementplan als in Übereinstimmung mit dem Vorsorgeansatz und dem Konzept des höchstmöglichen nachhaltigen Dauerertrages (MSY). Die Fischerei wird neben den Höchstfangmengen (TACs) über weitere Vorschriften wie minimale Maschenweiten und Gebietsschließungen reguliert. [41] [42] [1371] [1373]

Differenz zwischen Wissen­schaft und Management

Die wissenschaftlichen Empfehlungen des Isländischen Meeres- und Süsswasserforschungsinstitutes (MFRI) und des ICES sind seit 2010/11 identisch, zuvor gab es in einigen Jahren größere Abweichungen. Seit 2013/14 entsprechen die festgelegten Höchstfangmengen (TACs) der wissenschaftlichen Empfehlung, die auf dem Managementplan beruht. Zuvor lagen die TACs oft höher. Das TAC-System beinhaltet nicht die Fänge ausländischer Fahrzeuge im Rahmen bilateraler Abkommen (z.B. mit Norwegen und den Färöer-Inseln). Zu Überschreitungen kommt es trotzdem nicht: 2014/2015 bis 2018/2019 wurden etwa 90% des jeweiligen TACs ausgefischt, im Fischereijahr 2019/20 und 2020/21 nur 66% bzw. 72%. [41] [42] [1371] [1373]

Karten

Verbreitungsgebiet

Managementgebiet

Der Bestand ist auf dem gesamten Islandschelf verbreitet, die Höchstfangmengen werden für die isländische ausschließliche Wirtschaftszone festgelegt. Seelachs um Island wird als ein Bestand betrachtet, obwohl Markierungexperimente auf Zu- und in geringerem Maße Abwanderungen hinweisen. Verbreitungs- und Managementgebiet sind annähernd identisch. [42] [1371] [1373]

Anlandungen und legale Höchstfangmengen (TACs) (in 1.000 t)

GesamtfangKalenderjahr 2021: Anlandungen: 59,8; davon Grundschleppnetze 89%, Kiemennetze 5%, andere 6%
Fischereijahr 2020/21: 56,3
TACs2011/12: 52,0   2012/13: 50,0   2013/14: 57,0   2014/15: 58,0   2015/16: 55,0   2016/17: 55,0   2017/218: 60,2   2018/19: 79,1   2019/20: 80,6   2020/21: 78,6   2021/22: 77,6    [41] [42] [1371] [1373]

IUU-Fischerei

Es gibt keine Hinweise auf unberichtete oder illegale Fänge von Island-Seelachs. [41] [1371] [1373]

Struktur und Fangmethode

Isländischer Seelachs wird sowohl in einer gezielten Fischerei als auch gemischt mit Kabeljau und Schellfisch gefangen. Der größte Anteil entfällt auf Trawler (Frischfischanlandungen und Frosttrawler). Die Fischerei ist ganzjährig. Gefischt wird entlang des Kontinentalabhanges vor der Süd- und Westküste, seit 2012 werden 40-50% der Fänge im Nordwesten der Insel getätigt. [42] [1371] [1373]

Beifänge und Rückwürfe

Der Rückwurf von Fisch mit ökonomischem Wert ist in isländischen Gewässern verboten. Es gibt daher keine minimale Anlandelänge. Gebiete werden aber zeitnah für drei Wochen für die Fischerei geschlossen, wenn bei Inspektionen an Bord festgestellt wird, dass mehr als 25% des Fanges aus Tieren unter 55 cm besteht. Um Rückwürfe tatsächlich zu minimieren, ist etwas Flexibilität in der Quotennutzung erlaubt, außerdem werden kleine Fische nicht voll auf die Quote angerechnet. Die Rückwurfmengen von Island-Seelachs sind vernachlässigbar, es wird eine Rückwurfrate von 0,1% angenommen. Die nicht ausgefischte Höchstfangmenge macht Rückwürfe derzeit noch unwahrscheinlicher. Unerwünschte Beifänge sind in dieser Fischerei selten. [42] [1371] [1373]

Einflüsse der Fischerei auf die Umwelt

Durch den Einsatz von Grundschleppnetzen können Bodenlebensgemeinschaften geschädigt werden. Artenzusammensetzung, Biomasse und Nahrungsgefüge können sich erheblich verändern. Der Einfluss hängt aber auch von Fangmethode und Bodenstruktur ab. Auf sandigem Boden hat eine Studie in den USA nur einen geringen Einfluss durch Grundscherbrettnetze feststellen können. So waren zwar die Spuren der Scherbretter lange sichtbar (mindestens ein Jahr), es konnten aber kaum signifikante Unterschiede in der Mikrotopographie der befischten und unbefischten Gebiete nachgewiesen werden. Auch bei strukturformenden und mobilen Wirbellosen zeigten befischte und unbefischte Gebiete keine signifikanten Unterschiede. Einen negativen Effekt können Grundschleppnetze auf empfindliche Bodenlebewesen-Gemeinschaften haben, die auf Hartsubstrat vorkommen. Besonders empfindlich sind Schwämme und Kaltwasser-Korallen. Die Kartierung der empfindlichen Riffe schreitet voran und einige Gebiete um Island sind zum Schutz dieser Kaltwasser-Riffe für die Fischerei geschlossen. Beim Seelachsfang können die Netze allerdings fast ohne Grundberührung eingesetzt werden. Verlorengegangene Geräte wie Kiemennetze können für eine gewisse Zeit weiterfischen (ghost fishing). [30] [42] [83] [178] [808] [1371] [1373]

Biologische Besonder­heiten

Seelachs kommt auf dem gesamten isländischen Schelf vor, ist im kälteren Wasser nördlich und östlich der Insel aber seltener. Er ist ein schneller Schwimmer, der Wanderungen in Fraß- und Laichgebiete unternimmt. Markierungsexperimente ergaben auch weite Wanderungen zwischen Beständen, z.B. aus nördlicheren Gebieten nach Island und zu den Färöer Inseln. Seelachs kann sowohl in Bodennähe (demersal) als auch in der Wassersäule (pelagisch) angetroffen werden. [42] [107] [1371] [1373]

Zusätzliche Informationen

Seelachs gehört zu den fünf kommerziell wichtigsten Fischarten Islands. Der wichtigste Markt ist Deutschland, gefolgt von den Niederlanden. Beide Märkte werden vor allem mit gefrorenen Filets beliefert, wohingegen nach Spanien vor allem gesalzener und nach Nigeria Trockenfisch exportiert wird. [14] [42]

Zertifizierte Fischereien

Die isländische Fischerei auf Island-Seelachs ist nach den Standards des Marine Stewardship Councils (MSC) zertifiziert. Außerdem ist sie nach dem weniger anspruchsvollen regionalen Iceland Responsible Fisheries (IRF) Programm zertifiziert. [4] [260] Siehe
fisheries.msc.org/en/fisheries/isf-iceland-multi-species-demersal-fishery/@@view
www.responsiblefisheries.is/certification/certified-fisheries/saithe

Soziale Aspekte

Island gehört zu den größten Erzeugern von Fisch und Meeresfrüchten weltweit. Der Fischereisektor ist ungemein wichtig für das Land. Die Seelachsfischerei um Island wird hauptsächlich von Isländischen Schiffen betrieben, die Fangflotte besteht aus verschiedenen Fahrzeugtypen und –größen. [13] [42] [1371] [1373]

Marktdaten Seelachs (Pollachius virens, Köhler)

2022 (vorl.):Verbrauch in Deutschland: 16.930 t (2021: 16.532 t), Marktanteil (Fische, Krebse, Weichtiere): 1,5 % (2021: 1,5 %) [13] [14]

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Klassifizierung nach dem Ansatz des höchstmöglichen nachhaltigen Dauerertrages (MSY), durch den ICES bis 2020 oder analog zu dessen Einteilung:

SymbolBiomasseBewirtschaftung (fischereiliche Sterblichkeit)
innerhalb der Schwankungsbreite um den Zielwertangemessen oder unternutzt
außerhalb der Schwankungsbreite um den Zielwertübernutzt
Zustand unklar, Referenzpunkte nicht definiert und/oder unzureichende DatenZustand unklar, Referenzpunkte nicht definiert und/oder unzureichende Daten
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