Bestandsdatenblatt

Rotlachs (Sockeye salmon, Oncorhynchus nerka) Alaska

Gültig 03/2021 - 09/2022

Rotlachs (Sockeye salmon, Oncorhynchus nerka) Alaska

gültig 03/2021 - 09/2022

Allgemeine Informationen

Ökoregion:Golf von Alaska, Östliche Beringsee
Fanggebiet:Alaska FAO 67
Art:Oncorhynchus nerka

Generelle Information

Rotlachse (Oncorhynchus nerka) leben weit verbreitet im Nordpazifik. Hier werden die Rotlachs-Bestände entlang der Westküste Alaskas gemeinsam betrachtet. Es gibt hunderte von Rotlachspopulationen und -beständen in Alaska, da die Tiere ihren Geburtsflüssen bzw. –seen zugeordnet werden. Eine Lachspopulation ist die kleinste Einheit, eine als abgegrenzt identifizierbare Laicher-Ansammlung von genetisch ähnlichen Lachsen. Sie kann ein ganzer Bestand sein, oder nur eine Komponente eines Bestandes. Als Lachsbestand kann die gleiche kleine Einheit bezeichnet werden, aber auch eine Ansammlung von mehreren sich kreuzenden Gruppen, die im gleichen geographischen Gebiet vorkommen. Ein Bestand wird als eine Einheit bewirtschaftet. Die Bestände werden in regelmäßigen Abständen begutachtet, können hier aber nicht einzeln dargestellt werden. Wir nennen daher nur die Bestände, deren Bewirtschaftung laut jeweils aktuellster Begutachtung problematisch sein kann. [446] [538] [1331]

Wissenschaftliche Begutachtung

Alaska Department of Fish and Game (ADF&G), www.adfg.alaska.gov, für das Alaska Board of Fisheries (BOF), www.adfg.alaska.gov/index.cfm

Methode, Frequenz

Die Daten zum Zustand der Lachsbestände werden während des jährlichen Lachsaufstiegs ins Süßwasser („salmon run“) gewonnen. Für die Begutachtung der Bestände wird ermittelt, wie viele Lachse der Fischerei entkommen und zum Laichen in Flüsse und Seen gelangen, also die Größe des Laicherbestandes („salmon escapement“).
Mit der Information über die Menge der entkommenden Tiere (die Anzahl von Laichern) ist es möglich, Laicher-Nachwuchs-Beziehungen zu entwickeln. Damit kann die Stärke der nächsten Generation und die Menge der für den Fang verfügbaren Lachse vorhergesagt werden. Kenntnisse über die gesamte Menge an wandernden Lachsen (Entkommende plus Fang) sind erforderlich, um das Überleben und die Produktivität der letzten Generation zu berechnen und Trends in Häufigkeit und/oder Produktivität zu ermitteln.
Die Menge der entkommenden Lachse wird mit unterschiedlichen Verfahren ermittelt, u.a. durch Zählzäune, optische Beobachtungen (z.B. aus der Luft), Videos und Hydroakustik. Entkommensdaten sind die Basis für die Bewirtschaftung der Lachsbestände einschließlich der Vorhersagen für die Fischerei. Fangmengen werden aber während der Saison in Abhängigkeit von der tatsächlichen, vorgefundenen Situation zeitnah festgelegt. [538] [541] [1331]

Entkommens-Ziele

In Alaska gibt es eine Vielzahl von etablierten Entkommens-Zielen für einzelne Flusssysteme/Arten/Bestände. Sie existieren in verschiedenen Abstufungen.
Nachhaltiges Entkommens-Ziel (Sustainable escapement goal, SEG): Index oder Entkommens-Schätzung, die für einen nachhaltigen Ertrag über 5-10 Jahre sorgt. Es wird angewendet, wenn aufgrund fehlender Fangdaten keine biologischen Entkommens-Ziele berechnet werden können.
Biologisches Entkommens-Ziel (Biological Escapement Goal, BEG): Entkommen mit dem größten Potential für maximalen nachhaltigen Dauerertrag (MSY). Es wird als Bereich angegeben und basiert auf biologischen Daten. Dies ist das primäre Management-Ziel, wenn nicht eines der folgenden definiert ist:
Optimales Entkommens-Ziel (Optimal Escapement Goal, OEG): Spezifisches Managementziel für das Entkommen, welches biologische und örtliche Faktoren berücksichtigt und sich von SEG und BEG unterscheiden kann. Es kann als Bereich angegeben werden, dessen untere Grenze über dem nachhaltigen Entkommens-Limit liegt. OEGs werden als Verordnung des „Board of Fisheries“ eingesetzt.
Darüber hinaus gibt es spezifische Managementziele für Bestände, die oberhalb der Erfassungsorte für das Entkommen befischt werden („inriver run goal“). Sie umfassen eines der obigen Ziele plus spezifische Fluss-Zuweisungen. [538] [541] [1331]

Bestandsstatus Klassifizierung

Die wissenschaftlich fundierten Entkommens-Ziele sind der zentrale Aspekt der Lachs-Bewirtschaftung in Alaska. Eine Grundlage für die Bewirtschaftung ist die „Policy for the management of sustainable salmon fisheries“ (5 AAC 39.222). Sie definiert unter anderem drei Ebenen von Problemen mit einem Bestand. Wenn das Entkommen über einen Zeitraum von 4-5 Jahren die Erwartungen für Ertrag oder Laicheraufkommen nicht erreicht, kann ein Bestand vom Alaska Department of Fish and Game als „Problem-Bestand“ („stock of concern“) vorgeschlagen und vom Alaska Board of Fisheries bestätigt werden:
Ertrags-Probleme („yield concerns“) bestehen, wenn trotz des Einsatzes spezifischer Bewirtschaftungsmaßnahmen bestimmte Erträge oder erntefähige Überschüsse dauerhaft nicht erreicht werden. Die Ertrags-Probleme sind weniger schwerwiegend als die
Management-Probleme („management concerns“). Sie bestehen, wenn trotz des Einsatzes spezifischer Bewirtschaftungsmaßnahmen die Entkommens-Rate eines Bestandes dauerhaft nicht innerhalb festgelegter Entkommens- Ziele (siehe Entkommens-Ziele) gehalten werden kann. Am schwerwiegendsten sind
Erhaltungs-Probleme („conservation concerns“). Sie bestehen, wenn trotz des Einsatzes spezifischer Bewirtschaftungsmaßnahmen die Entkommens-Rate eines Bestandes dauerhaft nicht über einem festgelegten nachhaltigen Entkommens-Grenzwert gehalten werden kann. [538] [1247] [1331]

Wesentliche Punkte

2021/2022: Es gibt hunderte von Rotlachs-Beständen in Alaska und ihre Entwicklung ist sehr unterschiedlich. Die Bestandssituation ist für die allermeisten Bestände gut. Einige Bestände nehmen derzeit ab, während andere im Gleichgewicht sind oder wachsen. Im Bristol Bay-Gebiet (neun Flusssysteme) wurde 2021 der größte Lachsaufstieg seit Beginn der Aufzeichnungen beobachtet, er überstieg die schon positive Vorhersage um 32%. Die kommerzielle Fangmenge lag 11% über der Vorhersage. Alle Entkommensziele in diesem Gebiet wurden erreicht bzw. überschritten. Die Vorhersage für den Lachsaufstieg 2022 für das Bristol Bay-Gebiet ist nochmals höher als der 2021 beobachtete Aufstieg.
Aktuell werden nur für einen einzigen Rotlachs-Bestand in Alaska Probleme festgestellt. [538] [541] [1331]

Bestände mit Problemen

Rotlachs-Bestände in Alaska mit Problemen:
McDonald Lake (Südost Alaska): Management-Probleme (“management concerns”, festgestellt 2017).
Der Bestand „McDonald Lake“ erreichte 2021 im sechsten Jahr in Folge nicht die untere Grenze des Entkommensziels (siehe Grafik links). [538] [1331]

Bestands­entwicklung

Die kommerzielle Lachsfischerei in Alaska begann in den 1860er Jahren. 1968 wurde die erste Fabrik zum Einsalzen in Betrieb genommen, ein Jahr später die die erste Konservenfabrik. In den 1890er und frühen 1900er Jahren wuchs die kommerzielle Lachsfischerei schnell mit der verbesserten Technologie und der Eroberung neuer Märkte. Die Anlandungen von Rotlachs stiegen von 1975 bis 1993 langsam und mit einigen Schwankungen an. Danach war bis 1998 eine Abnahme zu beobachten. In den letzten 5 Jahren lagen die Anlandungen zwischen 46,4 und 55,5 Mio. Tieren (zwischen 106 und 132 kt).
Aktuell werden für nur einen Rotlachs-Bestand in Alaska Probleme festgestellt. Der Rotlachs-Bestand „McDonald Lake“ erreichte 2021 im sechsten Jahr in Folge nicht die untere Grenze des Entkommensziels (siehe Grafik links). 1980 bis 2001 wurde diese untere Grenze meistens erreicht, in vielen Jahren sogar die obere Grenze überschritten. Seit 2002 treten gehäuft Jahre mit schwacher Laichwanderung auf. [4] [538] [1331]

Ausblick

Die Vorhersage für den Lachsaufstieg 2022 für das Bristol Bay-Gebiet (neun Flusssysteme, hoher Anteil der Gesamtfänge dieser Art) ist nochmals höher als der 2021 beobachtete Aufstieg in dem Gebiet. Es wird erwartet, dass hier weiterhin alle Entkommensziele erreicht werden. Das Management der Lachsfischerei beruht weitgehend auf der Einschätzung der Anzahl der Lachse, die zum Laichen in die Flüsse zurückkehren. Fangmengen werden daher während der Saison basierend auf diesen Zahlen festgelegt, unabhängig von den Vorhersagen. Fischereien können zeitnah geöffnet oder geschlossen werden. [538] [1247] [1331]

Umwelt­einflüsse auf den Bestand

Pazifische Lachse besiedeln und durchwandern verschiedene Lebensräume. Sie werden daher durch eine Vielzahl von durch Menschen verursachten Einflüssen, aber auch durch natürliche Faktoren beeinflusst. Großskalig wirken sich Veränderungen des Klimas und der Lebensbedingungen im Meer aus. Die städtische Entwicklung und der Bau von Dämmen führen zum Verlust von Lebensräumen und können die Wanderungen behindern. Außerdem kann die Verschlechterung der Wasserqualität durch landwirtschaftliche Abwässer und Waldrodungen eine Rolle spielen. [446]

Wer und Wie

Das Fischereimanagement in den Gewässern der USA erfolgt nach dem „Magnuson-Stevens Fishery Conservation and Management Act“ von 1976. Für die Lachs-Fischerei in der ausschließlichen Wirtschaftszone (AWZ, hier 3-200 sm, Bundesgewässer) hat das „North Pacific Fishery Management Council“ (NPFMC) einen Managementplan entwickelt. Dieser erlaubt im östlichen Gebiet (AWZ östlicher Golf von Alaska) eine kommerzielle Schleppangelfischerei. Deren Management ist vollständig an den Bundesstaat Alaska und somit an das „Department of Fish and Game“ (ADF&G) und an die „Pacific Salmon Commission“ (Pazifische Lachskommission: 1985 von Kanada und den USA gegründetes Gremium zur Umsetzung des Pazifischen Lachsvertrags) delegiert. Das westliche Gebiet (AWZ westlicher Golf von Alaska, Bering See, Chukchi See, Beauford See) ist für die kommerzielle Fischerei geschlossen. Alle anderen Lachsfischereien finden entweder in bundesstaatlichen Gewässern oder in zwei historisch bundesstaatlich verwalteten Gebieten statt, die sich bis in die AWZ erstrecken (siehe auch unter „Karten“). Dieses Vorgehen ermöglicht dem Bundesstaat Alaska, die Lachsbestände in ihrem gesamten Verbreitungsgebiet zu bewirtschaften, also als eine Einheit in Bundes- und bundesstaatlichen Gewässern. Der Managementplan liefert den Beitrag des NPFMC zu einem umfassenden Bewirtschaftungssystem für die Lachsfischerei. Das NPFMC akzeptiert die Managementmaßnahmen des Bundesstaates Alaska, solange sie mit den Zielen des Planes für Bundesgewässer in Einklang sind.
Wissenschaftlich fundierte Entkommens-Ziele sind der zentrale Aspekt der Lachs-Bewirtschaftung in Alaska. Außerdem sollen anhaltende Erträge erreicht und das Überleben der Bestände langfristig gesichert werden. Das ADF&G setzt die Regularien und Bewirtschaftungspläne des „Board of Fisheries“ (BOF) um. Das Management der Lachsfischerei beruht weitgehend auf der Einschätzung der Anzahl der Lachse, die zum Laichen zurückkehren. Auch wenn vor der Saison Vorhersagen gemacht werden, werden die Fangmengen während der Saison so festgelegt, dass Entkommens-Ziele erreicht werden (siehe oben "Entkommens-Ziele"). Das eingesetzte Managementpersonal besitzt eine breite Befugnis, um die Fischerei auf Grundlage ihres fachlichen Urteils und der aktuellsten biologischen Daten auch kurzfristig zu öffnen und zu schließen. Die Anzahl der an der Fischerei teilnehmenden Fahrzeuge und Personen wird durch die „Alaska Commercial Fisheries Entry Commission“ über ein Lizenzsystem reguliert. Für die Freizeitfischerei gibt es je nach Fischereiintensität in den einzelnen Gebieten unterschiedliche Regularien. Fangmengen werden zwischen kommerzieller und Freizeitfischerei aufgeteilt. [446] [538] [541] [1247] [1328] [1331]

Differenz zwischen Wissen­schaft und Management

Die wissenschaftliche Empfehlung/Vorhersage kann durch wissenschaftliche Expertinnen und Experten ad hoc modifiziert werden, und stimmt damit im Grunde immer mit dem Management überein. Die Fangmengen werden während der Saison so festgelegt, dass Entkommens-Ziele erreicht werden (siehe oben "Entkommens-Ziele"), unabhängig von den Vorhersagen. Das eingesetzte Managementpersonal besitzt eine breite Befugnis, um die Fischerei auf Grundlage ihres fachlichen Urteils und der aktuellsten biologischen Daten auch kurzfristig zu öffnen und zu schließen. [538] [541] [446] [1247] [1331]

Karten

Verbreitungsgebiet

Managementgebiet

Rotlachs ist in einem großen Teil Alaskas verbreitet, je nach Lebensstadium im Meer oder im Süßwasser. Das Managementgebiet der ausschließlichen Wirtschaftszone (AWZ, hier 3-200 sm, Bundesgewässer) unterliegt dem „North Pacific Fishery Management Council“ und ist in ein östliches und ein westliches Gebiet unterteilt (Grenze: Cape Suckling 143°53.6 West). Das westliche Gebiet umschließt die AWZ des westlichen Golf von Alaska, der Bering See, Chukchi See und Beauford See und ist für die kommerzielle Fischerei geschlossen. Das östliche Gebiet ist die AWZ des östlichen Golf von Alaska mit einer kommerziellen Schleppangelfischerei. Deren Management ist vollständig an den Bundesstaat Alaska und an die „Pacific Salmon Commission“ delegiert (siehe auch „Wer und Wie). Alle anderen Lachsfischereien finden entweder in bundesstaatlichen Gewässern oder in zwei historisch bundesstaatlich verwalteten Gebieten statt, die sich bis in die AWZ erstrecken. Sie haben eine gesonderte Stellung (Prince William Sound und Alaska Peninsula). Die Lachsbestände werden in ihrem gesamten Verbreitungsgebiet als Einheiten in Bundes- und bundesstaatlichen Gewässern bewirtschaftet. Die Bewirtschaftung der Lachsbestände erfolgt über zeitnah festgelegt Fangmengen. [446] [538] [1247] [1328] [1331]

Anlandungen und legale Höchstfangmengen (TACs) (in 1.000 t)

Gesamtfang2020: Kommerzielle Fischerei: ~46,6 Mio Fische (106 kt); hauptsächlich Kiemennetze (als Treibnetze und Stellnetze) und Ringwaden, außerdem Schleppangeln und Strandwaden
2020: Freizeitfischerei: ~392.892 Fische (inkl. catch and release: ~543.483)
TACDie Bewirtschaftung der Lachsbestände erfolgt nicht über vorab festgelegte Höchstfangmengen (TACs) sondern über zeitnah festgelegte Fangmengen. [446] [538] [1247] [1329] [1331]

IUU-Fischerei

Es gibt keine Hinweise auf unberichtete oder illegale Fänge von Rotlachs in Alaska. [538] [1248]

Struktur und Fangmethode

In der Ausschließlichen Wirtschaftszone (AWZ, hier 3-200sm, Bundesgewässer) vor Südost-Alaska, findet eine kommerzielle Fischerei mit Schleppangeln statt (gemischte Fischerei auf verschieden Lachs-Arten und Bestände, Fischerei mit Netzen ist hier verboten), die AWZ vor Zentral- und Westalaska ist für die kommerzielle Lachsfischerei geschlossen. Alle anderen Lachsfischereien finden entweder in bundesstaatlichen Gewässern oder in einem von zwei historisch bundesstaatlich verwalteten Gebieten die sich bis in die AWZ erstrecken, mit Netzfischereien statt. Rotlachs ist wie alle pazifischen Lachse der Gattung Oncorhynchus ein Wanderfisch. Er wird vor allem gefischt, wenn die geschlechtsreifen Tiere in Massen aus dem Meer in ihre Geburtsgewässer zurückwandern („salmon run“). In Alaska findet diese Lachswanderung vor allem im Juni und Juli statt. Rotlachs wird je nach Gebiet und Fangmengen zwischen Mai und September befischt. Die Fischerei ist intensiv und dauert nur wenige Wochen.
Kommerziell gefischt wird vor allem mit Kiemennetzen (als Stellnetze und Treibnetze), eingesetzt von Schiffen oder vom Ufer. Außerdem kommen Ringwaden und in geringen Mengen auch Schleppangeln (hier ist Rotlachs meist Beifang bei Fischerei auf Coho- und Königslachs) und Strandwaden zum Einsatz. Rotlachs wird außerdem in der Subsistenz-Fischerei (nicht-kommerziell, aus Gewohnheitsrecht, traditionell) sowie der Freizeitfischerei gefangen. [4] [538] [1247] [1331]

Beifänge und Rückwürfe

Die Fischerei auf Lachs ist eine hochgradig gezielte Fischerei, denn sie findet auf den Wanderrouten, während der Hauptwanderzeit und nahe der Zielgebiete statt und das Fanggerät steht unter ständiger Beobachtung. Beifänge sind in der Fischerei auf Rotlachs daher selten, normalerweise handelt es sich um andere Lachsarten. In allen Gebieten machen Lachse über 99% der Fänge aus.
Lachse werden als Beifang in kommerziellen Fischereien gefangen, die auf andere Arten abzielen (z.B. Alaska-Seelachs). Dies kann sich auf die Lachsfischerei und die Nicht-Lachsfischerei auswirken: Hohe Beifänge können zu einer vorzeitigen Schließung auch der Nicht-Lachsfischereien führen. Verschiedene Managementmaßnahmen sollen den Beifang von Lachs in anderen kommerziellen Fischereien verhindern. Lachsbeifang aus der kommerziellen Schleppnetzfischerei in der Beringsee und im Golf von Alaska wird in Königslachs und Nicht-Königslachs unterschieden. Über genetische Identifizierung soll festgestellt werden, welche Lachsbestände am stärksten von der Fischerei betroffen sind. [4] [446] [1247] [1248] [1331]

Einflüsse der Fischerei auf die Umwelt

Für die Fischerei auf Rotlachs werden Fanggeräte eingesetzt, die den Meeresboden nur selten berühren und kaum Einfluss auf die Meeresumwelt haben. Die Fanggeräte sind durch ihren gezielten Einsatz sehr selektiv. Die Maschenöffnungen der Kiemennetze sind an die Zielarten angepasst. In Treibnetzen kann es in seltenen Fällen zu Beifängen von Seevögeln und Meeressäugern kommen.
Ein mögliches Problem ist die in einigen Gebieten in großem Maßstab durchgeführte Freisetzung von Lachsen aus Aufzuchtprogrammen („hatcheries“). Bedenken bestanden bezüglich einer möglicherweise unbemerkten Überfischung der Wildbestände. Durch die vorherige Markierung der Aufzuchttiere (in den Gehörsteinen) und spätere Zählung ihres Fanganteils kann die Übernutzung der Wildbestände aber verhindert werden. Genetische Auswirkungen auf die langfristige Produktivität der Wildbestände durch Vermischung mit Aufzuchttieren werden derzeit noch untersucht. Ein weiteres Problem ist die Konkurrenz der Aufzuchttiere mit Wildlachsen in küstennahen und küstenfernen Lebensräumen. All dies betrifft jedoch in erster Linie die Aufzuchtprogramme von Buckel- und Ketalachs-Fischereien (2016: 54% bzw. 41% aller in dem Jahr in Alaska entlassenen/erbrüteten Tiere), Rotlachs steht hier mit großem Abstand an dritter Stelle (3%). [4] [446] [1247] [1331]

Biologische Besonder­heiten

Rotlachse sind anadrome Wanderfische. Nach der Geburt im Süßwasser, wandern sie ins Meer und kehren später zum Laichen ins Süßwasser an ihren Geburtsort zurück. In Alaska finden die Wanderungen ins Süßwasser vor allem im Juni und Juli statt. Die Tiere sterben nach dem Laichen (weitere Informationen). Einige Rotlachse wandern nicht, sondern bleiben ihr gesamtes Leben im Süßwasser. Im Nordwesten Amerikas werden sie als "kokanee" bezeichnet. [446] [538]

Zusätzliche Informationen

Die größte kommerzielle Rotlachs-Fischerei der Welt findet im Bristol Bay-Gebiet im südwestlichen Alaska statt. Hier werden innerhalb weniger Wochen jährlich 10 Mio. bis manchmal über 30 Mio. Rotlachse in einer intensiven Fischerei gefangen. Relativ große Mengen von 1 Mio. bis 6 Mio. Tieren werden auch im Cook Inlet, Prince William Sound und der Chignik Lagune gefischt.
Auch wenn die meisten Bestände gesund sind, wird die Wildlachsfischerei im Pazifik durch Aufzuchtprogramme („hatchery“) unterstützt (im Ostpazifik insbesondere in Südost-Alaska und Prince William Sound). Die Brut verschiedener Lachsarten wird in Aufzuchtstationen produziert und aufgezogen. Die Jugendstadien werden dann ausgesetzt, wachsen wild auf und werden bei Rückkehr ins Herkunftsgewässer befischt („hatch and catch“). Rotlachs (2016: 3% aller in Alaska erbrüteten Lachse) steht hier an dritter Stelle, nach Buckel- und Keta-Lachs (54% und 41%). Etwa ein Drittel des jährlichen Lachsfanges (alle Arten) stammt aus Aufzuchtprogrammen. [4] [538] [1331]

Zertifizierte Fischereien

Die gesamte vom Alaska Department of Fish and Game (ADF&G) bewirtschaftete Lachsfischerei ist seit Oktober 2000 nach den Standards des Marine Stewardship Councils (MSC) nachhaltigkeitszertifiziert.
Außerdem ist eine Fischerei auf 5 Oncorhynchus-Arten in Südost-Alaska (Annette Islands Reserve, bewirtschaftet von der Metlakatla Indian Community) MSC-zertifiziert.
Die gesamte Lachsfischerei in Alaska ist außerdem nach dem regionalen ASMI (Alaska Seafood Marketing Institute) Programm zertifiziert (Alaska Responsible Fisheries Management (RFM)). [4] [888] Siehe
fisheries.msc.org/en/fisheries/alaska-salmon/@@view
fisheries.msc.org/en/fisheries/annette-islands-reserve-salmon/@@view
www.alaskaseafood.org/rfm-certification/certified-fisheries/alaska-salmon/

Soziale Aspekte

Pazifische Lachse sind eine wertvolle Ressource, die in Alaska von der kommerziellen und der Freizeitfischerei genutzt wird. Sie spielen außerdem eine wichtige Rolle in der Subsistenz-Fischerei (nicht-kommerziell, aus Gewohnheitsrecht, traditionell). Die Lachswanderungen („salmon runs“) in die Geburtsflüsse und –seen sind von großer ökologischer, ökonomischer und sozialer Bedeutung. Rotlachs ist die ökonomisch bedeutendste Lachsart in Alaska. Er wird zwar in geringeren Mengen gefangen als Buckellachs (Oncorhynchus gorbuscha), sein Fleisch ist aber von höherer Qualität und daher teurer. Fast der gesamte Rotlachs, der in den USA gefischt wird, stammt aus Alaska. Mehr als die Hälfte des US-Rotlachsfanges wird frisch oder gefroren verkauft, aufgrund seiner Farbe ist er aber auch die bevorzugte Art für Konserven. [4] [446] [538] [1247] [1331]

Marktdaten

Für den deutschen Markt sind die Daten für die verschiedenen Lachsarten aus Wildfang und Aquakultur zusammengefasst (das Verhältnis liegt bei etwa 90% aus Aquakultur und 10% aus Wildfang).

2020 (vorläufig): Verbrauch in Deutschland: 207.395 t (2019: 222.968 t), Marktanteil (Fische, Krebse, Weichtiere): 17,6% (2019: 18,8%) [13] [14]

Anlandungen (in 1.000 t)Fänge (in 1.000 t)Laicherbiomasse (in 1.000 t)Laicherbiomasse ZustandFischereiliche SterblichkeitAnmerkungen (insbesondere Managementplan)Gültigkeit
Rotlachs (Sockeye salmon) Alaska 106,0 106,0 - ... ... Alle Bestände: 2020: Anlandungen & Fänge in kt kommerziell (~46,6 Mio Fische), Freitzeitfischerei: ~392.892 Fische (inkl. catch and release: ~543.483), Referenzwerte als gebietsspezifische Entkommensziele definiert 03/2021 -
09/2022
AutorJahrTitelQuelle
[4]Marine Stewardship Council (MSC)Fisch und Meeresfrüchte aus zertifiziert nachhaltiger Fischereimsc.org
[13]Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE)Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) Homepageble.de
[14]Fisch-Informationszentrum e.V. (FIZ)Fisch-Informationszentrum e.V. Homepagefischinfo.de
[446]National Oceanic and Atmospheric Administration (NOAA)Homepage: FISHWATCH, US seafood factsfishwatch.gov
[538]Alaska Department of Fish and Game (AFD&G)Homepage: Alaska Department of Fish and Game (AFD&G) (englisch)adfg.alaska.gov
[541]North Pacific Anadromous Fish Commission (NPAFC)Homepage der North Pacific Anadromous Fish Commission (NPAFC) (englisch)npafc.org
[888]Alaska Seafood Marketing Institute (ASMI)Homepage: Alaska Seafood Marketing Institute (ASMI)alaskaseafood.org
[1247]National Oceanic and Atmospheric Administration (NOAA)Alaska Salmon Fisheries, Salmon Fisheries Managementnoaa.gov
[1248]National Oceanic and Atmospheric Administration (NOAA)National Oceanic and Atmospheric Administration (NOAA), Homepagenoaa.gov
[1328]Pacific Salmon CommissionHomepage der Pacific Salmon Commissionpsc.org
[1329]Alaska Department of Fish and Game (AFD&G)Alaska Sport Fishing Survey database [Internet]. 1996– . Anchorage, AK: Alaska Department of Fish and Game, Division of Sport Fish (cited January 17, 2022). Available from: http://www.adfg.alaska.gov/sf/sportfishingsurvey/adfg.alaska.gov
[1331]Alaska Department of Fish and Game (AFD&G)Homepage: Commercial Fisheriesadfg.alaska.gov