Fischarten

Flunder – Platichthys spp.

gültig 05/2021-05/2022

Hier finden Sie allgemeine Informationen zur Fischart Flunder.
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Biologische Charakteristika

Flundern sind im Sommer in Ästuaren, Lagunen und Fjorden zu finden. Sie dringen hier oft auch bis weit in die Flüsse vor. Im Winter wandern die erwachsenen Tiere in tieferes, wärmeres und auch salzhaltigeres Wasser. Die Jungtiere leben in flachen küstennahen Gebieten.
2018 wurde eine neue Flunderart in der Ostsee beschrieben. Neben Platichthys flesus kommt hier auch Platichthys solemdali (Ostsee-Flunder) vor, deren Anteil an den Fängen nach Osten zuzunehmen scheint. Weil die Arten in den Fängen aber nur mit speziellen Kentnissen getrennt werden können, verzichtet der Internationale Rat für Meeresforschung (ICES) in seinen Bestandsberechnungen zunächst auf eine Separierung.
In der Nordsee laichen die Tiere in etwa 20-40 m Wassertiefe, in der Ostsee unterscheiden sich die Laichbereiche bei den Arten. P. solemdali wird als eher küstennah Boden-laichend, P. flesus als küstenfern pelagisch laichend beschrieben.
Die beim Schlupf nur etwa drei Millimeter langen Larven haben zunächst die normale Fischform und schwimmen aufrecht. Bei einer Länge von etwa 10 Millimetern beginnt die Umwandlung zum Plattfisch; die auffälligste Veränderung ist das Wandern eines Auges auf die später obere Seite (meist die Rechte). In Gebieten wo Flundern gemeinsam mit Schollen laichen (z.B. südliche Beltsee) treten Bastarde auf, die eine etwas glattere Haut und undeutlich hervortretende rote Flecken besitzen. Vor allem große Flundern sind tagsüber im Sand vergraben und wandern nachts zum Fressen in flacheres Wasser. Sie fressen dünnschalige Muscheln, Borstenwürmer, Krebse, und kleine Fische. [2] [229] [1131]
 

Maxima: Länge: P. flesus bis 60 cm, P. solemdali bis 26,7cm
Alter: P. flesus bis 15 Jahre, P. solemdali k.A.
Masse: P. flesus bis 2,9 kg, P. solemdali k.A. [229]
IUCN-Status: P. flesus Europa & global: ungefährdet (LC), P. solemdali nicht bewertet (NE) [384] (Zugriff 16. Juli. 2021)
CITES-Status: beide nicht gelistet [3]
Widerstandsfähigkeit (resilience): beide mittel (min. Populationsverdopplungszeit 1,4-4,4 Jahre) [229]
Fruchtbarkeit (fecundity): P. flesus hoch (bis 2 Mio. Eier pro Weibchen), P. solemdali k.A. [229] ;
Trophische Ebene: P. flesus 3,3 ± 0,2 , P. solemdali 3,4 ± 0,1 (Standardfehler) [229]

Flundern leben in den küstennahen Gewässern des Nordostatlantiks vom Weißen Meer bis Nordafrika. Sie sind in der ganzen Ostsee mit Ausnahme des nördlichen Bottnischen Meerbusens und des östlichen Finnischen Meerbusens zu finden. Ihre Verbreitung reicht außerdem ins Mittelmeer und ins Schwarze Meer. [2] [219] [229]

In Form und Färbung sieht die Flunder der Scholle sehr ähnlich. Anders als die Scholle fühlt sich die Flunder jedoch recht rau an. Besonders entlang der Seitenlinie und an der Basis von Rücken- und Afterflosse sind dornige Hautwarzen zu finden. Flundern sind in der Regel rechtsäugig (~70%), es werden aber auch sogenannte „Linksflundern“ gefangen. Die (obere) Augenseite des platten, ovalen Fischkörpers ist bräunlich bis olivgrün und oft auch mit unregelmäßigen roten Flecken gefärbt. Die Unterseite (sog. Blindseite) ist weiß. [2] [229]

Flundern erzielen einen deutlich geringeren Anlandepreis als Schollen, obwohl die Qualität des Fleisches und der Geschmack sehr vergleichbar sind. Auf dem Markt kommt es immer wieder zur Vermischung der Filets beider Arten. In Gebieten, in denen Flundern die dominierende große Plattfischart sind (z.B. in der Ostsee) hat diese Art zumindest zeitweise erhebliche wirtschaftliche Bedeutung. [2] [14]

frisch, ganz oder als Filet, tiefgefroren und geräuchert. [14] [229]

Marktdaten

2019: Verbrauch in Deutschland: 1.400 t (2018: 1.490 t), Marktanteil (Fische, Krebse, Weichtiere): 0,12% (2018: 0,13%) [13] [14]

Anlandungen (in 1.000 t)Fänge (in 1.000 t)Laicherbiomasse (in 1.000 t)Laicherbiomasse ZustandFischereiliche SterblichkeitAnmerkungen (insbesondere Managementplan)Gültigkeit
Belte & Sund (22, 23) 0,8 1,0 - - 05/2019 -
05/2022
nördl. Ostsee (27, 29-32) 0,1 - - - 05/2021 -
05/2022
Nordsee (3.a, 4) 1,7 2,4 - TAC mit Kliesche 06/2021 -
06/2023
Östl. Gotland & Danziger Bucht (26, 28) 2,0 2,1 - - 05/2021 -
05/2022
südliche Ostsee (24, 25) 9,1 10,1 - Anlandungen und Fänge 2020 vorläufig 05/2021 -
05/2022

Klassifizierung nach dem Ansatz des höchstmöglichen nachhaltigen Dauerertrages (MSY), durch den ICES oder analog zu dessen Einteilung:

SymbolBiomasseBewirtschaftung (fischereiliche Sterblichkeit)
innerhalb der Schwankungsbreite um den Zielwertangemessen oder unternutzt
außerhalb der Schwankungsbreite um den Zielwertübernutzt
Zustand unklar, Referenzpunkte nicht definiert und/oder unzureichende DatenZustand unklar, Referenzpunkte nicht definiert und/oder unzureichende Daten
AutorJahrTitelQuelle
[2]Muus BJ, Nielsen JG1999Die Meeresfische Europas Franckh-Kosmos Verlag
[3]CITESConvention on International Trade in Endangered Species of Wild Fauna and Flora, Appendices I, II and IIIcites.org
[13]Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE)Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) Homepageble.de
[14]Fisch-Informationszentrum e.V. (FIZ)Fisch-Informationszentrum e.V. Homepagefischinfo.de
[219]ICES2011Report of the Baltic Fisheries Assessment Working Group (WGBFAS), 12 - 19 April, ICES Headquarters, Copenhagen. ICES CM 2011/ACOM:10. 785pp. 4 Flounderices.dk
[229]Froese, R. and D. Pauly. Editors.2011FishBase. World Wide Web electronic publication.
www.fishbase.org, version (06/2011).
fishbase
[384]IUCNIUCN Red List of Threatened Species. Version 2011.2. Downloaded on 09 February 2012iucnredlist.org
[1131]Momigliano P, Denys GPJ, Jokinen H, Merilä J2018Platichthys solemdali sp. nov. (Actinopterygii, Pleuronectiformes): A New Flounder Species From the Baltic Sea Front. Mar. Sci. 5:225