Bestandsdatenblatt

Schwarzer Heilbutt Fjorde West-Grönlands (1A inshore)

Gültig 06/2020 - 06/2022

Schwarzer Heilbutt Fjorde West-Grönlands (1A inshore)

gültig 06/2020 - 06/2022

Zugehörige Fischart

Heilbutt, schwarzer

Allgemeine Informationen


Ökoregion:Westgrönlandschelf
Fanggebiet:West-Grönland (NAFO 0, 1) FAO 21
Art:Reinhardtius hippoglossoides

Wissenschaftliche Begutachtung

Wissenschaftlicher Rat (Scientific Council) der Northwest Atlantic Fisheries Organization (NAFO), www.nafo.int

Methode, Frequenz

Die Begutachtungen der Bestandskomponenten in den Fjorden West-Grönlands (1A inshore) werden im Auftrag Dänemarks (Grönlands) von der NAFO (Northwest Atlantic Fisheries Organization) derzeit alle zwei Jahre durchgeführt. Es gibt keine analytische Bestandsberechnung, Referenzwerte sind nicht festgelegt. Anlandedaten und Biomasseinformationen sind für einzelne Gebiete (Forschungsfahrten und kommerzielle Daten) verfügbar. Die Beurteilungen und Empfehlungen werden in Gebiet 1A für die Komponenten in drei grönländischen Fjorden getrennt abgegeben. [279] [540] [706] [707]

Wesentliche Punkte

2020/21: Der Zustand aller drei Bestands-Komponenten ist unklar. Die standardisierten Einheitsfänge (CPUEs) aus der kommerziellen Langleinen-Fischerei haben in der Disko-Bucht seit 2009 um 50% abgenommen. In den Fjorden bei Upernavik wurde 2018 der niedrigste Wert der Zeitreihe erreicht, 2019 gibt es zwar einen Anstieg der abnehmende Trend bleibt aber bestehen. Im Uummannaq-Fjord wurden für 2017 und 2019 die niedrigsten Werte der Zeitreihe festgestellt. Die Fangempfehlung wird derzeit für zwei Jahre ausgesprochen. [540] [706] [707]

Bestands­zustand

Laicherbiomasse (Reproduktionskapazität)

  unbekannt (nach Vorsorgeansatz)

  unbekannt (nach Managementplan)

  unbekannt (nach höchstem Dauerertrag)

 

Fischereiliche Sterblichkeit

  unbekannt (nach Vorsorgeansatz)

  unbekannt (nach Managementplan)

  unbekannt (nach höchstem Dauerertrag)

 

Bestands­entwicklung

Die kommerzielle Fischerei in den westgrönländischen Fjorden findet vor allem in drei Gebieten statt: Disko-Bucht, Uummannaq-Fjord und Fjorde bei Upernavik. Sie begann Anfang des 20. Jahrhunderts mit Einführung der Langleinen-Fischerei, blieb aber bis Ende der 1970er Jahre auf niedrigem Level. Vor 1955 wurden jährlich weniger als 500 t angelandet, während der 1980er Jahre stiegen die Fänge an und in den späten 1990er Jahren wurden Fänge zwischen jährlich 20.000 und 30.000 t getätigt. Aus der Disko-Bucht wurden 2004 knapp 13.000 Schwarzer Heilbutt angelandet (Maximalwert). Nach 2006 halbierten sich die Fänge innerhalb von drei Jahren auf 6.300 t, stiegen danach aber wieder an. In Uummannaq stiegen die Fänge seit 1985 an, ein Maximum wurde 1999 mit 8.425 t erreicht. Nach einer Abnahme wurden 2016 und 2019 mit Fängen von 10.300 t, bzw. 10.200 t neue Maximalwerte erreicht. In Upernavik stiegen die Fänge von 1985 bis 1998, nahmen dann schnell ab, stiegen aber in den letzten 15 Jahren langsam auf den Maximalwert von 7.600 t in 2019.
Die standardisierten Einheitsfänge (CPUEs) aus der kommerziellen Langleinen-Fischerei haben in der Disko-Bucht seit 2009 um 50% abgenommen. In den Fjorden bei Upernavik hat der Wert bis 2018 ebenfalls abgenommen (niedrigster Wert der Zeitserie), 2019 gibt es zwar einen Anstieg, der abnehmende Trend bleibt aber bestehen. Für den Uummannaq-Fjord nehmen die Werte seit 2011 ab, 2017 und 2019 wurden die niedrigsten Werte der Zeitserie erreicht. Die CPUE-Entwicklung kann durch unterschiedliche Faktoren beeinflusst werden und muss daher mit Vorsicht interpretiert werden. In der Disko-Bucht zeigt der Biomasse-Index aus Forschungsfahrten mit Schleppnetzen seit 2009 einen abnehmenden Trend, der Index aus den Kiemennetzen lag 2019 über dem Durchschnittswert, ist aber mit der bisherigen Zeitreihe ggf. nicht vergleichbar. Der Index aus den Kiemennetzen zeigt in Upernavik seit 2015 eine gewisse Stabilität, eine Abnahme in 2019 ist unsicher, da weniger Stationen als üblich beprobt wurden. In Uummannaq nahm der Index bis 2018 stark ab, da weniger große Fische auf den Forschungsreisen gefangen werden. 2019 blieb der Index stabil. Informationen zur Fischereilichen Sterblichkeit liegen nicht vor. [540] [706] [707]

Ausblick

Die derzeitig erlaubten Höchstfangmengen (TACs) liegen in allen drei Gebieten erheblich über den jeweiligen Fangempfehlungen. Die Fangmengen müssten also reduziert werden. [706]

Umwelt­einflüsse auf den Bestand

Es sind keine spezifischen Umwelteinflüsse auf diese Bestandskomponenten genannt. Die Komponenten in den Fjorden sind nicht selbsterhaltend, sondern von der Zuwanderung aus der Davisstrasse (NAFO-Gebiete 0 und 1) abhängig. Es gibt kaum Wanderungen von erwachsenen Tieren zwischen den Fjorden und in die übrigen Gebiete. [540] [706] [707]

Wer und Wie

Das Management der Bestandskomponenten in der Disko-Bucht und den Fjorden erfolgt durch Grönland. Seit 2008 werden drei getrennte, lokale Höchstfangmengen (TACs) festgelegt, ab 2012 getrennt in transferierbare Quoten für Schiffe (ITQs) und gemeinsamen Quoten für kleine offene Boote. Seit 2014 gibt außerdem bestimmte Gebiete außerhalb der Quote. Diese Fänge werden nicht auf die Quoten angerechnet, erscheinen aber in der Anlandestatistik. Schiffe über 9,4 m Länge müssen Logbücher führen. Es gibt technische Regularien zum Beispiel zu Maschenweiten in Kiemennetzen. Die einzelnen Gemeinden können zum Teil eigene Regularien festlegen (z.B. über den Einsatz von Kiemennetzen). [540] [706] [707]

Differenz zwischen Wissen­schaft und Management

Seit 2008 werden für die drei Komponenten in der Disko-Bucht und den Fjorden Höchstfangmengen (TACs) festgelegt, wissenschaftliche Empfehlungen gibt es teilweise schon länger. In der Disko-Bucht stimmten die TACs 2009 bis 2012 mit den Empfehlungen überein und lagen 2015 und 2016 1.200 bzw. 1.700 t darüber. 2017 wurde die Fangempfehlung gesenkt und die TACs lagen 2017 und 2018 2.800 t über der Empfehlung. Nach einer erneuten Senkung der Empfehlung für 2019 und 2020 ist die Differenz nochmals gestiegen. Im Uummannaq-Fjord stimmten TACs und Empfehlung 2008 bis 2010 überein. Danach lagen sie in unterschiedlichem Masse über der Empfehlung. Für 2019 und 2020 wurden 5.800 t empfohlen, die TACs lagen aber bei 9.900 t bzw. 9.500 t. Für Upernavik gab es 2013 bis 2018 eine Empfehlung von 6.300 t (Mittelwert der Fänge 2009-2011), die TACs lagen immer darüber. Für 2019 und 2020 wurde die Empfehlung auf 5.800 t gesenkt, die TACs lagen bei 8.500 t. Die Anlandungen liegen in allen Gebieten meist im Rahmen der TACs. In Uummannaq lagen sie allerdings 2016 und 2019 und in der Disko Bucht 2016 etwas darüber. Seit 2012 wird der TAC in zwei Komponenten aufgeteilt, mit transferierbaren Quoten für Schiffe (ITQs) und gemeinsamen Quoten für kleine offene Boote. Da die ITQs nicht bestimmten Gebieten zugeordnet werden, kommt es zu Abweichungen zwischen ITQs und den Quoten für die einzelnen Distrikte. [540] [706] [707]

Karten

Verbreitungsgebiet

Managementgebiet

Die Bestandskomponenten sind nur in grönländischen Gewässern verbreitet. Die Bewirtschaftung erfolgt durch Grönland über drei getrennte Höchstfangmengen. [540] [706] [707]

Anlandungen und TACs (in 1.000 t)

Gesamtfang2019: Disko-Bucht: 8,8; Uummannaq: 10,2; Upernavik: 7,6; davon (Stand 2018):
Disko-Bucht: 76% Langleinen, 24% Kiemennetze
Uummannaq: 85% Langleinen, 15% Kiemennetze
Upernavik: 96% Langleinen, 4% Kiemennetze
TACs (Disko Bay/Uummannaq/Upernavik) 2011: 8,0/6,0/6,5   2012: 8,0/6,0/6,5   2013: 9,0/7,4/8,0   2014: 9,0/8,4/9,5   2015: 9,2/9,5/9,5  2016: 9,7/9,9/9,5   2017: 9,2/9,5/9,5   2018: 9,2/9,5/9,5   2019: 11,1/9,9/8,5   2020: 8,2/9,5/8,5   [540] [706] [707]

IUU-Fischerei

Die NAFO führt eine Liste mit Schiffen, die Illegale, nicht gemeldete oder unregulierte Fischerei betreiben (IUU-Liste) und hat diverse Regularien festgelegt, die eine IUU-Fischerei verhindern sollen. Seit 2008 wird vermehrt der illegale Einsatz von Kiemennetzen mit zu geringer Maschenweite (80 mm) festgestellt. [540] [706] [707] [709]

Struktur und Fangmethode

Die Langleinenfischerei erfolgte traditionell von offenen kleinen Booten oder mit Hundeschlitten über Löcher im Eis. In den 1980er Jahren kamen kleine Schiffe hinzu und der Einsatz von Kiemennetzen nahm zu. Die Nutzung von Kiemennetzen wurde Ende der 1990er eingeschränkt, um den Aufwand zu reduzieren. Seit 2004 obliegt diese Regulierung aber den Kommunen, und es sind wieder größere Gebiete für Kiemennetzfischerei geöffnet. Das Gros der Anlandungen stammt aber noch immer aus der Fischerei mit Langleinen. [540] [706] [707]

Beifänge und Rückwürfe

Schwarzer Heilbutt wird in den Fjorden mit Langleinen und Kiemennetzen gefischt. Beide Fanggeräte fangen in der Regel nur Fische eines bestimmten Größenbereiches. Es gibt daher wenig Beifang zu kleiner Tiere, da vor allem große erwachsene Fische selektiert werden. Quantitative Informationen über Beifänge und Rückwürfe stehen nicht zur Verfügung. In der Garnelen-Fischerei kann es zum Beifang von Schwarzem Heilbutt kommen. Seit 2011 vorgeschriebene Sortiergitter vermindern das Problem. [540] [706] [707]

Einflüsse der Fischerei auf die Umwelt

Der Meeresboden wird bei der Fischerei mit Langleinen nicht beeinflusst. Verlorengegangene Kiemennetze können für eine gewisse Zeit weiterfischen (ghost fishing). Der Einfluss des „ghost fishing“ ist jedoch noch nicht quantifiziert worden. Kiemennetze spielen in dieser Fischerei aber nur eine geringere Rolle (2018 zwischen 4 und 24% der Anlandungen). [30] [178] [540] [706] [707]

Biologische Besonder­heiten

Schwarzer Heilbutt ist ein besonders großer Plattfisch, der über 1 m lang werden kann. Anders als andere Arten ist er auf beiden Körperseiten pigmentiert und das zweite Auge wandert nicht gänzlich auf die spätere Körperoberseite. Beide Merkmale weisen darauf hin, dass schwarzer Heilbutt nicht nur am Boden lebt, sondern auch in der freien Wassersäule angetroffen werden kann. [31] [229]

Zusätzliche Informationen

Die Fischerei auf schwarzen Heilbutt in Grönland begann Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts in der Disko-Bucht. Hier wurde traditionell der höchste Anteil der grönländischen Fänge getätigt und die Fänge stiegen fast kontinuierlich bis 2004. Auch heute ist dieses Gebiet durch die Heilbutt-Fischerei geprägt und ein Anziehungspunkt für Touristen. Neben dem Heilbutt sind hier noch Eismeergarnelen, Kabeljau und Schneekrabben wichtige Arten für die Fischerei. In Uummannaq und Upernavik ist Heilbutt die einzige Zielarten der Fischerei. Kabeljau, Rotbarsch und andere Arten sind Beifang. In den „inshore“ Gebieten BC, D und EF werden erheblich geringere Mengen Schwarzer Heilbutt angelandet. [288] [540] [706] [707]

Zertifizierte Fischereien

Bislang ist keine Fischerei auf Schwarzen Heilbutt in den Fjorden West-Grönlands nach einem der gängigen Nachhaltigkeitsstandards zertifiziert.

Soziale Aspekte

Die Fahrzeuge fahren unter der grönländischen Flagge, die Arbeitsbedingungen an Bord und die Entlohnung erfolgt nach grönländischen (dänischen) Regeln. In Grönland ist die Fischerei und die anschließende Verarbeitung der Hauptindustriezweig. Etwa 1.000 Personen haben in Lizenzen für die kommerzielle Fischerei in den nordwestlichen Fjorden Grönlands. Schwarzer Heilbutt ist daher von erheblicher sozialer und ökonomischer Bedeutung für die lokalen Gemeinden. [13] [288] [540]

Marktdaten: Alle Heilbuttarten auf dem deutschen Markt zusammengefasst.

2019: Verbrauch in Deutschland: 4.703 t (2018: 4.286 t), Marktanteil (Fische, Krebse, Weichtiere): 0,4% (2018: 0,4%) [13] [14]

Anlandungen (in 1.000 t)Fänge (in 1.000 t)Laicherbiomasse (in 1.000 t)Laicherbiomasse ZustandFischereiliche SterblichkeitAnmerkungen (insbesondere Managementplan)Gültigkeit
Neufundland/Labrador (NAFO 2, 3KLMNO) 16,5 - - Anlandungen 2019, Bewirtschaftungsregel 06/2020 -
06/2021
Nordost-Arktis (1, 2) 22,2 22,2 734,0 Anlandungen 2014 09/2015 -
09/2017
Ost-Grönland & Island (5, 6, 12, 14) 25,7 - - - 06/2016 -
06/2017
West-Grönland (NAFO 0, 1) 36,4 - - Anlandungen 2019 06/2020 -
06/2022
West-Grönland Fjorde (1A inshore) 26,6 - - Anlandungen Summe der Gebiete 2019 06/2020 -
06/2022

Klassifizierung nach dem Ansatz des höchstmöglichen nachhaltigen Dauerertrages (MSY), durch den ICES bis 2020 oder analog zu dessen Einteilung:

SymbolBiomasseBewirtschaftung (fischereiliche Sterblichkeit)
innerhalb der Schwankungsbreite um den Zielwertangemessen oder unternutzt
außerhalb der Schwankungsbreite um den Zielwertübernutzt
Zustand unklar, Referenzpunkte nicht definiert und/oder unzureichende DatenZustand unklar, Referenzpunkte nicht definiert und/oder unzureichende Daten
AutorJahrTitelQuelle
[13]Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE)Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) Homepageble.de
[14]Fisch-Informationszentrum e.V. (FIZ)Fisch-Informationszentrum e.V. Homepagefischinfo.de
[30]Food and Agriculture Organization (FAO)FAO. © 2003-2010. Fisheries Topics: Technology. Fish capture technology. In: FAO Fisheries and Aquaculture Department [online]. Rome. Updated 2006 15 09.[Cited 10 June 2010]fao.org
[31]Ministry of Industries and Innovation, IcelandInformationsseite des isländischen Ministeriums für Industrie und Innovation (Ministry of Industries and Innovation)fish.is
[178]FAO Food and Agriculture Organization2016Abandoned, lost and discarded gillnets and trammel nets, Methods to estimate ghost fishing mortality, and the status of regional monitoring and management FAO Fisheries and Aquaculture Technical Paper 600, FOOD AND AGRICULTURE ORGANIZATION OF THE UNITED NATIONS, Rome, 2016
[229]Froese, R. and D. Pauly. Editors.2011FishBase. World Wide Web electronic publication.
www.fishbase.org, version (06/2011).
fishbase
[279]North-West-Atlantic-Fisheries-Organisation (NAFO)Northwest Atlantic Fisheries Organization, Homepagenafo.int
[288]The Government of Greenland (Naalakkersuisut)Homepage: Government of Greenlandnaalakkersuisut.gl
[540]North-West-Atlantic-Fisheries-Organisation (NAFO)Homepage: NAFO Scientific Council Research (SCR) Documentsnafo.int
[706]North-West-Atlantic-Fisheries-Organisation (NAFO)Homepage: Stock Advice, Summary Sheetsnafo.int
[707]North-West-Atlantic-Fisheries-Organisation (NAFO)Homepage: NAFO Scientific Council Summary (SCS) Documentsnafo.int
[709]North-West-Atlantic-Fisheries-Organisation (NAFO)Northwest Atlantic Fisheries Organization Conservation and Enforcement Measuresnafo.int