Bestandsdatenblatt

Schwarzer Heilbutt West-Grönland

Gültig 06/2020 - 06/2022

Allgemeine Informationen


Ökoregion:Westgrönlandschelf
Fanggebiet:West-Grönland (NAFO 0, 1) FAO 21
Art:Reinhardtius hippoglossoides

Wissenschaftliche Begutachtung

Wissenschaftlicher Rat (Scientific Council) der Northwest Atlantic Fisheries Organization (NAFO), www.nafo.int

Methode, Frequenz

Der Schwarze Heilbutt in den NAFO Gebieten vor West-Grönland (Gebiete 0 und 1 offshore) ist Teil eines größeren Bestands-Komplexes im Nordwest Atlantik. Die Managementeinheiten in den Fjorden werden separat begutachtet (Gebiete in 1A-F inshore). Der hier behandelte Bestand ist in den ausschließlichen Wirtschaftszonen von Kanada und Grönland verbreitet. Die Begutachtungen mit Fangempfehlung werden im Auftrag dieser Staaten von der NAFO (Northwest Atlantic Fisheries Organization) derzeit alle zwei Jahre durchgeführt. Es gibt keine analytische Bestandsberechnung. Anlandedaten und Biomasseinformationen für einzelne Gebiete (Forschungsfahrten und kommerzielle Daten) sind verfügbar, daraus werden Biomasse-Indices berechnet. Für die Biomasse ist seit 2014 ein vorläufiger Limit-Referenzwert festgelegt (Blim). Er entspricht 30% der mittleren Biomasse aus verschiedenen Forschungsfahrten (NAFO-Gebiete 1CD & 0A Süd 1999-2012). [540] [706] [707]

Wesentliche Punkte

2020/21: Der kombinierte Biomasse-Index für die Gebiete 1CD und 0A Süd war 1999 bis 2017 relativ stabil mit etwas mehr Variabilität in den letzten Jahren. Alle Werte lagen über dem Limit-Referenzwert (Blim). 2019 lag der Biomasse-Index nahe dem Zeitserien-Mittelwert. Aufgrund der Unsicherheiten bei der Bestimmung des 2019er Wertes kann er aber nicht direkt mit der Zeitserie und auch nicht mit Blim verglichen werden.
Die inshore Gebiete (Fjorde) von NAFO 1B-F werden nun ebenfalls getrennt von dieser Bestandsberechnung begutachtet (Fjorde von Gebiet 1A bereits seit 1994). [540] [706] [707]

Bestands­zustand

Laicherbiomasse (Reproduktionskapazität)

  unbekannt (nach Vorsorgeansatz)

  unbekannt (nach Managementplan)

  unbekannt (nach höchstem Dauerertrag)

 

Fischereiliche Sterblichkeit

  unbekannt (nach Vorsorgeansatz)

  unbekannt (nach Managementplan)

  unbekannt (nach höchstem Dauerertrag)

 

Bestands­entwicklung

Die ersten Fänge von Schwarzem Heilbutt aus diesen Gebieten wurden 1964 berichtet. Die Fänge stiegen von 1989 bis 1992 aufgrund einer neuen Schleppnetzfischerei in Gebiet 0B, unter Beteiligung von Kanada, Norwegen, Russland und den Färöer-Inseln. Außerdem wurde die Fischerei in die Gebiete 1CD ausgedehnt. 1992 bis 1995 sanken die Fänge, vor allem durch eine Reduzierung des Aufwandes in den nicht-kanadischen Flotten in Gebiet 0B. Seit 1995 liegen die Fänge im Bereich der erlaubten Höchstfangmenge (TAC) und stiegen stufenweise mit der Erhöhung der TACs. 2019 wurden 36.446 t Schwarzer Heilbutt gefangen. Der kombinierte Biomasse-Index für die Gebiete 1CD und 0A Süd war 1999 bis 2017 relativ stabil, mit etwas mehr Variabilität in den letzten Jahren. Alle Werte lagen über dem Limit-Referenzwert (Blim). Und. Für 2018 steht der Wert nicht zur Verfügung (keine Forschungsfahrt) und für 2019 konnte der Wert nicht für die Begutachtung verendet werden, da er möglicherweise nicht mit der Zeitserie vergleichbar ist (Forschungsfahrt mit anderem Schiff). Der Index für 1-jährige Tiere stieg von 1988 bis 2003 und zeigt seitdem einen abnehmenden Trend. 2011, 2013 und 2017 wurden jedoch hohe Werte erreicht. Es ist nicht klar ob dieser Index für die zukünftige Entwicklung der Nachwuchsproduktion repräsentativ ist, er kann aber zur Wahrnehmung des Bestandszustandes beitragen. [706] [707]

Ausblick

Um den Bestand weiterhin sicher über dem Limit-Referenzwert zu halten müssen die Fangmengen stabil bleiben [706]

Umwelt­einflüsse auf den Bestand

Eine Studie aus 2015 hat gezeigt, dass die Jahrgangsstärke und Häufigkeit von Schwarzem Heilbutt vor Westgrönland wahrscheinlich von verschiedenen Umweltbedingungen beeinflusst wird. [706]

Wer und Wie

Das Management von Schwarzem Heilbutt in Westgrönland (NAFO Gebiete 0 und 1 offshore) erfolgt gemeinsam durch Kanada und Grönland. Eine Regulierung über Höchstfangmengen (TAC) wurde für diese Gebiete 1976 eingeführt. Derzeit wird der Gesamt-TAC zwischen Kanada und Grönland zu je 50% geteilt. 1994 wurden die inshore Gebiete (Fjorde) von 1A einem separaten Management unterstellt. Der TAC für die Gebiete 0 und 1A offshore sowie 1B-F betrug 1994 bis 2001 11.000 t und wurde vor allem in den Gebieten 0B und 1CD gefischt. Wissenschaftliche Daten aus den Gebieten 0A und 1AB führten 2001 zu einer Erhöhung der TACs und der Aufteilung in eine nördliche (Gebiete 0A, 1AB) und eine südliche (0B, 1C-F) TAC-Komponente. 2016 wurde eine Index-basierte Bewirtschaftungsregel (harvest cortrol rule) als Basis für die Festlegung der TACs akzeptiert. Die Fischerei findet in den jeweiligen Hoheitsgewässern von Kanada und Grönland statt und folgt somit den Gesetzen und Regularien der beiden Länder. Grönland hat einen Managementplan für Schwarzen Heilbutt in den grönländischen offshore-Gebieten (1A-F) entwickelt. Norwegen und die EU (Deutschland) haben Fangrechte in NAFO Gebiet 1. [288] [707] [1177]

Differenz zwischen Wissen­schaft und Management

2002 bis 2016 wurde die Fangempfehlung für die nördliche (Gebiete 0A, 1AB) und die südliche Komponente (Gebiete 0B, 1C-F) getrennt gegeben. Seit 2018 ist diese getrennte Empfehlung nicht möglich, es wird eine Fangempfehlung für das gesamte Gebiet gegeben. Seit 2020 sind in dieser Empfehlung erstmals die inshore Gebiete (Fjorde) von 1B-F nicht mehr enthalten. Dadurch werden nun alle inshore Gebiete von 1A-F (Fjorde) getrennt begutachtet. Die festgesetzten Höchstfangmengen (TACs) entsprechen den wissenschaftlichen Empfehlungen. Die Fangmengen lagen meist streng innerhalb dieser Vorgaben waren 2015 und 2018 jedoch etwas höher. [706] [707]

Karten

Verbreitungsgebiet

Managementgebiet

Schwarzer Heilbutt in den NAFO-Gebieten 0 und 1 (Davisstraße) besteht aus verschiedenen Komponenten eines Bestandes, der bis in das Gebiet 3 verbreitet ist. Das Management erfolgt für die Gebiete 0 und 1 offshore gemeinsam durch Kanada und Grönland. Gebiet 1F ist zum Teil internationales Gewässer. [279] [706]

Anlandungen und TACs (in 1.000 t)

GesamtfangAnlandungen 2019: Summe (Gebiete 0 & 1): 36,4
Gebiet 0: 18,4, 60-70% Grundschleppnetze, 30-40% Kiemennetze
Gebiet 1: 18,0, hauptsächlich Grundschleppnetze
TACs (Summe)

2011: 27,0   2012: 27,0   2013: 27   2014: 30,0   2015: 30,0   2016: 30,0   2017: 32,3   2018: 32,3   2019: 36,4   2020: 36,4   2021: 36,4   [540] [706] [707]

IUU-Fischerei

Die NAFO führt eine Liste mit Schiffen, die Illegale, nicht gemeldete oder unregulierte Fischerei betreiben (IUU-Liste) und hat diverse Regularien festgelegt, die eine IUU-Fischerei verhindern sollen. Es gibt keine Hinweise auf illegale oder unberichtete Fänge aus diesem Bestand. [709]

Struktur und Fangmethode

In NAFO-Gebiet 1 sind Grundschleppnetze das Hauptfanggerät, in Gebiet 0 werden Schleppnetze und Kiemennetze verwendet. Langeleinen werden in beiden Gebieten gelegentlich eingesetzt. Die Kiemennetzfischerei in Gebiet 0 begann 2005, seit etwa 2015 werden auch beköderte Kiemennetze verwendet. Diese erhöhen den Fang von Schwarzem Heilbutt um 150 bis 250% (in Abhängigkeit vom Köder). Die Gebiete 1A-F werden neben Grönland von diversen weiteren Nationen befischt (Russland, Norwegen, Japan, Färöer-Inseln, Europa), in 1CD ist unter anderem auch die deutsche Flotte tätig. [706] [707] [1177]

Beifänge und Rückwürfe

Die Rückwürfe von Schwarzem Heilbutt in der Schleppnetzfischerei in den Gebieten 0 und 1 offshore sind gering, normalerweise unter 1% bezogen auf den Gesamtfang. In der Kiemennetzfischerei in Gebiet 0 sind sie etwas höher, üblicherweise aber nicht mehr als 2% des Gesamtfanges.
Beifänge werden in NAFO-Gebiet 0 von Beobachtern an Bord registriert. Die Beobachter Abdeckung ist in Gebiet 0A 100% für die Schleppnetz- und die Kiemennetzfischerei, in Gebiet 0B 100% für die Schleppnetz- und 20% für die Kiemennetzfischerei. 2019 wurden in allen Fängen weniger als 2% Beifänge anderer Arten beobachtet: 0A Schleppnetz 1,6%, 0A Kiemennetz 0,7%, 0B Kiemennetz 0,6%. Nur in der Schleppnetzfischerei in Gebiet 0B waren es 5%. Der Beifang besteht bei letzterer hauptsächlich aus vier Arten: Grönlandhai, Grenadierfisch, Grönlandrochen und blauer Seewolf. Hinzu kommen z.B. weitere Rochenarten, Grendierarten, Wolffischarten und Schwämme. Details zu den Beifangregularien finden sich im grönländischen Managementplan für Schwarzen Heilbutt. [288] [706] [707]

Einflüsse der Fischerei auf die Umwelt

Durch den Einsatz von Grundschleppnetzen können Bodenlebensgemeinschaften geschädigt werden. Sie fangen neben den Zielarten auch Arten, die nicht kommerziell genutzt werden und deren Entnahme einen Einfluss auf das Ökosystem haben kann. Auf sandigem Boden konnten allerdings keine großen Veränderungen festgestellt werden. Einen negativen Effekt hat dieses Gerät auf die Fauna des Hartbodens, hier hat als Folge des Einsatzes von Grundschleppnetzen die Häufigkeit von z.B. Schwämmen und Kaltwasser-Korallen abgenommen. Einige Gebiete in der NAFO-Region sind zum Schutz dieser Kaltwasser-Riffe für die Schleppnetzfischerei geschlossen (Details auch im grönländischen Managementplan für Schwarzen Heilbutt). Verlorengegangene Geräte wie Kiemennetze können für eine gewisse Zeit weiterfischen (ghost fishing). Der Einfluss des „ghost fishing“ ist jedoch noch nicht quantifiziert worden. [30] [31] [83] [158] [178] [288] [709]

Biologische Besonder­heiten

Schwarzer Heilbutt ist ein besonders großer Plattfisch, der über 1 m lang werden kann. Anders als andere Arten ist er auf beiden Körperseiten pigmentiert und das zweite Auge wandert nicht gänzlich auf die spätere Körperoberseite. Beide Merkmale weisen darauf hin, dass schwarzer Heilbutt nicht nur am Boden lebt, sondern auch in der freien Wassersäule angetroffen werden kann. [31] [229]

Zusätzliche Informationen

Die Fischerei auf schwarzen Heilbutt in Grönland begann Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts in der Disko-Bucht. Hier wurde traditionell der höchste Anteil der grönländischen Fänge getätigt, und die Fänge stiegen fast kontinuierlich bis 2004. Auch heute ist dieses Gebiet durch die Heilbutt-Fischerei geprägt und ein Anziehungspunkt für Touristen. [288]

Zertifizierte Fischereien

Drei Fischereien auf Schwarzen Heilbutt West-Grönland sind nach den Standards des Marine Stewardship Councils (MSC) nachhaltigkeitszertifiziert. [4] Siehe
fisheries.msc.org/en/fisheries/west-greenland-offshore-greenland-halibut/@@view
fisheries.msc.org/en/fisheries/doggerbank-seefischerei-west-greenland-halibut/@@view
fisheries.msc.org/en/fisheries/canada-0ab-2-3klmno-greenland-halibut-bottom-trawl-and-gillnet/@@view

Soziale Aspekte

Die Fahrzeuge fahren vor allem unter den Flaggen Kanadas und Grönlands. Hinzu kommen norwegische, russische, färöische und EU-Schiffe. Die Arbeitsbedingungen an Bord und die Entlohnung erfolgt nach den Regeln der jeweiligen Staaten. In Grönland ist die Fischerei und die anschließende Verarbeitung der Hauptindustriezweig. [13] [31] [288]

Marktdaten: Alle Heilbuttarten auf dem deutschen Markt zusammengefasst.

2019: Verbrauch in Deutschland: 4.703 t (2018: 4.286 t), Marktanteil (Fische, Krebse, Weichtiere): 0,4% (2018: 0,4%) [13] [14]

Anlandungen (in 1.000 t)Fänge (in 1.000 t)Laicherbiomasse (in 1.000 t)Laicherbiomasse ZustandFischereiliche SterblichkeitAnmerkungen (insbesondere Managementplan)Gültigkeit
Neufundland/Labrador (NAFO 2, 3KLMNO) 16,5 - - Anlandungen 2019, Bewirtschaftungsregel 06/2020 -
06/2021
Nordost-Arktis (1, 2) 22,2 22,2 734,0 Anlandungen 2014 09/2015 -
09/2017
Ost-Grönland & Island (5, 6, 12, 14) 25,7 - - - 06/2016 -
06/2017
West-Grönland (NAFO 0, 1) 36,4 - - Anlandungen 2019 06/2020 -
06/2022
West-Grönland Fjorde (1A inshore) 26,6 - - Anlandungen Summe der Gebiete 2019 06/2020 -
06/2022

Klassifizierung nach dem Ansatz des höchstmöglichen nachhaltigen Dauerertrages (MSY), durch den ICES bis 2020 oder analog zu dessen Einteilung:

SymbolBiomasseBewirtschaftung (fischereiliche Sterblichkeit)
innerhalb der Schwankungsbreite um den Zielwertangemessen oder unternutzt
außerhalb der Schwankungsbreite um den Zielwertübernutzt
Zustand unklar, Referenzpunkte nicht definiert und/oder unzureichende DatenZustand unklar, Referenzpunkte nicht definiert und/oder unzureichende Daten
AutorJahrTitelQuelle
[4]Marine Stewardship Council (MSC)Fisch und Meeresfrüchte aus zertifiziert nachhaltiger Fischereimsc.org
[13]Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE)Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) Homepageble.de
[14]Fisch-Informationszentrum e.V. (FIZ)Fisch-Informationszentrum e.V. Homepagefischinfo.de
[30]Food and Agriculture Organization (FAO)FAO. © 2003-2010. Fisheries Topics: Technology. Fish capture technology. In: FAO Fisheries and Aquaculture Department [online]. Rome. Updated 2006 15 09.[Cited 10 June 2010]fao.org
[31]Ministry of Industries and Innovation, IcelandInformationsseite des isländischen Ministeriums für Industrie und Innovation (Ministry of Industries and Innovation)fish.is
[83]Fossa JH, Mortensen PB, Furevik DM2002The deep-water coral Lophelia pertusa in Norwegian waters: distribution and fishery impacts Hydrobiologia 471:1-12
[158]Fisheries and Oceans Canada, DFOHomepage: Fisheries and Oceans CanadaDFO-Kanada
[178]FAO Food and Agriculture Organization2016Abandoned, lost and discarded gillnets and trammel nets, Methods to estimate ghost fishing mortality, and the status of regional monitoring and management FAO Fisheries and Aquaculture Technical Paper 600, FOOD AND AGRICULTURE ORGANIZATION OF THE UNITED NATIONS, Rome, 2016
[229]Froese, R. and D. Pauly. Editors.2011FishBase. World Wide Web electronic publication.
www.fishbase.org, version (06/2011).
fishbase
[279]North-West-Atlantic-Fisheries-Organisation (NAFO)Northwest Atlantic Fisheries Organization, Homepagenafo.int
[288]The Government of Greenland (Naalakkersuisut)Homepage: Government of Greenlandnaalakkersuisut.gl
[540]North-West-Atlantic-Fisheries-Organisation (NAFO)Homepage: NAFO Scientific Council Research (SCR) Documentsnafo.int
[706]North-West-Atlantic-Fisheries-Organisation (NAFO)Homepage: Stock Advice, Summary Sheetsnafo.int
[707]North-West-Atlantic-Fisheries-Organisation (NAFO)Homepage: NAFO Scientific Council Summary (SCS) Documentsnafo.int
[709]North-West-Atlantic-Fisheries-Organisation (NAFO)Northwest Atlantic Fisheries Organization Conservation and Enforcement Measuresnafo.int
[1177]Europäische Union (EU)2020Verordnung (EU) 2020/123 des Rates vom 27. Januar 2020 zur Festsetzung der Fangmöglichkeiten für 2020 für bestimmte Fischbestände und Bestandsgruppen in den Unionsgewässern sowie für Fischereifahrzeuge der Union in bestimmten Nicht-Unionsgewässern, ST/15319/2019/INITeuropa.eu