Bestandsdatenblatt

Schwarzer Heilbutt Fjorde West-Grönlands (1A inshore)

Gültig 06/2022 - 06/2024

Schwarzer Heilbutt Fjorde West-Grönlands (1A inshore)

gültig 06/2022 - 06/2024

Zugehörige Fischart

Heilbutt, schwarzer

Allgemeine Informationen

Ökoregion:Westgrönlandschelf
Fanggebiet:West-Grönland (NAFO 0, 1) FAO 21 (Nordwestatlantik)
Art:Reinhardtius hippoglossoides

Wissenschaftliche Begutachtung

Wissenschaftlicher Rat (Scientific Council) der Northwest Atlantic Fisheries Organization (NAFO), www.nafo.int

Methode, Frequenz

Die Begutachtungen der Bestandskomponenten in den Fjorden West-Grönlands (NAFO-Gebiet 1A inshore) werden im Auftrag Dänemarks (Grönlands) von der NAFO (Northwest Atlantic Fisheries Organization) derzeit alle zwei Jahre durchgeführt (nächste 2024). Es gibt keine analytische Bestandsberechnung, Referenzwerte sind nicht festgelegt. Anlandedaten und Biomasseinformationen sind für einzelne Gebiete (Forschungsfahrten und kommerzielle Daten) verfügbar. Die Beurteilungen und Empfehlungen werden für die Komponenten in drei grönländischen Fjorden (Gebiet 1A) getrennt abgegeben. [279] [540] [706] [707]

Wesentliche Punkte

2022/23: Der Zustand aller drei Bestands-Komponenten ist unklar. Der Biomasse-Index für die Disko-Bucht ist seit 2013 stabil. In der Kiemennetz-Erhebung deutet die Zunahme von kleinen Fischen auf ein potenzielles Wachstum dieses Bestands hin. In den Fjorden bei Upernavik sind in der wissenschaftlichen Kiemennetz-Erhebung die Einheitsfänge (CPUE) 2020 und 2021 gestiegen. Im Uummannaq-Fjord ist der Kiemennetz-Index 2020 und 2021 wieder auf sein ursprüngliches Niveau gestiegen. [540] [706] [707]

Bestands­zustand

Laicherbiomasse (Reproduktionskapazität)

  unbekannt (nach Vorsorgeansatz)

  unbekannt (nach Managementplan)

  unbekannt (nach höchstem Dauerertrag)

 

Fischereiliche Sterblichkeit

  unbekannt (nach Vorsorgeansatz)

  unbekannt (nach Managementplan)

  unbekannt (nach höchstem Dauerertrag)

 

Bestands­entwicklung

Die kommerzielle Fischerei in den westgrönländischen Fjorden findet vor allem in drei Gebieten statt: Disko-Bucht, Uummannaq-Fjord und Fjorde bei Upernavik. Sie begann Anfang des 20. Jahrhunderts mit Einführung der Langleinen-Fischerei, blieb aber bis Ende der 1970er Jahre auf niedrigem Niveau. Aus der Disko-Bucht wurden 2004 knapp 13.000 Schwarzer Heilbutt angelandet (Maximalwert). Nach 2006 halbierten sich die Fänge innerhalb von drei Jahren auf 6.300 t, stiegen danach aber wieder an. In Uummannaq stiegen die Fänge seit den 1990er Jahren an, ein Maximum wurde 1999 mit über 8.000 t erreicht. Nach einer Abnahme wurden 2016, 2019 und 2020 mit Fängen von über 10.000 t neue Maximalwerte erreicht. In Upernavik stiegen die Fänge von 1985 bis 1998, nahmen dann schnell ab, stiegen aber in den letzten 17 Jahren langsam auf den Maximalwert von 9.000 t in 2019.
Der Biomasse-Index für die Disko-Bucht ist seit 2013 stabil. In der Kiemennetz-Erhebung deutet die Zunahme von kleinen Fischen auf ein potenzielles Wachstum dieses Bestands hin. In den Fjorden bei Upernavik sind in der wissenschaftlichen Kiemennetz-Erhebung die Einheitsfänge (CPUE) 2020 und 2021 gestiegen. Im Uummannaq-Fjord ist der Kiemennetz-Index 2020 und 2021 wieder auf sein ursprüngliches Niveau gestiegen. Informationen zur Fischereilichen Sterblichkeit liegen nicht vor. [540] [706] [707]

Ausblick

Die derzeit erlaubten Höchstfangmengen (TACs) sowie die tatsächlichen Fänge liegen in allen drei Gebieten erheblich über den jeweiligen aktuellen Fangempfehlungen. Die Fangmengen müssten also reduziert werden. [706]

Umwelt­einflüsse auf den Bestand

Es sind keine spezifischen Umwelteinflüsse auf diese Bestandskomponenten genannt. An menschlichem Einfluss wird hauptsächlich die fischereibedingte Sterblichkeit dokumentiert, andere Quellen (z.B. Verschmutzung, Schifffahrt, Ölindustrie) sind nicht untersucht. Die Komponenten in den Fjorden sind nicht selbsterhaltend, sondern von der Zuwanderung aus der Davisstrasse (NAFO-Gebiete 0 und 1) abhängig. Es gibt kaum Wanderungen von erwachsenen Tieren zwischen den Fjorden und in die übrigen Gebiete. [540] [706] [707]

Wer und Wie

Das Management der Bestandskomponenten in der Disko-Bucht und den Fjorden erfolgt durch Grönland. Seit 2008 werden drei getrennte, lokale Höchstfangmengen (TACs) festgelegt, ab 2012 getrennt in transferierbare Quoten für Schiffe (ITQs) und gemeinsamen Quoten für kleine offene Boote. Ab 2014 gab es bestimmte Gebiete außerhalb der Quote. Diese Fänge werden nicht auf die Quoten angerechnet, erscheinen aber in der Anlandestatistik. 2022 wurden die quotenfreien Gebiete wieder abgeschafft. Schiffe über 9,1 m Länge müssen Logbücher führen. Es gibt technische Regularien zum Beispiel zu Maschenweiten in Kiemennetzen. Die einzelnen Gemeinden können zum Teil eigene Regularien festlegen (z.B. über den Einsatz von Kiemennetzen). Im Uummannaq und Upernavik Fjord ist Schleppnetz-Fischerei verboten. [540] [706] [707]

Differenz zwischen Wissen­schaft und Management

Seit 2008 werden für die drei Komponenten in der Disko-Bucht und den Fjorden Höchstfangmengen (TACs) festgelegt, wissenschaftliche Empfehlungen gibt es teilweise schon länger. Die TACs liegen seit Jahren in allen drei Gebieten in unterschiedlichem Masse und teilweise erheblich über den wissenschaftlichen Empfehlungen. Die Anlandungen liegen in allen Gebieten meist im Rahmen der TACs. In Uummannaq lagen sie allerdings 2016, 2019 und 2020, in Upernavik 2019 und in der Disko Bucht 2016 etwas darüber. Seit 2012 wird der TAC in zwei Komponenten aufgeteilt, mit transferierbaren Quoten für Schiffe (ITQs) und gemeinsamen Quoten für kleine offene Boote. Da die ITQs nicht bestimmten Gebieten zugeordnet werden, kommt es zu Abweichungen zwischen ITQs und den Quoten für die einzelnen Distrikte. [540] [706] [707]

Karten

Verbreitungsgebiet

Managementgebiet

Die Bestandskomponenten sind nur in grönländischen Gewässern verbreitet. Die Bewirtschaftung erfolgt durch Grönland über drei getrennte Höchstfangmengen. [540] [706] [707]

Anlandungen und TACs (in 1.000 t)

Gesamtfang2021: Disko-Bucht: 9,0; Uummannaq: 9,6; Upernavik: 8,5; davon:
Disko-Bucht: 78 % Langleinen, 22 % Kiemennetze
Uummannaq: 88 % Langleinen, 12 % Kiemennetze
Upernavik: 86 % Langleinen, 14 % Kiemennetze
TACs (Disko Bay/Uummannaq/Upernavik) 2013: 9,0/7,5/8,0   2014: 9,0/8,4/9,5   2015: 9,2/9,5/9,5   2016: 9,6/9,8/9,5   2017: 9,2/9,5/9,5   2018: 9,2/9,5/9,5   2019: 11,1/9,9/8,5   2020: 10,6/9,5/8,5   2021: 10,2/9,6/10,0   2022: 9,1/9,6/9,3   [540] [706] [707]

IUU-Fischerei

Die NAFO führt eine Liste mit Schiffen, die Illegale, nicht gemeldete oder unregulierte Fischerei betreiben (IUU-Liste) und hat diverse Regularien festgelegt, die eine IUU-Fischerei verhindern sollen. Es gibt keine Hinweise auf illegale oder unberichtete Fänge aus diesem Bestand. [709]

Struktur und Fangmethode

Die Fischerei wird mit Langleinen oder Kiemennetzen von kleinen Schiffen, offenen Booten und in den Wintermonaten durch Löcher im Meereis durchgeführt. Die Nutzung von Kiemennetzen wurde Ende der 1990er eingeschränkt, um den Aufwand zu reduzieren. Seit 2004 obliegt diese Regulierung aber den Kommunen, und es sind wieder größere Gebiete für Kiemennetzfischerei geöffnet. Das Gros der Anlandungen stammt aber noch immer aus der Fischerei mit Langleinen. [540] [706] [707]

Beifänge und Rückwürfe

Schwarzer Heilbutt wird in den Fjorden mit Langleinen und Kiemennetzen gefischt. Beide Fanggeräte fangen in der Regel nur Fische eines bestimmten Größenbereiches. Es gibt wenig Beifang zu kleiner Tiere, da vor allem große erwachsene Fische selektiert werden. Quantitative Informationen über Beifänge und Rückwürfe stehen nicht zur Verfügung. In der Garnelen-Fischerei kann es zum Beifang von Schwarzem Heilbutt kommen. Seit 2011 vorgeschriebene Sortiergitter vermindern das Problem. [540] [706] [707]

Einflüsse der Fischerei auf die Umwelt

Der Meeresboden wird bei der Fischerei mit Langleinen nicht beeinflusst. Verlorengegangene Kiemennetze können für eine gewisse Zeit weiterfischen (ghost fishing). Kiemennetze spielen in dieser Fischerei aber nur eine geringere Rolle (2021 zwischen 12 und 22 % der Anlandungen). Im Uummannaq und Upernavik Fjord ist Schleppnetz-Fischerei verboten. [30] [178] [540] [706] [707]

Biologische Besonder­heiten

Schwarzer Heilbutt ist ein besonders großer Plattfisch, der über 1 m lang werden kann. Anders als andere Arten ist er auf beiden Körperseiten pigmentiert und das zweite Auge wandert nicht gänzlich auf die spätere Körperoberseite. Beide Merkmale weisen darauf hin, dass schwarzer Heilbutt nicht nur am Boden lebt, sondern auch in der freien Wassersäule angetroffen werden kann. [31] [229]

Zusätzliche Informationen

Die Fischerei auf schwarzen Heilbutt in Grönland begann Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts in der Disko-Bucht. Hier wurde traditionell der höchste Anteil der grönländischen Fänge getätigt und die Fänge stiegen fast kontinuierlich bis 2004. Auch heute ist dieses Gebiet durch die Heilbutt-Fischerei geprägt und ein Anziehungspunkt für Touristen. Neben dem Heilbutt sind hier noch Eismeergarnelen, Kabeljau und Schneekrabben wichtige Arten für die Fischerei. In Uummannaq und Upernavik ist Heilbutt die einzige Zielarten der Fischerei. Kabeljau, Rotbarsch und andere Arten sind Beifang. In den „inshore“ Gebieten BC, D und EF werden erheblich geringere Mengen Schwarzer Heilbutt angelandet. [288] [540] [706] [707]

Zertifizierte Fischereien

Bislang ist keine Fischerei auf Schwarzen Heilbutt in den Fjorden West-Grönlands nach einem der gängigen Nachhaltigkeitsstandards zertifiziert.

Soziale Aspekte

Die Fahrzeuge fahren unter der grönländischen Flagge, die Arbeitsbedingungen an Bord und die Entlohnung erfolgt nach grönländischen (dänischen) Regeln. In Grönland ist die Fischerei und die anschließende Verarbeitung der Hauptindustriezweig. Etwa 1.000 Personen haben in Lizenzen für die kommerzielle Fischerei in den nordwestlichen Fjorden Grönlands. Schwarzer Heilbutt ist daher von erheblicher sozialer und ökonomischer Bedeutung für die lokalen Gemeinden. [13] [288] [540]

Marktdaten: Alle Heilbuttarten auf dem deutschen Markt zusammengefasst.

2022 (vorl.): Verbrauch in Deutschland: 1.204 t (2021: 5.970 t), Marktanteil (Fische, Krebse, Weichtiere): 0,1 % (2021: 0,5 %) [13] [14]

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Klassifizierung nach dem Ansatz des höchstmöglichen nachhaltigen Dauerertrages (MSY), durch den ICES bis 2020 oder analog zu dessen Einteilung:

SymbolBiomasseBewirtschaftung (fischereiliche Sterblichkeit)
innerhalb der Schwankungsbreite um den Zielwertangemessen oder unternutzt
außerhalb der Schwankungsbreite um den Zielwertübernutzt
Zustand unklar, Referenzpunkte nicht definiert und/oder unzureichende DatenZustand unklar, Referenzpunkte nicht definiert und/oder unzureichende Daten
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