Bestandsdatenblatt

Schwarzer Heilbutt West-Grönland

Gültig 06/2022 - 06/2024

Allgemeine Informationen

Ökoregion:Westgrönlandschelf
Fanggebiet:West-Grönland (NAFO 0, 1) FAO 21 (Nordwestatlantik)
Art:Reinhardtius hippoglossoides

Wissenschaftliche Begutachtung

Wissenschaftlicher Rat (Scientific Council) der Northwest Atlantic Fisheries Organization (NAFO), www.nafo.int

Methode, Frequenz

Der Schwarze Heilbutt in den NAFO-Gebieten vor West-Grönland (Gebiete 0 und 1 offshore) ist Teil eines größeren Bestands-Komplexes im Nordwest Atlantik. Die Managementeinheiten in den Fjorden werden separat begutachtet (Gebiete in 1A-F inshore). Der hier behandelte Bestand ist in den ausschließlichen Wirtschaftszonen von Kanada und Grönland verbreitet. Die Begutachtungen mit Fangempfehlung werden im Auftrag dieser Staaten von der NAFO (Northwest Atlantic Fisheries Organization) derzeit alle zwei Jahre durchgeführt (nächste voraussichtlich 2024). Es gibt keine analytische Bestandsberechnung. Anlandedaten und Biomasseinformationen für einzelne Gebiete (Forschungsfahrten und kommerzielle Daten) sind verfügbar, daraus werden Biomasse-Indices berechnet. 2018, 2020 und 2021 wurden aber keine Forschungsfahrten durchgeführt und die Daten aus 2019 (Forschungsfahrt mit anderem Schiff) sind mit den Vorjahren nicht vergleichbar. Der Haupt-Index für diesen Bestand wurde daher seit 2017 nicht aktualisiert. Der 2015 festgelegte vorläufige Limit-Referenzwert für die Biomasse (Blim-Proxy) war nur bis 2017 gültig und muss neu berechnet werden, wenn eine neue Zeitserie entwickelt wurde. [540] [706] [707]

Wesentliche Punkte

2022/23: 2018, 2020 und 2021 wurden keine Forschungsfahrten zur Datenaufnahme für Schwarzen Heilbutt in diesem Gebiet durchgeführt und die Daten aus 2019 sind mit den Vorjahren nicht vergleichbar (hellgrüner Datenpunkt in Grafik). Der Haupt-Index für diesen Bestand wurde daher seit 2017 nicht aktualisiert und Bestandszustand sowie Managemententscheidungen werden dadurch immer unsicherer. Es wird aber davon ausgegangen, dass sich der Zustand des Bestands 2018 bis heute nicht drastisch verändert hat. Der kombinierte Biomasse-Index für die NAFO-Gebiete 1CD und 0A Süd war 1999 bis 2017 relativ stabil mit etwas mehr Variabilität in den letzten Jahren. Alle Werte lagen damals über dem Limit-Referenzwert (Blim). [540] [706] [707]

Bestands­zustand

Laicherbiomasse (Reproduktionskapazität)

  unbekannt (nach Vorsorgeansatz)

  unbekannt (nach Managementplan)

  unbekannt (nach höchstem Dauerertrag)

 

Fischereiliche Sterblichkeit

  unbekannt (nach Vorsorgeansatz)

  unbekannt (nach Managementplan)

  unbekannt (nach höchstem Dauerertrag)

 

Bestands­entwicklung

Die ersten Fänge von Schwarzem Heilbutt aus diesen Gebieten wurden 1964 berichtet. Die Fänge stiegen von 1989 bis 1992 aufgrund einer neuen Schleppnetzfischerei in Gebiet 0B, unter Beteiligung von Kanada, Norwegen, Russland und den Färöer-Inseln. Außerdem wurde die Fischerei in die Gebiete 1CD ausgedehnt. 1992 bis 1995 sanken die Fänge, vor allem durch eine Reduzierung des Aufwandes in den nicht-kanadischen Flotten in Gebiet 0B. Seit 1995 liegen die Fänge im Bereich der erlaubten Höchstfangmenge (TAC) und stiegen stufenweise mit der Erhöhung der TACs. Der kombinierte Biomasse-Index für die Gebiete 1CD und 0A Süd war 1999 bis 2017 relativ stabil, mit etwas mehr Variabilität in den letzten Jahren. Alle Werte lagen über dem Limit-Referenzwert (Blim). 2018, 2020 und 2021 wurden keine Forschungsfahrten zur Datenaufnahme für Schwarzen Heilbutt in diesem Gebiet durchgeführt und die Daten aus 2019 sind mit den Vorjahren nicht vergleichbar (hellgrüner Datenpunkt in Grafik). Der Haupt-Index für diesen Bestand wurde daher seit 2017 nicht aktualisiert.
Der Index für 1-jährige Tiere stieg von 1988 bis 2003 und zeigt seitdem einen abnehmenden Trend. 2011, 2013 und 2017 wurden jedoch hohe Werte erreicht. 2020 lag der Wert nah am Mittelwert der letzten 10 Jahre. Es ist nicht klar ob dieser Index für die zukünftige Entwicklung der Nachwuchsproduktion repräsentativ ist, er kann aber zur Wahrnehmung des Bestandszustandes beitragen. [540] [706] [707]

Ausblick

Der Haupt-Index für diesen Bestand des Schwarzen Heilbutts wurde seit 2017 nicht aktualisiert, so dass die Bestandslage zunehmend unsicher ist. Der wissenschaftliche Rat stellt jedoch fest, dass der Bestand zwischen 2013 und 2017 ohne Trend schwankte, während die Fischerei zunahm. Die durchschnittlichen Fangmengen in diesem Zeitraum betrugen 29.640 t, daher empfiehlt der wissenschaftliche Rat, diesen Wert in den Jahren 2023 und 2024 nicht zu überschreiten. Die Fangmengen müssten also reduziert werden. [540] [706]

Umwelt­einflüsse auf den Bestand

Eine Studie aus 2015 hat gezeigt, dass die Jahrgangsstärke und Häufigkeit von Schwarzem Heilbutt vor West-Grönland wahrscheinlich von verschiedenen Umweltbedingungen beeinflusst wird. An menschlichem Einfluss wird hauptsächlich die fischereibedingte Sterblichkeit dokumentiert, andere Quellen (z.B. Verschmutzung, Schifffahrt, Ölindustrie) sind nicht untersucht. [706]

Wer und Wie

Das Management von Schwarzem Heilbutt in West-Grönland (NAFO-Gebiete 0 und 1 offshore) erfolgt gemeinsam durch Kanada und Grönland. Eine Regulierung über Höchstfangmengen (TAC) wurde für diese Gebiete 1976 eingeführt. Derzeit wird der Gesamt-TAC zwischen Kanada und Grönland zu je 50% geteilt. Über bilaterale Verhandlungen teilt Grönland bestimmte Fangmengen aus diesem Bestand Drittländern wie Norwegen, Russland, den Färöern und der EU zu. Auch Deutschland hat Fangrechte in NAFO-Gebiet 1 (2023: 1.700 t). Die Fischerei findet in den jeweiligen Hoheitsgewässern von Kanada und Grönland statt und folgt somit den Gesetzen und Regularien der beiden Länder. Grönland hat einen Managementplan für Schwarzen Heilbutt in den grönländischen offshore-Gebieten (1A-F), der aktuelle Plan gilt bis Ende 2025. Kanada hat einen „Integrated Fishery Management Plan (IFMP)“ für schwarzen Heilbutt in den Gebieten OA und OB. [158] [288] [707] [1408] [1435] [1436]

Differenz zwischen Wissen­schaft und Management

2002 bis 2016 wurde die Fangempfehlung für Schwarzen Heilbutt für die nördliche (Gebiete 0A, 1AB) und die südliche Komponente (Gebiete 0B, 1C-F) getrennt gegeben. Seit 2018 ist diese getrennte Empfehlung nicht möglich, es wird eine Fangempfehlung für das gesamte Gebiet gegeben. Seit 2020 sind in dieser Empfehlung erstmals die inshore Gebiete (Fjorde) von 1B-F nicht mehr enthalten. Dadurch werden nun alle inshore Gebiete von 1A-F (Fjorde) getrennt begutachtet. Die festgesetzten Höchstfangmengen (TACs) entsprechen den wissenschaftlichen Empfehlungen für die NAFO Gebiete 0 und 1 in denen dieser Bestand verbreitet ist. Die Fangmengen lagen meist streng innerhalb dieser Vorgaben. [540] [706] [707]

Karten

Verbreitungsgebiet

Managementgebiet

Schwarzer Heilbutt in den NAFO-Gebieten 0 und 1 (Davisstraße) besteht aus verschiedenen Komponenten eines Bestandes, der bis in das Gebiet 3 verbreitet ist. Das Management erfolgt für die Gebiete 0 und 1 offshore gemeinsam durch Kanada und Grönland. Gebiet 1F ist zum Teil internationales Gewässer. [279] [706]

Anlandungen und TACs (in 1.000 t)

Gesamtfang2021: Summe (Gebiete 0 & 1): 36,4
Gebiet 0: 19,1, 60-70% Grundschleppnetze, 30-40% Kiemennetze
Gebiet 1: 17,3, hauptsächlich Grundschleppnetze
TACs (Summe)

2013: 27   2014: 30,0   2015: 30,0   2016: 30,0   2017: 32,3   2018: 32,3   2019: 36,4   2020: 36,4   2021: 36,4   2022: 36,4   [540] [706] [707] [1408]

IUU-Fischerei

Die NAFO führt eine Liste mit Schiffen, die Illegale, nicht gemeldete oder unregulierte Fischerei betreiben (IUU-Liste) und hat diverse Regularien festgelegt, die eine IUU-Fischerei verhindern sollen. Es gibt keine Hinweise auf illegale oder unberichtete Fänge aus diesem Bestand. [709]

Struktur und Fangmethode

In NAFO-Gebiet 1 sind Grundschleppnetze das Hauptfanggerät, in Gebiet 0 werden Schleppnetze und Kiemennetze verwendet. Langleinen werden in beiden Gebieten gelegentlich eingesetzt. Die Kiemennetzfischerei in Gebiet 0 begann 2005, seit etwa 2015 werden auch beköderte Kiemennetze verwendet. Diese erhöhen den Fang von Schwarzem Heilbutt um 150 bis 250% (in Abhängigkeit vom Köder). Die Gebiete 1A-F werden neben Grönland von diversen weiteren Nationen befischt (Russland, Norwegen, Färöer-Inseln, EU), in 1CD ist unter anderem auch die deutsche Flotte tätig. [540] [706] [707] [1408]

Beifänge und Rückwürfe

Die Rückwürfe von Schwarzem Heilbutt in der Schleppnetzfischerei in den NAFO-Gebieten 0 und 1 offshore sind gering, normalerweise unter 1-2 % bezogen auf den Gesamtfang. In der Kiemennetzfischerei in Gebiet 0 sind sie etwas höher, üblicherweise aber nicht mehr als 3 % des Gesamtfanges.
Beifänge werden in Gebiet 0 von Beobachtern an Bord registriert. Die Beobachter Abdeckung ist in Gebiet 0A 100% für die Schleppnetz- und die Kiemennetzfischerei, in Gebiet 0B 100% für die Schleppnetz- und 20% für die Kiemennetzfischerei (das 20 % Ziel für die Kiemennetz-Fischerei wurde während der COVID 19 Pandemie 2020 und 2021 nicht immer vollständig erreicht). 2021 wurden in allen Fängen weniger als 2 % Beifänge anderer Arten beobachtet: Schleppnetz 1-2 %, Kiemennetz 1-3 %. Der Beifang in Gebiet 0 besteht hauptsächlich aus vier Arten: Grönlandhai, Grenadierfisch, Arktischer-Rochen und blauer Seewolf. Hinzu kommen z.B. weitere Rochenarten, Grendierarten, Wolffischarten, Rotbarsch und Schwämme. Aufgrund seiner niedrigen Reproduktions- und Wachstumsrate und mangelnder ökologischer Informationen ist der Grönlandhai in diesem Gebiet eine potentiell gefährdete Beifangart. Daher wird der Beifang von Grönlandhaien überwacht, um Mengen sowie räumliche und zeitliche Muster der Beifänge zu ermitteln. Details zu den Beifangregularien finden sich auch in den Managementplänen für Schwarzen Heilbutt von Grönland und Kanada. [158] [288] [540] [706] [707] [1435] [1436]

Einflüsse der Fischerei auf die Umwelt

Durch den Einsatz von Grundschleppnetzen können Bodenlebensgemeinschaften geschädigt werden. Sie fangen neben den Zielarten auch Arten, die nicht kommerziell genutzt werden und deren Entnahme einen Einfluss auf das Ökosystem haben kann. Der Einfluss hängt aber auch von Fangmethode und Bodenstruktur ab. Auf sandigem Boden hat eine Studie in den USA nur einen geringen Einfluss durch Grundscherbrettnetze feststellen können. So waren zwar die Spuren der Scherbretter lange sichtbar (mindestens ein Jahr), es konnten aber kaum signifikante Unterschiede in der Mikrotopographie der befischten und unbefischten Gebiete nachgewiesen werden. Auch bei strukturformenden und mobilen Wirbellosen zeigten befischte und unbefischte Gebiete keine signifikanten Unterschiede. Einen negativen Effekt kann dieses Gerät auf die Fauna des Hartbodens haben, besonders empfindlich sind Schwämme und Kaltwasser-Korallen. Einige Gebiete in der NAFO-Region sind zum Schutz dieser Kaltwasser-Riffe und anderer empfindlicher Lebensräume für die Schleppnetzfischerei geschlossen. In der Fischerei mit Langleinen können Grönlandhaie beigefangen werden. Sie müssen so schnell wie möglich lebend zurückgesetzt werden. Verlorengegangene Geräte wie Kiemennetze können für eine gewisse Zeit weiterfischen (ghost fishing). Details zum Schutz gefährdeter Lebensräume und Arten finden sich auch in den Managementplänen für Schwarzen Heilbutt von Grönland und Kanada. [30] [83] [158] [178] [288] [706] [709] [1435] [1436]

Biologische Besonder­heiten

Schwarzer Heilbutt ist ein besonders großer Plattfisch, der über 1 m lang werden kann. Anders als andere Arten ist er auf beiden Körperseiten pigmentiert und das zweite Auge wandert nicht gänzlich auf die spätere Körperoberseite. Beide Merkmale weisen darauf hin, dass schwarzer Heilbutt nicht nur am Boden lebt, sondern auch in der freien Wassersäule angetroffen werden kann. [31] [229]

Zusätzliche Informationen

Die Fischerei auf schwarzen Heilbutt in Grönland begann Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts in der Disko-Bucht. Hier wurde traditionell der höchste Anteil der grönländischen Fänge getätigt, und die Fänge stiegen fast kontinuierlich bis 2004. Auch heute ist dieses Gebiet durch die Heilbutt-Fischerei geprägt und ein Anziehungspunkt für Touristen. [288]

Zertifizierte Fischereien

Drei Fischereien auf Schwarzen Heilbutt West-Grönland sind nach den Standards des Marine Stewardship Councils (MSC) nachhaltigkeitszertifiziert. [4] Siehe
fisheries.msc.org/en/fisheries/canada-0ab-2-3klmno-greenland-halibut-bottom-trawl-and-gillnet/@@view
fisheries.msc.org/en/fisheries/west-greenland-offshore-greenland-halibut/@@view
fisheries.msc.org/en/fisheries/doggerbank-seefischerei-west-greenland-halibut/@@view

Soziale Aspekte

Die Fahrzeuge fahren vor allem unter den Flaggen Kanadas und Grönlands. Hinzu kommen norwegische, russische, färöische und EU-Schiffe. Auch Deutschland hat Fangrechte in NAFO-Gebiet 1 (2023: 1.700 t). Die Arbeitsbedingungen an Bord und die Entlohnung erfolgt nach den Regeln der jeweiligen Staaten. In Grönland ist die Fischerei und die anschließende Verarbeitung der Hauptindustriezweig. [13] [31] [288] [1408]

Marktdaten: Alle Heilbuttarten auf dem deutschen Markt zusammengefasst.

2022 (vorl.): Verbrauch in Deutschland: 1.204 t (2021: 5.970 t), Marktanteil (Fische, Krebse, Weichtiere): 0,1 % (2021: 0,5 %) [13] [14]

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Klassifizierung nach dem Ansatz des höchstmöglichen nachhaltigen Dauerertrages (MSY), durch den ICES bis 2020 oder analog zu dessen Einteilung:

SymbolBiomasseBewirtschaftung (fischereiliche Sterblichkeit)
innerhalb der Schwankungsbreite um den Zielwertangemessen oder unternutzt
außerhalb der Schwankungsbreite um den Zielwertübernutzt
Zustand unklar, Referenzpunkte nicht definiert und/oder unzureichende DatenZustand unklar, Referenzpunkte nicht definiert und/oder unzureichende Daten
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