Bestandsdatenblatt

Schwarzer Heilbutt West-Grönland

Gültig 06/2013 - 06/2014

Allgemeine Informationen


Ökoregion:Westgrönlandschelf
Fanggebiet:West-Grönland (NAFO 0, 1) FAO 21
Art:Reinhardtius hippoglossoides

Wissenschaftliche Begutachtung

Wissenschaftlicher Rat (Scientific Council) der Northwest Atlantic Fisheries Organization (NAFO), www.nafo.int

Methode, Frequenz

Die hier zusammengefassten Bestandskomponenten des Schwarzen Heilbutts vor West-Grönland sind in den ausschließlichen Wirtschaftszonen von Kanada und Grönland verbreitet. Die Begutachtungen werden im Auftrag dieser Staaten von der NAFO (Northwest Atlantic Fisheries Organization) jährlich durchgeführt. Es gibt keine analytische Bestandsberechnung. Für die Biomasse ist ein vorläufiger Limit-Referenzwert festgelegt (Blim). Er entspricht 30% der mittleren Biomasse aus verschiedenen Forschungsfahrten (NAFO-Gebiete 1CD 1997-2012, 0A 1999-2012). Anlandedaten und Biomasseinformationen für einzelne Gebiete (Forschungsfahrten und kommerzielle Daten) sind verfügbar. Die Beurteilungen und Empfehlungen werden für eine nördliche Komponente (0A, 1A offshore, 1B) sowie eine südliche Komponente (0B, 1C-F) getrennt gegeben. [279] [706] [707] [708][540]

 

Wesentliche Punkte

2013: Die Biomasse der Bestandskomponenten ist weitestgehend stabil. Für die nördlichen Gebiete (0A, 1AB) kann für 2014 eine Erhöhung der Fangmenge empfohlen werden. [706] [707]

 

Bestands­zustand

Laicherbiomasse (Reproduktionskapazität)

  unbekannt (nach Vorsorgeansatz)

  unbekannt (nach Managementplan)

  unbekannt (nach höchstem Dauerertrag)

 

Fischereiliche Sterblichkeit

  unbekannt (nach Vorsorgeansatz)

  unbekannt (nach Managementplan)

  unbekannt (nach höchstem Dauerertrag)

 

Bestands­entwicklung

Von 1982-1989 lagen die Anlandungen zwischen 3.000 und 4.500 t. Durch eine Erhöhung des Aufwands vor allem der russischen Flotte und einer neuen Schleppnetzfischerei von Kanada und Norwegen stiegen die Anlandungen im Jahr 1992 auf 18.000 t. Die nach einer Abnahme seit 2001 erneut steigenden Anlandungen sind wieder auf erhöhten Fischereiaufwand in wechselnden Gebieten zurückzuführen. In Gebiet 0A ist der Biomasseindex variabel, mit einem ansteigenden Trend, die Biomasse liegt weit über dem Limit-Referenzwert (Blim). Die standardisierten Einheitsfänge (CPUEs) in 0A und 1AB zeigen seit 2007 ebenfalls einen ansteigenden Trend mit leichter Abnahme 2012. In Gebiet 1CD stieg der Biomasseindex seit Beginn der Zeitreihe vor 14 Jahren stetig und erreichte 2011 den höchsten Wert. 2012 wurde der niedrigste Wert seit 2002 gemessen, die Biomasse liegt aber ebenfalls weit über Blim. Die CPUEs aus der kommerziellen Schleppnetz-Fischerei in diesem Gebiet nehmen seit 2009 ab liegen aber 2012 noch über dem Niveau von 1990 bis 2004. Die Entwicklung der CPUEs kann u.a. aber auch durch die technische Entwicklung der Fanggeräte beeinflusst werden und muss daher mit Vorsicht interpretiert werden. [706] [707]

 

Ausblick

Aufgrund der Stabilität bzw. leichter Anstiege von Biomasseindex und Einheitsfängen (CPUE) könnten die erlaubten Fangmengen leicht erhöht werden. [706]

 

Umwelt­einflüsse auf den Bestand

Es sind keine spezifischen Umwelteinflüsse auf diese Bestandskomponenten genannt. [706] [707]

 

Wer und Wie

Das Management der nördlichen (Gebiete 0A, 1AB) und südlichen (0B, 1C-F) Bestandskomponenten erfolgt gemeinsam von Kanada und Grönland über zwei nach Nord- und Süd-Komponente getrennten Höchstfangmengen (TACs). Die Fischerei findet in den jeweiligen Hoheitsgewässern statt und folgt somit den Gesetzen und Regularien der beiden Länder. [279] [707] [708]

 

Differenz zwischen Wissen­schaft und Management

Seit 2002 wird die Empfehlung für die nördliche (Gebiete 0A, 1AB) und die südliche Komponente (Gebiete 0B, 1C-F) getrennt gegeben. Die festgesetzten Höchstfangmengen (TACs) entsprechen seitdem diesen wissenschaftlichen Empfehlungen und die Fangmengen liegen streng innerhalb dieser Vorgaben. Es ist nicht sicher, ob die für 2014 empfohlene Erhöhung der TACs nachhaltig ist. Falls die Biomasse eine Abnahme zeigt müssen sie reduziert werden. [706] [707]

 

Karten

Verbreitungsgebiet

Managementgebiet

Schwarzer Heilbutt in den NAFO-Gebieten 0 und 1 besteht aus verschiedenen Komponenten eines Bestandes, der bis in das Gebiet 3 verbreitet ist. Das Management erfolgt für die Gebiete 0, 1A offshore, 1B-F gemeinsam durch Kanada und Grönland. Gebiet 1F ist zum Teil internationales Gewässer. [279] [706] [708]

 

Anlandungen und TACs (in 1.000 t)

GesamtfangAnlandungen 2012: Summe: 27,0; davon in Gebiet 0A (23% der Anlandungen): ~50% Schleppnetz, 50% Kiemennetze
Gebiet 0B (26% der Anlandungen): ~67% Schleppnetze,~33% Kiemennetze
Gebiet 1 (51% der Anlandungen): ~97% Schleppnetze,~3% Kiemennetze
TACs (Summe)2008: 24,0  2009: 24,0  2010: 27,0  2011: 27,0  2012: 27,0
2013: 27,0     [706] [707]

IUU-Fischerei

Die NAFO führt eine Liste mit Schiffen, die Illegale, nicht gemeldete oder unregulierte Fischerei betreiben (IUU-Liste) und hat diverse Regularien festgelegt, die eine IUU-Fischerei verhindern sollen. Es gibt keine Hinweise auf illegale oder unberichtete Fänge aus diesem Bestand. [709]

 

Struktur und Fangmethode

Rückwürfe sind in der Schleppnetzfischerei auf diese Bestandskomponenten gering und liegen normalerweise bei unter 1% des Gesamtfanges. [707]

Beifänge und Rückwürfe

Rückwürfe in der Schleppnetzfischerei sind gering und liegen normalerweise bei unter 1%. [283]

 

Einflüsse der Fischerei auf die Umwelt

Durch den Einsatz von Grundschleppnetzen kann der Meeresboden geschädigt werden. Sie fangen neben den Zielarten auch Arten, die nicht kommerziell genutzt werden und deren Entnahme einen Einfluss auf das Ökosystem haben kann. Auf sandigem Boden konnten allerdings keine großen Veränderungen festgestellt werden. Einen negativen Effekt hat dieses Gerät auf die Fauna des Hartbodens, hier hat als Folge des Einsatzes von Grundschleppnetzen die Häufigkeit von z.B. Schwämmen und Kaltwasser-Korallen abgenommen. Einige Gebiete in der NAFO-Region sind zum Schutz dieser Kaltwasser-Riffe für die Schleppnetzfischerei geschlossen. Verlorengegangene Geräte wie Kiemennetze können für eine gewisse Zeit weiterfischen (ghost fishing). Der Einfluss des „ghost fishing“ ist jedoch noch nicht quantifiziert worden. [30] [31] [83] [158] [178] [709]

 

Biologische Besonder­heiten

Schwarzer Heilbutt ist ein besonders großer Plattfisch, der über 1 m lang werden kann. Anders als andere Arten ist er auf beiden Körperseiten pigmentiert und das zweite Auge wandert nicht gänzlich auf die spätere Körperoberseite. Beide Merkmale weisen darauf hin, dass schwarzer Heilbutt nicht nur am Boden lebt, sondern auch in der freien Wassersäule angetroffen werden kann. [31] [229]

 

Zusätzliche Informationen

Die Fischerei auf schwarzen Heilbutt in Grönland begann Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts in der Disko-Bucht. Hier wurde traditionell der höchste Anteil der grönländischen Fänge getätigt und die Fänge stiegen fast kontinuierlich bis 2004. Auch heute ist dieses Gebiet durch die Heilbutt-Fischerei geprägt und ein Anziehungspunkt für Touristen. [288]

 

Zertifizierte Fischereien

Bislang ist keine Fischerei auf Schwarzen Heilbutt West-Grönland nach einem der gängigen Nachhaltigkeitsstandards zertifiziert.

 

Soziale Aspekte

Die Fahrzeuge fahren vor allem unter den Flaggen Kanadas und Grönlands. Hinzu kommen norwegische, russische, färöische und EU Schiffe (darunter auch deutsche). Die Arbeitsbedingungen an Bord und die Entlohnung erfolgt nach den Regeln der jeweiligen Staaten. In Grönland ist die Fischerei und die anschließende Verarbeitung der Hauptindustriezweig. Zwischen 80 und 90% des jährlichen Exports bestehen aus Fisch und Meeresfrüchten, eine starke Abhängigkeit von der internationalen Preisentwicklung ist die Folge. [13] [31] [288]

 

AutorJahrTitelQuelle
[13]Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE)Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) Homepageble.de
[14]Fisch-Informationszentrum e.V. (FIZ)Fisch-Informationszentrum e.V. Homepagefischinfo.de
[30]Food and Agriculture Organization (FAO)FAO. © 2003-2010. Fisheries Topics: Technology. Fish capture technology. In: FAO Fisheries and Aquaculture Department [online]. Rome. Updated 2006 15 09.[Cited 10 June 2010]fao.org
[31]Ministry of Industries and Innovation, IcelandInformationsseite des isländischen Ministeriums für Industrie und Innovation (Ministry of Industries and Innovation)fish.is
[83]Fossa JH, Mortensen PB, Furevik DM2002The deep-water coral Lophelia pertusa in Norwegian waters: distribution and fishery impacts Hydrobiologia 471:1-12
[158]Fisheries and Oceans Canada, DFOHomepage: Fisheries and Oceans CanadaDFO-Kanada
[178]FAO Food and Agriculture Organization2005FAO. © 2005-2011. World inventory of fisheries. Ghost fishing. Issues Fact Sheets. Text by Andrew Smith. In: FAO Fisheries and Aquaculture Department [online]. Rome. Updated 27 May 2005. [Cited 10 March 2011].fao.org
[229]Froese, R. and D. Pauly. Editors.2011FishBase. World Wide Web electronic publication.
www.fishbase.org, version (06/2011).
fishbase
[279]NAFONorthwest Atlantic Fisheries Organization, Homepagenafo.int
[288]Homepage: Greenland representation to the EU, Brusselseu.nanoq
[540]North-West-Atlantic-Fisheries-Organisation (NAFO)Homepage: NAFO Scientific Council Research (SCR) Documentsnafo.int
[706]North-West-Atlantic-Fisheries-Organisation (NAFO)Homepage: Stock Advice, Summary Sheetsnafo.int
[707]North-West-Atlantic-Fisheries-Organisation (NAFO)Homepage: NAFO Scientific Council Summary (SCS) Documentsnafo.int
[708]Hinz V, Looden H, Hiegel C, Oldemeinen L2015Machbarkeitsstudie für eine nachhaltige und regionale Krabbenvermarktung in der Wattenmeer-Region in Niedersachsen Landwirtschaftskammer Niedersachsen Fachbereich Fischerei
[709]North-West-Atlantic-Fisheries-Organisation (NAFO)Northwest Atlantic Fisheries Organization Conservation and Enforcement Measuresnafo.int/
[710]Europäische Union (EU)2014Verordnung (EU) Nr. 43/2014 des Rates vom 20. Januar 2014 zur Festsetzung der Fangmöglichkeiten für bestimmte Fischbestände und Bestandsgruppen in den Unionsgewässern sowie für Unionsschiffe in bestimmten Nicht-Unionsgewässern (2014)europa.eu