Bestandsdatenblatt

Sandaal in der nördlichen und zentralen Nordsee und Skagerrak (SA3r)

Gültig 02/2017 - 02/2018

Sandaal in der nördlichen und zentralen Nordsee und Skagerrak (SA3r)

gültig 02/2017 - 02/2018

Zugehörige Fischart

Sandaal

Allgemeine Informationen


Ökoregion:Nordsee
Fanggebiet:Mittlere Nordsee (4.b), Nördliche Nordsee (4.a), Skagerrak und Kattegat (3.a) FAO 27
Art:Ammodytes spp. / Hyperoplus spp.

Wissenschaftliche Begutachtung

Internationaler Rat für Meeresforschung (ICES), Kopenhagen, www.ices.dk

Methode, Frequenz

Jährliche analytische Bestandsberechnung mit Vorhersage unter Verwendung von Fangdaten und zwei unabhängigen wissenschaftlichen Forschungsreisen. Die Begutachtung erfolgt seit 2010 für sieben verschiedene Sandaal-Bewirtschaftungsgebiete, die 2016 überarbeitet wurden. Dieser Sandaal-Bestand ist in der nördlichen und zentralen Nordsee und im Skagerrak verbreitet (Sandaal-Gebiet (SA) 3r). Nach Vorsorgeansatz sind zwei Referenzwerte für die Laicherbiomasse festgelegt (Blim und Bpa). Nach dem Konzept zur Erlangung des höchstmöglichen nachhaltigen Dauerertrages (MSY) sind Referenzwerte für fischereiliche Sterblichkeit und Laicherbiomasse definiert (modifiziert für kurzlebige Arten: Fcap und MSY-Bescapement, entspricht derzeit Bpa). Sie sind Basis für die Fangempfehlung, Fcap findet aber keine Anwendung für die Klassifizierung des Bestandes nach MSY. Die Bewirtschaftung durch Norwegen erfolgt auf Basis eines akustischen Monitorings der geografischen Verbreitung des Bestandes und seiner Größe in Kombination mit einem System von Gebietsschließungen. [993] [1016] [1018]

Wesentliche Punkte

2017: Der Sandaalbestand in der nördlichen und zentralen Nordsee und im Skagerrak (SA3r) liegt trotz leichter Abnahme weiterhin über dem Referenzwert zur Erlangung des höchstmöglichen nachhaltigen Dauerertrages (MSY-Bescapement). Ende 2016 wurde die Sandaal- Begutachtung in der Nordsee überarbeitet. Dabei wurden auch die Verbreitungsgebiete den aktuellsten Erkenntnissen angepasst. Das Verbreitungsgebiet von Sandaal in der nördlichen und zentralen Nordsee und im Skagerrak wurde um die nordwestliche Küste Dänemarks verkleinert. SA3r befindet sich nun vor allem in Norwegischen Gewässern (r steht für revised = überarbeitet). [993] [1016] [1018]

Bestands­zustand

Laicherbiomasse (Reproduktionskapazität)

  volle Reproduktionskapazität (nach Vorsorgeansatz)

  Referenzwerte nicht definiert (nach Managementplan)

  innerhalb der Schwankungsbreite um den Zielwert (nach höchstem Dauerertrag)

 

Fischereiliche Sterblichkeit
 

  Referenzwerte nicht definiert (nach Vorsorgeansatz)

  Referenzwerte nicht definiert (nach Managementplan)

  Referenzwerte nicht definiert (nach höchstem Dauerertrag)

 

Bestands­entwicklung

Die Laicherbiomasse (SSB) von Sandaal in der nördlichen und zentralen Nordsee und im Skagerrak (SA3) unterliegt seit Beginn der Zeitreihe großen Schwankungen, wie üblich für kurzlebige Arten. 2000 bis 2006 sowie 2013 lag sie unter dem Limitreferenzwert (Blim). Durch die starke Nachwuchsproduktion 2014 (produziert von einer sehr geringen Laicherbiomasse) lag die Laicherbiomasse 2015 wieder im grünen Bereich (über MSY Bescapement). Die Nachwuchsproduktion 2015 war wieder niedrig, die Daten für 2016 sind noch sehr unsicher. [993] [1016] [1018]

Ausblick

Die erlaubten Höchstfangmengen (EU- und norwegische Quote) variieren stark von einem Jahr zum anderen. 2017 sind für diesen Bestand geringere Fänge als im Vorjahr empfohlen. Die Fischerei findet nun vor allem in norwegischen Gewässern statt. Mittelfristige Vorhersagen über die Entwicklung der Fänge sind bei kurzlebigen Arten kaum möglich. 993] [1004] [1018]

Umwelt­einflüsse auf den Bestand

Die Sandaalbestände hängen stark von Prozessen ab, die durch das Klima beeinflusst werden und u.a. Veränderungen in der Entwicklung der Planktonbiomasse hervorrufen. Eine Studie zu den Überlebensraten früher Larvenstadien weist darauf hin, dass das Zusammentreffen von Schlupf und Beginn der Planktonblüte ein wichtiger Faktor ist, der zur Variabilität der Jahrgangsstärken beiträgt. [993] [1016] [1018]

Wer und Wie

Das Management von Sandaal in der nördlichen und zentralen Nordsee und im Skagerrak (SA3r) erfolgt getrennt durch die Europäische Union (EU) und Norwegen: Es wird eine Höchstfangmenge für norwegische Gewässer und eine für die EU-Gewässer der ICES-Gebiete 2.a, 3.a und 4 festgelegt. Der EU-TAC wird seit 2011 auf die sieben Sandaal-Bewirtschaftungsgebiete aufgeteilt. In den EU-Verordnungen wurden die Untergebiete für die festgesetzte Höchstfangmenge (TAC) an die veränderten Gebietsdefinitionen von 2016 angepasst. Das Sandaal-Bewirtschaftungsgebiet 3r umfasst überwiegend norwegische Gewässer, wichtige Fischereibänke erstrecken sich aber über die Gebiete 2r und 3r. Die Fangmöglichkeiten für 2r umfassen daher nun auch die EU-Gewässer von Gebiet 3r. Bei der jährlichen Festsetzung der EU-Fangmöglichkeiten wird der TAC für Sandaal zunächst auf null festgesetzt, da die Fangempfehlung des ICES für das laufende Jahr meist erst Ende Februar veröffentlicht wird. Erst danach kann der Sandaal-TAC festgelegt werden. Die Fischerei auf Sandaal ist nur in einem bestimmten Zeitraum geöffnet. Das Management erfolgt außerdem über technische Verordnungen (Maschenweiten, erlaubte Beifangmengen). In Norwegen gibt es ferner Gebietsschließungen. [422] [981] [993] [1004] [1016] [1018]

Differenz zwischen Wissen­schaft und Management

Das Sandaalmanagement der EU basiert auf den ICES-Empfehlungen, in Norwegen auf eigenen Das Sandaalmanagement der EU basiert auf den ICES-Empfehlungen, in Norwegen auf eigenen Berechnungen. Seit 2011 gibt der ICES getrennte Fangempfehlungen für die sieben verschiedenen Sandaal-Bewirtschaftungsgebiete (SA1-7). Es wird eine Höchstfangmenge für Sandaal in den EU-Gewässern der ICES-Gebiete 2.a, 3.a und 4 festgelegt, die seit 2011 auf die sieben Sandaal-Bewirtschaftungsgebiete aufgeteilt wird. Für 2011 empfahl der ICES, keine Fischerei auf diesen Sandaal-Bestand zuzulassen, es wurde jedoch sowohl eine EU- als auch eine Norwegische Quote festgelegt. Auch 2012 lag die Summe der Quoten weit über der wissenschaftlichen Empfehlung. 2013 bis 2016 blieben die Quoten hingegen unter der wissenschaftlichen Empfehlung und die Fänge waren geringer als die erlaubten Fangmengen. [981] [993] [1004] [1016] [1018]

Karten

Verbreitungsgebiet

Managementgebiet

Es wird eine Höchstfangmenge für Sandaal in den EU-Gewässern der ICES-Gebiete 2.a, 3.a und 4 festgelegt, die seit 2011 auf die sieben Sandaal-Bewirtschaftungsgebiete aufgeteilt wird. 2016 wurden diese Gebiete überarbeitet und die Änderungen in die EU-Verordnungen für die Fangmöglichkeiten übernommen. Die Fangmöglichkeiten für 2r umfassen daher nun auch die EU-Gewässer von Gebiet 3r. Es gibt keine zusätzliche Höchstfangmenge für SA3r. Außerdem gibt es eine Quote für die norwegische ausschließliche Wirtschaftszone, die einen Großteil des Gebietes 3r ausmacht. Es gibt bisher kein gemeinsames Management durch die EU und Norwegen. [993] [1004] [1016] [1018]

Anlandungen und TACs (in 1.000 t)

Gesamtfang2016: SA3r: 43,97 (SA3: 50,74); davon Grundschleppnetze 100%
TACs SA2r & SA3r (bis 2016 nur SA3)/Norwegen2011: 10/90 2012: 5/42 2013: 40/20 2014: 140/90
2015: 190/100 2016: 63/40 2017: 175,9/?
[993] [1004] [1016] [1018]

IUU-Fischerei

2014 und 2015 wurden Fänge aus Gebiet SA1 nach SA3 fehlberichtet. Der ICES hat diese offenkundig falsch gemeldeten Fänge (2014: 44.000 t, 2015: 15.000 t) aus SA3 wieder SA1 zugeordnet. Managementmaßnahmen, die solche fehlerhaften Meldungen unterbinden, kommen in der dänischen Fischerei seit 2015 zum Einsatz und haben das Problem dort beseitigt. Für 2016 wurden fehlberichtete Fänge nicht als Problem angesehen. [993] [1004] [1016] [1018]

Struktur und Fangmethode

Sandaal in der nördlichen und zentralen Nordsee, im Skagerrak und Kattegat (SA3r) wird zu 100% in einer industriellen Schleppnetz-Fischerei gefangen Sie werden zu Fischmehl und -öl verarbeitet, aus welchem u.a. Tierfutter hergestellt wird. „Industriefische“ sind für den direkten menschlichen Konsum häufig nicht nutzbar. Derzeit findet eine Fischerei nur in fünf der sieben Gebiete statt (SA1-4 und 6). Die Sandaalfänge aus Gebiet SA3r machten 2016 63% der Gesamtfangmenge aus SA1-7 aus. [993] [1004] [1018]

Beifänge und Rückwürfe

Die Fischerei auf Sandaal fängt eine Mischung verschiedener Sandaal-Arten, hauptsächlich aber den Kleinen Sandaal (Ammodytes marinus). Die Fischerei erfolgt mit kleinmaschigen Netzen, Beifänge sind über technische Vorgaben (EU) geregelt. Z.B. müssen bei der Verwendung von Maschenweiten kleiner 16 mm mindestens 95% des Fanges aus der Zielart bestehen. Bei Verwendung von 16-31 mm Maschen müssen mindestens 90% des Fanges Zielart sein, oder 60% Zielart, höchstens 5% eine Mischung aus Kabeljau, Schellfisch und Seelachs, und höchstens 15% bestimmte weitere Arten. Es gibt wenig Beifang geschützter Arten. Auch die Rückwürfe von Sandaal sind zu vernachlässigen, da der gesamte Fang verarbeitet wird. Die Fischerei auf Sandaal mit Schleppnetzen mit einer Maschenöffnung von weniger als 32mm und mit Ringwaden fällt seit 01. Januar 2015 unter das Anlandegebot der EU. In Norwegen dürfen quotierte Arten ebenfalls nicht zurückgeworfen werden. [422] [993] [1004] [1018]

Einflüsse der Fischerei auf die Umwelt

Durch den Einsatz von Grundschleppnetzen können Bodenlebensgemeinschaften geschädigt werden. Artenzusammensetzung, Biomasse und Nahrungsgefüge können sich erheblich verändern. Der Einfluss hängt aber auch von Fangmethode und Bodenstruktur ab. Auf sandigem Boden hat eine Studie in den USA nur einen geringen Einfluss durch Grundscherbrettnetze feststellen können. So waren zwar die Spuren der Scherbretter lange sichtbar (mindestens 1 Jahr), es konnten aber kaum signifikante Unterschiede in der Mikrotopographie der befischten und unbefischten Gebiete nachgewiesen werden. Auch bei strukturformenden und mobilen Wirbellosen zeigten befischte und unbefischte Gebiete keine signifikanten Unterschiede.
Eine Abnahme der Sandaal-Bestände in den letzten Jahren, einhergehend mit einer deutlichen Veränderung der Verbreitung, verstärkt die Sorge um lokale Erschöpfung von einzelnen Beständen. Die Erschöpfung von Beständen in der Nähe von Seevogelkolonien (weniger als 100km Entfernung) kann einige Arten, insbesondere Dreizehenmöwen und Brandseeschwalben beeinträchtigen. In den nördlichen Gebieten ist die Sandaalfischerei um Brutgebiete von Seevögeln daher geschlossen. Meeressäuger und Fische werden aufgrund ihrer höheren Mobilität wahrscheinlich weniger beeinflusst. [7] [8] [30] [807] [808] [993] [1004] [1016] [1018]

Biologische Besonder­heiten

Sandaale sind kleine, kurzlebige Schwarmfische mit einem hohen Fettgehalt. Dadurch sind sie ein qualitativ hochwertiges Futter für viele Räuberische Fische, Seevögel und Meeressäuger. Besonders wichtig sind sie im Sommer, wenn sie tagsüber viel Zeit zum Fressen in der Wassersäule verbringen, nachts aber eingegraben im Sand leben. Zu anderen Jahreszeiten verbringen sie den größten Teil der Zeit vergraben im Sand und sind für viele Räuber dann unerreichbar (z.B. für Seevögel die an der Wasseroberfläche jagen). Andere Räuber wie verschiedene Fische, Seehunde und tauchende Vögel, sind hingegen in der Lage, die Fische auszugraben. [807] [993] [1004] [1016] [1018]

Zusätzliche Informationen

Sandaal geht nach der Larvenphase zum Bodenleben über und ist dort sehr ortsgebunden. Larven-Driftmodelle und Untersuchungen von Unterschieden im Wachstum deuten darauf hin, dass es sich bei Sandaal in der Nordsee nicht um einen Bestand, sondern einen Komplex verschiedener lokaler Bestände handelt. 2016 wurden die Verbreitungsgebiete der lokalen Bestände überprüft und einige leicht verändert. Die wissenschaftliche Bewirtschaftungsempfehlung wird wie bisher für sieben verschiedene Sandaal-Gebiete abgegeben, eine analytische Bestandsberechnung gibt es nur für die 1r, 2r, 3r und 4 (r steht für revised = überarbeitet). In den EU-Verordnungen wurden die Untergebiete für die festgesetzte Höchstfangmenge (TAC) den neuen Gebietsdefinitionen entsprechend angepasst. [993] [1004] [1016] [1018]

Zertifizierte Fischereien

Die gesamte dänische Industriefischerei in Nordsee, Kattegat und Skagerrak (auf Sandaal, Sprotte und Stintdorsch) ist seit 2017 nach dem Nachhaltigkeitsstandard des Marine Stewardship Council (MSC) zertifiziert. Eine weitere Fischerei befindet sich im Bewertungsverfahren. [4] Siehe

http://fisheries.msc.org/en/fisheries/dfpo-and-dppo-north-sea-skagerrak-and-kattegat-sandeel-sprat-and-norway-pout/@@view

http://fisheries.msc.org/en/fisheries/norway-sandeel-pout-and-north-sea-sprat/@@view

Soziale Aspekte

Die Sandaalfischerei in der Nordsee wird überwiegend mit mittelgroßen Fahrzeugen durchgeführt. Die Fahrzeuge fahren unter den Flaggen der Anrainerstaaten, die Arbeitsbedingungen an Bord und die Entlohnung erfolgt daher nach deren Regeln. [13]

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