Bestandsdatenblatt

Nördlicher Seeteufel (Lophius piscatorius und L. budegassa)

Gültig 06/2012 - 06/2013

Nördlicher Seeteufel (Lophius piscatorius und L. budegassa)

gültig 06/2012 - 06/2013

Zugehörige Fischart

Seeteufel (4 Arten)

Allgemeine Informationen


Ökoregion:Norwegische See, Nordsee, Keltischer und Biskaya-Schelf
Fanggebiet:nördliche Gebiete (2, 3.a, 4, 6) FAO 27
Art:Lophius piscatorius

Wissenschaftliche Begutachtung

Internationaler Rat für Meeresforschung (ICES), Kopenhagen, www.ices.dk

Methode, Frequenz

Dieser „Bestand“ umfasst die Seeteufel-Arten Lophius piscatorius und L. budegassa, die beide in diesem Gebiet vorkommen. Die Fänge bestehen aber hauptsächlich aus L. piscatorius. Es gibt seit 2003 keine analytische Bestandsberechnung für diesen Bestand mehr, weil die Eingangsdaten (vor allem die Fangdaten) unzureichend sind. Genauere Altersbestimmung, Wachstumsraten und Anlandedaten sind erforderlich, um eine Begutachtung vorzunehmen. Frühere Referenzpunkte sind aufgrund der unzureichenden Daten und damit einhergehender Probleme nicht mehr gültig. Gemeinsame Seeteufel-Forschungsreisen von Fischerei und Wissenschaft lassen grobe Aussagen über die Bestandsentwicklung zu und ermöglichen eine Fangempfehlung. [580] [581]

Wesentliche Punkte

2012: Die Daten der Forschungsreisen weisen auf eine Abnahme von Anzahl und Biomasse des Bestandes seit 2008 hin. Der ICES gibt für 2013 zum ersten Mal eine nummerische Fangempfehlung für datenarme Bestände – nicht aber für diesen Seeteufel, weil die Anlandedaten zu unzuverlässig sind. [580]

Bestands­zustand

Laicherbiomasse (Reproduktionskapazität)

  unbekannt (nach Vorsorgeansatz)

  unbekannt (nach Managementplan)

  unbekannt (nach höchstem Dauerertrag)

 

Fischereiliche Sterblichkeit

  unbekannt (nach Vorsorgeansatz)

  unbekannt (nach Managementplan)

  unbekannt (nach höchstem Dauerertrag)

 

Bestands­entwicklung

Die offiziellen, jedoch wenig verlässlichen Anlandungen von Seeteufel aus diesem Bestand stiegen von 1984 bis 1996 (Maximum 35.000 t) an. Danach war bis 2003 eine Abnahme zu verzeichnen. Seitdem liegen die Anlandungen zwischen 13.000 und 17.000 t. Die Daten der Forschungsreisen weisen auf eine Abnahme von Biomasse und Häufigkeit seit 2008 hin. Der Mittelwert der letzten zwei Jahre (2010-2011) ist 20% niedriger als der Mittelwert der drei vorangegangenen Jahre (2007-2009). [580] [581]

Ausblick

Aufgrund begrenzter Kenntnisse über die Entwicklung dieses Bestandes können keine Vorhersagen gemacht werden. Seeteufel erreichen die Geschlechtsreife erst spät, und der Fang besteht daher überwiegend aus jungen, unreifen Fischen. Dies macht sie sehr anfällig für Überfischung. Da die Biomasse seit 2008 sinkt, empfiehlt der ICES eine Reduzierung der Entnahme. [581]

Umwelt­einflüsse auf den Bestand

Die Eier der Seeteufel werden in langen Bändern entlassen, die im freien Wasser treiben. Sie können dadurch weit verdriftet werden, und die Verbreitung ist stark von Strömungen abhängig. Diese Art des Laichens sorgt für eine gruppierte Verbreitung von Eiern und jungen Larven, welche dann gemeinsam günstigen oder ungünstigen Umweltbedingungen ausgesetzt sind. Dies kann einen wichtigen Einfluss auf den Erfolg der Nachwuchsproduktion haben. [581] [587] [588]

Wer und Wie

Dieser Seeteufel-Bestand ist in verschiedenen Managementgebieten verbreitet. Die Bewirtschaftung erfolgt in EU- und teilweise in internationalen Gewässern durch Höchstfangmengen (TACs), jeweils für die beiden Arten Lophius piscatorius und L. budegassa gemeinsam. Ein Abkommen der EU mit Norwegen regelt außerdem die Fänge in der ausschließlichen Wirtschaftzone Norwegens in der Nordsee. Dadurch steht EU-Schiffen eine zusätzliche Quote in Norwegischen Gewässern zur Verfügung (2012: 1.500 t). Fänge im Kattegat/Skagerrak werden nicht durch TACs reguliert. Ein Teil von Gebiet VIb sowie XII und XIV sind internationale Gewässer, in denen die North-East Atlantic Fisheries Commission (NEAFC) zuständig ist und z.B. einige Gebiete für die Fischerei geschlossen hat. Das Management erfolgt außerdem durch technische EU-Verordnungen (z.B. Maschenweiten). In der EU gibt es keine Mindestanlandelänge für Seeteufel, aber sie schreibt für die Vermarktung ein Mindestgewicht von 500 g (ausgenommen) bzw. 200 g (ohne Kopf) vor. In Norwegischen Gewässern gelten für die Fischerei auf Seeteufel nationale Regelungen über Maschenweiten, Mindestanlandelänge und Gebietsschließungen. [301] [380] [580] [582] [583] [584]

Differenz zwischen Wissen­schaft und Management

Die bestandsbezogenen Fangempfehlungen des ICES können nicht direkt mit den Höchstfangmengen (TACs) und Anlandungen verglichen werden, da die Gebiete nicht vollständig übereinstimmen (siehe „Wer und Wie“ und „Karten“). Der ICES empfiehlt seit Langem eine Beibehaltung bzw. eine Reduzierung von Aufwand, Fängen oder Fischereidruck. Von 1999 bis 2003 fand tatsächlich eine erhebliche Reduzierung der Höchstfangmenge (TAC) statt. Trotz gegenteiliger Empfehlung stieg die Summe der TACs von 2004 bis 2009 jedoch langsam wieder an und ist auch danach nicht gesunken, wenn man die EU-Quote in der norwegischen ausschließlichen Wirtschaftszone hinzurechnet. Der ICES empfiehlt, die Managementgebiete mit dem für die Begutachtung des Bestandes verwendeten Verbreitungsgebiet (IVa und VI) in Übereinstimmung zu bringen. [580] [581]

Karten

Verbreitungsgebiet

Managementgebiet

Dieser Seeteufel-Bestand ist in der Nordsee (ICES-Gebiet IV), dem Kattegat/Skagerrak (IIIa) und westlich Schottlands (VIab) verbreitet. Die Bewirtschaftung erfolgt über zwei Höchstfangmengen (TACs): 1. EU-Gewässer der Gebiete IV und IIa, 2. VI, Vb (EU und international), XII und XIV (internationale Gewässer). Die EU verfügt außerdem über eine Quote in norwegischen Gewässern der Nordsee (IV). Ein Teil von Gebiet VIb sowie XII und XIV sind internationale Gewässer. Verbreitungs- und Managementgebiete stimmen nicht überein. Die TACs decken zum Teil Gebiete außerhalb der Verbreitung ab, Fänge im Kattegat/Skagerrak (IIIa) werden hingegen nicht über TACs reguliert. [380] [580] [583]

Anlandungen und TACs (in 1.000 t)

Gesamtfang2011: Anlandedaten sind unzuverlässig, gemeldet wurden 12,2 (Gebiet IIIa und IV: 8,7; Gebiet VI: 3,6; vorläufige Zahlen, beide Arten) Rückwürfe der schottischen Flotte: unter 0,5 t; überwiegend Grundschleppnetze und Kiemennetze
TACs (Summe/EU-Quote in norw. Gewässern; beide Arten) 2009: 16,9/1,6 2010: 16,9/1,5 2011: 15,1/1,5 2012: 14,3/1,5 [380] [580] [581] [583]

IUU-Fischerei

Die offiziellen Anlandedaten aus diesem Bestand konnten in den letzten Jahren etwas verbessert werden, sind aber noch immer unzuverlässig. Der Umfang nicht und falsch gemeldeter Fänge erscheint noch immer erheblich. [580] [581]

Struktur und Fangmethode

Seeteufel wird in einer gezielten Fischerei und als Beifang in der Fischerei auf Grundfische (z.B. Rockall-Schellfisch) und Kaisergranat gefangen. In der Nordsee ist er vorwiegend (erwünschter) Beifang in der gemischten Rundfisch- und der Kaisergranat-Fischerei, seltener in der Fischerei auf Garnelen (Pandalus). Die meisten Anlandungen wurden 2011 aus ICES-Gebiet IVa gemeldet (7.477 t). In der Nordsee werden die meisten Anlandungen vom Vereinigten Königreich, gefolgt von Dänemark und Norwegen, getätigt. In den Gebieten westlich Schottlands fischen das Vereinigte Königreich, Frankreich und Irland. [580]

Beifänge und Rückwürfe

Seeteufel wird selbst zum Teil als meist wertvoller Beifang gefangen. Solange Quote vorhanden ist, ist der Rückwurf von Seeteufel, der den Ansprüchen des Marktes genügt (Mindestgewicht), eher unwahrscheinlich. Die schottische Flotte meldete für 2011 weniger als 0,5 t Rückwürfe. Rückwürfe von Seeteufeln, die durch zu lange Verweilzeiten der Kiemennetze für den Konsum nicht geeignet sind, können in einigen küstenfernen Fischereien erheblichen Umfang annehmen. In Norwegen ist der Rückwurf von Seeteufel verboten. [14] [301] [580]

Einflüsse der Fischerei auf die Umwelt

Durch den Einsatz von Grundschleppnetzen kann der Meeresboden geschädigt werden. Sie fangen neben den Zielarten auch Arten, die nicht kommerziell genutzt werden und deren Entnahme einen Einfluss auf das Ökosystem haben kann. Besonders empfindlich sind Schwämme und Kaltwasser-Korallen, die z.B. in Teilen der Rockall-Bank vorkommen. Um Kaltwasserkorallen zu schützen, sind vier Gebiete seit 2007 für die Fischerei geschlossen. Aus diesem Gebiet (VIb) kommt aber nur ein kleinerer Teil der Anlandungen (2011 knapp 10%: 1.192 t). Verlorengegangene Geräte wie Kiemennetze können für eine gewisse Zeit weiterfischen (ghost fishing). Der Einfluss des „ghost fishing“ ist jedoch noch nicht quantifiziert worden. [7] [8] [30] [178] [534] [580] [582]

Biologische Besonder­heiten

Die Biologie und Verbreitung von Seeteufeln im Nordostatlantik ist zum Teil noch unerforscht. Erwachsene Fische leben wahrscheinlich in tieferem Wasser, reife Weibchen werden selten angetroffen.
Das Laichen ist bei den Arten der Gattung Lophius sehr ungewöhnlich. Die Eier werden in schwimmfähigen, gallertartigen Bändern entlassen. Diese können über 10 m lang sein, über 1 Mio. Eier enthalten und treiben im freien Wasser. Durch die besondere Art des Laichens werden Eier und junge Larven in Gruppen verbreitet, welche dann gemeinsam günstigen oder ungünstigen Umweltbedingungen ausgesetzt sind. Dies kann einen wichtigen Einfluss auf den Erfolg der Nachwuchsproduktion haben.
Seeteufel erreichen die Geschlechtsreife erst spät und der Fang besteht daher überwiegend aus jungen, unreifen Fischen. Dies macht die Art sehr anfällig für Überfischung. [580] [587] [588]

Zusätzliche Informationen

Die beiden im Nordostatlantik vorkommenden Seeteufel-Arten Lophius piscatorius und L. budegassa werden in der Regel gemeinsam gefangen, angelandet und vermarktet. Je nach Seegebiet ist jedoch die eine oder andere Art häufiger vertreten. In den nördlichen Gebieten wird ganz überwiegend L. piscatorius gefangen, L. budegassa zeigt eine etwas südlichere Verbreitung. Der ICES begutachtet neben dem Nördlichen Seeteufel zwei weitere Bestände für jede der zwei Arten, die Trennung in Westlichen und Südlichen Seeteufel basiert aber nicht auf biologischen Kriterien. Die Bewirtschaftung erfolgt über Höchstfangmengen, die immer beide Arten einschließen. In ICES-Gebiet IIa werden signifikante Mengen von Seeteufeln gefangen, das dortige Vorkommen gehört aber nicht zu dem Bestand des Nördlichen Seeteufels. [380] [580] [583] [588]

Zertifizierte Fischereien

Bislang ist keine Fischerei auf diesen Seeteufel-Bestand nach einem der gängigen Nachhaltigkeitsstandards zertifiziert.

Soziale Aspekte

Die Fischereien auf Seeteufel im Nordostatlantik werden mit Fahrzeugen verschiedener Größen durchgeführt. Arbeitsbedingungen an Bord und die Entlohnung sind sehr unterschiedlich, richten sich aber nach den Regeln der jeweiligen Flaggenstaaten. [13] [580]

AutorJahrTitelQuelle
[7]Kaiser MJ, Ramsay K, Ramsay K, Richardson CA, Spence FE, Brand AR2000Chronic fishing disturbance has changed shelf sea benthic community structure Journal of Animal Ecology 69:494-503
[8]Hiddink JG, Jennings S, Kaiser MJ, Queirós AM, Duplisea DE, Piet GJ2006Cumulative impacts of seabed trawl disturbance on benthic biomass, production, and species richness in different habitats Canadian Journal of Fisheries and Aquatic Sciences 63:721-736
[13]Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE)Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) Homepageble.de
[14]Fisch-Informationszentrum e.V. (FIZ)Fisch-Informationszentrum e.V. Homepagefischinfo.de
[30]Food and Agriculture Organization (FAO)FAO. © 2003-2010. Fisheries Topics: Technology. Fish capture technology. In: FAO Fisheries and Aquaculture Department [online]. Rome. Updated 2006 15 09.[Cited 10 June 2010]fao.org
[178]FAO Food and Agriculture Organization2005FAO. © 2005-2011. World inventory of fisheries. Ghost fishing. Issues Fact Sheets. Text by Andrew Smith. In: FAO Fisheries and Aquaculture Department [online]. Rome. Updated 27 May 2005. [Cited 10 March 2011].fao.org
[301]Directorate of fisheries, NorwegenRegulations relating to seawater fisheriesfiskeridir.no
[380]Europäische Union2012Verordnung (EU) Nr. 44/2012 des Rates vom 17. Januar 2012 zur Festsetzung der Fangmöglichkeiten im Jahr 2012 in EU-Gewässern und für EU-Schiffe in bestimmten Nicht-EU-Gewässern für bestimmte, über internationale Verhandlungen und Übereinkünfte regulierte Fischbestände und Bestandsgruppeneuropa.eu
[534]North-East Atlantic Fisheries Commission (NEAFC)2011Rec 08 2012: Closing certain areas to protect VMEsneafc.org
[580]ICES2012Report of the Advisory Committee, 2012. Book 5. Celtic Sea and West of Scotland. 5.4.29 Anglerfish (Lophius piscatorius and L. budegassa) in Division IIIa, and Subareas IV and VIices.dk
[581]ICES2012Report of the Working Group for the Celtic Seas Ecoregion (WGCSE), 9–18 May 2012, Copenhagen, Denmark. ICES CM 2012/ACOM:12. 1747 pp. 5.2 Anglerfish (Lophius piscatorius and L. budegassa) in Division IIa, IIIa, Subarea IV and VIices.dk
[582]North-East Atlantic Fisheries Commission (NEAFC)2013Recommendation 9 : 2013, The North-East Atlantic Fisheries Commission At Its Annual Meeting In November 2012 Adopted, In Accordance With Article 5 Of The Convention On Future Multilateral Cooperation In North-East Atlantic Fisheries, A Recommendation To Adopt Regulatory Measures For The Protection Of Vulnerable Marine Ecosystems From Significant Adverse Impacts From 2013 To 2015neafc.org
[583]Europäische Union (EU)2012Verordnung (EU) Nr. 43/2012 des Rates vom 17. Januar 2012 zur Festsetzung der Fangmöglichkeiten für EU-Schiffe im Jahr 2012 für bestimmte, nicht über internationale Verhandlungen und Übereinkünfte regulierte Fischbestände und Bestandsgruppeneuropa.eu
[584]Europäische Gemeinschaft (EG)1996Verordnung (EG) Nr. 2406/1996 des Rates vom 26. November 1996 über gemeinsame Vermarktungsnormen für bestimmte Fischereierzeugnisseeuropa.eu
[587]ICES2012Report of the Working Group on the Assessment of Southern Shelf Stocks of Hake, Monk and Megrim (WGHMM), 10-16 May 2012, ICES Headquarters, Copenhagen. ICES CM 2012/ACOM:11. 617 pp. 4 ANGLERFISH (Lophius piscatorius and Lophius budegassa) in Divisions VIIb-k and VIIIa,b,dices.dk
[588]Fariña AC, Azevedo M, Landa J, Duarte R, Sampedro P, Costas G, Torres MA, Cañás L2008Lophius in the world: a synthesis on the common features and life strategies ICES Journal of Marine Science 65 (7): 1272-1280