Fischarten

Steinbeißer, Seewolf, Katfisch – Anarhichas lupus, A. minor

gültig 03/2024-03/2025

Steinbeißer, Seewolf, Katfisch
Anarhichas lupus, A. minor

gültig 03/2024-03/2025

Biologische Charakteristika

Die Bezeichnung Steinbeißer, Seewolf oder Katfisch kann mehrere Arten umfassen. Wegen ihrer hohen Bedeutung als wertvolle Speisefische werden hier die beiden nordatlantischen Steinbeißer/Seewolf-Arten Anarhichas lupus (gestreifter) und A. minor (gefleckter) beschrieben. Sie werden in Deutschland unter den Handelsnamen Katfisch und Steinbeißer vermarktet. Unter diesen Handelsnamen können theoretisch außerdem auch der blaue Seewolf (A. denticulatus) und die beiden pazifischen Arten Bering-Seewolf (A. orientalis) und Pazifik-Seewolf (Anarrhichthys ocellatus) gehandelt werden. Zur besseren Unterscheidung werden in diesem Text die Bezeichnungen gestreifter und gefleckter Steinbeißer/Seewolf verwendet.
Steinbeißer/Seewölfe sind einzeln lebende, räuberische Grundfische, die in etwa 20 bis 600 m Tiefe sowohl auf steinigem Grund als auch auf Sand- oder Schlammboden vorkommen. Für den gefleckten Steinbeißer/Seewolf (A. minor) wird Sand- und Schlammboden mit Nähe zu Felsblöcken als bevorzugter Lebensraum angegeben. Nahrung sind vor allem hartschalige Muscheln und Schnecken, Krebse sowie Seegurken und Seeigel, die sie mit ihrem starken Gebiss aufbrechen können – daher auch der Name „Steinbeißer“. Durch die starke Beanspruchung nutzen sich die Zähne schnell ab, wachsen aber regelmäßig nach.
Die Weibchen legen große Eipakete in Nester auf dem Meeresboden ab. Für den gestreiften Steinbeißer/Seewolf wird die Bewachung der Gelege durch die Männchen beschrieben. [2] [14] [100] [229]

Maxima: Länge: A. lupus 150 cm, A. minor 180 cm,
Alter: A. lupus & A. minor k.A.,
Masse: A. lupus 23,6 kg, A. minor 27,9 kg [229]
IUCN-Status: Europa: A. lupus Daten ungenügend (DD), A. minor Vorwarnliste (NT) [348] [1032] (Zugriff 19. März 2024)
CITES-Status: nicht gelistet
Widerstandsfähigkeit (resilience): A. lupus & A. minor niedrig (min. Populationsverdopplungszeit 4,5-14 Jahre) [229]
Fruchtbarkeit (fecundity): A. lupus 12.740-25.000 Eier pro Weibchen, A. minor 4.200-35.200 Eier pro Weibchen [229]
Trophische Ebene: A. lupus 3,6 ± 0,0, A. minor 3,8 ± 0,62 (Standardfehler) [229]

Der gestreifte Steinbeißer/Seewolf (Anarhichas lupus) kommt im Nordostatlantik von Spitzbergen über das weiße Meer, entlang der Küste Skandinaviens, in der Nordsee, um Großbritannien und bis in die nördliche Biskaya vor, außerdem um Island und an der Südost-Küste von Grönland. Im Nordwestatlantik ist er von Labrador und West-Grönland bis Cape Cod in Massachusetts (USA) verbreitet, gelegentlich bis New Jersey. Meldungen aus der Ostsee und dem Mittelmeer sind fragwürdig. Die Verbreitung des gefleckten Steinbeißers/Seewolfs (A. minor) ist ähnlich, aber auf beiden Seiten des Atlantiks weniger weit nach Süden. [2] [100] [229]

Steinbeißer/Seewölfe sind relativ große, längliche Fische mit einem großen Kopf, einem breiten, gerundeten Maul und massiven, kräftigen Zähnen. Sie besitzen lange Rücken- und Afterflossen, die aber nicht mit der Schwanzflosse verwachsen sind. Die winzigen Schuppen sind tief in die Haut eingebettet.
Der gestreifte Steinbeißer/Seewolf (Anarhichas lupus) hat meist eine graugrüne Grundfarbe, manchmal auch ins schwarz oder rötlichbraun gehende. Über den Körper verlaufen 9-15 dunkle Querbalken, die bis in die Rückenflosse reichen. Der gefleckte Steinbeißer/Seewolf (A. minor) hat eine graubraune Färbung mit vielen unregelmäßigen Flecken auf Körper und Rückenflosse. [2] [100] [229]

Gestreifter und gefleckter Steinbeißer/Seewolf sind begehrte Speisefische mit einem hohen kommerziellen Wert. Sie sind wertvoller Beifang in der Fischerei mit Grundschleppnetzen oder Langleinen, werden aber auch gezielt befischt. Hauptfanggebiete sind Island, die Färöer-Inseln und Grönland. [2] [14] [31]

Steinbeißer/Seewolf kommt ohne Kopf und gehäutet, frisch oder tiefgekühlt auf den Markt. Meist wird er filetiert oder in Scheiben geschnitten angeboten. Die einzelnen Arten werden im Handel oft nicht unterschieden. Das Fleisch von gestreiftem (Anarhichas lupus) und geflecktem (A. minor) Steinbeißer/Seewolf ist hell und relativ fest und eignet sich für die verschiedensten Zubereitungsformen wie Dünsten, Braten, Grillen, Frittieren und Schmoren.
Die Haut des gefleckten Steinbeißers/Seewolfes (A. minor) findet als Fischleder Verwendung, z.B. für die Herstellung von Taschen und Uhrenarmbändern. [2] [14] [100] [229]

Marktdaten: Keine Daten verfügbar.

Anlandungen (in 1.000 t)Fänge (in 1.000 t)Laicherbiomasse (in 1.000 t)Laicherbiomasse ZustandFischereiliche SterblichkeitAnmerkungen (insbesondere Managementplan)Gültigkeit
Steinbeißer, gefleckt, Westgrönland, NAFO 1 - 0,2 - Anladungen 2022, gestreifter & gefleckter Steinbeißer zusammen 06/2023 -
06/2026
Steinbeißer, gestreift, Westgrönland, NAFO 1 - 0,2 - Anlandungen 2022, gefleckter & gestreifter Steinbeißer zusammen 06/2023 -
06/2026
Steinbeißer-Island 8,7 8,7 32,9 - 06/2023 -
06/2024

Klassifizierung nach dem Ansatz des höchstmöglichen nachhaltigen Dauerertrages (MSY), durch den ICES bis 2020 oder analog zu dessen Einteilung:

SymbolBiomasseBewirtschaftung (fischereiliche Sterblichkeit)
innerhalb der Schwankungsbreite um den Zielwertangemessen oder unternutzt
außerhalb der Schwankungsbreite um den Zielwertübernutzt
Zustand unklar, Referenzpunkte nicht definiert und/oder unzureichende DatenZustand unklar, Referenzpunkte nicht definiert und/oder unzureichende Daten
AutorJahrTitelQuelle
[2]Muus BJ, Nielsen JG1999Die Meeresfische Europas Franckh-Kosmos Verlag
[13]Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE)Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) Homepageble.de
[14]Fisch-Informationszentrum e.V. (FIZ)Fisch-Informationszentrum e.V. Homepagefischinfo.de
[31]Ministry of Food, Agriculture and Fisheries, IslandInformationsseite des isländischen "Ministry of Food, Agriculture and Fisheries"government.is
[100]Food and Agriculture Organization (FAO)FAO, Fisheries and Aquaculture, Search resources factsheets, Aquatic speciesfao.org
[229]Froese, R. and D. Pauly. Editors.2011FishBase. World Wide Web electronic publication.
www.fishbase.org, version (06/2011).
fishbase
[384]IUCNIUCN Red List of Threatened Species. Version 2011.2. Downloaded on 09 February 2012iucnredlist.org
[1032]Nieto A et al.2015European Red List of Marine Fishes Publications Office of the European Union