Bestandsdatenblatt

Flunder in der südlichen Ostsee (ICES-Gebiete 24 & 25)

Gültig 05/2019 - 05/2020

Flunder in der südlichen Ostsee (ICES-Gebiete 24 & 25)

gültig 05/2019 - 05/2020

Zum aktuellen Bestandsdatenblatt

Zugehörige Fischart

Flunder

Allgemeine Informationen


Ökoregion:Ostsee
Fanggebiet:Ostsee (22-32) FAO 27
Art:Platichthys flesus

Wissenschaftliche Begutachtung

Internationaler Rat für Meeresforschung (ICES), Kopenhagen, www.ices.dk

Methode, Frequenz

Es gibt keine analytische Bestandsberechnung für diesen Bestand. Hauptgründe sind das Fehlen von entsprechenden Eingangsdaten (u.a. biologische Einzelfischdaten wie Alter und Gewicht). Für die fischereiliche Sterblichkeit ist der Referenzwert für die Bewirtschaftung nach dem Konzept zur Erlangung des höchstmöglichen nachhaltigen Dauerertrages (MSY) als Proxy (Kandidat) definiert. Zwei unabhängige Forschungsreisen zur Erfassung der Grundfische lassen grobe Aussagen über die Bestandsentwicklung zu und bilden die Basis der nummerischen Fangempfehlung des ICES. Eine Fangempfehlung wird aber nur noch alle drei Jahre abgegeben, die nächste voraussichtlich für 2021. [1119] [1128]

Wesentliche Punkte

2019: Der Bestands-Indikator für Flunder in der südlichen Ostsee (verbreitet in den Gebieten 24 und 25) ist erneut etwas gesunken. Bezogen auf einen möglichen Kandidaten (Proxy) für den MSY-Referenzwert liegt die fischereiliche Sterblichkeit im grünen Bereich (unter Fmsy). [1119] [1128]

Bestands­zustand

Laicherbiomasse (Reproduktionskapazität)

  Referenzwerte nicht definiert (nach Vorsorgeansatz)

  Referenzwerte nicht definiert (nach Managementplan)

  Referenzwerte nicht definiert (nach höchstem Dauerertrag)

Fischereiliche Sterblichkeit

    Referenzwerte nicht definiert (nach Vorsorgeansatz)

  Referenzwerte nicht definiert (nach Managementplan)

    Referenzwerte nicht definiert (nach höchstem Dauerertrag)

Da es sich bei dem Referenzwert für die fischereiliche Sterblichkeit nur um einen Proxy (Kandidat) handelt, klassifizieren wir den Bestand mit dem Symbol  und dem Text "Referenzwerte nicht definiert".

Bestands­entwicklung

Informationen zu Laicherbiomasse, fischereilicher Sterblichkeit und Nachwuchsproduktion liegen nicht vor. Der aus den Einheitsfängen der jährlichen Forschungsreisen abgeleitete Bestands-Indikator erreicht 2016 einen Höchstwert und sinkt seitdem. Bezogen auf einen möglichen Kandidaten (Proxy) für den MSY-Referenzwert liegt die fischereiliche Sterblichkeit im grünen Bereich (unter Fmsy). 2016 wurden die bisher höchsten Anlandungen aus diesem Bestand getätigt. Der größere Anteil der Anlandungen (2018 80%) stammt aus ICES-Gebiet 25. [1119] [1128]

Ausblick

Der Bestand erscheint in gutem Zustand, die Biomasse nimmt aber nach 2016 ab. Eine Fangempfehlung wir nur noch alle drei Jahre gegeben, die Empfehlungen für 2018 bleiben also aktuell. Die Fänge lagen bisher immer unter dieser Empfehlung. Ein erheblicher und sehr variabler Teil der Fänge wird verworfen. Eine Reduzierung der Rückwürfe würde eine weitere deutliche Erhöhung der Anlandungen ermöglichen. Flunder ist nicht quotiert und wird deshalb auch vorerst nicht unter das Anlandegebot der EU fallen. [1119] [1128]

Umwelt­einflüsse auf den Bestand

Der Erfolg der Nachwuchsproduktion der Ostsee-Flunder variiert stark mit den hydrographischen Bedingungen im Laichgebiet. Der Salzgehalt spielt eine wichtige Rolle für die Aktivität der Spermatozoen und die Schwebfähigkeit der Eier. Für die Flundern in den Gebieten 24 und 25 muss der zur Reproduktion geeignete Wasserkörper einen Salzgehalt von mindestens 12 und einen Sauerstoffgehalt von mindestens 2 ml/l aufweisen. Siehe dazu auch unter „Biologische Besonderheiten“. [1119] [1128]

Wer und Wie

Es gibt kein gemeinsames Management für die Flunder in der südlichen Ostsee. Höchstfangmengen (TACs) werden nicht festgelegt. Ein EU-Managementplan für Dorsch und alle pelagischen Bestände der Ostsee, der Beifänge von Flundern berücksichtigt, ist seit 2016 in Kraft. Die Bewirtschaftung dieses Bestandes erfolgt außerdem durch technische EU-Verordnungen (z.B. Maschenöffnungen und Mindestreferenzgrößen für die Bestandserhaltung) und die jeweiligen Landesregeln (z.B. Gebietsschließungen). [206] [977] [1119] [1128]

Differenz zwischen Wissen­schaft und Management

Für 2015 gab es die erste Anlandeempfehlung für diesen 2014 neu definierten Bestand, sie lag über den Anlandungen der letzten Jahre und wurde 2015 nicht erreicht. Seit 2016 wird nun eine Empfehlung für den Gesamtfang gegeben, auch dieser wurde bisher nicht erreicht. Eine Fangempfehlung wird nur noch alle drei Jahre abgegeben, die nächste voraussichtlich für 2021. [1119] [1128]

Karten

Verbreitungsgebiet

Managementgebiet

Flunder in der südlichen Ostsee ist in den ICES Gebieten 24 und 25 verbreitet. Das Management begrenzt die Fangmengen nicht. [1119] [1128]

Anlandungen und TACs (in 1.000 t)

Gesamtfang2018: 19,1; (12,8 Anlandungen plus 6,3 Rückwürfe); von den Anlandungen: Grundschleppnetze 73%, passive Geräte (Kiemenetze) 27%
TACs sind nicht festgelegt [1119] [1128]

IUU-Fischerei

Es gibt keine Hinweise auf illegale oder unberichtete Fänge von Flunder aus der südlichen Ostsee – wegen der fehlenden Fangmengenlimitierung wäre dies auch kaum erklärlich. [1119] [1128]

Struktur und Fangmethode

Flunder in der südlichen Ostsee wird von den meisten Ländern hauptsächlich als Beifang in der Fischerei auf Grundfische (Dorsch und Plattfische) gefangen. In Polen und Deutschland gibt es jedoch auch eine gerichtete Fischerei. Hauptfangnation ist Polen (2018: 85%). Zum Einsatz kommen überwiegend Grundschleppnetze, seltener Kiemennetze (Stellnetze). [1119] [1128]

Beifänge und Rückwürfe

Flunder ist selbst überwiegend Beifang. Die Rückwurfraten zeigen eine hohe Variabilität zwischen den Jahren; die Rückwurfmenge hängt u.a. von der Größe der gefangenen Tiere und dem Erlös ab. Mit niedrigen Preisen steigt die Rückwurfmenge. Die Rückwurfraten unterscheiden sich außerdem je nach Land, Fanggebiet, Schiff und einzelnem Fang. Die Menge der bekannten Rückwürfe betrug 2014 27%, 2015 35%, 2016 26%, 2017 36% und 2018 33% des Gesamtfanges (bezogen aufs Gewicht). Die Überlebensrate der zurückgeworfenen Flundern ist nicht hinreichend bekannt. Frühere Studien ergaben unterschiedliche Überlebensraten in Abhängigkeit u.a. von Fanggerät, -dauer, -größe, -zusammensetzung und Wassertemperatur. Sie variieren zwischen 20 und 100%. [748] [1119] [1128]

Einflüsse der Fischerei auf die Umwelt

Durch den Einsatz von Grundschleppnetzen können Bodenlebensgemeinschaften geschädigt werden. Artenzusammensetzung, Biomasse und Nahrungsgefüge können sich erheblich verändern. Potentiell problematisch können Beifänge von Seevögeln und Meeressäugern in Stellnetzen sein. [30] [97] [208]

Biologische Besonder­heiten

Es werden zwei Laichergruppen von Flundern in der Ostsee unterschieden: Eine laicht im flachen Wasser, mit Eiern, die sich mit Bodenkontakt entwickeln (vor allem in der zentralen und nördlichen Ostsee). Die Eier der zweiten Gruppe werden in tieferem Wasser abgelaicht und entwickeln sich in der freien Wassersäule (pelagisch). Die Flunder in der südlichen Ostsee hat freischwebende Eier. Laichgebiete dieses Bestandes sind das Arkona- und Bornholmbecken sowie die Stolper Rinne. Aufwuchsgebiet für die Jungtiere sind die flachen küstennahen Gebiete; hier können sie von den Forschungsreisen kaum erfasst werden. 2018 wurde eine neue Flunderart in der Ostsee beschrieben (Platichthys solemdali). In ICES Gebiet 24-25 beträgt der Anteil von P. solemdali etwa 16%. Weil die Arten in den Fängen aber nur von Spezialisten getrennt werden können, verzichtet der ICES zunächst auf eine Separierung. [1119] [1128] [1131]

Zusätzliche Informationen

Flunder ist wegen einer vergleichsweise hohen Toleranz gegenüber variablen Salzkonzentrationen der in der Ostsee am weitesten verbreitete Plattfisch. [1119] [1128]

Zertifizierte Fischereien

Bislang ist keine Fischerei auf Flunder in der Ostsee nach einem der gängigen Nachhaltigkeitsstandards zertifiziert.

Soziale Aspekte

Die Fahrzeuge fahren unter den Flaggen der Anrainerstaaten, die Arbeitsbedingungen an Bord und die Entlohnung erfolgt daher nach deren Regeln. [12] [13]

Marktdaten

2022 (vorl.): Verbrauch in Deutschland: 722 t (2021: 930 t), Marktanteil (Fische, Krebse, Weichtiere): 0,1 % (2021: 0,1 %) [13] [14]

Anlandungen (in 1.000 t)Fänge (in 1.000 t)Laicherbiomasse (in 1.000 t)Laicherbiomasse ZustandFischereiliche SterblichkeitAnmerkungen (insbesondere Managementplan)Gültigkeit
Belte & Sund (22, 23) 0,3 0,3 - Anlandungen & Fänge 2023, Biomasse nur relativ 05/2024 -
05/2026
nördl. Ostsee (27, 29-32) 0,1 - - Anlandungen 2023, für Biomasse nur Indikator 05/2024 -
05/2026
Nordsee, Skagerrak, Kattegat (4, 3.a) 1,0 1,3 - SSB nur als Indikator 06/2023 -
06/2025
Östl. Gotland & Danziger Bucht (26, 28) 1,9 - - Anlandungen 2023, Biomasse nur relativ 05/2024 -
05/2026
südliche Ostsee (24, 25) 5,4 5,9 - Anlandungen & Fänge 2023, Biomasse nur als Indikator 05/2024 -
05/2026

Klassifizierung nach dem Ansatz des höchstmöglichen nachhaltigen Dauerertrages (MSY), durch den ICES bis 2020 oder analog zu dessen Einteilung:

SymbolBiomasseBewirtschaftung (fischereiliche Sterblichkeit)
innerhalb der Schwankungsbreite um den Zielwertangemessen oder unternutzt
außerhalb der Schwankungsbreite um den Zielwertübernutzt
Zustand unklar, Referenzpunkte nicht definiert und/oder unzureichende DatenZustand unklar, Referenzpunkte nicht definiert und/oder unzureichende Daten
AutorJahrTitelQuelle
[12]Europäische Gemeinschaften2009Die Gemeinsame Fischereipolitik. Ein Leitfaden für Benutzerec.europa.eu
[13]Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE)Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) Homepageble.de
[14]Fisch-Informationszentrum e.V. (FIZ)Fisch-Informationszentrum e.V. Homepagefischinfo.de
[30]Food and Agriculture Organization (FAO)FAO. © 2003-2010. Fisheries Topics: Technology. Fish capture technology. In: FAO Fisheries and Aquaculture Department [online]. Rome. Updated 2006 15 09.[Cited 10 June 2010]fao.org
[97]Zydelis R, Bellebaum J, Österblom H, Vetemaa M, Schirmeister B, Stipniece A, Dagys M, van Eerden M, Garthe S2009Bycatch in gillnet fisheries – An overlooked threat to waterbird populations Biological Conservation 142:1269–1281
[206]Europäische Union (EG)2005Verordnung (EG) Nr. 2187/2005 des Rates vom 21. Dezember 2005 mit technischen Maßnahmen für die Erhaltung der Fischereiressourcen in der Ostsee, den Belten und dem Öresund, zur Änderung der Verordnung (EG) Nr. 1434/98 und zur Aufhebung der Verordnung (EG) Nr. 88/98europa.eu
[208]Bellebaum, J2011Untersuchung und Bewertung des Beifangs von Seevögeln durch die passive Meeresfischerei in der Ostsee. BfN-Skripten 295 Bundesamt für Naturschutz, ISBN 978-3-89624-030-9, www.bfn.de
[748]ICES2014Report of the Benchmark Workshop on Baltic Flatfish Stocks (WKBALFLAT), 27–31 January 2014, Copenhagen, Denmark. ICES CM 2014/ACOM:39. 320 pp.ices.dk
[977]Europäische Union (EU)2016VERORDNUNG (EU) 2016/1139 DES EUROPÄISCHEN PARLAMENTS UND DES RATES vom 6. Juli 2016 zur Festlegung eines Mehrjahresplans für die Bestände von Dorsch, Hering und Sprotte in der Ostsee und für die Fischereien, die diese Bestände befischen, zur Änderung der Verordnung (EG) Nr. 2187/2005 des Rates und zur Aufhebung der Verordnung (EG) Nr. 1098/2007 des Rateseuropa.eu
[1119]ICES2019Baltic Fisheries Assessment Working Group (WGBFAS). ICES Scientific Reports. 1:20. 651 pp. http://doi.org/10.17895/ices.pub.5256ices.dk
[1128]ICES2019Flounder (Platichthys flesus) in subdivisions 24 and 25 (west of Bornholm and southwestern central Baltic). In Report of the ICES Advisory Committee, 2019. ICES Advice 2019, fle.27.2425, https://doi.org/10.17895/ices.advice.5274ices.dk
[1131]Momigliano P, Denys GPJ, Jokinen H, Merilä J2018Platichthys solemdali sp. nov. (Actinopterygii, Pleuronectiformes): A New Flounder Species From the Baltic Sea Front. Mar. Sci. 5:225