Bestandsdatenblatt

Rockall-Schellfisch

Gültig 06/2020 - 06/2021

Rockall-Schellfisch

Gültig 06/2020 - 06/2021

Zum aktuellen Bestandsdatenblatt

Zugehörige Fischart

Schellfisch

Allgemeine Informationen


Ökoregion:Keltischer und Biskaya-Schelf
Fanggebiet:Keltische Meere (6, 7) FAO 27
Art:Melanogrammus aeglefinus

Wissenschaftliche Begutachtung

Internationaler Rat für Meeresforschung (ICES), Kopenhagen, www.ices.dk

Methode, Frequenz

Jährliche analytische Bestandsberechnung mit Vorhersage unter Verwendung von Anlandedaten und einer wissenschaftlichen Forschungsreise. Rückwürfe gehen in die Bestandsberechnungen ein. Die Referenzwerte nach dem Konzept des höchstmöglichen nachhaltigen Dauerertrages (MSY-Btrigger, Fmsy) sind definiert. Die Referenzwerte nach dem Vorsorgeansatz sind ebenfalls festgelegt (Bpa, Blim, Fpa, Flim). Die Bestandsberechnung ist eher unsicher, vor allem wegen der Unsicherheiten über die tatsächliche Entnahme und aufgrund spärlicher wissenschaftlicher Daten. [1222] [1223]

Wesentliche Punkte

2020: Die Laicherbiomasse hat nach dem starken Anstieg der letzten Jahre etwas abgenommen, liegt aber weit im grünen Bereich. Die fischereiliche Sterblichkeit konnte wieder gesenkt werden und liegt nun knapp über dem Referenzwert nach dem Konzept des höchstmöglichen nachhaltigen Dauerertrages (Fmsy). [1222] [1223]

Bestands­zustand

Laicherbiomasse (Reproduktionskapazität)

  volle Reproduktionskapazität (nach Vorsorgeansatz)

  Referenzwerte nicht definiert (nach Managementplan)

  innerhalb der Schwankungsbreite um den Zielwert (nach höchstem Dauerertrag)

 

Fischereiliche Sterblichkeit

  nachhaltig bewirtschaftet (nach Vorsorgeansatz)
 

  Referenzwerte nicht definiert (nach Managementplan)

  übernutzt (nach höchstem Dauerertrag)

 

Bestands­entwicklung

Die Laicherbiomasse erreichte 1995 einen Höchstwert und nahm dann durch eine intensive internationale Fischerei bis 2001 schnell ab. Danach stieg sie aufgrund einiger starker Jahrgänge mit leichten Schwankungen wieder an, nahm ab 2009 aber wieder kontinuierlich ab und erreichte 2014 den niedrigsten Wert der Zeitserie (unter den Limitwert Blim). Seit 2015 kann ein starker Anstieg beobachtet werden und die Laicherbiomasse liegt inzwischen wieder weit im grünen Bereich. Die fischereiliche Sterblichkeit lag bis einschließlich 2011 immer über dem Referenzwert zur Erlangung des Höchstmöglichen nachhaltigen Dauerertrages (Fmsy), kurzfristig auch über dem Vorsorgeansatz und sogar dem Limitwert (Flim). 2012 und 2016 lag sie unter Fmsy, 2019 knapp darüber. Die Nachwuchsproduktion war 2008-2012 extrem schwach, hat sich seitdem aber verbessert. Die letzten Jahrgänge lagen jedoch unter dem Durchschnitt. [1222] [1223]

Ausblick

Aufgrund schwächerer Nachwuchsjahrgänge wird die Biomasse weiter abnehmen. Außerdem ist der Fischereidruck derzeit etwas zu hoch. Die Fangmengen müssen daher reduziert werden. [1222] [1223]

Umwelt­einflüsse auf den Bestand

Die Nachwuchsproduktion war 2008-2012 sehr schwach. Ursache sind wahrscheinlich die steigenden Wassertemperaturen auf der Rockall-Bank. Wärmeres Wasser beschleunigt den Stoffwechsel und steigert den Energieverbrauch und den Nahrungsbedarf. Gleichzeitig ist ein Rückgang wichtiger Nahrungsorganismen für Larven und junge Schellfische zu beobachten, wodurch ein Nahrungsmangel bei den Jungtieren entsteht. Räuberdruck und Nahrungskonkurrenz mit grauem Knurrhahn verschärfen die Situation und führen zu einer geringeren Rekrutierung. [1222] [1223]

Wer und Wie

Der Bestand wird von der EU und der NEAFC (Nordost-atlantische Fischereikommission) bewirtschaftet, denn seit 1999 sind Teile des Gebietes internationale Gewässer und fallen damit in die NEAFC-Zuständigkeit. Fahrzeuge von nicht-NEAFC-Mitgliedern unterliegen in internationalen Gewässern keiner Einschränkung durch TACs und andere Regularien. Seit 2004 wird die legale Höchstfangmenge der EU (EU-TAC) für das Gebiet 6.b und die internationalen Gewässer von 12 und 14 festgelegt. Neben der EU-Flotte fischt eine russische, eine norwegische und eine färöische Flotte in diesen Gewässern, deren Fänge in den offiziellen Fangstatistiken enthalten sind. Der ICES hat den Entwurf eines Managementplans unter bestimmten Bedingungen positiv bewertet (im Einklang mit dem Vorsorgeansatz). Formell ist aber bisher kein Plan zwischen den relevanten Management-Parteien (EU & NEAFC) abgestimmt worden. Basis für die Fangempfehlung des ICES ist daher das Konzept des höchstmöglichen nachhaltigen Dauerertrages (MSY). Neben der Höchstfangmenge wird die Fischerei außerdem über eine Referenzmindestgröße für die Bestandserhaltung (EU) sowie Gebietsschließungen reguliert, die Jungfische in flachen Bereichen (Haddock Box) und Kaltwasserkorallen schützen sollen. Schließungen gibt es sowohl in EU- als auch in internationalen Gewässern. [154] [796] [1138] [1177] [1222] [1223]

Differenz zwischen Wissen­schaft und Management

Die legale Höchstfangmenge der EU (EU-TAC) wird für das Gebiet 6.b und die internationalen Gewässer von 12 und 14 festgelegt. Sie reguliert nicht die Fänge von nicht-EU-Staaten, die jedoch Teil der wissenschaftlichen Empfehlungen für den Bestand sind. Für 2004-2006 gab der ICES die Empfehlung, die Fänge so weit wie möglich zu reduzieren, und der EU-TAC wurde zwischen 600 und 700 t festgesetzt. Die Anlandungen in dieser Zeit lagen aber weit darüber. Für 2007 und 2008 wurden die TACs unterhalb der ICES-Empfehlungen festgesetzt. Allerdings schlossen die Empfehlungen für 2008 explizit die Rückwürfe mit ein. Für 2009-2012 bezogen sich die Empfehlungen des ICES wieder auf die Anlandungen, die TACs lagen bis 2011 über den wissenschaftlichen Empfehlungen, stimmten für 2012 aber überein. Die tatsächlichen Anlandungen lagen teilweise erheblich unter den TACs. Für 2013 wurde empfohlen, keine gerichtete Fischerei zuzulassen, es gab aber einen EU-TAC von 990 t. Die TACs lagen 2014 über und 2015 unter der wissenschaftlichen Empfehlung für die Anlandungen. 2016 entsprach der TAC der Anlandempfehlung, seit 2017 entspricht er der Fangempfehlung. Die Fänge lagen 2017 über, 2018 und 2019 aber unter den TACs. [1177] [1222] [1223]

Karten

Verbreitungsgebiet

Managementgebiet

Der Rockall-Schellfisch ist ein vom Schellfisch auf dem Kontinentalschelf der britischen Inseln getrennter Bestand, der auf Rockall-Plateau und -Bank verbreitet ist. Seit 2004 wird ein EU-TAC (Höchstfangmenge) für das Gebiet 6.b und die internationalen Gewässer von 12 und 14 festgelegt. Der süd-westliche Teil des Plateaus liegt in internationalen Gewässern und wird durch die NEAFC bewirtschaftet. [1177] [1222] [1223]

Anlandungen und legale Höchstfangmengen (TACs) (in 1.000 t)

Gesamtfang2019: 8,1 (Anlandungen: 7,8; Rückwürfe: 0,3; Anlandungen unter der Mindestgröße: 0,004); 2018 von den Anlandungen Grundschleppnetze 99,6%, Langleinen 0,4%
EU-TAC (6.b, 12, 14) 2009: 5,9   2010: 5,0   2011: 3,7   2012: 3,3   2013: 0,99   2014: 1,2   2015: 2,6   2016: 3,2   2017: 4,7   2018: 5,2   2019: 10,5   2020: 10,5    [1177] [1222]

IUU-Fischerei

Seit 2006 gibt es auf diesen Bestand kaum Fänge, die nicht zuzuordnen wären. Die Fischerei von nicht-EU-Staaten in internationalen Gewässern ist nicht durch die TACs reguliert, ist aber per Definition nicht illegal. [1222] [1223]

Struktur und Fangmethode

Rockall-Schellfisch wird aus einer gerichteten Fischerei sowie als Beifang angelandet. Zum Einsatz kommen Grundschleppnetze und Langleinen. Der Bestand wird vor allem vom Vereinigten Königreich (Schottland) (2019 ~85% der Anlandungen) und Irland (12%) gefischt. Außerdem fischen derzeit Russland (3%), Norwegen (0,2%) und Frankreich (0,1%) auf Rockall-Schellfisch. [154] [1222] [1223]

Beifänge und Rückwürfe

Da der Rockall-Schellfisch eine geringere Größe erreicht als Schellfisch in anderen Gebieten, ist der Rückwurfanteil vor allem kleinerer Tiere in dieser Fischerei hoch. Die durchschnittliche Rückwurf-Rate (nach Gewicht) lag 1991-2003 bei 60%, 2004-2011 schwankten sie zwischen 8 und 40%, 2012 waren es nur noch 4% des Gesamtfanges bezogen aufs Gewicht. Die enorme Reduzierung wurde auf die schwachen Jahrgänge und damit die geringe Anzahl kleiner Schellfische in dem Gebiet zurückgeführt. 2013 sind die Rückwürfe wieder auf 55% gestiegen, lagen 2014-2016 zwischen 14 und 18%, 2017 bei 8%, 2018 bei 17% und 2019 4% (immer vom Gesamtfang bezogen aufs Gewicht). In den nordwestlichen Gewässern der EU sowie für EU-Fahrzeuge in internationalen Gewässern gilt seit Januar 2019 ein vollständiges Anlandegebot für Schellfisch. Russische und norwegische Fahrzeuge müssen ebenfalls den gesamten Fang anlanden. Die Nordostatlantische Fischereikommission (NEAFC) empfiehlt ihren Vertragspartnern in internationalen Gewässern ein generelles Rückwurf-Verbot (discard ban seit 2009). [750] [796] [1166] [1222] [1223]

Einflüsse der Fischerei auf die Umwelt

Durch den Einsatz von Grundschleppnetzen können Bodenlebensgemeinschaften geschädigt werden. Einen negativen Effekt hat dieses Gerät auf die Fauna des Hartbodens, die in Teilen der Rockall-Bank besonders empfindlich ist. Hier hat als Folge des Einsatzes von Grundschleppnetzen die Häufigkeit von Schwämmen und Kaltwasser-Korallen abgenommen. Um Kaltwasserkorallen zu schützen, sind einige Gebiete für die Schleppnetz-Fischerei geschlossen. In der Langleinenfischerei kann es zu Seevogel-Beifang kommen. [30] [83] [796] [1222] [1223]

Biologische Besonder­heiten

Der Rockall-Schellfisch ist ein von den Beständen des britischen Kontinental-Schelfs separierter Bestand. Er hat niedrigere Wachstumsraten und erreicht eine geringere maximale Länge als andere Bestände im Atlantik. [1222] [1223]

Zusätzliche Informationen

Die Fischerei auf Rockall-Schellfisch hat sich stark verändert, als 1999 eine Korrektur der ausschließlichen Wirtschaftszone (AWZ) der EU vorgenommen wurde. Der südwestliche Teil des Rockall-Plateaus wurde zu internationalen Gewässern, wodurch sich für Drittstaaten die Möglichkeit eröffnete, ihre Fischerei auf dieses Gebiet auszuweiten. Dies wurde vor allem von Russland genutzt. Russland ist Mitglied der NEAFC, die offiziellen Fangstatistiken enthalten daher die russischen Fänge, die in den letzten Jahren jedoch gering waren. [154] [1222] [1223]

Zertifizierte Fischereien

Eine Fischerei auf Rockall-Schellfisch ist nach den Standards des Marine Stewardship Councils zertifiziert. [4] Siehe
fisheries.msc.org/en/fisheries/scottish-fisheries-sustainable-accreditation-group-sfsag-rockall-haddock/@@view

Soziale Aspekte

Die Fischerei auf Rockall-Schellfisch wird derzeit vor allem von Fahrzeugen unter der Flagge der EU durchgeführt, geringe Mengen werden von Norwegen und Russlands gefischt. Die Arbeitsbedingungen an Bord und die Entlohnung erfolgt daher nach den jeweiligen Regeln. [13] [14] [1177] [1222]

Marktdaten

2019: Verbrauch in Deutschland: 2.741 t (2018: 2.341 t), Marktanteil (Fische, Krebse, Weichtiere): 0,2% (2018: 0,2%) [13] [14]

Anlandungen (in 1.000 t)Fänge (in 1.000 t)Laicherbiomasse (in 1.000 t)Laicherbiomasse ZustandFischereiliche SterblichkeitAnmerkungen (insbesondere Managementplan)Gültigkeit
Färöer (5.b) 9,3 9,3 53,8 - 11/2020 -
11/2021
Irische See (7.a) 0,7 1,0 17,4 - 06/2021 -
06/2022
Island (5.a) 54,8 - 79,6 - 06/2021 -
06/2022
Keltische See (7.b-k) 7,9 12,1 71,4 - 06/2021 -
06/2022
Nordost-Arktis (1, 2) 128,5 - 200,9 Managementplan seit 2004/2007 06/2021 -
06/2022
Nordsee (4, 6.a, 20) 30,2 40,6 256,8 neuer Mehrjahresplan ab 2018 06/2021 -
06/2022
Rockall (6.b) 5,5 5,6 32,4 - 06/2021 -
06/2022

Klassifizierung nach dem Ansatz des höchstmöglichen nachhaltigen Dauerertrages (MSY), durch den ICES oder analog zu dessen Einteilung:

SymbolBiomasseBewirtschaftung (fischereiliche Sterblichkeit)
innerhalb der Schwankungsbreite um den Zielwertangemessen oder unternutzt
außerhalb der Schwankungsbreite um den Zielwertübernutzt
Zustand unklar, Referenzpunkte nicht definiert und/oder unzureichende DatenZustand unklar, Referenzpunkte nicht definiert und/oder unzureichende Daten
AutorJahrTitelQuelle
[4]Marine Stewardship Council (MSC)Fisch und Meeresfrüchte aus zertifiziert nachhaltiger Fischereimsc.org
[13]Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE)Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) Homepageble.de
[14]Fisch-Informationszentrum e.V. (FIZ)Fisch-Informationszentrum e.V. Homepagefischinfo.de
[30]Food and Agriculture Organization (FAO)FAO. © 2003-2010. Fisheries Topics: Technology. Fish capture technology. In: FAO Fisheries and Aquaculture Department [online]. Rome. Updated 2006 15 09.[Cited 10 June 2010]fao.org
[83]Fossa JH, Mortensen PB, Furevik DM2002The deep-water coral Lophelia pertusa in Norwegian waters: distribution and fishery impacts Hydrobiologia 471:1-12
[154]Newton AW, Peach KJ, Coull KA, Gault M, Needle CL2008Rockall and the Scottish haddock fishery Fisheries Research 94:133–140
[750]Europäische Union (EU)2013Verordnung (EU) Nr. 1380/2013 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 11. Dezember 2013 über die Gemeinsame Fischereipolitik und zur Änderung der Verordnungen (EG) Nr. 1954/2003 und (EG) Nr. 1224/2009 des Rates sowie zur Aufhebung der Verordnungen (EG) Nr. 2371/2002 und (EG) Nr. 639/2004 des Rates und des Beschlusses 2004/585/EG des Rateseuropa.eu
[796]North East Atlantic Fisheries Commission (NEAFC)North East Atlantic Fisheries Commission (Nordostatlantische Fischereikommission), Managing Fisheries in the North East Atlantic. Current Management Measuresneafc.org
[1138]Europäische Union (EU)2019VERORDNUNG (EU) 2019/472 DES EUROPÄISCHEN PARLAMENTS UND DES RATES vom 19. März 2019 zur Festlegung eines Mehrjahresplans für die in den westlichen Gewässern und angrenzenden Gewässern gefischten Bestände und für Fischereien, die diese Bestände befischen, zur Änderung der Verordnungen (EU) 2016/1139 und (EU) 2018/973 und zur Aufhebung der Verordnungen (EG) Nr. 811/2004, (EG) Nr. 2166/2005, (EG) Nr. 388/2006, (EG) Nr. 509/2007 und (EG) Nr. 1300/2008 des Rateseuropa.eu
[1166]Europäische Union (EU)2020DELEGIERTE VERORDNUNG (EU) 2020/2015 DER KOMMISSION vom 21. August 2020 mit Einzelheiten zur Umsetzung der Anlandeverpflichtung für bestimmte Fischereien in den westlichen Gewässern im Zeitraum 2021–2023europa.eu
[1177]Europäische Union (EU)2020Verordnung (EU) 2020/123 des Rates vom 27. Januar 2020 zur Festsetzung der Fangmöglichkeiten für 2020 für bestimmte Fischbestände und Bestandsgruppen in den Unionsgewässern sowie für Fischereifahrzeuge der Union in bestimmten Nicht-Unionsgewässern, ST/15319/2019/INITeuropa.eu
[1222]ICES2020Haddock (Melanogrammus aeglefinus) in Division 6.b (Rockall). In Report of the ICES Advisory Committee, 2020. ICES Advice 2020, had.27.6b. https://doi.org/10.17895/ices.advice.5921.ices.dk
[1223]ICES2020Working Group for the Celtic Seas Ecoregion (WGCSE). ICES Scientific Reports. 2:40. xx pp. http://doi.org/10.17895/ices.pub.5978ices.dk