Bestandsdatenblatt

Nördlicher (europäischer) Seehecht

Gültig 06/2011 - 06/2012

Nördlicher (europäischer) Seehecht

gültig 06/2011 - 06/2012

Zugehörige Fischart

Seehecht (6 Arten)

Allgemeine Informationen


Ökoregion:Nordsee, Keltischer und Biskaya-Schelf
Fanggebiet:westliche Ostsee (22-24), nördliche Biskaya (8.abd), nördliche Gebiete (3.a, 4, 5, 6, 7), ozeanischer Nordostatlantik (10, 12, 14) FAO 27
Art:Merluccius merluccius

Wissenschaftliche Begutachtung

Internationaler Rat für Meeresforschung (ICES), Kopenhagen, www.ices.dk

Methode, Frequenz

Jährliche analytische Bestandsberechnung mit Vorhersage unter Verwendung von Fangdaten und vier unabhängigen wissenschaftlichen Forschungsreisen. Es ist nur ein Referenzwert nach dem Konzept des höchstmöglichen nachhaltigen Dauerertrages festgelegt (Fmsy). Rückwürfe gehen in die Berechnung ein, es gibt jedoch relativ wenige Daten dazu. [357]

Wesentliche Punkte

2011: Die historische Bestandsentwicklung wurde 2011 neu berechnet und bis 1978 ausgeweitet (zuvor nur bis 1990). Dadurch konnte die Qualität der Vorhersage erhöht werden. Die Referenzwerte nach Vorsorgeansatz und somit auch die des Erholungsplanes sind nach dieser Neuberechnung nicht mehr angemessen. Die Laicherbiomasse steigt weiter an und erreicht 2011 ein Rekordhoch. Die fischereiliche Sterblichkeit konnte in den letzten Jahren zwar reduziert werden, liegt aber noch immer über dem Referenzwert zur Erlangung des höchstmöglichen nachhaltigen Dauerertrages (Fmsy). [357]

Bestands­zustand

Laicherbiomasse (Reproduktionskapazität)

    Referenzwerte nicht definiert (nach Vorsorgeansatz)

  Referenzwerte nicht definiert (nach Managementplan)

    Referenzwerte nicht definiert (nach höchstem Dauerertrag)

 

Fischereiliche Sterblichkeit
 

  Referenzwerte nicht definiert (nach Vorsorgeansatz)

  Referenzwerte nicht definiert (nach Managementplan)

  übernutzt (nach höchstem Dauerertrag)

 

Bestands­entwicklung

Die Laicherbiomasse des nördlichen europäischen Seehechts war zu Beginn der Zeitreihe recht hoch (1980: 102.000 t), nahm dann aber kontinuierlich ab, bis Ende der 1990er Jahre das historische Minimum von 25.000 t erreicht wurde. Gleichzeitig stieg die fischereiliche Sterblichkeit stark an. Seit 1998 stieg die Biomasse zunächst langsam, seit 2008 schnell und erreicht 2011 den höchsten Wert der Zeitreihe. Die fischereiliche Sterblichkeit konnte in den letzten Jahren zwar gesenkt werden, liegt derzeit aber noch immer über dem Referenzwert zur Erlangung des höchstmöglichen nachhaltigen Dauerertrages (Fmsy). Die Nachwuchsproduktion schwankt ohne klaren Trend. Zuletzt waren die Jahrgänge 2006 bis 2008 sehr stark, bevor 2009 einer der kleinsten Jahrgänge der Zeitserie auftrat. Auch der 2010er Jahrgang ist relativ klein. [357] [358]

Ausblick

Die fischereiliche Sterblichkeit muss weiter gesenkt werden, damit der Bestand nach MSY bewirtschaftet wird. Bei der geringen Nachwuchsproduktion 2009 und 2010 werden die Fangmöglichkeiten daher trotz derzeit steigender Biomasse kurzfristig reduziert werden müssen. [357]

Umwelt­einflüsse auf den Bestand

Es sind keine spezifischen Umwelteinflüsse auf diesen Bestand genannt.

Wer und Wie

Das Management erfolgt vor allem durch die Europäische Union. Seit 2004 gibt es einen Erholungs- bzw. Managementplan, dessen Zielwerte wegen der inzwischen völlig veränderten Wahrnehmung des Bestandes nicht mehr verwendet werden können. Er wird daher vom ICES nicht mehr als Basis für die Fangempfehlung genutzt. Ein Langzeit-Managementplan wird im Moment von der Europäischen Kommission entwickelt. Die Bewirtschaftung erfolgt über gebietsbezogene Höchstfangmengen (TACs) im Rahmen eines Gesamt-TAC für diesen Bestand (mit EU-Gewässern von IIa und Vb und int. Gewässern von Vb, XII und XIV). Außerdem gibt es Mindestanlandelängen und technische Regularien wie z.B. bestimmte Maschenweiten in unterschiedlichen Gebieten und Fischereien. Fänge aus diesem Bestand in der norwegischen AWZ sind nicht reguliert. [167] [357] [358] [359] [Norw. Ministerium für Fischerei und Küstenangelegenheiten, persönliche Mitteilung, Jan. 2012]

Differenz zwischen Wissen­schaft und Management

Seit 2006 hält sich das Management bei Festlegung der Höchstfangmengen (TAC) meist an die wissenschaftliche Empfehlung. 2007 und 2011 lag der TAC jedoch etwas höher. Vor 2006, insbesondere vor Implementierung des Erholungsplanes, kam es teilweise zu erheblichen Überschreitungen der Fangempfehlung. Anlandungen und Fänge lagen 2009 und 2010 deutlich über den erlaubten Mengen. In den Vorjahren gab es sowohl Über- als auch Unterschreitungen der erlaubten Fangmengen. [357] [358]

Karten

Verbreitungsgebiet

Managementgebiet

Seehecht wird im Nordostatlantik als zwei getrennte Bestände (einem nördlichen und einem südlichen) bewirtschaftet. Der hier behandelte nördliche Bestand ist über ein recht weites Gebiet verbreitet (ICES Gebiete IIIa, IV, VI, VII und VIIIa, b, d). Die Bewirtschaftung erfolgt über gebietsbezogene Höchstfangmengen (TACs) im Rahmen eines Gesamt-TAC, der auch die EU-Gewässer von IIa und Vb und int. Gewässer von Vb, XII und XIV beinhaltet, nicht aber die Gewässer Norwegens und der Färöer-Inseln. [357] [358]

Anlandungen und TACs (in 1.000 t)

Gesamtfang2010: 79,6, Anlandungen: 73,1, Rückwürfe: 6,5; davon Schleppnetze 31%, Kiemennetze 20%, Langleinen 29%, andere 21%
TACs2008: 54,0 2009: 51,5 2010: 55,1 2011: 55,1 [357] [167]

IUU-Fischerei

2010 lagen die Anlandungen erheblich über der erlaubten Fangmenge. Es gibt keine nicht zugeordneten Fänge. [357] [358]

Struktur und Fangmethode

Seehecht wird in einer gemischten Fischerei mit Seeteufel, Flügelbutt und/oder Kaisergranat gefangen. Zum Einsatz kommen verschiedene Fanggeräte, die in unterschiedlichen Fischerei-Einheiten zusammengefasst sind. Die meisten Anlandungen kommen zurzeit aus ICES-Gebiet VII, aber die Anlandungen aus IIIa, IV und VI haben in den letzten Jahren zugenommen. [357] [358]

Beifänge und Rückwürfe

In einigen Gebieten und Flotten ist der Rückwurf von jungen Seehechten sehr hoch. Informationen über die Menge der Rückwürfe sind allerdings nur für einen Teil der Schleppnetzfischerei verfügbar, sie wird wahrscheinlich unterschätzt. Laicherbiomasse und Ertrag des Bestandes könnten erheblich gesteigert werden, wenn der Rückwurf von kleinen Seehechten reduziert würde. [357] [358]

Einflüsse der Fischerei auf die Umwelt

Durch den Einsatz von Grundschleppnetzen kann der Meeresboden geschädigt werden. Artenzusammensetzung, Biomasse und Nahrungsgefüge können sich erheblich verändern. In Kiemennetzen können Seevögel und Meeressäuger beigefangen werden, küstennah z.B. Schweinswale. In der Langleinenfischerei kommt der Beifang von Seevögeln vor. Verlorengegangene Geräte wie Kiemennetze können für eine gewisse Zeit weiterfischen (ghost fishing). Der Einfluss des „ghost fishing“ ist noch nicht quantifiziert worden, ist in flachen Bereichen (kleiner 200 m) aber kein signifikantes Problem. [30] [7] [8] [326]

Biologische Besonder­heiten

Dieser Bestand laicht von Februar bis Juli entlang der Schelfkante von der Biskaya bis südlich und westlich von Irland. Die Hauptlaichgebiete liegen in der Biskaya und südlich von Irland. Nach einer kurzen Lebensphase im Freiwasser („pelagisch“) gehen die jungen Seehechte vorübergehend zum Bodenleben in über 200 m Tiefe über. Bereits im September wechseln sie erneut den Lebensraum, diesmal in flacheres Wasser mit schlickigem Boden in etwa 75-120 m Tiefe. [358]

Zusätzliche Informationen

Die Trennung der zwei Seehechtbestände im Nordost-Atlantik in einen nördlichen und einen südlichen Bestand basiert nicht auf biologischen Erkenntnissen. Genetische Unterschiede konnten nicht gefunden werden. Die angenommene Trennlinie ist der Cap Breton Canyon etwa an der Grenze zwischen Frankreich und Spanien. Der Canyon wird als geographische Schranke betrachtet, weil er möglicherweise den Austausch zwischen den Beständen verringert. Es kommt aber sicher trotzdem zu einer Vermischung der Bestände in unbekanntem Umfang. [358]

Zertifizierte Fischereien

Es ist bisher keine Fischerei auf diesen Bestand nach einem der gängigen Nachhaltigkeitsstandards zertifiziert. Drei Fischereien befinden sich im Bewertungsverfahren nach den Standards des Marine Stewardship Councils (MSC). [4]

Soziale Aspekte

Die Seehecht-Fischerei wird in verschiedenen gemischten Fischereien und daher auch mit verschiedenen Fahrzeugen durchgeführt. Die Fahrzeuge fahren unter den Flaggen der jeweiligen Anrainerstaaten, die Arbeitsbedingungen an Bord und die Entlohnung erfolgt daher nach deren Regeln. Hauptfangnation ist Spanien. [13] [358]

AutorJahrTitelQuelle
[4]Marine Stewardship Council (MSC)Fisch und Meeresfrüchte aus zertifiziert nachhaltiger Fischereimsc.org
[7]Kaiser MJ, Ramsay K, Ramsay K, Richardson CA, Spence FE, Brand AR2000Chronic fishing disturbance has changed shelf sea benthic community structure Journal of Animal Ecology 69:494-503
[8]Hiddink JG, Jennings S, Kaiser MJ, Queirós AM, Duplisea DE, Piet GJ2006Cumulative impacts of seabed trawl disturbance on benthic biomass, production, and species richness in different habitats Canadian Journal of Fisheries and Aquatic Sciences 63:721-736
[13]Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE)Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) Homepageble.de
[14]Fisch-Informationszentrum e.V. (FIZ)Fisch-Informationszentrum e.V. Homepagefischinfo.de
[30]Food and Agriculture Organization (FAO)FAO. © 2003-2010. Fisheries Topics: Technology. Fish capture technology. In: FAO Fisheries and Aquaculture Department [online]. Rome. Updated 2006 15 09.[Cited 10 June 2010]fao.org
[167]Europäische Union (EU)2011Verordnung (EU) Nr. 57/2011 des Rates vom 18. Januar 2011 zur Festsetzung der Fangmöglichkeiten für bestimmte Fischbestände und Bestandsgruppen in den EU-Gewässern sowie für EU-Schiffe in bestimmten Nicht-EU-Gewässern (2011)europa.eu
[326]ICES2011Report of the Arctic Fisheries Working Group (AFWG), 28 April - 4 May 2011, Hamburg, Germany. ICES CM 2011/ACOM:05. 659 pp. 1 Ecosystem considerationsices.dk
[357]ICES2011Report of the Advisory Committee, 2011. Book 9. Widely Distributed and Migratory Stocks. 9.4.1. Hake in Division IIIa, Subareas IV, VI, and VII, and Divisions VIIIa,b,d (Northern stock)ices.dk
[358]ICES2011Report of the Working Group on the Assessment of Southern Shelf stocks of Hake, Monk and Megrim (WGHMM), 5 - 11 May 2011, ICES Headquarters, Copenhagen. ICES CM 2011/ACOM:11.625 pp.3. Hake in Division IIIa, Subareas IV, VI and VII and Divisions VIIIa,b,d (Northern stock)ices.dk
[359]European Comission2004Verordnung (EG) Nr. 811/2004 des Rates vom 21.4.2004 zur Festlegung von Maßnahmen zur Wiederauffüllung des nördlichen Seehechtbestandseuropa.eu