Bestandsdatenblatt

Nördlicher (europäischer) Seehecht

Gültig 06/2013 - 06/2014

Nördlicher (europäischer) Seehecht

gültig 06/2013 - 06/2014

Zugehörige Fischart

Seehecht (6 Arten)

Allgemeine Informationen


Ökoregion:Nordsee, Keltischer und Biskaya-Schelf
Fanggebiet:westliche Ostsee (22-24), nördliche Biskaya (8.abd), nördliche Gebiete (3.a, 4, 5, 6, 7), ozeanischer Nordostatlantik (10, 12, 14) FAO 27
Art:Merluccius merluccius

Wissenschaftliche Begutachtung

Internationaler Rat für Meeresforschung (ICES), Kopenhagen, www.ices.dk

Methode, Frequenz

Jährliche analytische Bestandsberechnung mit Vorhersage unter Verwendung von Fangdaten und vier unabhängigen wissenschaftlichen Forschungsreisen. Es ist nur ein Referenzwert nach dem Konzept des höchsten Dauerertrages festgelegt (Fmsy). Rückwürfe gehen teilweise in die Berechnung ein, die Daten sind jedoch sehr unvollständig. Die historische Bestandsentwicklung wurde 2011 neu berechnet und bis 1978 ausgeweitet (zuvor nur bis 1990). Dadurch konnte die Qualität der Vorhersage erhöht werden. [648] [649]

Wesentliche Punkte

2013: Die fischereiliche Sterblichkeit wurde weiter reduziert und liegt nun auf dem Referenzwert zur Erlangung des höchstmöglichen nachhaltigen Dauerertrages (Fmsy). Die Laicherbiomasse erreichte 2012 einen historischen Höchstwert und hat bis 2013 nur leicht abgenommen. [648] [649]

Bestands­zustand

Laicherbiomasse (Reproduktionskapazität)

    Referenzwerte nicht definiert (nach Vorsorgeansatz)

  Referenzwerte nicht definiert (nach Managementplan)

    Referenzwerte nicht definiert (nach höchstem Dauerertrag)

 

Fischereiliche Sterblichkeit
 

  Referenzwerte nicht definiert (nach Vorsorgeansatz)

  Referenzwerte nicht definiert (nach Managementplan)

  angemessen (nach höchstem Dauerertrag)

 

Bestands­entwicklung

Die Laicherbiomasse des nördlichen europäischen Seehechts war zu Beginn der Zeitreihe vergleichsweise hoch (1980: 105.000 t), nahm dann aber kontinuierlich ab, bis Ende der 1990er Jahre das historische Minimum von 25.000 t erreicht wurde. Gleichzeitig stieg die fischereiliche Sterblichkeit stark an. Seit 1998 erholte sich der Bestand zunächst langsam, seit 2008 schnell und die Biomasse erreichte 2012 den höchsten Wert der Zeitreihe. Die fischereiliche Sterblichkeit konnte in den letzten Jahren erheblich gesenkt werden und liegt nun auf dem Referenzwert zur Erlangung des höchstmöglichen nachhaltigen Dauerertrages (Fmsy). Die Nachwuchsproduktion schwankt ohne klaren Trend. Zuletzt waren die Jahrgänge 2006 bis 2008 sehr stark, bevor 2009 einer der kleinsten Jahrgänge der Zeitserie auftrat. Auch die Jahrgänge 2010 und 2011 sind relativ klein, wohingegen 2012 möglicherweise der größte Jahrgang der Zeitreihe ist. [648] [649]

Ausblick

Da der Bestand nach MSY bewirtschaftet wird, können die Fangmöglichkeiten zumindest kurzfristig steigen, bis ggf. schwächere Jahrgänge in die Fischerei einwachsen. [648] [649]

Umwelt­einflüsse auf den Bestand

Ökologische Faktoren und Umwelteinflüsse auf diesen Seehechtbestand werden zurzeit weder in der Begutachtung noch für die Bewirtschaftung berücksichtigt. [648]

Wer und Wie

Die Bewirtschaftung erfolgt vor allem durch die Europäische Union. Seit 2004 gibt es einen Erholungs- bzw. Managementplan, dessen Zielwerte wegen der inzwischen völlig veränderten Wahrnehmung des Bestandes nicht mehr verwendet werden können. Er wird daher vom ICES nicht mehr als Basis für die Fangempfehlung genutzt. Die Bewirtschaftung erfolgt über gebietsbezogene Höchstfangmengen (TACs) im Rahmen eines Gesamt-TAC für diesen Bestand. Außerdem gibt es Mindestanlandelängen und technische Regularien wie z.B. bestimmte Maschenweiten in unterschiedlichen Gebieten und Fischereien. Fänge aus diesem Bestand in der ausschließlichen Wirtschaftszone (AWZ) Norwegens sind nicht reguliert. [359] [595] [649] [Norw. Ministerium für Fischerei und Küstenangelegenheiten, persönliche Mitteilung, Jan. 2012]

Differenz zwischen Wissen­schaft und Management

Vor 2006, insbesondere vor Implementierung des Erholungsplanes, wurden die Höchstfangmengen (TACs) teilweise erheblich höher als die Fangempfehlungen festgesetzt. 2006 bis 2010 hat sich das Management dicht an die wissenschaftliche Empfehlung gehalten, seit 2011 wird der TAC jedoch wieder über den Empfehlungen festgelegt. Die Anlandungen liegen seit 2009 noch höher. In den Vorjahren gab es sowohl Über- als auch Unterschreitungen der erlaubten Fangmengen. [649]

Karten

Verbreitungsgebiet

Managementgebiet

Seehecht wird im Nordostatlantik als zwei getrennte Bestände (einen nördlichen und einen südlichen) bewirtschaftet. Der hier behandelte nördliche Bestand ist geografisch weit verbreitet (ICES Gebiete IIIa, IV, VI, VII und VIIIabd). Die Bewirtschaftung erfolgt über gebietsbezogene Höchstfangmengen (TACs) im Rahmen eines Gesamt-TAC, der auch die EU-Gewässer von IIa und Vb und internationale Gewässer von Vb, XII und XIV beinhaltet, nicht aber die Gewässer Norwegens und der Färöer-Inseln. [595] [649]

Anlandungen und TACs (in 1.000 t)

Gesamtfang2012: Anlandungen: 75,2, Rückwürfe 14,6 (nicht vollständig); davon Schleppnetze 20%, Kiemennetze 21%, Langleinen 18%, andere 41%
TACs2008: 54,0 2009: 51,5 2010: 55,1 2011: 55,1 2012: 55,1 2013: 55,1 [595] [649]

IUU-Fischerei

Die Anlandungen lagen 2012 wieder erheblich über der erlaubten Fangmenge. 2011 und 2012 gab es nicht zugeordnete Fänge, die auf den Unterschieden zwischen offiziellen Statistiken und wissenschaftlichen Fangabschätzungen beruhen. [649]

Struktur und Fangmethode

Seehecht wird in einer gemischten Fischerei mit Seeteufel, Flügelbutt und/oder Kaisergranat gefangen. Zum Einsatz kommen verschiedene Fanggeräte, die in unterschiedlichen Fischerei-Einheiten zusammengefasst sind. Die meisten Anlandungen kommen zurzeit aus ICES-Gebiet VII, aber die Anlandungen aus IIIa, IV und VI haben in den letzten Jahren zugenommen. Hauptfangnation ist Spanien. [13] [648] [649]

Beifänge und Rückwürfe

In einigen Gebieten und Flotten ist der Rückwurf von jungen Seehechten sehr hoch. Informationen über die Menge der Rückwürfe sind allerdings nur für einen Teil der Schleppnetzfischerei verfügbar, sie werden wahrscheinlich unterschätzt. Die bekannten Rückwürfe sind 2012 stark gestiegen und machen 16% der Fänge aus. Laicherbiomasse und Ertrag des Bestandes könnten erheblich steigen, wenn der Rückwurf von kleinen Seehechten reduziert würde. [648] [649]

Einflüsse der Fischerei auf die Umwelt

Durch den Einsatz von Grundschleppnetzen kann der Meeresboden geschädigt werden. Sie fangen neben den Zielarten auch Arten, die nicht kommerziell genutzt werden und deren Entnahme einen Einfluss auf das Ökosystem haben kann. Artenzusammensetzung, Biomasse und Nahrungsgefüge können sich erheblich verändern. In Kiemennetzen können Seevögel und Meeressäuger beigefangen werden, küstennah z.B. Schweinswale. In der Langleinenfischerei kommt der Beifang von Seevögeln vor. Verlorengegangene Geräte wie Kiemennetze können für eine gewisse Zeit weiterfischen (ghost fishing). Der Einfluss des „ghost fishing“ ist noch nicht quantifiziert worden, ist in flachen Bereichen (kleiner 200 m) aber kein signifikantes Problem. [7] [8] [30] [326]

Biologische Besonder­heiten

Dieser Bestand laicht von Februar bis Juli entlang der Schelfkante von der Biskaya bis südlich und westlich von Irland. Nach einer kurzen Lebensphase im Freiwasser („pelagisch“) gehen die jungen Seehechte vorübergehend zum Bodenleben in über 200 m Tiefe über. Bereits im September wechseln sie erneut den Lebensraum, diesmal in flacheres Wasser mit schlickigem Boden in etwa 75-120 m Tiefe. [648] [649]

Zusätzliche Informationen

Die Trennung der zwei Seehechtbestände im Nordost-Atlantik in einen nördlichen und einen südlichen Bestand basiert nicht auf biologischen Erkenntnissen. Genetische Unterschiede konnten nicht gefunden werden. Die angenommene Trennlinie ist der Cap Breton Canyon etwa an der Grenze zwischen Frankreich und Spanien. Der Canyon wird als geographische Schranke betrachtet, weil er möglicherweise den Austausch zwischen den Beständen verringert. Eine Vermischung der „Bestände“ in unbekanntem Umfang ist aber wahrscheinlich. [648] [649]

Zertifizierte Fischereien

Es ist bisher keine Fischerei auf diesen Bestand nach einem der gängigen Nachhaltigkeitsstandards zertifiziert. Drei Fischereien befinden sich im Bewertungsverfahren nach den Standards des Marine Stewardship Councils (MSC). [4]

Soziale Aspekte

Die Seehecht-Fischerei wird in verschiedenen gemischten Fischereien und daher auch mit verschiedenen Fahrzeugen aller Größen durchgeführt. Die Fahrzeuge fahren unter den Flaggen der jeweiligen Anrainerstaaten, die Arbeitsbedingungen an Bord und die Entlohnung erfolgt daher nach deren Regeln. Hauptfangnation ist Spanien. [13]

AutorJahrTitelQuelle
[4]Marine Stewardship Council (MSC)Fisch und Meeresfrüchte aus zertifiziert nachhaltiger Fischereimsc.org
[7]Kaiser MJ, Ramsay K, Ramsay K, Richardson CA, Spence FE, Brand AR2000Chronic fishing disturbance has changed shelf sea benthic community structure Journal of Animal Ecology 69:494-503
[8]Hiddink JG, Jennings S, Kaiser MJ, Queirós AM, Duplisea DE, Piet GJ2006Cumulative impacts of seabed trawl disturbance on benthic biomass, production, and species richness in different habitats Canadian Journal of Fisheries and Aquatic Sciences 63:721-736
[13]Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE)Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) Homepageble.de
[14]Fisch-Informationszentrum e.V. (FIZ)Fisch-Informationszentrum e.V. Homepagefischinfo.de
[30]Food and Agriculture Organization (FAO)FAO. © 2003-2010. Fisheries Topics: Technology. Fish capture technology. In: FAO Fisheries and Aquaculture Department [online]. Rome. Updated 2006 15 09.[Cited 10 June 2010]fao.org
[326]ICES2011Report of the Arctic Fisheries Working Group (AFWG), 28 April - 4 May 2011, Hamburg, Germany. ICES CM 2011/ACOM:05. 659 pp. 1 Ecosystem considerationsices.dk
[359]European Comission2004Verordnung (EG) Nr. 811/2004 des Rates vom 21.4.2004 zur Festlegung von Maßnahmen zur Wiederauffüllung des nördlichen Seehechtbestandseuropa.eu
[595]Europäische Union (EU)2013Verordnung (EU) Nr. 39/2013 des Rates vom 21. Januar 2013 zur Festsetzung der Fangmöglichkeiten für EU-Schiffe im Jahr 2013 für bestimmte, nicht über internationale Verhandlungen und Übereinkünfte regulierte Fischbestände und Bestandsgruppeneuropa.eu
[648]ICES2013Report of the Working Group on the Assessment of Southern Shelf Stocks of Hake, Monk and Megrim (WGHMM), 10 - 16 May 2013, ICES Headquarters, Copenhagen. ICES CM 2013/ACOM:11A. 11 pp.ices.dk
[649]ICES2013Report of the Advisory Committee, 2013. Book 9. Widely distributed and migratory stocks. 9.4.10 Hake in Division IIIa, Subareas IV, VI, and VII, and Divisions VIIIa,b,d (Northern stock)ices.dk