Bestandsdatenblatt

Seehecht Nordostpazifik (Merluccius productus)

Gültig 12/2011 - 03/2012

Seehecht Nordostpazifik (Merluccius productus)

gültig 12/2011 - 03/2012

Zugehörige Fischart

Seehecht (6 Arten)

Allgemeine Informationen


Ökoregion:Golf von Alaska, Kalifornienstrom
Fanggebiet:USA, Kanada FAO 67
Art:Merluccius productus

Wissenschaftliche Begutachtung

Durch eine gemeinsame Seehecht-Arbeitsgruppe der USA und Kanada mit Northwest Fisheries Science Center www.nwfsc.noaa.gov, Fisheries and Oceans Canada (DFO) www.dfo-mpo.gc.ca (Centre for Scientific Advice (CSA), Pacific Region) und der Universität von British Columbia www.fisheries.ubc.ca

Methode, Frequenz

Jährliche analytische Bestandsberechnung mit Vorhersage unter Verwendung von Fangdaten und unabhängigen wissenschaftlichen Forschungsreisen, die in unterschiedlichen Intervallen durchgeführt werden (Akustik-Survey alle zwei Jahre). Für die Bestandsberechnung finden zwei unterschiedliche Modelle Anwendung, für die es jeweils unterschiedliche Biomasse-Referenzwerte für das Management und nach dem Konzept zur Erlangung des höchstmöglichen nachhaltigen Dauerertrages (MSY) gibt. Als Maß für die fischereiliche Entnahme wird die Fischerei-Rate verwendet. Auch hierfür sind für jedes der beiden Modelle Management- und MSY-Referenzwerte definiert. Rückwürfe in der gezielten Seehechtfischerei gehen in die Berechnungen ein. Die Bestandsberechnung ist sehr unsicher, vor allem weil die Größe des 2008er Jahrgangs noch nicht bekannt ist. [363] [367]

Wesentliche Punkte

2011: Der Bestand wird nachhaltig bewirtschaftet und die Biomasse liegt über den jeweiligen Referenzwerten. Für die aktuelle Begutachtung wurden alle Datenquellen zu diesem Bestand rekonstruiert und mit teilweise verfeinerten Methoden neu bewertet. [363]

Bestands­zustand

Laicherbiomasse (Reproduktionskapazität)

    Referenzwerte nicht definiert (nach Vorsorgeansatz)

  innerhalb der Schwankungsbreite um den Zielwert (nach Managementplan)

  innerhalb der Schwankungsbreite um den Zielwert (nach höchstem Dauerertrag)

 

Fischereiliche Sterblichkeit
 

    Referenzwerte nicht definiert (nach Vorsorgeansatz)

  innerhalb der Schwankungsbreite um den Zielwert (nach Managementplan)

  angemessen (nach höchstem Dauerertrag)

 

Bestands­entwicklung

Die industrielle Fischerei begann in US-Gewässern Mitte der 1960er Jahre durch Fabrikschiffe aus der Sowjetunion, später kamen Fabrikschiffe z.B. aus Polen, der DDR und der Bundesrepublik Deutschland hinzu. In den 1980er Jahren starteten Kooperationen von US-Trawlern mit Sowjetischen Fabrikschiffen. Im Laufe der Zeit wurde die Kapazität der US-Flotte und auch die Verarbeitungsmöglichkeiten an Land ausgebaut, und seit Beginn der 1990er Jahre wird die Ressource in US-Gewässern ausschließlich durch die heimische Flotte genutzt. Die Entwicklung in kanadischen Gewässern war ähnlich, allerdings gibt es dort in einigen Jahren noch immer Kooperationen mit ausländischen Fabrikschiffen.
Nach der aktuellen Bestandsberechnung war die Laicherbiomasse (Weibchen) zu Beginn der Fischerei und in den 1970er Jahren auf einem eher niedrigen Stand, stieg dann aufgrund von zwei oder mehr starken Jahrgängen in den frühen 1980ern stark an. Nach einem Maximum Mitte bis Ende der 1980er Jahre war eine schnelle Abnahme bis ins Jahr 2000 zu beobachten. 2002 wurde der Bestand von den USA als überfischt erklärt. Der erneute Anstieg bis 2003 war die Folge des starken 1999er Jahrganges, schon 2004 galt der Bestand als wieder aufgebaut. Für 2011 ist als Resultat der starken Jahrgänge 2005, 2006 und ggf. 2008 erneut eine hohe Biomasse vorausgesagt, die Stärke des 2008er Jahrgangs ist allerdings noch unsicher. Die farbigen Unterlegungen in der Grafik geben den großen Unsicherheitsbereich der Bestandsberechnung an. Als Maß für den Fischereidruck wird hier nicht die fischereiliche Sterblichkeit, sondern eine Fischerei-Rate angegeben. Die Nachwuchsproduktion dieses Seehechtbestandes ist äußerst variabel, was zu großen und schnellen Wechseln in der Bestandsbiomasse führt. [363] [366]

Ausblick

Wenn die Fänge stabil gehalten werden, wird die Laicherbiomasse bis 2013 steigen. Die Stärke des 2008er Jahrgangs ist aber noch sehr unsicher und genauere Informationen werden erst nach dem nächsten Akustik-Survey zur Verfügung stehen. [363]

Umwelt­einflüsse auf den Bestand

In Jahren mit wärmerem Wasser wandert der Bestand im Sommer generell weiter nach Norden. Mit den zunehmenden Temperaturen der letzten Jahre wurde das Verbreitungsgebiet größer, und Laichgebiete und Verbreitung der Jungtiere verschob sich nach Norden [363] [366]

Wer und Wie

Die USA und Kanada haben 2003 ein Abkommen zur gemeinsamen Bewirtschaftung dieses Seehecht-Bestandes geschlossen das zwar von beiden Ländern ratifiziert wurde, aber noch nicht vollständig umgesetzt ist. In den Gewässern der USA erfolgt das Fischereimanagement nach dem Magnuson-Stevens Fishery Conservation and Management Act. Der National Marine Fisheries Service (NMFS, NOAA) bewirtschaftet die Fischerei in der ausschließlichen Wirtschaftszone (AWZ, 3-200 sm). In den Küstengewässern (0-3 sm) sind die einzelnen Bundesstaaten zuständig. In Kanada erfolgt das Management durch die DFO (Fisheries and Oceans Canada, Pacific Region). Die Begutachtung dieses Seehecht-Bestandes findet durch eine gemeinsame US-kanadische-Arbeitsgruppe statt (siehe auch „Wiss. Bewertung“) und die Höchstfangmengen (TACs) werden den Vorgaben des Abkommens entsprechend verteilt. Die USA erhalten 73,88 und Kanada 26,12 % des jährlich festgesetzten TACs. In Kanada werden die Fangmöglichkeiten als individuelle Quoten für einzelne Fahrzeuge (IVQs) vergeben. Eine Übertragung nicht gefischter Anteile ins Folgejahr ist möglich. Alle auf See verarbeitenden Fahrzeuge werden von Beobachtern an Bord kontrolliert, Anlandungen werden im Hafen kameraüberwacht. Das Management erfolgt außerdem über nationale technische Regularien wie Maschenweiten und Gebietsschließungen. 1997 wurde die Pacific Whiting Conservation Cooperative (PWCC) als Zusammenschluss verschiedener US-Unternehmen gegründet. Sie sorgt unter anderem für die Verteilung der US-Quote auf die verschiedenen Sektoren, hat aber auch die Reduzierung von Beifang zum Ziel und unterstützt wissenschaftliche Untersuchungen. [363] [364] [365] [366]

Differenz zwischen Wissen­schaft und Management

In den 1990er Jahren gab es Unstimmigkeiten über die Verteilung der wissenschaftlich empfohlenen akzeptablen Entnahme (ABC) zwischen den USA und Kanada. Die Folge war eine Überschreitung der Empfehlung: 1991-1992 betrug die Summe der Quoten 128%, 1993-1999 im Schnitt 107% der empfohlenen ABC. In den letzten 10 Jahren wurden die Fangmengen entsprechend der ABC festgesetzt, und lagen in einigen Jahren weit darunter. Die jährlichen Anlandungen liegen seit 2003 streng innerhalb dieser Vorgaben und wurden auch durch die von kanadischen Fahrzeugen ins Folgejahr übertragenen ungefischten Anteile nicht überschritten. [363]

Karten

Verbreitungsgebiet

Managementgebiet

Dieser Seehechtbestand ist auf dem pazifischen Schelf Nordamerikas zwischen der Baja California und Südost-Alaska verbreitet. Das Hauptverbreitungsgebiet liegt zwischen Kalifornien und dem nördlichen British Columbia. Das Management erfolgt über eine gemeinsame Höchstfangmenge der USA und Kanada, sonst aber über die jeweiligen nationalen Regeln. [363] [364] [366]

Anlandungen und TACs (in 1.000 t)

Gesamtfang2010: Anlandungen 217,0, davon USA: 161,0 Kanada: 56,0;
überwiegend pelagische Schleppnetze
TACs (optimum yield)2008: 364,8 2009: 184,0 2010: 262,5 2011: 393,8 [363] [368]

IUU-Fischerei

Es gibt keine Hinweise auf illegale Fänge aus diesem Bestand.

Struktur und Fangmethode

Dieser Bestand wird überwiegend mit pelagischen Schleppnetzen entlang der Küsten von Nord-Kalifornien, Oregon, Washington und British Columbia gefischt. Die Fischerei der USA ist in verschiedene Sektoren unterteilt: Fabrikschiffe die auf See verarbeiten, Fangschiffe die an Fabrikschiffe liefern, Fangschiffe die zur Verarbeitung an Land liefern und traditionelle Stammesfischerei. Kanadische Schiffe landen ihren Fang überwiegend zur Verarbeitung an Land an. Hauptfangzeit ist von April bis November. [363] [366]

Beifänge und Rückwürfe

Der gesamte Rückwurf von Seehecht liegt bei unter 1% der Anlandungen und hat daher wahrscheinlich keinen Einfluss auf die Populationsdynamik des Bestandes. Zum Schutz von Lachsen (insbesondere Königslachs) und bedrohten Stachelkopf-Arten (Rockfish) gibt es Gebietsschließungen und saisonale Beschränkungen. Um den Beifang dieser Arten zu verringern, wurde die Fischerei in den letzten Jahren teilweise in küstenfernere Gebiete verlagert. [363]

Einflüsse der Fischerei auf die Umwelt

Die Fischerei wird überwiegend mit pelagischen Schleppnetzen durchgeführt, die selten Grundberührung haben und den Meeresboden daher kaum beeinflussen. Der Beifang von Seevögeln und Meeressäugern ist möglich. [363] [369]

Biologische Besonder­heiten

Dieser Bestand der Art Merluccius productus wird im Gegensatz zu zwei relativ standorttreuen Beständen im Puget Sound und in der Strait of Georgia als der “wandernde Küstenbestand“ bezeichnet. Im Winter ist er küstenferner in etwas südlicheren Gebieten verbreitet, wo auch das Laichgeschäft stattfindet. Im Frühjahr, Sommer und Herbst, wenn auch die Fischerei stattfindet, wandert der Bestand in küstennahe Gebiete zwischen Nord-Kalifornien und dem Norden von British Columbia Der Bestand im Golf von Kalifornien gehört zu einer anderen Art, dem Cortez Seehecht (Merluccius hernandezi). [363] [366]

Zusätzliche Informationen

Der Nordpazifische Seehecht wird im englischen Sprachraum als „Pacific hake“ oder als „Pacific whiting“ bezeichnet. Er ist die häufigste Grundfischart in der Ökoregion „Kalifornienstrom“ und stellt die größte Biomasse auf dem Kontinentalschelf von British Columbia (BC). Die Fischerei auf den Seehechtbestand im Nordostpazifik ist die größte Fischerei an der Westküste der USA (ohne Alaska) und Kanadas (BC). Ein Großteil der Anlandungen wird zu Surimi (Krebsfleischimitat) verarbeitet, in jüngerer Zeit werden aber vermehrt auch Seehecht-Filetblöcke produziert. [365] [366] [367]

Zertifizierte Fischereien

Die gesamte Seehechtfischerei der USA auf diesen Bestand ist nachhaltigkeitszertifiziert nach den Standards des Marine Stewardship Councils (MSC). Das Zertifikat beinhaltet außerdem kanadische Fischereien. [4]

Soziale Aspekte

Die Seehecht-Fischerei wird mit großen, auf See verarbeitenden Fabrikschiffen, aber auch mit einigen kleineren Fahrzeugen durchgeführt. Die Fahrzeuge fahren unter den Flaggen der USA, Kanadas und ggf. einiger kanadischer Kooperationspartner, die Arbeitsbedingungen an Bord und die Entlohnung erfolgt nach den jeweiligen Landesregeln. [363]

AutorJahrTitelQuelle
[4]Marine Stewardship Council (MSC)Fisch und Meeresfrüchte aus zertifiziert nachhaltiger Fischereimsc.org
[13]Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE)Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) Homepageble.de
[14]Fisch-Informationszentrum e.V. (FIZ)Fisch-Informationszentrum e.V. Homepagefischinfo.de
[363]Stewart IJ, Forrest RE (Joint U.S. and Canadian Hake Technical Working Group)2011Status of the Pacific Hake (Whiting) stock in U.S. and Canadian Waters in 2011pcouncil.org
[364]U.S. Government Printing Office, Senat2004Agreement between the Government of the United States of America and the Government of Canada on Pacific Hake/Whiting, (The ‘‘Agreement’’), Seattle, November 21, 2003hake_agreement
[365]Pacific Whiting Conservation Cooperative (PWCC)Homepage der Pacific Whiting Conservation Cooperative (PWCC)pacificwhiting
[366]Ressler PH, Holmes JA, Fleischer GW, Thomas RE, Cooke KC2007Pacific Hake, Merluccius productus, Autecology: A Timely Review Marine Fisheries Review, 69:1-24
[367]Crawford WR, Irvine JR2010State of physical, biological, and selected
fishery resources of Pacific Canadian
marine ecosystems in 2010, Research Document 2011/054
dfo-mpo
[368]National Oceanic and Atmospheric Administration, NOAA2011Magnuson-Stevens Act Provisions; Fisheries Off West Coast States; Pacific Coast Groundfish Fishery; Biennial Specifications and Management Measures Federal Register / Vol. 76, No. 97 / Thursday, May 19, 2011 / Rules and Regulations
[369]Steven Devitt S, Stocker M, Collie J, Pedersen M2011Intertek Moody Marine Ltd. Surveillance Report, Pacific Hake Midwater Trawl Fishery, USA EEZ Waters Certificate No.: MML-F-092, Canadian EEZ Waters Certificate No.: MML-F-091msc.org