Bestandsdatenblatt

Seehecht Nordostpazifik (Merluccius productus)

Gültig 02/2023 - 03/2024

Seehecht Nordostpazifik (Merluccius productus)

gültig 02/2023 - 03/2024

Zugehörige Fischart

Seehecht (6 Arten)

Allgemeine Informationen

Ökoregion:Golf von Alaska, Kalifornienstrom
Fanggebiet:USA, Kanada FAO 67 (Nordostpazifik)
Art:Merluccius productus

Wissenschaftliche Begutachtung

Durch eine gemeinsame Seehecht-Arbeitsgruppe der USA (Northwest Fisheries Science Center www.nwfsc.noaa.gov) und Kanadas (Fisheries and Oceans Canada (DFO) www.dfo-mpo.gc.ca (Centre for Scientific Advice (CSA), Pacific Region)

Methode, Frequenz

Jährliche analytische Bestandsberechnung mit Vorhersage unter Verwendung von Fangdaten und unabhängigen wissenschaftlichen Forschungsreisen. Für die Laicherbiomasse ist ein Referenzwert für das Management-Ziel (B40% = 40% der unbefischten Biomasse) festgelegt. Als Maß für die fischereiliche Entnahme wird die Fischerei-Intensität („fishing intensity“) verwendet. Der Referenzwert steht im Bezug zum Biomassereferenzwert (beide Parameter in der Grafik als relative Werte dargestellt). Rückwürfe in der gezielten Seehechtfischerei gehen in die Berechnungen ein. Bestandsberechnung und Vorhersage sind sehr unsicher, u.a. durch große Unsicherheiten in der Stärke der letzten Nachwuchsjahrgänge [1395]

Wesentliche Punkte

2023: Der Bestand liegt nach allen Referenzwerten weit im grünen Bereich. Die Laicherbiomasse hat weiter zugenommen und liegt laut Vorhersage 2023 bei 104% der unbefischten Situation. [1395]

Bestands­zustand

Laicherbiomasse (Reproduktionskapazität)

  volle Reproduktionskapazität (nach Vorsorgeansatz)

  innerhalb der Schwankungsbreite um den Zielwert (nach Managementplan)

  innerhalb der Schwankungsbreite um den Zielwert (nach höchstem Dauerertrag)

 

Fischereiliche Sterblichkeit

  nachhaltig bewirtschaftet (nach Vorsorgeansatz)
 

  innerhalb der Schwankungsbreite um den Zielwert (nach Managementplan)

  angemessen (nach höchstem Dauerertrag)

Bestands­entwicklung

Die industrielle Fischerei begann in US-Gewässern Mitte der 1960er Jahre durch Fabrikschiffe aus der Sowjetunion, später kamen Fabrikschiffe z.B. aus Polen, der DDR und der Bundesrepublik Deutschland hinzu. In den 1980er Jahren starteten Kooperationen von US-Trawlern mit sowjetischen Fabrikschiffen. Im Laufe der Zeit wurde die Kapazität der US-Flotte und auch die Verarbeitungsmöglichkeiten an Land ausgebaut, und seit Beginn der 1990er Jahre wird die Ressource in US-Gewässern ausschließlich durch die heimische Flotte genutzt. Die Entwicklung in kanadischen Gewässern war ähnlich, allerdings gibt es dort in einigen Jahren Kooperationen mit ausländischen Fabrikschiffen (zuletzt 2018).
Die Laicherbiomasse lag fast über die gesamte Zeitreihe über dem Management-Ziel (B40%), nur in den Jahren 2007 - 2010 war sie zu niedrig. Der Anstieg der Laicherbiomasse bis 2002 war die Folge des starken 1999er Jahrganges. Die Laicherbiomasse sank mit dem Verschwinden dieses starken Jahrgangs bis 2010 auf den niedrigsten Wert der Zeitserie. Bereits 2013 und 2014 wurde aber dank des starken 2010er Jahrganges wieder eine hohe Biomasse erreicht. Als Maß für den Fischereidruck wird die relative Fischerei-Intensität angegeben. Sie lag über die gesamte Zeitreihe unter dem Management-Ziel. Dieser Seehechtbestand hat eine eher niedrige Nachwuchsproduktion kombiniert mit dem gelegentlichen Auftreten großer Jahrgänge. Diese tragen die Fischerei dann über mehrere Jahre.
Derzeit liegt der Bestand nach allen Referenzwerten im grünen Bereich. [366] [1395]

Ausblick

Dieser Seehechtbestand zeichnet sich durch hohe Variabilität in der Nachwuchsproduktion aus, wodurch es zu großen und schnellen Veränderungen in der Biomasse kommt. Die Unsicherheiten in der Vorhersage für diesen Bestand sind sehr groß und die Entwicklung der Fangmöglichkeiten daher mittelfristig kaum vorherzusagen. Die Stärke des wahrscheinlich starken 2020er Jahrgangs, der nun heranreift, ist noch unsicher. Dies führt auch zu Unsicherheiten in der Berechnung der Laicherbiomasse für 2023. [1395]

Umwelt­einflüsse auf den Bestand

Während El-Niño-Ereignissen (warme Meeresbedingungen wie 1998 und 2016) wandert ein größerer Anteil des Bestandes in kühlere kanadische Gewässer ein. Im Gegensatz dazu führen La-Niña-Bedingungen (kälteres Wasser, wie in den Jahren 2001, 2011 und 2021) zu einer Verlagerung der Verbreitung nach Süden. Im Allgemeinen führen überdurchschnittlich warme Bedingungen zu einer höheren Biomasse ausgewachsener Seehechte weiter nördlich und zu einer geringeren Biomasse an der amerikanisch-kanadischen Grenze. In Jahren mit wärmerem Wasser wandert der Bestand im Sommer generell weiter nach Norden. [1395]

Wer und Wie

Die USA und Kanada haben 2003 ein Abkommen zur gemeinsamen Bewirtschaftung dieses Seehecht-Bestandes unterzeichnet, das 2008 in Kraft trat und 2010 umgesetzt wurde. Die im Abkommen festgelegten Ausschüsse wurden erstmals im Jahr 2011 gebildet und 2012 war das erste Jahr, in dem das in der Vereinbarung festgelegte Vorgehen befolgt wurde. In den Gewässern der USA erfolgt das Fischereimanagement nach dem Magnuson-Stevens Fishery Conservation and Management Act. Der National Marine Fisheries Service (NMFS, NOAA) und das Pacific Fishery Management Council (PFCM) bewirtschaften die Seehechtfischerei in den USA. In Kanada erfolgt das Management durch die DFO (Fisheries and Oceans Canada, Pacific Region). Die Höchstfangmengen (TACs) werden den Vorgaben des Seehecht-Abkommens entsprechend verteilt (USA 73,88 %, Kanada 26,12 %). Eine Übertragung nicht gefischter Anteile ins Folgejahr ist möglich. Im Grundfisch-Managementplan der Bundesstaaten Washington, Oregon und Kalifornien werden die Anteile für verschiedene Fischereien festgelegt. Alle auf See verarbeitenden Fahrzeuge der USA werden von Beobachtern an Bord kontrolliert, die kanadischen Fahrzeuge werden zu 100% elektronisch überwacht. Das Management erfolgt außerdem über nationale technische Regularien wie Maschenweiten und Gebietsschließungen.
1997 wurde die Pacific Whiting Conservation Cooperative (PWCC) als Zusammenschluss verschiedener US-Unternehmen gegründet. Sie sorgt unter anderem für die Verteilung der US-Quote, hat aber auch die Reduzierung von Beifang zum Ziel und unterstützt wissenschaftliche Untersuchungen. [365] [366] [444] [1173] [1395]

Differenz zwischen Wissen­schaft und Management

Trotz formloser Vereinbarungen über die Bewirtschaftung des Bestands gab es in den 1990er Jahren Unstimmigkeiten über die Verteilung der wissenschaftlich empfohlenen akzeptablen Entnahme (ABC) zwischen den USA und Kanada. Die Folge war eine Überschreitung der Empfehlung um bis zu 30%. Seit Ratifizierung des Abkommens zur gemeinsamen Bewirtschaftung dieses Seehecht-Bestandes wurden die festgelegten Quotenanteile der beiden Länder eingehalten und die Fangmengen entsprechend der Empfehlungen festgesetzt oder lagen in einigen Jahren weit darunter. Die jährlichen Anlandungen liegen seit 2003 streng innerhalb dieser Vorgaben und wurden auch durch die ins Folgejahr übertragenen ungefischten Anteile nicht überschritten. 2020 und 2021 wurden die Quoten unilateral festgelegt, da keine Einigung auf eine gemeinsame Höchstfangmenge erzielt werden konnte. In den letzten 10 Jahren lag die Nutzungsrate der erlaubten Fangmenge bei durchschnittlich 67,1 %. Die erlaubten Fangmengen sind seit 2010 weder für die USA noch für Kanada restriktiv. [364] [1173] [1395]

Karten

Verbreitungsgebiet

Managementgebiet

Dieser Seehechtbestand ist auf dem pazifischen Schelf Nordamerikas zwischen der Baja California und Südost-Alaska verbreitet. Das Hauptverbreitungsgebiet liegt zwischen Kalifornien und dem nördlichen British Columbia. Das Management erfolgt über eine gemeinsame Höchstfangmenge der USA und Kanada, sonst aber über die jeweiligen nationalen Regeln. [364] [366] [1173] [1395]

Anlandungen und legale Höchstfangmengen (TACs) (in 1.000 t)

Gesamtfang2022: 320,2, davon USA: 291,3 Kanada: 28,9; überwiegend pelagische Schleppnetze
TACs (gemeinsam von USA & Kanada) 2009: 184,0   2010: 262,5   2011: 393,8   2012: 251,8   2013: 365,1   2014: 428,0   2015: 440,0   2016: 497,0   2017: 597,5   2018: 597,5   2019: 597,5   2020: 529,3 (Summe Quoten USA & Kanada)   2021: 473,9 (Summe Quoten USA & Kanada)   2022: 545,0   2023: 625,0   [364] [1395]

IUU-Fischerei

Es gibt keine Hinweise auf illegale oder unberichtete Fänge aus diesem Bestand. [1395]

Struktur und Fangmethode

Dieser Bestand wird überwiegend mit pelagischen Schleppnetzen entlang der Küsten von Nord-Kalifornien, Oregon, Washington und British Columbia gefischt. Die Fischerei der USA ist in verschiedene Sektoren unterteilt: Fabrikschiffe, die auf See verarbeiten; Fangschiffe, die an Fabrikschiffe liefern; Fangschiffe, die zur Verarbeitung an Land liefern, und traditionelle Stammesfischerei. Hauptfangzeit ist von Mai bis November. [366] [1395]

Beifänge und Rückwürfe

Der gesamte Rückwurf von Seehecht aus allen Fischereien (einschließlich ungerichteten Fischereien) liegt in den letzten Jahren bei unter 1% der Anlandungen und hat daher keinen messbaren Einfluss auf die Bestandsentwicklung. Zum Schutz von Lachsen (insbesondere Königslachs) und bedrohten Drachenkopf-Arten (Rockfish) gibt es Gebietsschließungen und saisonale Beschränkungen. Wenn die Lachs-Beifangraten die Vorgaben überschreiten, kann die Seehecht-Fischerei mit Schleppnetzen in küstenfernere Gebiete verlagert werden. Weitere Schutzmaßnamen sind im Grundfisch-Managementplan der USA festgelegt. In Kanada müssen alle Fänge, außer die von verbotenen Arten, an Bord behalten werden. Abhängig von der Art, sind unterschiedliche Beifangmengen erlaubt. [365] [444] [898] [1051] [1395]

Einflüsse der Fischerei auf die Umwelt

Die Fischerei wird überwiegend mit pelagischen Schleppnetzen durchgeführt, die selten Grundberührung haben und den Meeresboden daher kaum beeinflussen. Der Beifang von Seevögeln, Schildkröten und Meeressäugern ist selten und durch Beobachter an Bord gut dokumentiert. [444] [898] [1051] [1395]

Biologische Besonder­heiten

Dieser Bestand der Art Merluccius productus wird im Gegensatz zu den relativ standorttreuen Beständen im Puget Sound, in der Strait of Georgia und im Golf von Kalifornien als der “wandernde Küstenbestand“ bezeichnet. Im Winter ist er küstenferner in etwas südlicheren Gebieten verbreitet, wo auch das Laichgeschäft stattfindet. Im Frühjahr, Sommer und Herbst wandert der Bestand in küstennahe Gebiete zwischen Nord-Kalifornien (USA) und dem Norden von British Columbia (Kanada). Zu dieser Zeit findet auch die Fischerei statt. [366] [1172] [1395]

Zusätzliche Informationen

Der nordpazifische Seehecht wird im englischen Sprachraum als „Pacific hake“ oder „Pacific whiting“ bezeichnet. Dieser Seehechtbestand ist derzeit die am häufigsten vorkommende Grundfischpopulation im Ökosystem „Kalifornienstrom“. Ein Großteil der Anlandungen wird zu Surimi (Krebsfleischimitat) verarbeitet, in jüngerer Zeit werden aber vermehrt auch Seehecht-Filetblöcke produziert. [365] [366] [1395]

Zertifizierte Fischereien

Die gesamte Seehechtfischerei der USA im Nordostpazifik ist nachhaltigkeitszertifiziert nach den Standards des Marine Stewardship Councils (MSC). Das Zertifikat beinhaltet außerdem kanadische Fischereien. [4] Siehe
fisheries.msc.org/en/fisheries/pacific-hake-mid-water-trawl/@@view

Soziale Aspekte

Die Seehecht-Fischerei wird mit großen, auf See verarbeitenden Fabrikschiffen, aber auch mit einigen kleineren Fahrzeugen durchgeführt. Die Fahrzeuge fahren unter den Flaggen der USA, Kanadas und ggf. einiger kanadischer Kooperationspartner, die Arbeitsbedingungen an Bord und die Entlohnung erfolgt nach den jeweiligen Landesregeln. [365] [1395]

Marktdaten: Alle Seehechtarten auf dem deutschen Markt zusammengefasst..

2022 (vorl.): Verbrauch in Deutschland: 12.160 t (2021: 5.999 t), Marktanteil (Fische, Krebse, Weichtiere): 1,1 % (2021: 0,5 %)  [13] [14]

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Klassifizierung nach dem Ansatz des höchstmöglichen nachhaltigen Dauerertrages (MSY), durch den ICES bis 2020 oder analog zu dessen Einteilung:

SymbolBiomasseBewirtschaftung (fischereiliche Sterblichkeit)
innerhalb der Schwankungsbreite um den Zielwertangemessen oder unternutzt
außerhalb der Schwankungsbreite um den Zielwertübernutzt
Zustand unklar, Referenzpunkte nicht definiert und/oder unzureichende DatenZustand unklar, Referenzpunkte nicht definiert und/oder unzureichende Daten
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