Bestandsdatenblatt

Seehecht Nordostpazifik (Merluccius productus)

Gültig 04/2018 - 04/2019

Seehecht Nordostpazifik (Merluccius productus)

gültig 04/2018 - 04/2019

Zugehörige Fischart

Seehecht (6 Arten)

Allgemeine Informationen


Ökoregion:Golf von Alaska, Kalifornienstrom
Fanggebiet:USA, Kanada FAO 67
Art:Merluccius productus

Wissenschaftliche Begutachtung

Durch eine gemeinsame Seehecht-Arbeitsgruppe der USA (Northwest Fisheries Science Center www.nefsc.noaa.gov) und Kanadas (Fisheries and Oceans Canada (DFO) www.dfo-mpo.gc.ca (Centre for Scientific Advice (CSA), Pacific Region)

Methode, Frequenz

Jährliche analytische Bestandsberechnung mit Vorhersage unter Verwendung von Fangdaten und unabhängigen wissenschaftlichen Forschungsreisen. Für die Weibchen-Laicherbiomasse ist ein Referenzwert für das Management-Ziel (B40% = 40% der unbefischten Biomasse) und ein etwas niedrigerer nach dem Konzept zur Erlangung des höchstmöglichen nachhaltigen Dauerertrages (MSY) festgelegt. Als Maß für die fischereiliche Entnahme wird die relative Fischerei-Intensität („fishing intensity“) verwendet. Die Referenzwerte stehen im Bezug zu den Biomassereferenzwerten, der relative Management-Zielwert liegt bei 1. Rückwürfe in der gezielten Seehechtfischerei gehen in die Berechnungen ein. Bestandsberechnung und Vorhersage sind sehr unsicher, u.a. durch große Unsicherheiten in der Stärke der in die Fischerei einwachsenden Jahrgänge. [1050]

Wesentliche Punkte

2018: Der Bestand liegt nach allen Referenzwerten im grünen Bereich. Der gute 2014 Jahrgang sorgt gemeinsam mit dem derzeitigen Fischereidruck für eine relativ hohe Laicherbiomasse (67% der unbefischten Situation). [1050]

Bestands­zustand

Laicherbiomasse (Reproduktionskapazität)

  volle Reproduktionskapazität (nach Vorsorgeansatz)

  innerhalb der Schwankungsbreite um den Zielwert (nach Managementplan)

  innerhalb der Schwankungsbreite um den Zielwert (nach höchstem Dauerertrag)

 

Fischereiliche Sterblichkeit

  nachhaltig bewirtschaftet (nach Vorsorgeansatz)

  innerhalb der Schwankungsbreite um den Zielwert (nach Managementplan)

  angemessen (nach höchstem Dauerertrag)

 

Bestands­entwicklung

Die industrielle Fischerei begann in US-Gewässern Mitte der 1960er Jahre durch Fabrikschiffe aus der Sowjetunion, später kamen Fabrikschiffe z.B. aus Polen, der DDR und der Bundesrepublik Deutschland hinzu. In den 1980er Jahren starteten Kooperationen von US-Trawlern mit sowjetischen Fabrikschiffen. Im Laufe der Zeit wurde die Kapazität der US-Flotte und auch die Verarbeitungsmöglichkeiten an Land ausgebaut, und seit Beginn der 1990er Jahre wird die Ressource in US-Gewässern ausschließlich durch die heimische Flotte genutzt. Die Entwicklung in kanadischen Gewässern war ähnlich, allerdings gibt es dort in einigen Jahren Kooperationen mit ausländischen Fabrikschiffen. Nach der aktuellen Bestandsberechnung lag die Laicherbiomasse (Weibchen) über die gesamte Zeitreihe meist über dem Management-Ziel, nur in den Jahren 1999 - 2000 und 2007 - 2011 war sie zu niedrig. Aufgrund von zwei oder mehreren starken Jahrgängen wuchs die Laicherbiomasse in den frühen 1980ern schnell an. Nach einem Maximum in der zweiten Hälfte der 1980er Jahre war eine schnelle Abnahme bis ins Jahr 2000 zu beobachten. Der erneute Anstieg bis 2003 war die Folge des starken 1999er Jahrganges. Die Laicherbiomasse sank mit dem Verschwinden dieses starken Jahrgangs bis 2010 auf den niedrigsten Wert der Zeitserie. Bereits 2013 und 2014 wurde aber dank des starken 2010er Jahrganges wieder eine hohe Biomasse erreicht. Als Maß für den Fischereidruck wird die relative Fischerei-Intensität angegeben. Sie lag über die gesamte Zeitreihe unter dem Management-Ziel. Nach einer Abnahme von 2011 - 2015 ist sie nun wieder gestiegen. Derzeit liegt der Bestand nach allen Referenzwerten im grünen Bereich. Die farbigen Unterlegungen in der Grafik geben den großen Unsicherheitsbereich der Bestandsberechnung an. Die Nachwuchsproduktion dieses Seehechtbestandes ist äußerst variabel, was zu großen und schnellen Wechseln in der Bestandsbiomasse führt. [366] [1050]

Ausblick

Durch die starken Jahrgänge 2010 und 2014 ist dieser Seehecht-Bestand seit 2013 auf relativ hohem Niveau. Er zeichnet sich aber durch hohe Variabilität in der Nachwuchsproduktion aus, wodurch es zu großen und schnellen Veränderungen in der Biomasse kommt. Die Unsicherheiten in der Vorhersage für diesen Bestand sind sehr groß und die Entwicklung der Fangmöglichkeiten daher mittelfristig kaum vorherzusagen. [1050]

Umwelt­einflüsse auf den Bestand

In Jahren mit wärmerem Wasser wandert der Bestand im Sommer generell weiter nach Norden. Mit den zunehmenden Temperaturen der letzten Jahre wurde das Verbreitungsgebiet größer, und Laichgebiete und Verbreitung der Jungtiere verschoben sich nach Norden. Seehecht ist eine wichtige Nahrung z.B. für den Humboldt-Kalmar. Wenn dieser im Kalifornienstrom sehr häufig ist, kann er einen Einfluss auf den Seehecht-Bestand haben (Wegfraß, Beeinflussung des Schwarmverhaltens). [366] [1050]

Wer und Wie

Die USA und Kanada haben 2003 ein Abkommen zur gemeinsamen Bewirtschaftung dieses Seehecht-Bestandes geschlossen. In den Gewässern der USA erfolgt das Fischereimanagement nach dem Magnuson-Stevens Fishery Conservation and Management Act. Der National Marine Fisheries Service (NMFS, NOAA) und das Pacific Fishery Management Council (PFCM) bewirtschaften die Seehechtfischerei in den USA. In Kanada erfolgt das Management durch die DFO (Fisheries and Oceans Canada, Pacific Region). Die Höchstfangmengen (TACs) werden den Vorgaben des Abkommens entsprechend verteilt (USA 73,88 %, Kanada 26,12 %). Eine Übertragung nicht gefischter Anteile ins Folgejahr ist möglich. Im Grundfisch-Managementplan der Bundesstaaten Washington, Oregon und Kalifornien werden die Anteile für verschiedene Fischereien festgelegt. Alle auf See verarbeitenden Fahrzeuge (USA und Kanada) werden von Beobachtern an Bord kontrolliert, Anlandungen der kanadischen, nicht auf See verarbeitenden Schiffe werden im Hafen kameraüberwacht. Das Management erfolgt außerdem über nationale technische Regularien wie Maschenöffnungen und Gebietsschließungen. 1997 wurde die Pacific Whiting Conservation Cooperative (PWCC) als Zusammenschluss verschiedener US-Unternehmen gegründet. Sie sorgt unter anderem für die Verteilung der US-Quote, hat aber auch die Reduzierung von Beifang zum Ziel und unterstützt wissenschaftliche Untersuchungen. [364] [365] [366] [444] [1050]

Differenz zwischen Wissen­schaft und Management

Trotz formloser Vereinbarungen über die Bewirtschaftung des Bestands gab es in den 1990er Jahren Unstimmigkeiten über die Verteilung der wissenschaftlich empfohlenen akzeptablen Entnahme (ABC) zwischen den USA und Kanada. Die Folge war eine Überschreitung der Empfehlung um bis zu 30%. Seit Ratifizierung des Abkommens zur gemeinsamen Bewirtschaftung wurden die festgelegten Quotenanteile der beiden Länder eingehalten und die Fangmengen entsprechend der ABC festgesetzt oder lagen in einigen Jahren weit darunter. Die jährlichen Anlandungen liegen seit 2003 streng innerhalb dieser Vorgaben und wurden auch durch die ins Folgejahr übertragenen ungefischten Anteile nicht überschritten. 2017 haben die USA 80,2 % und Kanada 55,6% ihrer Quote gefischt. Von der erlaubten Höchstfangmenge wurden damit 73,8% ausgefischt. Die erlaubten Fangmengen sind seit 2010 weder für die USA noch für Kanada restriktiv. [364] [1050]

Karten

Verbreitungsgebiet

Managementgebiet

Dieser Seehechtbestand ist auf dem pazifischen Schelf Nordamerikas zwischen der Baja California und Südost-Alaska verbreitet. Das Hauptverbreitungsgebiet liegt zwischen Kalifornien und dem nördlichen British Columbia. Das Management erfolgt über eine gemeinsame Höchstfangmenge der USA und Kanada, sonst aber über die jeweiligen nationalen Regeln. [364] [366] [1050]

Anlandungen und TACs (in 1.000 t)

Gesamtfang2017 Gesamtfang: 440,9, davon USA: 354,2 Kanada: 86,7; überwiegend pelagische Schleppnetze
TACs (USA und Kanada) 2008: 364,8 2009: 184,0 2010: 262,5 2011: 393,8 2012: 251,8 2013: 365,1 2014: 428,0 2015: 440 2016: 497 2017: 597,5 2018: 597,5 [1050]

IUU-Fischerei

Es gibt keine Hinweise auf illegale oder unberichtete Fänge aus diesem Bestand. [1050]

Struktur und Fangmethode

Dieser Bestand wird überwiegend mit pelagischen Schleppnetzen entlang der Küsten von Nord-Kalifornien, Oregon, Washington und British Columbia gefischt. Die Fischerei der USA ist in verschiedene Sektoren unterteilt: Fabrikschiffe, die auf See verarbeiten; Fangschiffe, die an Fabrikschiffe liefern; Fangschiffe, die zur Verarbeitung an Land liefern, und traditionelle Stammesfischerei. Hauptfangzeit ist von April bis November. [366] [1050]

Beifänge und Rückwürfe

Der gesamte Rückwurf von Seehecht liegt in den letzten Jahren bei unter 1% der Anlandungen und hat daher keinen messbaren Einfluss auf die Bestandsentwicklung. Die Beifangrate (Beifang/Gesamtfang) für andere Fischarten (diverse Arten, u.a. auch Königslachs) betrug 2011 – 2013 jeweils weniger als 0,01. Zum Schutz von Lachsen (insbesondere Königslachs) und bedrohten Drachenkopf-Arten (Rockfish) gibt es Gebietsschließungen und saisonale Beschränkungen. Um den Beifang dieser Arten zu verringern, wurde die Fischerei in den letzten Jahren teilweise in küstenfernere Gebiete verlagert. Weitere Schutzmaßnamen sind im Grundfisch-Managementplan der USA festgelegt. [444] [898] [1050] [1051]

Einflüsse der Fischerei auf die Umwelt

Die Fischerei wird überwiegend mit pelagischen Schleppnetzen durchgeführt, die selten Grundberührung haben und den Meeresboden daher kaum beeinflussen. Der Beifang von Seevögeln und Meeressäugern ist selten und durch Beobachter an Bord gut dokumentiert. Schildkröten wurden 2011 – 2013 gar nicht beigefangen. [444] [898] [1050] [1051]

Biologische Besonder­heiten

Dieser Bestand der Art Merluccius productus wird im Gegensatz zu den relativ standorttreuen Beständen im Puget Sound, in der Strait of Georgia und im Golf von Kalifornien als der “wandernde Küstenbestand“ bezeichnet. Im Winter ist er küstenferner in etwas südlicheren Gebieten verbreitet, wo auch das Laichgeschäft stattfindet. Im Frühjahr, Sommer und Herbst wandert der Bestand in küstennahe Gebiete zwischen Nord-Kalifornien (USA) und dem Norden von British Columbia (Kanada). Zu dieser Zeit findet auch die Fischerei statt. [366] [1050]

Zusätzliche Informationen

Der nordpazifische Seehecht wird im englischen Sprachraum als „Pacific hake“ oder „Pacific whiting“ bezeichnet. Er ist derzeit die häufigste Grundfischart in der Ökoregion „Kalifornienstrom“ und stellt die größte Biomasse auf dem Kontinentalschelf von British Columbia (BC). Ein Großteil der Anlandungen wird zu Surimi (Krebsfleischimitat) verarbeitet, in jüngerer Zeit werden aber vermehrt auch Seehecht-Filetblöcke produziert. [365] [366] [367] [1050]

Zertifizierte Fischereien

Die gesamte Seehechtfischerei der USA im Nordostpazifik ist nachhaltigkeitszertifiziert nach den Standards des Marine Stewardship Councils (MSC). Das Zertifikat beinhaltet außerdem kanadische Fischereien. [4]

Siehe: http://fisheries.msc.org/en/fisheries/pacific-hake-mid-water-trawl/@@view

Soziale Aspekte

Die Seehecht-Fischerei wird mit großen, auf See verarbeitenden Fabrikschiffen, aber auch mit einigen kleineren Fahrzeugen durchgeführt. Die Fahrzeuge fahren unter den Flaggen der USA, Kanadas und ggf. einiger kanadischer Kooperationspartner, die Arbeitsbedingungen an Bord und die Entlohnung erfolgt nach den jeweiligen Landesregeln. [1050]

Marktdaten: Alle Seehechtarten auf dem deutschen Markt zusammengefasst..

2018 (vorl.): Verbrauch in Deutschland: 8.443 t (2017: 6.010 t), Marktanteil (Fische, Krebse, Weichtiere): 0,7% (2017: 0,5%) [13] [14]

Anlandungen (in 1.000 t)Fänge (in 1.000 t)Laicherbiomasse (in 1.000 t)Laicherbiomasse ZustandFischereiliche SterblichkeitAnmerkungen (insbesondere Managementplan)Gültigkeit
Kap-Seehecht flach (M. capensis) 14,1 - 156,0 Laicherbiomasse Weibchen 10/2015 -
10/2016
Kap-Seehecht tief (M. paradoxus) 129,8 - 177,0 Laicherbiomasse Weibchen 10/2015 -
10/2016
Neuseeland Chatham Rise HAK4 (M. australis) 0,3 - 14,5 Anl. 2015/16, Begutachtung 2017 12/2017 -
12/2018
Neuseeland Sub-Ant. HAK1 (M. australis) 1,6 - 38,0 Anl. 2015/16, Begutachtung 2014 12/2017 -
12/2018
Neuseeland Westküste HAK7 (M. australis) 2,9 - - Anl. 2015/16, Begutachtung 2017 12/2017 -
12/2018
Nördlicher europ. (M. merluccius) 104,7 111,8 306,5 - 06/2018 -
06/2019
Nordostpazifik (M. productus) 440,9 440,9 1.356,5 USA und Kanada 04/2018 -
04/2019
Patagon. Seehecht (M. hubbsi) Nord 51,3 - 58,5 - 12/2013 -
12/2014
Patagon. Seehecht (M. hubbsi) Süd 287,3 - 494,0 - 12/2013 -
12/2014
Südlicher europ. (M. merluccius) 9,2 10,8 23,9 - 06/2018 -
06/2019

Klassifizierung nach dem Ansatz des höchstmöglichen nachhaltigen Dauerertrages (MSY), durch den ICES oder analog zu dessen Einteilung:

SymbolBiomasseBewirtschaftung (fischereiliche Sterblichkeit)
innerhalb der Schwankungsbreite um den Zielwertangemessen oder unternutzt
außerhalb der Schwankungsbreite um den Zielwertübernutzt
Zustand unklar, Referenzpunkte nicht definiert und/oder unzureichende DatenZustand unklar, Referenzpunkte nicht definiert und/oder unzureichende Daten
AutorJahrTitelQuelle
[4]Marine Stewardship Council (MSC)Fisch und Meeresfrüchte aus zertifiziert nachhaltiger Fischereimsc.org
[13]Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE)Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) Homepageble.de
[14]Fisch-Informationszentrum e.V. (FIZ)Fisch-Informationszentrum e.V. Homepagefischinfo.de
[364]U.S. Government Printing Office, Senat2004Agreement between the Government of the United States of America and the Government of Canada on Pacific Hake/Whiting, (The ‘‘Agreement’’), Seattle, November 21, 2003hake_agreement
[365]Pacific Whiting Conservation Cooperative (PWCC)Homepage der Pacific Whiting Conservation Cooperative (PWCC)pacificwhiting
[366]Ressler PH, Holmes JA, Fleischer GW, Thomas RE, Cooke KC2007Pacific Hake, Merluccius productus, Autecology: A Timely Review Marine Fisheries Review, 69:1-24
[367]Crawford WR, Irvine JR2010State of physical, biological, and selected
fishery resources of Pacific Canadian
marine ecosystems in 2010, Research Document 2011/054
dfo-mpo
[444]Pacific Fishery Management Council, USAPacific Coast Groundfish Fishery Management Plan for the California, Oregon, and Washington Groundfish Fisherypcouncil.org
[898]Pedersen M, Stocker M, Trumble RJ2016First Annual Re-assessment Surveillance Report
US and Canada Pacific Hake/Whiting Mid-water Trawl Fishery.
msc.org
[1050]Edwards AM, Taylor IG, Grandin CJ, Berger AM2018Status of the Pacific Hake (whiting) stock in U.S. and Canadian waters in 2018. Prepared by the Joint Technical Committee of the U.S. and Canada Pacific Hake/Whiting Agreement, National Marine Fisheries Service and Fisheries and Oceans Canada. 222 p.noaa.gov
[1051]National Oceanic and Atmospheric Administration (NOAA)2016U.S. National Bycatch Report First Edition Update 2 (besucht 23.04.2018)noaa.gov