Bestandsdatenblatt

Nördlicher Seeteufel (Lophius piscatorius und L. budegassa)

Gültig 10/2021 - 10/2022

Nördlicher Seeteufel (Lophius piscatorius und L. budegassa)

gültig 10/2021 - 10/2022

Zugehörige Fischart

Seeteufel (4 Arten)

Allgemeine Informationen

Ökoregion:Norwegische See, Nordsee, Keltischer und Biskaya-Schelf
Fanggebiet:nördliche Gebiete (2, 3.a, 4, 6) FAO 27 (Nordostatlantik)
Art:Lophius piscatorius

Wissenschaftliche Begutachtung

Internationaler Rat für Meeresforschung (ICES), Kopenhagen, www.ices.dk

Methode, Frequenz

Dieser „Bestand“ umfasst die Seeteufel-Arten Lophius piscatorius und L. budegassa, die beide in diesem Gebiet vorkommen. Die Fänge bestehen aber hauptsächlich aus L. piscatorius. Es gibt keine analytische Bestandsberechnung für diesen Bestand. Hauptgrund ist das Fehlen von entsprechenden Eingangsdaten. Genauere Altersbestimmung, Wachstumsraten und Anlandedaten sind erforderlich, um eine analytische Begutachtung vorzunehmen. Referenzwerte sind nicht definiert. Eine jährliche gemeinsame Seeteufel-Forschungsreise von Fischerei und Wissenschaft (2020 ausgefallen) ermöglicht aber die Berechnung eines Bestandsindikators, aus dem auch die Fangempfehlung abgeleitet wird. [1307] [1308]

Wesentliche Punkte

2021: Der Bestandsindikator ist 2021 im Vergleich zu 2019 erneut gesunken, die Nutzungsrate ist von 2018 bis 2019 gestiegen Für 2020 gibt es keine Daten, da die Forschungsreise aufgrund der COVID-19 Pandemie nicht stattgefunden hat. [1307] [1308]

Bestands­zustand

Laicherbiomasse (Reproduktionskapazität)

  Referenzwerte nicht definiert (nach Vorsorgeansatz)

 Referenzwerte nicht definiert(nach Managementplan)

  Referenzwerte nicht definiert (nach höchstem Dauerertrag)

 

Fischereiliche Sterblichkeit

  Referenzwerte nicht definiert (nach Vorsorgeansatz)

  Referenzwerte nicht definiert (nach Managementplan)

  Referenzwerte nicht definiert (nach höchstem Dauerertrag)

 

Bestands­entwicklung

Die Anlandungen von Seeteufel aus diesem Bestand stiegen in den frühen 1990er Jahren schnell an und erreichten 1996 das Maximum von 35.000 t. Es folgte eine Abnahme der Anlandungen bis 2004 (12.000 t). Seit 2007 gibt es auch Daten über Rückwürfe (nicht in der Grafik). Die Anlandungen stiegen nach 2013 erneut an und liegen in den letzten Jahren um die 20.000 t. Die Biomasse (Bestandsindikator) ist ab 2014 schnell angewachsen, erreichte 2017 einen Maximalwert, nimmt seitdem aber wieder ab (2021 als Punkt in der Grafik). Die relative Nutzungsrate ist 2019 angestiegen. Für 2020 gibt es keine Daten, da die Forschungsreise aufgrund der COVID-19 Pandemie nicht stattgefunden hat. [1307] [1308]

Ausblick

Aufgrund begrenzter wissenschaftlicher Kenntnisse über die Entwicklung dieses Bestandes sind Vorhersagen schwierig. Seeteufel erreichen die Geschlechtsreife erst spät, und der Fang besteht daher überwiegend aus jungen, unreifen Fischen. Dies macht sie sehr anfällig für Überfischung. Da die Biomasse seit 2018 abnimmt, müssen auch die Fangmengen reduziert werden. [1307] [1308]

Umwelt­einflüsse auf den Bestand

Die Verbreitung des Seeteufel-Nachwuchses ist stark von Strömungen abhängig. Die spezielle Art des Laichens (siehe „biologische Besonderheiten“) sorgt für eine gruppierte Verbreitung von Eiern und jungen Larven, welche dann gemeinsam günstigen oder ungünstigen Umweltbedingungen ausgesetzt sind. Dies kann einen wichtigen Einfluss auf den Erfolg der Nachwuchsproduktion haben. [588] [1307] [1308]

Wer und Wie

Die Bewirtschaftung dieses Seeteufel-„Bestandes“ erfolgt durch die Europäische Union (EU) und seit 2021 das Vereinigten Königreich (UK), teilweise in internationalen Gewässern. Die Parteien einigen sich auf gemeinsame Höchstfangmengen (TACs), jeweils für die beiden Arten Lophius piscatorius und L. budegassa gemeinsam in den beiden Managementgebieten (niedergelegt in den agreed records of fisheries consultations). Ein Abkommen der EU mit Norwegen regelt außerdem die Fänge in der ausschließlichen Wirtschaftzone Norwegens in der Nordsee. Dadurch steht EU-Schiffen eine zusätzliche Quote in Norwegischen Gewässern zur Verfügung (2021: 1.000 t). Fänge im Kattegat/Skagerrak sind nicht durch TACs reguliert. Seit August 2018 ist ein EU-Mehrjahresplan für Grundfischbestände in der Nordsee (MAP) in Kraft, der auch Seeteufel in Skagerrak und Kattegat (Gebiet 3.a), Nordsee (Gebiet 4) und Rockall und Gewässer westlich von Schottland (Gebiet 6) einschließt. Der Plan ist bisher nicht von Norwegen angenommen, UK muss sich nach dem Austritt aus der EU nicht mehr an den Mehrjahresplan halten.
Ein Teil der Gebiete 6.b sowie 12 und 14 sind internationale Gewässer, für die die North-East Atlantic Fisheries Commission (NEAFC) zuständig ist. Sie hat z.B. einige Gebiete für die Fischerei geschlossen. Das Management erfolgt außerdem durch technische Verordnungen (z.B. Maschenweiten). In der EU gibt es keine Mindestanlandelänge für Seeteufel, allerdings schreibt sie für die Vermarktung ein Mindestgewicht von 500 g (ausgenommen) bzw. 200 g (ohne Kopf) vor. In norwegischen Gewässern gelten für die Fischerei auf Seeteufel nationale Regelungen über Maschenweiten, Mindestanlandelänge und Gebietsschließungen. [301] [584] [796] [1065] [1084] [1293] [1307] [1308]

Differenz zwischen Wissen­schaft und Management

Die bestandsbezogenen Fangempfehlungen des ICES können nicht direkt mit den Höchstfangmengen (TACs) und Anlandungen verglichen werden, da die Gebiete nicht vollständig übereinstimmen (siehe „Wer und Wie“ und „Karten“). Dadurch besteht auch die Gefahr, dass die Anlandungen bzw. Fänge die wissenschaftliche Empfehlung übersteigen.
Der ICES hat bis 2014 eine Beibehaltung bzw. eine Reduzierung von Aufwand, Fängen oder Fischereidruck empfohlen, ab 2014 wird auch wieder eine numerische Anlande- bzw. Fangempfehlung gegeben. 2014 und 2015 lagen die Anlandungen über der wissenschaftlichen Anlandeempfehlung, 2016 und 2017 waren die Fänge höher als die Fangempfehlung. Seit 2018 liegen die Fänge unter der wissenschaftlichen Fangempfehlung. [1293] [1307] [1308]

Karten

Verbreitungsgebiet

Managementgebiet

Dieser Seeteufel-Bestand ist in der Nordsee (ICES-Gebiet 4), dem Kattegat/Skagerrak (3.a) und westlich Schottlands (6.ab) verbreitet. Die Bewirtschaftung erfolgt über zwei Höchstfangmengen (TACs): 1. EU- und UK Gewässer des Gebietes 4 & UK Gewässer von 2.a, 2. Gebiete 6, 5.b (UK und international), 12 und 14 (internationale Gewässer). Die EU verfügt außerdem über eine Quote in norwegischen Gewässern der Nordsee (4). Verbreitungs- und Managementgebiete stimmen nicht überein. Die TACs decken zum Teil Gebiete außerhalb der Verbreitung ab, Fänge im Kattegat/Skagerrak (3.a) werden hingegen nicht durch TACs reguliert. [1293] [1307] [1308]

Anlandungen und legale Höchstfangmengen (TACs) (in 1.000 t)

Gesamtfang2020 (beide Arten): 19,4; Anlandungen 19,1, Rückwürfe 0,3 (Kiemennetzfischerei nicht vollständig); 
in Gebiet 3.a & 4 Anlandungen: 12,6, davon Grundschleppnetze 68%, Kiemennetze 20%, Kaisergranat-Schleppnetze 6%, andere 6%,
in Gebiet 6 Anlandungen: 6,4, davon Grundschleppnetze 82%, Kiemennetze 13%, Kaisergranat-Schleppnetze 1%, andere 4%
TACs (Summe/EU-Quote in norw. Gewässern; beide Arten) 2011: 15,1/1,5   2012: 14,3/1,5   2013: 13,6/1,5   2014: 12,3/1,5   2015: 14,7/1,5   2016: 17,6/1,5   2017: 21,2/1,5   2018: 25,4/1,7   2019: 31,7/1,7   2020: 22,1/1,7    2021: 18,3/1,0   [1065] [1293] [1307] [1308]

IUU-Fischerei

Der Umfang nicht und falsch gemeldeter Fänge und Anlandungen war in der Vergangenheit ein signifikantes Problem, wird nun aber nicht mehr als solches angesehen. Grund dafür sind weniger restriktive Höchstfangmengen (TACs), spezielle Maßnahmen zur Registrierung der Anlandungen in Schottland und Irland und eine erhebliche Reduzierung der Kiemennetzfischerei auf hoher See. [1307] [1308]

Struktur und Fangmethode

Seeteufel wird in einer gezielten Fischerei und als Beifang in der Fischerei auf Grundfische (z.B. Rockall-Schellfisch) und Kaisergranat gefangen. In der Nordsee ist er vorwiegend (erwünschter) Beifang in der gemischten Rundfisch- und der Kaisergranat-Fischerei, seltener in der Fischerei auf „Tiefsee“-Garnelen (Pandalidae). Die meisten Anlandungen werden in ICES-Gebiet 4.a getätigt (2020: 10.674 t). [1307] [1308]

Beifänge und Rückwürfe

Seeteufelfänge in EU-Gewässern fallen spätestens seit Januar 2019 vollständig unter das Anlandegebot (Details siehe jeweilige EU-Verordnungen, die Regelungen im Vereinigten Königreich können abweichen). Durch Fraß beschädigter Fisch ist vom Anlandegebot ausgenommen. In Norwegen sind Rückwürfe von quotierten Arten schon seit Jahren verboten. Seeteufel wird selbst zum Teil als meist wertvoller Beifang gefangen. Solange Quote vorhanden ist, ist der Rückwurf von Seeteufel, der den Ansprüchen des Marktes genügt (Mindestgewicht), eher unwahrscheinlich. Angaben zu Rückwurfmengen liegen für die meisten Flotten vor, nur die Rückwürfe in der Kiemennetzfischerei (2020: 18% der Anlandungen) werden nicht ausreichend erfasst. Die bekannten Rückwürfe betrugen 2017 3,4%, 2018 1,5%, 2019 2,3% und 2020 1,6% (bezogen auf den Fang). [14] [301] [750] [1084] [1165] [1307] [1308]

Einflüsse der Fischerei auf die Umwelt

Durch den Einsatz von Grundschleppnetzen können Bodenlebensgemeinschaften geschädigt werden. Sie fangen neben den Zielarten auch Arten, die nicht kommerziell genutzt werden und deren Entnahme einen Einfluss auf das Ökosystem haben kann. Der Einfluss hängt aber auch von Fangmethode und Bodenstruktur ab. Auf sandigem Boden hat eine Studie in den USA nur einen geringen Einfluss durch Grundscherbrettnetze feststellen können. So waren zwar die Spuren der Scherbretter lange sichtbar (mindestens ein Jahr), es konnten aber kaum signifikante Unterschiede in der Mikrotopographie der befischten und unbefischten Gebiete nachgewiesen werden. Auch bei strukturformenden und mobilen Wirbellosen zeigten befischte und unbefischte Gebiete keine signifikanten Unterschiede. Besonders empfindlich sind Schwämme und Kaltwasser-Korallen, die z.B. in Teilen der Rockall-Bank vorkommen. Um Kaltwasserkorallen zu schützen, sind verschiedene Gebiete für die Grundschleppnetz-Fischerei geschlossen. Aus diesem Gebiet (6.b) kommt aber nur ein kleinerer Teil der Anlandungen (2020 9%: 1.685 t). Verlorengegangene Geräte wie Kiemennetze können für eine gewisse Zeit weiterfischen (ghost fishing). Die Kiemennetzfischerei auf diesen Bestand macht nur einen geringen Anteil der Anlandungen aus (2020: 18%). [7] [8] [30] [178] [796] [808] [1307] [1308]

Biologische Besonder­heiten

Die Biologie und Verbreitung von Seeteufeln im Nordostatlantik ist zum Teil noch unerforscht. Erwachsene Fische leben wahrscheinlich in tieferem Wasser, reife Weibchen werden selten angetroffen.
Das Laichen ist bei den Arten der Gattung Lophius sehr ungewöhnlich. Die Eier werden in schwimmfähigen, gallertartigen Bändern entlassen. Diese können über 10 m lang sein, über 1 Mio. Eier enthalten und treiben im freien Wasser. Durch die besondere Art des Laichens werden Eier und junge Larven in Gruppen verbreitet, welche dann gemeinsam günstigen oder ungünstigen Umweltbedingungen ausgesetzt sind. Dies kann einen wichtigen Einfluss auf den Erfolg der Nachwuchsproduktion haben.
Seeteufel erreichen die Geschlechtsreife erst spät, und der Fang besteht daher überwiegend aus jungen, unreifen Fischen. Dies macht die Art sehr anfällig für Überfischung. [588] [1307] [1308]

Zusätzliche Informationen

Die beiden im Nordostatlantik vorkommenden Seeteufel-Arten Lophius piscatorius (mit weißem Bauch) und L. budegassa (mit schwarzem Bauch) werden in der Regel gemeinsam gefangen, angelandet und vermarktet. Je nach Seegebiet ist jedoch die eine oder andere Art häufiger vertreten. In den nördlichen Gebieten wird ganz überwiegend L. piscatorius gefangen, L. budegassa zeigt eine etwas südlichere Verbreitung. L. piscatorius erreicht in der Regel die höheren Anlandeerlöse. Der ICES begutachtet neben dem „Nördlichen Seeteufel“ zwei weitere Bestände für jede der zwei Arten, die Trennung in Westlichen und Südlichen Seeteufel basiert aber nicht auf biologischen Kriterien. Die Bewirtschaftung erfolgt über Höchstfangmengen, die immer beide Arten einschließen. [588] [1307] [1308]

Zertifizierte Fischereien

Bislang ist keine Fischerei auf diesen Seeteufel-Bestand nach einem der gängigen Nachhaltigkeitsstandards zertifiziert.

Soziale Aspekte

Die Fischereien auf Seeteufel im Nordostatlantik werden mit Fahrzeugen verschiedener Größen durchgeführt. Arbeitsbedingungen an Bord und die Entlohnung sind sehr unterschiedlich, richten sich aber nach den Regeln der jeweiligen Flaggenstaaten. [13] [1307]

Marktdaten: Alle Seeteufelarten auf dem deutschen Markt zusammengefasst.

2022 (vorl.): Verbrauch in Deutschland: 2.835 t (2021: 3.070 t), Marktanteil (Fische, Krebse, Weichtiere): 0,2 % (2021: 0,3 %) [13] [14]

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Klassifizierung nach dem Ansatz des höchstmöglichen nachhaltigen Dauerertrages (MSY), durch den ICES bis 2020 oder analog zu dessen Einteilung:

SymbolBiomasseBewirtschaftung (fischereiliche Sterblichkeit)
innerhalb der Schwankungsbreite um den Zielwertangemessen oder unternutzt
außerhalb der Schwankungsbreite um den Zielwertübernutzt
Zustand unklar, Referenzpunkte nicht definiert und/oder unzureichende DatenZustand unklar, Referenzpunkte nicht definiert und/oder unzureichende Daten
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