Bestandsdatenblatt

Westlicher Seeteufel (Lophius budegassa)

Gültig 06/2021 - 06/2022

Westlicher Seeteufel (Lophius budegassa)

gültig 06/2021 - 06/2022

Zugehörige Fischart

Seeteufel (4 Arten)

Allgemeine Informationen

Ökoregion:Keltischer und Biskaya-Schelf
Fanggebiet:westliche Gebiete (7), nördliche Biskaya (8.abd) FAO 27 (Nordostatlantik)
Art:Lophius budegassa

Wissenschaftliche Begutachtung

Internationaler Rat für Meeresforschung (ICES), Kopenhagen, www.ices.dk

Methode, Frequenz

Die beiden Arten des Westlichen Seeteufels Lophius piscatorius und L. budegassa werden in den kommerziellen Anlandungen nicht vollständig getrennt. Eine Zuordnung zu den Arten und damit Beständen erfolgt daher anhand der Verteilung in den Beprobungen der Anlandungen. Zusammen mit Daten aus Forschungsfahrten können so zwei getrennte Bestände begutachtet werden. Es gibt keine analytische Bestandsberechnung für Westlichen Seeteufel (L. budegassa), weil die Eingangsdaten unzureichend sind: Vor allem fehlen Daten zu Rückwürfen und z.B. die Altersbestimmung ist unsicher. Die Daten aus den unabhängigen Forschungsreisen ermöglichen aber die Berechnung eines Biomasse-Indexes, aus dem auch die Fangempfehlung abgeleitet wird. Für die fischereiliche Sterblichkeit ist ein relativer Referenzwert für die Bewirtschaftung nach dem Konzept zur Erlangung des höchstmöglichen nachhaltigen Dauerertrages (MSY) definiert. [1310] [1311]

Wesentliche Punkte

2021: Der Fischereidruck auf Westlichen Seeteufel (Lophius budegassa) konnte nochmal etwas gesenkt werden und liegt weit unter dem relativen Referenzwert zur Erlangung des höchstmöglichen nachhaltigen Dauerertrages (MSY), also im grünen Bereich (unter Fmsy). Der Biomasseindex bleibt stabil. [1310] [1311]

Bestands­zustand

Laicherbiomasse (Reproduktionskapazität)

  Referenzwerte nicht definiert (nach Vorsorgeansatz)

  Referenzwerte nicht definiert (nach Managementplan)

  Referenzwerte nicht definiert (nach höchstem Dauerertrag)

 

Fischereiliche Sterblichkeit

  Referenzwerte nicht definiert (nach Vorsorgeansatz)

  Referenzwerte nicht definiert (nach Managementplan)

    Referenzwerte nicht definiert (nach höchstem Dauerertrag)

 

Bestands­entwicklung

Die Anlandungen von Westlichem Seeteufel (L. budegassa) machen den kleineren Teil der Gesamt-Anlandungen aus beiden Westlichen Seeteufel-Beständen aus. Sie schwanken 1986 bis 2012 zwischen 6.000 und 8.000 t pro Jahr, seit 2013 zwischen knapp 10.000 und 12.000 t, sinken aber seit dem Höchstwert 2017 wieder. Der Biomasse-Index war lange Zeit recht stabil, stieg nach 2016 an und ist nun im dritten Jahr auf höherem Niveau erneut stabil. Der (relative) Fischereidruck war fast 10 Jahre lang zu hoch, hat in den letzten Jahren aber abgenommen und liegt seit 2018 unter dem Referenzwert zur Erlangung des höchstmöglichen nachhaltigen Dauerertrages (Fmsy). [1310] [1311]

Ausblick

Die Biomasse von Westlichem Seeteufel (L. budegassa) erreicht einen Höchstwert und der Fischereidruck liegt weit unter dem Referenzwert zur Erlangung des höchstmöglichen nachhaltigen Dauerertrages (Fmsy). Die Fangmengen können daher kurzfristig nochmals steigen. Die Bewirtschaftung erfolgt allerdings nicht artspezifisch, sondern über gemeinsame Höchstfangmengen (TACs) mit L. piscatorius.
Seeteufel erreichen die Geschlechtsreife erst spät und der Fang besteht daher überwiegend aus jungen, unreifen Fischen. Dies macht den Bestand sehr anfällig für Überfischung. [1293] [1310] [1311]

Umwelt­einflüsse auf den Bestand

Die Eier der Seeteufel werden in langen Bändern entlassen, die im freien Wasser treiben. Sie können dadurch weit verdriftet werden und die Verbreitung ist stark von Strömungen abhängig. Diese Art des Laichens sorgt für eine gruppierte Verbreitung von Eiern und jungen Larven, welche dann gemeinsam günstigen oder ungünstigen Umweltbedingungen ausgesetzt sind. Dies kann einen wichtigen Einfluss auf den Erfolg der Nachwuchsproduktion haben. [588] [1310] [1311]

Wer und Wie

Die Bewirtschaftung des westlichen Seeteufels (L. budegassa) erfolgt durch die Europäische Union (EU) und seit 2021 das Vereinigten Königreich (UK), teilweise in internationalen Gewässern. Die Parteien einigen sich auf gemeinsame Höchstfangmengen (TACs), jeweils für die beiden Arten L. piscatorius und L. budegassa gemeinsam in den beiden Managementgebieten (niedergelegt in den agreed records of fisheries consultations).
Es gibt einen EU-Mehrjahresplan für Grundfischbestände in den westlichen Gewässern, der auch Seeteufel in den Gebieten 7b-k und 8abd beinhaltet. Das Vereinigte Königreich muss sich nach dem Austritt aus der EU nicht mehr an den Plan halten, außerdem ist für diesen Bestand nur ein relativer MSY-Referenzwerte für den Fischereidruck festgelegt, Basis für die Fangempfehlung des ICES ist daher der Vorsorgeansatz. Das Management erfolgt außerdem durch saisonale Schließungen und technische EU-Verordnungen (z.B. Maschenweiten). In der EU gibt es keine Mindestreferenzgrößen für die Bestandserhaltung für Seeteufel, sie schreibt aber für die Vermarktung ein Mindestgewicht von 500 g (ausgenommen) bzw. 200 g (ohne Kopf) vor. [584] [1086] [1065] [1293] [1309] [1311]

Differenz zwischen Wissen­schaft und Management

Die Fangempfehlungen des ICES wurden bis 2012 für beide Bestände des Westlichen Seeteufels gemeinsam gegeben. Seit 2013 gibt es getrennte Empfehlungen, auch wenn sich diese mit gemeinsamen Höchstfangmengen (TACs) nicht umsetzen lassen. Vielmehr verhindert die Bewirtschaftung der Bestände unter einem kombinierten TAC eine effektive Kontrolle der jeweiligen Nutzungsraten und kann möglicherweise zur Übernutzung des einen oder anderen Bestandes führen. Die Summe der zwei Gebiets-TACs für beide Bestände lag 2014 bis 2018 konstant 13% über der Summe der Fangempfehlungen für beide Bestände. Seit 2019 liegen die TACs unter der Summe der wissenschaftlichen Empfehlung. Die Fänge aus diesem Bestand lagen 2014 bis 2018 über der wissenschaftlichen Empfehlung, seit 2019 aber darunter. Basis für die Fangempfehlung ist der Vorsorgeansatz. [1310] [1311]

Karten

Verbreitungsgebiet

Managementgebiet

Der westliche Seeteufel (L. budegassa) ist im Ärmelkanal (ICES-Gebiete 7.de), in der Keltischen See (7.gh), westlich und südlich von Irland (7.bcjk) und in der nördlichen und zentralen Biskaya (8.abd) verbreitet. Seit 2018 wird auch die Irische See (7.a) dazu gerechnet. Die Bewirtschaftung erfolgt über zwei Höchstfangmengen (TACs) für L. piscatorius und L. budegassa gemeinsam: 1. für ICES-Gebiet 7 und 2. für ICES-Gebiete 8.abde (beide teilweise internationale Gewässer). Das Verbreitungsgebiet ist also etwas kleiner als die Managementgebiete (die auch 8.e einschließen, wo kaum Seeteufel gefangen wird). Die Begutachtung durch den ICES deckt aber die Hauptfanggebiete ab. [1065] [1293] [1309] [1311]

Anlandungen und legale Höchstfangmengen (TACs) (in 1.000 t)

Gesamtfang2020: L. budegassa 9,5 (Anlandungen: 8,7, Rückwürfe: 0,9) von den Anlandungen: Grundscherbrettnetze 76%, , Kiemennetze 8,4%, Baumkurren 7,9%, Kaisergranat-Schleppnetze 3,1%, andere 4,7%
2020: Gesamtfang beide Bestände: 31,0
TACs (Summe Gebiete (beide Bestände); inkl. ICES-Gebiet 8.e) 2011: 40,9   2012: 38,9   2013: 37,0   2014: 42,5   2015: 42,5   2016: 42,5   2016: 42,5   2017: 42,5   2018: 42,5   2019: 41,4   2020: 44,3   2021: 48,3   [1065] [1293] [1309] [1311]

IUU-Fischerei

Es gibt derzeit keine Hinweise auf illegale oder unberichtete Fänge aus diesem Seeteufelbestand. [1310] [1311]

Struktur und Fangmethode

Seeteufel ist eine wichtige Art in der gemischten Fischerei mit Seehecht, Flügelbutt, Seezunge, Kabeljau, Scholle und Kaisergranat. Ein Großteil der Fänge aus diesem Bestand wird durch die französische Flotte getätigt. Der Rest wird von Spanien, dem Vereinigten Königreich, Irland und Belgien gefischt. Gefischt wird vor allem mit Scherbrettschleppnetzen, außerdem werden Baumkurren und Kiemennetze eingesetzt. Der größere Teil der Fänge wird in Gebiet 7 getätigt. [1310] [1311]

Beifänge und Rückwürfe

Seeteufelfänge in EU-Gewässern fallen spätestens seit Januar 2019 vollständig unter das Anlandegebot. Es gibt aber Ausnahmen wegen Geringfügigkeit (Details siehe jeweilige EU-Verordnungen, die Regelungen im Vereinigten Königreich können abweichen). Durch Fraß beschädigter Fisch ist vom Anlandegebot ausgenommen. Seeteufel wird selbst zum Teil als meist wertvoller Beifang gefangen. Verlässliche Rückwurf-Zahlen für diesen Bestand (L. budegassa) liegen erst ab 2003 vor. Sie werden aber teilweise hochgerechnet, da nicht alle Fänge beprobt werden. Die Rückwürfe lagen 2018, 2019 und 2020 bei 7%, 10% und 9%. Der Rückwurf hängt auch mit den Bedingungen des Marktes und Beschränkungen durch Quoten zusammen. [750] [1166] [1310] [1311]

Einflüsse der Fischerei auf die Umwelt

Durch den Einsatz von Grundschleppnetzen können Bodenlebensgemeinschaften geschädigt werden. Sie fangen neben den Zielarten auch Arten, die nicht kommerziell genutzt werden und deren Entnahme einen Einfluss auf das Ökosystem haben kann. Der Einfluss hängt aber auch von Fangmethode und Bodenstruktur ab. Auf sandigem Boden hat eine Studie in den USA nur einen geringen Einfluss durch Grundscherbrettnetze feststellen können. So waren zwar die Spuren der Scherbretter lange sichtbar (mindestens ein Jahr), es konnten aber kaum signifikante Unterschiede in der Mikrotopographie der befischten und unbefischten Gebiete nachgewiesen werden. Auch bei strukturformenden und mobilen Wirbellosen zeigten befischte und unbefischte Gebiete keine signifikanten Unterschiede. Baumkurrenfischerei (2020: 7,9%) kann Artenzusammensetzung, Biomasse und Nahrungsgefüge im befischten Gebiet erheblich verändern. Diese Fangmethode ist außerdem sehr energieaufwändig. Baumkurrenfischerei ist die Fangmethode mit dem größten unmittelbaren Einfluss auf die Meeresumwelt, sofern der Lebensraum nicht an starke Störungen angepasst ist. Verlorengegangene Geräte wie Kiemennetze können für eine gewisse Zeit weiterfischen (ghost fishing). Die Kiemennetzfischerei auf diesen Bestand macht nur einen geringen Anteil der Anlandungen aus (2020: 8,4%). [7] [8] [30] [178] [808] [1310] [1311]

Biologische Besonder­heiten

Die Biologie und Verbreitung von Seeteufeln im Nordostatlantik ist zum Teil noch unerforscht. Erwachsene Fische leben wahrscheinlich in tieferem Wasser, reife Weibchen werden selten angetroffen.
Das Laichen ist bei den Arten der Gattung Lophius sehr ungewöhnlich. Die Eier werden in schwimmfähigen, gallertartigen Bändern entlassen. Diese können über 10 m lang sein, über 1 Mio. Eier enthalten und treiben im freien Wasser. Durch die besondere Art des Laichens werden Eier und junge Larven in Gruppen verbreitet, welche dann gemeinsam günstigen oder ungünstigen Umweltbedingungen ausgesetzt sind. Dies kann einen wichtigen Einfluss auf den Erfolg der Nachwuchsproduktion haben.
Seeteufel erreichen die Geschlechtsreife erst spät und der Fang besteht daher überwiegend aus jungen, unreifen Fischen. Dies macht die Art sehr anfällig für Überfischung. [588] [1310] [1311]

Zusätzliche Informationen

Die beiden im Nordostatlantik vorkommenden Seeteufel-Arten Lophius piscatorius (mit weißem Bauch) und L. budegassa (mit schwarzem Bauch) werden in der Regel gemeinsam gefangen, angelandet und vermarktet. Je nach Seegebiet ist jedoch die eine oder andere Art häufiger vertreten. In den nördlichen Gebieten wird ganz überwiegend L. piscatorius gefangen, L. budegassa zeigt eine etwas südlichere Verbreitung. Die Trennung des ICES in zwei Westliche und zwei Südliche Seeteufelbestände basiert nicht auf biologischen Kriterien. Die Anlandungen von L. piscatorius machen den größeren Teil der Gesamt-Anlandungen aus beiden Westlichen Seeteufel-Beständen aus. Die Bewirtschaftung erfolgt über Höchstfangmengen, die beide Arten einschließen. [588] [1310] [1311]

Zertifizierte Fischereien

Bislang ist keine Fischerei auf diesen Seeteufel-Bestand nach einem der gängigen Nachhaltigkeitsstandards zertifiziert.

Soziale Aspekte

Die Fischereien auf Seeteufel im Nordostatlantik werden mit Fahrzeugen verschiedener Größen durchgeführt. Arbeitsbedingungen an Bord und die Entlohnung sind sehr unterschiedlich, richten sich aber nach den Regeln der jeweiligen Flaggenstaaten. [13] [14]

Marktdaten: Alle Seeteufelarten auf dem deutschen Markt zusammengefasst.

2022 (vorl.): Verbrauch in Deutschland: 2.835 t (2021: 3.070 t), Marktanteil (Fische, Krebse, Weichtiere): 0,2 % (2021: 0,3 %) [13] [14]

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Klassifizierung nach dem Ansatz des höchstmöglichen nachhaltigen Dauerertrages (MSY), durch den ICES bis 2020 oder analog zu dessen Einteilung:

SymbolBiomasseBewirtschaftung (fischereiliche Sterblichkeit)
innerhalb der Schwankungsbreite um den Zielwertangemessen oder unternutzt
außerhalb der Schwankungsbreite um den Zielwertübernutzt
Zustand unklar, Referenzpunkte nicht definiert und/oder unzureichende DatenZustand unklar, Referenzpunkte nicht definiert und/oder unzureichende Daten
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