Bestandsdatenblatt

Ostsee-Steinbutt

Gültig 05/2024 - 05/2025

Ostsee-Steinbutt

gültig 05/2024 - 05/2025

Andere Bestände

Nordsee-Steinbutt

Zugehörige Fischart

Steinbutt

Allgemeine Informationen

Ökoregion:Ostsee
Fanggebiet:Ostsee (22-32 (mit Beltsee und Öresund)) FAO 27 (Nordostatlantik)
Art:Scophthalmus maximus

Wissenschaftliche Begutachtung

Internationaler Rat für Meeresforschung (ICES), Kopenhagen, www.ices.dk

Methode, Frequenz

Es gibt keine analytische Bestandsberechnung für Ostsee-Steinbutt, weil die Eingangsdaten weitgehend fehlen und die Bestandsdefinition unklar ist. Zwei unabhängige Forschungsreisen zur Erfassung der Grundfische lassen grobe Aussagen über die Bestandsentwicklung zu. Referenzpunkte sind nicht definiert. In einigen Jahren wird eine nummerische Fangempfehlung gegeben, die auf dem Biomasseindex aus Forschungsreisen und den Anlandedaten unter Berücksichtigung von Vorsorgeaspekten basiert. Aktuell wird keine Fangempfehlung gefordert, daher auch keine abgegeben. Bei den vergleichsweise geringen Fangmengen wäre der Aufwand für eine Verbesserung der Datenlage unverhältnismäßig. [1448] [1449]

Wesentliche Punkte

2024: Sowohl Forschungs- als auch kommerzielle Fangdaten von Ostsee-Steinbutt zeigen eine stärkere Nachwuchsproduktion, die auf die westliche Ostsee beschränkt ist, sowie einen abnehmenden Biomasse-Trend in der östlichen Ostsee. Der Biomasse-Indikator spiegelt dies nicht wider und bleibt über die Zeitreihe einheitlich. Es wird aktuell keine Fangempfehlung vom ICES gefordert und daher auch keine abgegeben. [1448] [1449]

Bestands­zustand

Laicherbiomasse (Reproduktionskapazität)

  unbekannt (nach Vorsorgeansatz)

  unbekannt (nach Managementplan)

  unbekannt (nach höchstem Dauerertrag)

 

Fischereiliche Sterblichkeit

  unbekannt (nach Vorsorgeansatz)

  unbekannt (nach Managementplan)

  unbekannt (nach höchstem Dauerertrag)

 

Bestands­entwicklung

Informationen zu Laicherbiomasse, fischereilicher Sterblichkeit und Nachwuchsproduktion liegen nicht vor. Signale aus Forschungs- und kommerziellen Daten deuten auf eine unterschiedliche Entwicklung von Steinbutt in der östlichen und westlichen Ostsee hin: steigende Biomasse und viele kleine Tiere in den westlichen, Abnahme und keine kleinen Tiere in den östlichen Gebieten. Der Biomasse-Indikator zeigt dies nicht und bleibt über die Zeitreihe einheitlich.
Die Anlandungen von Ostsee-Steinbutt stiegen zwischen 1965 und 1996 von 42 t auf 1.206 t. In den 1990er Jahren wurde unter anderem auch in den östlichen Gebieten (26 und 28) auf Grund des höheren Erlöses verstärkt Steinbutt aus den Plattfischfängen sortiert. Danach war eine Abnahme der Anlandungen auf ca. 500 t in den Jahren 1999 bis 2004 zu verzeichnen. Seitdem schwanken die Anlandungen zwischen 200 und 400 t jährlich, im Mittel sind es seit 2014 jährlich 220 t. Hohe Rückwurfmengen 2020 und 2021 weisen auf einen starken Jahrgang 2019 hin. [1448] [1449]

Ausblick

Eine Fangempfehlung wird derzeit nicht gegeben. Da Fänge dieser Art nicht quotiert sind, und der wesentliche Teil als „erwünschter Beifang“ in gemischten Grundfischfischereien auftritt, ließe sich die Fangmenge nur durch Maßnahmen wie die Begrenzung des Aufwandes reduzieren. [1448] [1449]

Umwelt­einflüsse auf den Bestand

Es werden keine spezifischen Umwelteinflüsse auf diesen Bestand genannt. [1448] [1449]

Wer und Wie

Es gibt kein gemeinsames Management für den Ostsee-Steinbutt. Höchstfangmengen (TACs) werden nicht festgelegt. Die Bewirtschaftung für diesen Bestand erfolgt nur nach technischen EU-Verordnungen (z.B. Maschenweiten und eine Mindestreferenzgröße für die Bestandserhaltung) und den jeweiligen Landesregeln. Ein EU-Mehrjahresplan für Dorsch und alle pelagischen Bestände der Ostsee, der Beifänge von Steinbutt berücksichtigt, ist 2016 in Kraft getreten. [977] [1148] [1448] [1449]

Differenz zwischen Wissen­schaft und Management

Für 2013 wurde die erste nummerische Fangempfehlung gegeben, die unter den Anlandungen der vorangegangenen Jahre lag. Die Anlandungen lagen dann auch über der jeweiligen Fang-Empfehlung. Aufgrund der nicht quantifizierbaren Rückwurfmengen bezog sich die wissenschaftliche Empfehlung ab 2016 auf die Anlandungen. Seit 2019 wird keine Fangempfehlung vom ICES gefordert und daher auch keine abgegeben. [1448] [1449]

Karten

Verbreitungsgebiet

Managementgebiet

Ostsee-Steinbutt kommt vor allem in den westlichen und südlichen Teilen der Ostsee vor, im Nordosten bis in die Ålandsee. Es gibt Hinweise, dass es sich um verschiedene lokale Bestände handelt, aber nicht genug Daten, um diese zu identifizieren. Die Bewirtschaftung sieht keine Fangmengenbegrenzung vor. [1448] [1449]

Anlandungen und legale Höchstfangmengen (TACs) (in 1.000 t)

Gesamtfang2023: 0,33 (Anlandungen: 0,14, Rückwürfe: 0,19); von den Anlandungen: 91 % passive Geräte (Stellnetze), 9 % aktive Geräte (Grundschleppnetze)
TACsnicht festgelegt [1448] [1449]

IUU-Fischerei

Es gibt keine Hinweise auf illegale oder unberichtete Fänge von Steinbutt aus der Ostsee. [1448] [1449]

Struktur und Fangmethode

Steinbutt wird hauptsächlich als begehrter Beifang in der Schleppnetz- und Kiemennetz-Fischerei gefangen. In einigen Jahren und Gebieten gibt es auch gerichtete Kiemennetz-Fischereien. 2023 wurden die höchsten Fänge in den ICES-Gebieten 22, 24 und 25 getätigt. Hauptfangnation 2023 war Dänemark, gefolgt von Polen und Deutschland. Die deutsche Flotte hat 2023 22 t Steinbutt in den ICES-Gebieten 22 und 24 gefangen. [1448] [1449]

Beifänge und Rückwürfe

Steinbutt ist selbst überwiegend Beifang, wenn auch ein sehr wertvoller. Rückwurfdaten sind seit 2012 verfügbar und gelten inzwischen als verlässlich. Die Daten zeigen eine hohe Variabilität. Bezogen auf den Gesamtfang waren es im Mittel 30 % für die Jahre 2012 bis 2023. 2020, 2021 und 2023 waren die Rückwurmengen besonders hoch. Es gab einen hohen Anteil kleiner Steinbutte in den Fängen, ein Signal für überdurchschnittliche Nachwuchsproduktion 2019. [1448] [1449]

Einflüsse der Fischerei auf die Umwelt

Durch den Einsatz von Grundschleppnetzen können Bodenlebensgemeinschaften geschädigt werden. Artenzusammensetzung, Biomasse und Nahrungsgefüge können sich erheblich verändern. Potentiell problematisch können Beifänge von Seevögeln und Meeressäugern in Stellnetzen sein. [30] [97] [208]

Biologische Besonder­heiten

Steinbutt-Weibchen wachsen signifikant schneller als Männchen, und ihre altersspezifische Länge ist größer. Dies führt zu einer höheren fischereilichen Nutzung der weiblichen Fische. [477]

Zusätzliche Informationen

Steinbutt gilt neben der Seezunge als wertvollster Plattfisch. [14]

Zertifizierte Fischereien

Eine Fischerei auf verschiedene Plattfischarten (Steinbutt, Flunder, Scholle) ist seit September 2021 nach den Standards des Marine Stewardship Councils (MSC) nachhaltigkeitszertifiziert. [4] Siehe
fisheries.msc.org/en/fisheries/poland-flatfish-trawl/@@view

Soziale Aspekte

Die Fahrzeuge fahren unter den Flaggen der Anrainerstaaten, die Arbeitsbedingungen an Bord und die Entlohnung erfolgt daher nach deren jeweiligen Regeln. [12] [13]

Marktdaten

2022 (vorl.): Verbrauch in Deutschland: 286 t (2021: 385 t), Marktanteil (Fische, Krebse, Weichtiere): 0,03 % (2021: 0,03 %) [13] [14]

Anlandungen (in 1.000 t)Fänge (in 1.000 t)Laicherbiomasse (in 1.000 t)Laicherbiomasse ZustandFischereiliche SterblichkeitAnmerkungen (insbesondere Managementplan)Gültigkeit
Kattegat/Skagerrak (3.a) 0,1 0,2 - Biomasse nur relativ angegeben 06/2023 -
06/2024
Nordsee (4) 2,7 2,8 8,7 - 06/2022 -
06/2023
Ostsee (22-32) 0,1 0,3 - Anlandungen 2023 05/2024 -
05/2025

Klassifizierung nach dem Ansatz des höchstmöglichen nachhaltigen Dauerertrages (MSY), durch den ICES bis 2020 oder analog zu dessen Einteilung:

SymbolBiomasseBewirtschaftung (fischereiliche Sterblichkeit)
innerhalb der Schwankungsbreite um den Zielwertangemessen oder unternutzt
außerhalb der Schwankungsbreite um den Zielwertübernutzt
Zustand unklar, Referenzpunkte nicht definiert und/oder unzureichende DatenZustand unklar, Referenzpunkte nicht definiert und/oder unzureichende Daten
AutorJahrTitelQuelle
[4]Marine Stewardship Council (MSC)Fisch und Meeresfrüchte aus zertifiziert nachhaltiger Fischereimsc.org
[12]Europäische Gemeinschaften2009Die Gemeinsame Fischereipolitik. Ein Leitfaden für Benutzerec.europa.eu
[13]Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE)Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) Homepageble.de
[14]Fisch-Informationszentrum e.V. (FIZ)Fisch-Informationszentrum e.V. Homepagefischinfo.de
[30]Food and Agriculture Organization (FAO)FAO. © 2003-2010. Fisheries Topics: Technology. Fish capture technology. In: FAO Fisheries and Aquaculture Department [online]. Rome. Updated 2006 15 09.[Cited 10 June 2010]fao.org
[97]Zydelis R, Bellebaum J, Österblom H, Vetemaa M, Schirmeister B, Stipniece A, Dagys M, van Eerden M, Garthe S2009Bycatch in gillnet fisheries – An overlooked threat to waterbird populations Biological Conservation 142:1269–1281
[208]Bellebaum, J2011Untersuchung und Bewertung des Beifangs von Seevögeln durch die passive Meeresfischerei in der Ostsee. BfN-Skripten 295 Bundesamt für Naturschutz, ISBN 978-3-89624-030-9, www.bfn.de
[477]ICES2012Report of the Advisory Committee, 2012. Book 8. Baltic Sea. 8.4.12. Turbot in Subdivisions 22-32 (Baltic Sea)ices.dk
[977]Europäische Union (EU)2016VERORDNUNG (EU) 2016/1139 DES EUROPÄISCHEN PARLAMENTS UND DES RATES vom 6. Juli 2016 zur Festlegung eines Mehrjahresplans für die Bestände von Dorsch, Hering und Sprotte in der Ostsee und für die Fischereien, die diese Bestände befischen, zur Änderung der Verordnung (EG) Nr. 2187/2005 des Rates und zur Aufhebung der Verordnung (EG) Nr. 1098/2007 des Rateseuropa.eu
[1148]Europäische Union (EU)2019VERORDNUNG (EU) 2019/1241 DES EUROPÄISCHEN PARLAMENTS UND DES RATES vom 20. Juni 2019 mit technischen Maßnahmen für die Erhaltung der Fischereiressourcen und den Schutz von Meeresökosystemen, zur Änderung der Verordnungen (EG) Nr. 2019/2006, (EG) Nr. 1224/2009 des Rates und (EU) Nr. 1380/2013, (EU) 2016/1139, (EU) 2018/973, (EU) 2019/472 und (EU) 2019/1022 des Europäischen Parlaments und des Rates sowie zur Aufhebung der Verordnungen (EG) Nr. 894/97, (EG) Nr. 850/98, (EG) Nr. 2549/2000, (EG) Nr. 254/2002, (EG) Nr. 812/2004 und (EG) Nr. 2187/2005 des Rateseuropa.eu
[1448]ICES2024Baltic Fisheries Assessment Working Group (WGBFAS). ICES Scientific Reports. 6:53. 584 pp.https://doi.org/10.17895/ices.pub.25764978
[1449]ICES2024Turbot (Scophthalmus maximus) in Subdivisions 22-32 (Baltic Sea). In Report of the ICES Advisory Committee, 2024. ICES Advice 2024, tur.27.22-32.https://doi.org/10.17895/ices.advice.25019696