Bestandsdatenblatt

Kap-Seehecht tief (Merluccius paradoxus)

Gültig 10/2012 - 10/2013

Kap-Seehecht tief (Merluccius paradoxus)

gültig 10/2012 - 10/2013

Zugehörige Fischart

Seehecht (6 Arten)

Allgemeine Informationen


Ökoregion:Benguelastrom, Agulhasstrom
Fanggebiet:Südafrika FAO 47
Art:Merluccius paradoxus

Wissenschaftliche Begutachtung

Universität von Kapstadt (Südafrika), Marine Ressource Assessment and Management Group (MARAM) des Department of Mathematics and Applied Mathematics, www.mth.uct.ac.za/maram/

Methode, Frequenz

Jährliche analytische Bestandsberechnung unter Verwendung von Fangdaten und unabhängigen wissenschaftlichen Forschungsreisen. Die Begutachtung erfolgt getrennt für die beiden gemischt in den Fängen erscheinenden Arten Kap-Seehecht flach (Merluccius capensis) und Kap-Seehecht tief (M. paradoxus) für die gesamte südafrikanische Küste. Die gemischten Fänge der zwei Bestände werden mathematisch unter Verwendung der Fangtiefe und der Fischlänge getrennt. Der Laicherbiomasse-Zielwert (Weibchen) nach dem Konzept des höchsten nachhaltigen Dauerertrages (Bmsy) ist definiert. Die Laicherbiomasse von 2007 wird als Limit-Referenzwert betrachtet. Die fischereiliche Sterblichkeit findet aufgrund zu großer Unsicherheiten keine Anwendung im Management, es kann aber eine Nutzungsrate berechnet werden. Die Fangempfehlung (TAC) wird auf Basis der aktuellen Bewirtschaftungsregel („Operational Management Procedure“, OMP-2010) berechnet. [452] [453] [570] [572] [persönliche Mitteilung, R. Rademeyer, Nov. 2012]

Wesentliche Punkte

2012: Die Laicherbiomasse der Weibchen steigt seit 2008 kontinuierlich und liegt nun nur noch knapp unter dem Zielwert des maximalen nachhaltigen Dauerertrages (Bmsy). Die Nutzungsrate (Fang/Laicherbiomasse) ist in den letzten Jahren gesunken. [452] [persönliche Mitteilung, R. Rademeyer, Nov. 2012]

Bestands­zustand

Laicherbiomasse (Reproduktionskapazität)

  Referenzwerte nicht definiert (nach Vorsorgeansatz)

  innerhalb der Schwankungsbreite um den Zielwert (nach Managementplan)

  innerhalb der Schwankungsbreite um den Zielwert (nach höchstem Dauerertrag)

 

Fischereiliche Sterblichkeit
 

  Referenzwerte nicht definiert (nach Vorsorgeansatz)

  Referenzwerte nicht definiert (nach Managementplan)

  Referenzwerte nicht definiert (nach höchstem Dauerertrag)

 

Bestands­entwicklung

Geringe Fänge von Kap-Seehecht tief (Merluccius paradoxus) sind ab 1948 verzeichnet, nennenswerte Fänge allerdings erst in den 1950er Jahren mit einem schnellen Anstieg bis 1972. Die Laicherbiomasse der Weibchen zeigte nach 1960 eine schnelle Abnahme und fiel unter den heutigen MSY-Zielwert und ab 1975 sogar unter den Limit-Referenzwert. Mit wenigen Einschränkungen war die Seehechtfischerei vor Südafrika bis 1977 für die internationale Fischerei frei zugänglich und nicht durch Fangmengenbegrenzungen reguliert. Nach Ausweitung der ausschließlichen Wirtschaftszone auf 200 sm wurden die Aktivitäten ausländischer Schiffe 1977 stark reduziert. Nach der Übernutzung von Kap-Seehecht Ende der 1960er bis Anfang der 1970er Jahre wurde eine konservative Wiederaufbau-Strategie verfolgt. Durch gesetzliche Höchstfangmengen (TACs) wurden die Fänge gesenkt. Mit Reduzierung der Entnahme konnte ein leichter Biomasse-Anstieg erreicht werden, sie blieb aber bis heute meist unter dem MSY-Zielwert. Die Laicherbiomasse steigt seit 2008 und liegt nun bei 98% des Bmsy-Zielwertes und 22% der unbefischten Laicherbiomasse. Die Nutzungsrate (Fang/Laicherbiomasse) ist in den letzten Jahren wieder gesunken. [454] [535] [persönliche Mitteilung, R. Rademeyer, Nov. 2012]

Ausblick

Ein stabilisierendes Element in der derzeitigen Bewirtschaftungsregel (OMP-2010) ermöglicht die Erhöhung der Fangmöglichkeiten um maximal 10%, und eine Senkung um max. 5% (unter besonderen Umständen bis zu 25%). Bei der derzeitigen Nachwuchsproduktion werden die Fänge voraussichtlich stabil bleiben können [570]

Umwelt­einflüsse auf den Bestand

Beide Kap-Seehecht-Bestände unternehmen horizontale Wanderungen in Abhängigkeit von Umweltbedingungen und Nahrungsverfügbarkeit. Außerdem werden tägliche Vertikalwanderungen durchgeführt. Tagsüber sammeln sich die Tiere nah am Boden, nachts trennen sie sich und steigen zum Fressen in die Wassersäule auf. Der „tiefe“ Bestand laicht in tieferem Wasser als M. capensis, und Strömungen spielen eine große Rolle bei der Verdriftung von Eiern und Larven. [455]

Wer und Wie

Seit 1991 wird der südafrikanische Kap-Seehecht im Rahmen einer Bewirtschaftungsregel („Operational Management Procedure“, OMP) genutzt, die regelmäßig überprüft und überarbeitet wird. Die aktuelle OMP-2010 soll bis 2014 verwendet werden. Ein stabilisierendes Element erlaubt TAC-Erhöhungen von max. 10% und eine Senkung um max. 5% (unter besonderen Umständen bis zu 25%). Die Fangempfehlung (TAC) wird auf Basis der OMP-2010 berechnet. Da die getrennte Regulierung der zum Teil gemeinsam gefangenen Bestände nicht möglich ist, gibt es einen summierten Gesamt-TAC. Die Bewirtschaftung erfolgt außerdem über technische Regularien (z.B. Maschenweiten), Gebietsschließungen und saisonale Schließungen. [453] [455] [535] [570]

Differenz zwischen Wissen­schaft und Management

Seit 1991 ist die gesetzliche Höchstfangmenge (TAC) kaum von den wissenschaftlichen Empfehlungen abgewichen. Während einer Überarbeitung der Bewirtschaftungsregel 1997 und 1998 wurde keine Empfehlung gegeben und der Vorjahres-TAC beibehalten. [452] [535]

Karten

Verbreitungsgebiet

Managementgebiet

Kap-Seehecht tief (M. paradoxus) kommt entlang der gesamten südafrikanischen Küste vor, der Verbreitungs-Schwerpunkt liegt in 250 bis etwa 800 m Wassertiefe. In etwa 250-400 m Tiefe überlappt sich die Verbreitung mit Kap-Seehecht flach (M. capensis). Das Management erfolgt über eine Kap-Seehecht Höchstfangmenge (TAC) für beide Arten. [453] [455]

Anlandungen und TACs (in 1.000 t)

Gesamtfang2011 Anlandungen: 97,5 (Summe beide Bestände: 123,3); davon 97% Schleppnetze und 3% Langleinen
TAC (gesamt)2008: 130,5 2009: 118,6 2010: 119,8 2011: 131,8 2012: 144,7
[persönliche Mitteilung, R. Rademeyer, Nov. 2012] [452]

IUU-Fischerei

Nicht gemeldete und falsch gemeldete Fänge sind in dieser Fischerei möglich aber wahrscheinlich vernachlässigbar. Die Fänge lagen seit 1991 im Rahmen der TACs, meist sogar leicht darunter. [455] [535]

Struktur und Fangmethode

Dieser Bestand wird gemeinsam mit Kap-Seehecht flach (M. capensis) in der Hochsee-Schleppnetzfischerei gefangen. Zu einem viel geringeren Teil werden Langleinen eingesetzt. [452] [455]

Beifänge und Rückwürfe

Kingklip und Seeteufel sind wertvolle Beifangarten der Seehecht-nutzenden Fischereien, die teilweise gezielt beigefangen und angelandet werden. Für beide sind inzwischen vorsorgliche Fangbegrenzungen (precautionary catch limit, PCL) festgelegt, da die Kap-Seehechtfischerei einen Einfluss auf die Bestände haben kann. Für andere Arten gibt es prozentuale Beifangbegrenzungen. [455] [572]

Einflüsse der Fischerei auf die Umwelt

In der Schleppnetz- und Langleinen-Fischerei kann es in unterschiedlichem Ausmaß zu Beifang von Seevögeln, Haien, Rochen und Schildkröten kommen, darunter auch gefährdete Arten wie der Schwarzbrauen-Albatros (IUCN stark gefährdet (EN)). Die Grund-Langleinen-Fischerei auf Kap-Seehecht vor Südafrika hat allerdings einen relativ kleinen Einfluss auf Seevögel. Der Seevogelbeifang in Schleppnetzen konnte in den letzten Jahren drastisch gesenkt worden, insbesondere wegen der Anforderung der MSC-Zertifizierung. Verschiedene Methoden zur Vermeidung von Seevogelbeifang sind im Einsatz (z.B. Tori Lines, Scheuchbänder). Durch den Einsatz von Grundschleppnetzen kann der Meeresboden geschädigt werden. Artenzusammensetzung, Biomasse und Nahrungsgefüge können sich erheblich verändern. Der Einfluss der Kap-Seehechtfischerei auf den Meeresboden und seine Lebensräume ist jedoch noch nicht ausreichend untersucht, und weitere Forschung wird empfohlen. In der Zwischenzeit wurden einige stark befischte Gebiete geschlossen bis hier genauere Untersuchungen durchgeführt werden können. [7] [8] [455] [572] [573]

Biologische Besonder­heiten

Die Biologie sowie die räumliche und zeitliche Verbreitung der zwei Kap-Seehecht-Arten Merluccius capensis und M. paradoxus ist gut untersucht. Beide Arten sind entlang der gesamten südafrikanischen Küste verbreitet und werden inzwischen getrennt begutachtet. Eine Vermischung mit den Populationen vor Namibia (besonders M. paradoxus) ist möglich, aber nicht bewiesen. [454] [455]

Zusätzliche Informationen

Die Begutachtungs- und Managementeinheiten für den Kap-Seehecht haben sich mehrfach geändert. Aus einem einheitlichen südafrikanischen „Bestand“ wurden zunächst zwei nach Küste getrennte „Bestände“ (West- und Südküste, Arten gemischt). Seit 2005 erlaubt die Datenlage mit Hilfe mathematischer Modelle eine Trennung der Arten, und es erfolgt nun eine getrennte Begutachtung jeweils für die gesamte südafrikanische Küste (Kap-Seehecht flach (Merluccius capensis) und Kap-Seehecht tief (M. paradoxus)).
M. capensis und M. paradoxus sehen sich sehr ähnlich, und das angelandete und verarbeitete Produkt kann nur schwer nach Art identifiziert werden. Sie kommen daher unter dem gleichen Namen auf den Markt (in Deutschland als Seehecht oder Kap-Seehecht). Hauptexportmärkte sind Europa, Australien und die USA. [454]

Zertifizierte Fischereien

Eine Fischerei auf Kap-Seehecht (Merluccius capensis und M. paradoxus) ist nachhaltigkeitszertifiziert nach den Standards des Marine Stewardship Councils (MSC) (2011: alle Anlandungen der Schleppnetz-Fischerei, etwa 93% der Gesamtanlandungen). [4]

Soziale Aspekte

Die südafrikanische Kap-Seehechtfischerei ist die derzeit wichtigste Fischerei des Landes. Das gilt sowohl für den Ertrag als auch für die Anzahl der Arbeitsplätze. Es werden Fahrzeuge unterschiedlichster Größe eingesetzt, von kleinen Booten bis hin zu großen, auf See verarbeitenden Fabrikschiffen in der Hochsee-Fischerei. [454] [455] [535]

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