Bestandsdatenblatt

Nordsee-Steinbutt

Gültig 06/2020 - 06/2021

Nordsee-Steinbutt

Gültig 06/2020 - 06/2021

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Andere Bestände

Ostsee-Steinbutt

Zugehörige Fischart

Steinbutt

Allgemeine Informationen

Ökoregion:Nordsee
Fanggebiet:Nordsee (4) FAO 27
Art:Scophthalmus maximus

Wissenschaftliche Begutachtung

Internationaler Rat für Meeresforschung (ICES), Kopenhagen, www.ices.dk

Methode, Frequenz

Jährliche analytische Bestandsberechnung mit Vorhersage unter Verwendung von Fangdaten aus der kommerziellen Fischerei und zwei unabhängigen wissenschaftlichen Forschungsreisen. Alle vier Referenzwerte nach dem Vorsorgeansatz sind definiert (Bpa, Blim, Fpa, Flim). Die Referenzwerte nach dem Konzept zur Erlangung des höchstmöglichen nachhaltigen Dauerertrages (MSY) sind ebenfalls festgelegt (Fmsy, MSY-Btrigger). [1205] [1228]

Wesentliche Punkte

2020: Die Laicherbiomasse ist leicht angewachsen und liegt weit im grünen Bereich. Der Fischereidruck bleibt konstant und liegt somit im Rahmen des Vorsorgeansatzes, aber leicht über dem Referenzwert nach dem Konzept zur Erlangung des höchstmöglichen nachhaltigen Dauerertrages (Fmsy). [1205] [1228]

Bestands­zustand

Laicherbiomasse (Reproduktionskapazität)

  volle Reproduktionskapazität (nach Vorsorgeansatz)

  Referenzwerte nicht definiert (nach Managementplan)

  innerhalb der Schwankungsbreite um den Zielwert (nach höchstem Dauerertrag)

 

Fischereiliche Sterblichkeit

 nachhaltig bewirtschaftet (nach Vorsorgeansatz)
 

  Referenzwerte nicht definiert (nach Managementplan)

  übernutzt (nach höchstem Dauerertrag)

 

Bestands­entwicklung

Die Laicherbiomasse steigt seit 2005 und liegt seit 2013 über dem Referenzwert nach dem Konzept zur Erlangung des höchstmöglichen nachhaltigen Dauerertrages (MSY-Btrigger). Die fischereiliche Sterblichkeit hat seit Mitte der 1990er Jahre abgenommen und lag 2012 bis 2017 unter Fmsy, derzeit liegt sie aber knapp darüber. Die Nachwuchsproduktion variiert ohne deutlichen Trend. Nach einem Wert von 6.340 t in 1991 nahmen die Anlandungen ab und liegen in den letzten Jahren zwischen knapp 3.000 und 3.500 t. [1205] [1228]

Ausblick

Der Fischereidruck ist derzeit etwas zu hoch, die Fangmengen müssten daher reduziert werden. [1205] [1228]

Umwelt­einflüsse auf den Bestand

Steinbutt gilt als ortsgebundener Fisch, es gibt aber auch Hinweise auf Wanderverhalten. In der Nordsee wurden Wanderungen zwischen den Laich- und Aufwuchsgebieten im Südosten in nördlichere Gebiete beobachtet. Die älteren Fische sind toleranter gegenüber niedrigen Wassertemperaturen in der nördlichen Nordsee, wo es für die Jungfische zu kalt zum Überleben ist. [1205] [1228]

Wer und Wie

Die Bewirtschaftung von Nordsee-Steinbutt erfolgt durch die EU über eine Begrenzung der Anlandemenge (TAC). Der TAC schließt neben der Nordsee (EU-Gewässer von ICES-Gebiet 4) auch die EU-Gewässer von Gebiet 2.a ein und gilt für Steinbutt und Glattbutt gemeinsam. Die Bewirtschaftung erfolgt außerdem über technische Maßnahmen (z.B. Maschenweiten) und Aufwandsbeschränkungen. Außerdem gibt es freiwillige Mindestanlandelängen einiger Erzeugerorganisationen in einzelnen Mitgliedsstaaten (Belgien, Niederlande). [1205] [1228]

Differenz zwischen Wissen­schaft und Management

Für 2014 wurde die erste numerische Fangempfehlung für diesen Bestand gegeben. 2015 und 2016 lagen die Fänge über dieser wissenschaftlichen Empfehlung, seit 2017 liegen sie darunter. Ein Vergleich mit der festgesetzten Höchstfangmenge (TAC) ist nicht möglich, solange ein gemeinsamer TAC für zwei verschiedene Arten (Steinbutt & Glattbutt) festgelegt wird, was biologisch sinnlos ist. Die Bewirtschaftung von zwei Arten unter einem TAC verhindert die effektive Kontrolle der jeweiligen Fangmenge und kann zur Übernutzung einer oder beider Arten führen. [1205] [1228]

Karten

Verbreitungsgebiet

Managementgebiet

Nordsee-Steinbutt ist im ICES-Gebiet 4 (Nordsee) verbreitet. Eine Höchstfangmenge wird für die EU-Gewässer der ICES Gebiete 4 und 2.a gemeinsam mit Glattbutt festgelegt. [1177] [1205] [1228]

Anlandungen und legale Höchstfangmengen (TACs) (in 1.000 t)

Gesamtfang2019: 3,3; Anlandungen: 3,0, Rückwürfe: 0,2 (inkl. Anlandungen unter der Mindestgröße); davon 2018 Baumkurren 67%, Grundscherbrettnetze 25%, andere 8%
TACs (EU-Gewässer 2.a & 4, gemeinsam mit Glattbutt) 2009: 5,26   2010: 5,26   2011: 4,64   2012: 4,64   2013: 4,64   2014: 4,64   2015: 4,64   2016: 4,49   2017: 5,92   2018: 7,10   2019: 8,12   2020: 6,5   [1177] [1205] [1228]

IUU-Fischerei

Es gibt keine Hinweise auf illegale oder unberichtete Fänge von Steinbutt aus der Nordsee. [1205] [1228]

Struktur und Fangmethode

Steinbutt wird hauptsächlich als begehrter Beifang in der gemischten Fischerei auf andere Plattfische (vor allem Scholle und Seezunge) und Grundfische gefangen. Die gestiegenen Treibstoffkosten haben u.a. die Entwicklung treibstoffsparender Fangmethoden gefördert. So haben einige, vor allem niederländische Fahrzeuge im letzten Jahr auf Baumkurren mit weniger Bodenkontakt umgerüstet, bei denen Ketten durch Scheuchelektroden („Pulse trawl“) oder gezielte, feine Wasserströme („Sumwing“, „Hydroriggs“) ersetzt sind. Nach jetzigem Diskussionsstand ist der Einsatz von elektrischem Strom für den kommerziellen Fischfang, also auch Pulsbaumkurren, nach einem Beschluss des Europaparlamentes ab 01.07.2021 nicht mehr erlaubt, obwohl die Umweltauswirkungen dieser Fangmethode aus wissenschaftlicher Sicht geringer sind als bei herkömmlichen Baumkurren. Eine gerichtete Fischerei mit Kiemennetzen tätigt nur etwa 10 % der Anlandungen. Hauptfangnation von Nordsee-Steinbutt sind derzeit die Niederlande (~50-60%), gefolgt von Dänemark. [1205] [1228]

Beifänge und Rückwürfe

In EU-Gewässern der Nordsee fällt Steinbutt seit Januar 2019 vollständig unter das Anlandegebot. Aufgrund hoher Überlebensraten gilt derzeit (bis mindestens 31.12.2020) eine Ausnahme für Fänge mit Baumkurren (Maschenöffnung im Steert 80mm). Steinbutt ist selbst überwiegend Beifang, wenn auch ein sehr wertvoller. Der Rückwurf von Steinbutt in der Schleppnetz-Fischerei ist wahrscheinlich gering, von vermarktbaren Tieren insgesamt sehr unwahrscheinlich. Die Rückwürfe lagen 2013 bis 2015 zwischen 3,2 und 5,3% (bezogen auf den Gesamtfang), stiegen jedoch 2016 auf 16%, 2017 und 2018 waren es 12,6%, bzw. 13,4% und 2019 sanken die Rückwürfe wieder auf 7%. [750] [1165] [1205] [1228]

Einflüsse der Fischerei auf die Umwelt

Durch den Einsatz von Grundscherbrettnetzen und Baumkurren können Bodenlebensgemeinschaften geschädigt werden. Artenzusammensetzung, Biomasse und Nahrungsgefüge können sich erheblich verändern. Der Einfluss hängt aber auch von Fangmethode und Bodenstruktur ab. Auf sandigem Boden hat eine Studie in den USA nur einen geringen Einfluss durch Grundscherbrettnetze feststellen können. So waren zwar die Spuren der Scherbretter lange sichtbar (mindestens 1 Jahr), es konnten aber kaum signifikante Unterschiede in der Mikrotopographie der befischten und unbefischten Gebiete nachgewiesen werden. Auch bei strukturformenden und mobilen Wirbellosen zeigten befischte und unbefischte Gebiete keine signifikanten Unterschiede. Die Umweltauswirkungen von Pulsbaumkurren („Pulse trawls“) sind nach aktuellen Erkenntnissen geringer als die herkömmlicher Baumkurren. Dennoch werden sie zum 01.07.2021 verboten. Potentiell problematisch können auch Beifänge von Seevögeln und Meeressäugern in Stellnetzen sein. [7] [30] [208] [637] [808] [1148] [1205] [1213] [1228]

Biologische Besonder­heiten

Steinbutt ist einer der wenigen Meeresfische, die auch Brackwasser bewohnen. Er ist außerdem einer der am schnellsten wachsenden Plattfische. Steinbutt-Weibchen wachsen signifikant schneller als Männchen, und ihre altersspezifische Länge ist größer. Dies führt zu einer höheren fischereilichen Nutzung der weiblichen Fische. [1205] [1228]

Zusätzliche Informationen

Knapp 90% der Steinbuttfänge im Nordostatlantik einschl. der Ostsee werden in der Nordsee getätigt. Steinbutt gilt neben der Seezunge als wertvollster Plattfisch. [14] [1205] [1228]

Zertifizierte Fischereien

Bislang ist keine Fischerei auf Steinbutt in der Nordsee nach einem der gängigen Nachhaltigkeitsstandards zertifiziert.

Soziale Aspekte

Die Fahrzeuge fahren unter den Flaggen der Anrainerstaaten, die Arbeitsbedingungen an Bord und die Entlohnung erfolgt daher nach deren Regeln. [1205] [1228]

Marktdaten

2022 (vorl.): Verbrauch in Deutschland: 286 t (2021: 385 t), Marktanteil (Fische, Krebse, Weichtiere): 0,03 % (2021: 0,03 %) [13] [14]

Anlandungen (in 1.000 t)Fänge (in 1.000 t)Laicherbiomasse (in 1.000 t)Laicherbiomasse ZustandFischereiliche SterblichkeitAnmerkungen (insbesondere Managementplan)Gültigkeit
Kattegat/Skagerrak (3.a) 0,1 0,2 - Biomasse nur relativ angegeben 06/2023 -
06/2024
Nordsee (4) 2,7 2,8 8,7 - 06/2022 -
06/2023
Ostsee (22-32) 0,1 0,3 - Anlandungen 2023 05/2024 -
05/2025

Klassifizierung nach dem Ansatz des höchstmöglichen nachhaltigen Dauerertrages (MSY), durch den ICES bis 2020 oder analog zu dessen Einteilung:

SymbolBiomasseBewirtschaftung (fischereiliche Sterblichkeit)
innerhalb der Schwankungsbreite um den Zielwertangemessen oder unternutzt
außerhalb der Schwankungsbreite um den Zielwertübernutzt
Zustand unklar, Referenzpunkte nicht definiert und/oder unzureichende DatenZustand unklar, Referenzpunkte nicht definiert und/oder unzureichende Daten
AutorJahrTitelQuelle
[7]Kaiser MJ, Ramsay K, Ramsay K, Richardson CA, Spence FE, Brand AR2000Chronic fishing disturbance has changed shelf sea benthic community structure Journal of Animal Ecology 69:494-503
[13]Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE)Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) Homepageble.de
[14]Fisch-Informationszentrum e.V. (FIZ)Fisch-Informationszentrum e.V. Homepagefischinfo.de
[30]Food and Agriculture Organization (FAO)FAO. © 2003-2010. Fisheries Topics: Technology. Fish capture technology. In: FAO Fisheries and Aquaculture Department [online]. Rome. Updated 2006 15 09.[Cited 10 June 2010]fao.org
[208]Bellebaum, J2011Untersuchung und Bewertung des Beifangs von Seevögeln durch die passive Meeresfischerei in der Ostsee. BfN-Skripten 295 Bundesamt für Naturschutz, ISBN 978-3-89624-030-9, www.bfn.de
[637]Soetaert M, Decostere A, Polet H, Verschueren B, Chiers K2015Electrotrawling: a promising alternative fishing technique warranting further exploration Fish and Fisheries, 16.1:104–124
[750]Europäische Union (EU)2013Verordnung (EU) Nr. 1380/2013 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 11. Dezember 2013 über die Gemeinsame Fischereipolitik und zur Änderung der Verordnungen (EG) Nr. 1954/2003 und (EG) Nr. 1224/2009 des Rates sowie zur Aufhebung der Verordnungen (EG) Nr. 2371/2002 und (EG) Nr. 639/2004 des Rates und des Beschlusses 2004/585/EG des Rateseuropa.eu
[808]James Lindholm J, Gleason M, Kline D, Clary L, Rienecke S, Cramer A, Los Huertos M2015Ecological effects of bottom trawling on the structural attributes of fish habitat in unconsolidated sediments along the central California outer continental shelf Fishery Bulletin 113:82-96
[1148]Europäische Union (EU)2019VERORDNUNG (EU) 2019/1241 DES EUROPÄISCHEN PARLAMENTS UND DES RATES vom 20. Juni 2019 mit technischen Maßnahmen für die Erhaltung der Fischereiressourcen und den Schutz von Meeresökosystemen, zur Änderung der Verordnungen (EG) Nr. 2019/2006, (EG) Nr. 1224/2009 des Rates und (EU) Nr. 1380/2013, (EU) 2016/1139, (EU) 2018/973, (EU) 2019/472 und (EU) 2019/1022 des Europäischen Parlaments und des Rates sowie zur Aufhebung der Verordnungen (EG) Nr. 894/97, (EG) Nr. 850/98, (EG) Nr. 2549/2000, (EG) Nr. 254/2002, (EG) Nr. 812/2004 und (EG) Nr. 2187/2005 des Rateseuropa.eu
[1165]Europäische Union (EU)2020DELEGIERTE VERORDNUNG (EU) 2020/2014 DER KOMMISSION vom 21. August 2020 mit Einzelheiten zur Umsetzung der Anlandeverpflichtung für bestimmte Fischereien in der Nordsee im Zeitraum 2021-2023europa.eu
[1177]Europäische Union (EU)2020Verordnung (EU) 2020/123 des Rates vom 27. Januar 2020 zur Festsetzung der Fangmöglichkeiten für 2020 für bestimmte Fischbestände und Bestandsgruppen in den Unionsgewässern sowie für Fischereifahrzeuge der Union in bestimmten Nicht-Unionsgewässern, ST/15319/2019/INITeuropa.eu
[1205]ICES2020Working Group on the Assessment of Demersal Stocks in the North Sea and Skagerrak (WGNSSK). ICES Scientific Reports. 2:61. 1140 pp. http://doi.org/10.17895/ices.pub.6092ices.dk
[1213]ICES2020Request of the Netherlands on the ecosystem and environmental impacts of pulse trawling for the sole (Solea solea) fishery in the North Sea. In Report of the ICES Advisory Committee, 2020. ICES Advice, 2020, sr.2020.03. https://doi.org/10.17895/ices.advice.6020.https://doi.org/10.17895/ices.advice.6020
[1228]ICES2020Turbot (Scophthalmus maximus) in Subarea 4 (North Sea). In Report of the ICES, Advisory Committee, 2020. ICES Advice 2020, tur.27.4. https://doi.org/10.17895/ices.advice.5914.ices.dk